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Ein Auftakt nach Maß
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Ein Auftakt nach Maß

Ein Auftakt nach Maß

Ein gelungener Start in die Champions League mit einem glänzend aufgelegten Gästeblock und drei Toren durch Simakan, Schlager und Šeško. Trotz kurzen Leipziger Schwächephasen in beiden Halbzeiten war es ein verdienter Sieg für den einzig wahren Rasenballsport.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Gegen Augsburg hatten die Rasenballer die zweite Halbzeit im Schongang gespielt und die Drei-Tore-Führung ein klein wenig zu sorglos nach Hause geschippert. In Anbetracht der Verletzungssorgen und den anstehenden Doppelspielwochen sowie der absolvierten Länderspielpause ein durchaus nachvollziehbarer Ansatz, der aber auch bei Rose keine Begeisterungsstürme entfachte.

Beim Champions League Auftakt in Bern hieß es mal wieder: never change a winning team! Noch ist Rose nicht zur Rotation gezwungen, die Beine sind frisch und daher der Bedarf an Belastungssteuerung gering. Einzige Veränderung war die Besetzung der Bank, wo Moriba fehlte, da er nicht im Champions League-Kader stand. Bei YB saßen Lustenberger und Topgoalgetter Nsame zum Start auf der Bank.

 

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Dreisatz des Spiels

Stark begonnen, dann zusehends nachgelassen und nach der Kabinenpredigt wieder das Heft des Handelns in die Hand genommen sowie am Ende noch ein wenig gezittert. Trotz eines überschaubar guten Schiedsrichters und den bekannten Ausfällen steckte RBL die Rückschläge des Spiels weg und fand wieder zu seiner Stärke. Wie aktuell üblich waren unsere Rasenballer schwer auszurechnen und sechs verschiedene Scorer konnten sich auf dem Scoreboard eintragen. Auch wenn die Defensive zeitweise etwas bröckelte, so standen am Ende lediglich drei Schweizer Abschlüsse auf Blaswichs Kasten. Bei Ballbesitz und Passeffizienz war jedoch Luft nach oben.

 

Keiner freut sich so schön wie Simakan!

 

Neu im Bullenstall

Immer wieder erstaunlich wie gut und schnell hier der Umbruch gemanagt wurde und die Mannschaft zu einem echten Team zusammengewachsen ist. Die Neuen machen Spaß und bringen ihre Qualitäten gut ein. Über allem schwebt ein spielfreudiger Xavi den die derzeitige Verantwortung nicht zu belasten scheint. Er haderte in Bern hauptsächlich mit dem Schiedsrichter und dies ggf. auch etwas zu sehr, was am Ende nur in noch mehr gegenteilige Entscheidungen zu münden schien. Ultimativ war er letztlich aber oft nur mit unfairen Mitteln zu stoppen.

Openda hatte zwar die meisten und größten Chancen, vergab aber seine Möglichkeiten, dennoch war er ein belebendes Element und ist aus gutem Grund derzeit gesetzt. Heißer Markenzeichenanwärter ist die Lösung von Situation durch schnelle Drehung um die eigene Achse.

 

Hier und da noch etwas wacklig, aber mit tollen Pässen!

 

Šeško war als Einwechsler erneut erfolgreich und sammelt Pluspunkte für einen sicher bald folgenden Startelfeinsatz. Dabei profitierte er aber auch von einem starken Henrichs, der in der Nachspielzeit die Entscheidung einleitete. Davor hatte der Slowene einige Ansätze und Möglichkeiten nicht konsequent zu Ende gespielt. Baumgartner in den letzten Minuten weniger auffällig, auch weil Bern nach dem 2:1 nochmal versuchte den Ausgleich zu erzielen. Während für Carvalho nur die Bank blieb, bekam Lenz ein paar Minuten kurz vor Spielende, was ihn derzeit auf eine Stufe mit Werner stellt – wer hätte das vor der Saison so prognostiziert.

Einige Augen dürften aber auf Lukeba geruht haben, der nach dem FCA die nächstgrößere Hürde als Bewährungsprobe meistern durfte. Sein Pass schickte in der 52. Xavi auf die Reise in den Strafraum, wo dieser dann beim Aufreger des Spiels zu Fall kam. Offensiv war das die Sahnehaube auf einem passtechnisch guten Spiel. Nicht ganz so gut war das Stellungsspiel Lukebas, bei dem er ein paar Unsicherheiten drin hatte.

 

Man of the Match Trophäe wird zur Dauerleihgabe.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Kampl: Der Altmeister in seinem dritten Frühling. Irgendwie hat der Hunger auf Titel Kampl seit der letzten Rückrunde beflügelt. Nach Orbáns Ausfall zudem in der noch wichtigeren Rolle als Kapitän pirouettiert er nun weniger, auch wenn er dieses stilprägende Element immer noch, aber dafür zielführender einsetzt. Derzeit im zentralen Mittelfeld ein echter Leader mit guten Zweikampfwerten und starken Passquoten (meiste Keypässe mit Xavi). Er gab die Vorlage zum 2:1 ab, nach der Schlager viel Platz hatte den Hammer rauszuholen. Stark im Verbund mit dem Österreicher in der zweiten Hälfte, aber nicht ganz so gut im ersten Durchgang als RBL zeitweise der Zugriff fehlte.

Henrichs: Wie Kampl auch eine Überraschung, besonders was Stabilität, Zweikampfstärke und Offensivdrang anbelangt. Tolle Vorlage zum 3:1 und das nach mehr als 90 anstrengenden Minuten in den Beinen. Meiste Tacklings und meiste Zweikämpfe auf Leipziger Seite.

Xavi: Schon im Vorstellungsartikel hatten wir spekuliert, dass er vom Skillset am ehesten den scheidenden Nkunku ersetzen würde können und die Prognose stellt sich immer mehr als korrekt heraus. Dribbling, Spielfreude, für jeden Zweikampf zu haben und dabei das Auge für den Nebenmann. Auch ohne direkte Torbeteiligung war Xavi wieder einer der Leipziger Aktivposten, der die meisten Dribblings ansetzte, die meisten Zweikämpfe gewann und die meisten Pässe ins letzte Drittel spielte.

 

Keiner leidet so schön wie Xavi!

 

Luft nach oben

Richtig abgefallen ist kein Leipziger. In der Abwehr war Lukeba defensiv nicht immer sicher. Im Mittelfeld fehlte Forsberg etwas der Impact seiner Mitspieler und im Sturm hatte Openda etwa Pech am Schuh. Am Ende kann der verletzungsbedingt schmaler werdende Leipziger Kader aber auch solche Problemchen abfangen. Trifft eben Schlager mit dem Glücksschuss, macht Simakan den Standard, rettet Blaswich dir den Hintern oder wird am Ende doch noch der entscheidende Konter gesetzt. Das Spiel hatte seine möglichen Kippmomente aber derzeit schlägt das Pendel hier oft zu Leipzigs Gunsten aus. Auch weil es Eberl und Rose gelungen ist die Spitze auf breitee Schultern zu stellen, trotz der Topabgänge.

Tweet des Spiels

Schöner Fanmarsch durchs beschauliche Bern.

 

Champagner statt Bier – die Fans

Super Stimmung im Neubau des WM Finalstadions von 1954. Dort wo die Fans vor fast 70 Jahren Rahns Schuss aus dem Hintergrund bejubelten, war es dieses Mal Schlager, der die Weichen aus dem Rückraum auf Sieg stellte. Nicht ganz so historisch aber dennoch ebenso frenetisch gefeiert. Ein starkes Zeichen auch der Fanmarsch, der in kürzester Zeit volle Gästeblock und natürlich die Auswärtschoreo.

Die Gastgeber deutlich fairer als andere Vereine mit ähnlichen Vereinsfarben, auch wenn ein Hinweis auf eine Versuchte Red Bull-Übernahme die Runde machte. Hinter dem Schwyzerdütsch die übliche Heilsgeschichte von der Rettung in letzter Sekunde aus den Dosenklauen. Hätte es Red Bull bei allen die angeblich hätten übernommen werden sollten ernst gemeint, gäbe es in jeder Profiliga im DACH-Raum mindestens ein halbes Dutzend Vereine.

 

Beste Stimmung im Gästeblock.

 

Pfeife des Spiels

Ein Albtraum aus Albanien. Einige schwer zu verstehende Entscheidungen und ein Spiel ohne klare Linie. Leipziger wurden quasi Reihenweise für Belanglosigkeiten verwarnt (Kampl, Xavi, Forsberg) während die Hausherren sogar im Strafraum das Bein in den Laufweg ausfahren durften. Am Ende unwichtig, aber souverän und nachvollziehbar ist was anderes.

 

Besser in Leipzig der Strahlemann als in München als Trauerkloß!

 

Aufgefallen

1)      Nur vier Leipziger Spieler mit über 100 Einsatzminuten sind in dieser frühen Phase der Saison noch ohne direkte Torbeteiligung (davon zwei Innenverteidiger). Diese Verteilung der Tore könnte ein Rekord bei RBL sein, der Leipzig extrem unberechenbar für die Gegner macht und zeigt, dass Eberl das Sommertransferfenster gut genutzt hat. Vieles sieht dabei zielführend und auf positive Weise schnörkellos aus. Der große Verlierer dieses Überangebots ist derzeit Werner, den Rose versucht behutsam wieder aufzubauen. Wenn es ihm gelingt die Spielfreude seiner Mitspieler aufzusaugen, wird es für ihn hoffentlich leichter zu alter Stärke zurückzufinden.

2)      Sehr stark begonnen und dann nach gut einer Viertelstunde immer mehr nachgelassen. Die ersten fünf Minuten kickte die Offensive wie im Rausch, war Bern mit dem einen Gegentreffer gut bedient. Danach fehlte zusehends der Zugriff im Zentrum, wurden die Bälle immer leichter hergeschenkt und die Konter schlecht ausgespielt. Das änderte sich erst nach der Pause wieder. Was an sich eine sehr gute Reaktion auf schwächelnde Leistung im ersten Durchgang war. Aber wie gegen den FCA gilt: stärkere Teams bestrafen solche Phasen eher und da Leipzig momentan in diesem Mannschaftsteil die Alternativen fehlen, gilt es hier den größten Trainingsfokus zu setzen.

 

Die Blitzstartexperten.

 

3)      Auch gegen Bern weniger Ballbesitz. Hier zeigt sich, dass RBL teilweise zu den älteren rangnickscheren Ansätzen zurückkehrt und weniger auf unergiebigen Ballbesitz setzt. Solange die Defensive das gut wegverteidigt sicher ein Ansatz, der eben auch zu den gewünschten Umschaltmomenten führen kann. Derzeit ist die Abwehr aber nicht immer sattelfest. Ballbesitz wird jetzt viel mehr phasenweise eingesetzt und ist nicht mehr reiner Selbstzweck.

4)      Zwei Champions League Torpremieren konnten gefeiert werden. Šeško erzielte ohne großen Jubel seinen ersten Treffer in der Königsklasse und auch Schlager schlug beim Premierentreffer zu. Warum Šeško nicht feierte ist nicht bekannt, der Österreicher freute sich dafür umso mehr.

 

Kein U des Todes mehr in der Passmap.

 

5)      Vor nicht ganz einem Jahr verletzte sich Gulácsi bei Roses ersten Champions League-Sieg gegen Celtic. Silva traf doppelt und nur vier Spieler der gestrigen Startelf standen auch damals von Beginn an auf dem Feld. Das verdeutlicht sehr schön, was für einen Umbruch Rose gerade managen muss.

6)      Die Junioren gewannen unter den Interimstrainern Sebastian Heidinger und Marvin Compper ebenfalls ihren Auftakt mit 3:1 und sorgten so für den erst vierten Youth League Sieg im 25. Spiel. Erstmal wurde in diesem Wettbewerb ein Auftakt gewonnen.

 

Die Pressekonferenz nach dem Spiel.

 

Leipzig surft weiter die Erfolgswelle und legt den erhofften Start in die Champions League-Saison hin. Der Auswärtsdreier immens wichtig, um das Ziel Achtelfinale zu erreichen. Mit City, die gegen Belgrad kurz wankten, teilt RBL sich nun den ersten Platz in der Gruppe.

Während die Offensive lediglich ein paar Tagesformprobleme haben kann und aktuell auch ohne Olmo recht gut geölt läuft, so gilt es für Rose die aktuellen Schwachstellen in den folgenden englischen Wochen im Blick zu halten. Eine gute halbe Stunde gab Bern den Ton an (ähnlich wie Augsburg in der zweiten Hälfte), da fehlte ein wenig die Struktur und wackelte die Defensive.

Besonders interessant könnte die geringe Rotation nun gegen Teams werden, die unter der Woche regulär trainieren können, wie beispielsweise Mönchengladbach oder Bochum.

 

Eine klare Angelegenheit.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLUEFAFotMobfbref

 

Statistik
BSC Young Boys: Racioppi – Janko (69. Blum), Amenda, Camara (C), Benito – Niasse (85. Nsamé), Lauper (77. Males), Garcia (77. Persson), Ugrinic – Elia, Itten (70. Ganvoula)
Bank: Von Ballmoos, Marzino – Lakomy, Imeri, Chaiwa, Lustenberger, Monteiro RB Leipzig: Blaswich – Henrichs, Simakan, Lukeba, Raum – Kampl (C), Schlager – Xavi (88. Werner), Forsberg (80. Baumgartner) – Poulsen (64. Šeško), Openda (88. Lenz)
Bank: Gulácsi – Seiwald, Carvalho, Köhler
Schiedsrichter: Enea Jorgji (Albanien)
Tore: 0:1 Simakan (3.), 1:1 Elia (33.), 1:2 Schlager (73.), 1:3 Šeško (90.+2)
Torschüsse: 8 / 21
Schüsse aufs Tor: 3 /9
expected Goals: 0,47 / 2,18
Passquote: 82% / 79%
Zweikampfquote: 40% / 60%
Ballbesitz: 55% / 45%
Laufleistung: 118,9 km / 118,6 km
Fouls: 12 / 13
Ecken: 3 / 7
Abseits: 3 / 3
Gelbe Karten: Benito (1), Blum (1), Lauper (1) / Kampl (1), Simons (1), Forsberg (1), Simakan (1)
Zuschauer: 31.500 (ca. 1.700 Leipziger)

Rumpelstilzchen