Strafstoßdesaster gegen die Elferkette Bochum
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach zwei, nimmt man noch das wilde Pokalspiel dazu, drei Spielen gegen schwere Aufgaben ging es nun vor der Länderspielpause, die ja für die meisten RB Spieler keine Pause ist, gegen Kellerkind Bochum in das eckige Runde. 10 Gegentore holte der Bochumer Keeper in den letzten zwei Ligaspielen hinter sich aus dem Netz. Die Leipziger trafen hingegen bereits 2,7 mal pro Spiel. Klare Vorzeichen in Leipzig. Jedoch waren die letzten drei Spiele kraftraubend und in den drei letzten Hälften lief man fast ausschließlich dem Ball hinterher. Würde nun noch einmal ein Kraftakt die erwünschten drei Punkte und den Anschluss an die Tabellenspitze bringen?
WILLI #ORBAN BLEIBT BIS 2027!
— RB Leipzig (@RBLeipzig) October 6, 2023
Willi #Orban verlängert vorzeitig seinen Vertrag bei den Roten Bullen bis 2027! Damit peilt unser Kapitän, der im Sommer 2015 nach Leipzig gewechselt war, sein zwölftes Jahr bei RB Leipzig an.
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Willi wird noch viele Spiele vor dem Spiel bei RB bestreiten.
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Dreisatz des Spiels
Rose kündigte es an. Rose sollte Recht behalten. Es war das typische Handballspiel im Fußball gegen einen Gegner, der sich nicht locken ließ und stur in der Defensive verweilte. Großartige Chancen konnte sich RB - noch müde gespielt von Manchester City am Mittwoch mit fehlender Frische im Kopf und verhärteten Beinen - nicht erspielen. Mit viel kreativlosen Ballbesitz sollte auch der Gegner in den Leipziger Müdigkeitszustand versetzt werden, was jedoch nicht gelang.
Zwei riesige Großchancen gab es dann doch, Großchancen die man selten doppelt in einem Spiel bekommt, außer es ist Pokal und Elfmeterschießen. Der Schiedsrichter zeigte zweimal auf den Elfmeterpunkt. Doch die Müdigkeit sprach auch bei den Strafstößen Bände. Xavis Abschluss ähnelte einer Rückgabe, auch Forsbergs, Leipzigs Nummer 1 vom Punkt, Schuss flog nicht wie üblich unhaltbar knapp am Pfosten ins Tor. Die bisher zu hohe Effizienz der Leipziger bis zu diesem Spieltag wurde durch die eigene Schwäche sensationell geerdet.
Ansonsten war es schwere Kost. Den Leipzigern fiel nicht viel ein. Keine Einzelaktion, kein Glückstreffer, kaum eine Flanke überzeugte. Die individuelle technische Überlegenheit sah man nicht. Damit verlor man zwei wichtige Punkte, spielte aber zum vierten mal zu Null, weil die Bochumer auch kaum eigene offensive Aktionen kreierten und Jungblut Lukeba selbst eigene kleine Fehler wie eine alter Hase ausbügelte. Sehr ärgerlich, da mit den Strafstößen mehr drin war und nicht ein Leipziger mal den Weitschuss auspackte.

Forsberg als Heilsbringer eingewechselt, vergibt dann leider auch den Strafstoß.
Neu im Bullenstall
Von den Fans gewünscht und der Rotation entsprechend, brachte Rose Sesko und Baumgartner für Forsberg und Poulsen. Simakan durfte oder musste erneut als RV ran, da Henrichs weiter verletzt ist, was ihm auch die Nominierung für die Nationalmannschaft kostete. Neben Schlager reihte sich auf der Sechs Kampl ein. Seiwald saß dafür auf der Bank, auf der weiterhin Orban, Olmo, Bitshiabu und Henrichs nur in Zivil Platz nehmen dürfen. Drei fehlende Stammspieler waren damit zu ersetzen. Rose brachte diesmal zu Beginn viel Jugend und ließ sie gegen Bochum forschen.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Kampl: War der Spieler vor der Abwehr mit den meisten Ballaktionen. Sein Pässe kamen auch gewohnt zu 96% beim Mitspieler an. Hatte aber kaum den Platz, um mal richtig aufzudrehen, hat aber statistisch die Nase vorn.
Lukeba: Ohne echte Probleme gegen die Bochumer Stürmer. War mit den Sechsern und Klostermann am Aufbau beteiligt. Was bei langen Bällen auch recht hübsch aussah, aber von den Stürmern oder 10nern nicht genutzt werden konnte. Aufgrund der tiefstehenden Bochumer dribbelte er auch ein einige Male sehr ansehnlich ins Mittelfeld und passte auf Kamplniveau mit 96% die Mitspieler an. Mit jedem weiteren Spiel beißt er sich auf der linken Innenverteidiger-Position sicher fest.
Klostermann: Ein Spiel, das keine offensiven Helden hervorbrachte, aber stehts wache Abwehrspieler brauchte, um eine unglückliche Niederlage zu verhindern. Lukas war wach und reiht sich statistisch bei den oben Genannten ein. Mehr erwartet man nicht von einem Innenverteidiger. Trotzdem war er es, der als einer der wenigen aus dem Spiel heraus einen Schuss aufs Tor brachte. Winkel und Entfernung verhinderten aber, dass man von einer Großchance sprechen konnte.

An der Abwehr liegt es selten.
Luft nach oben
Sesko: Wirkte wie bereits gegen Gladbach, etwas zu eigensinnig und als Neuner unbeholfen. Muss hier reinwachsen, da er zukünftig die Rolle vollständig übernehmen soll und will. Allein von guten Jokereinsätzen wächst man nicht. Da er technisch deutlich begabter als Poulsen ist, muss er dem im Anlaufen und Kämpfen mehr nacheifern. Dazu gehört auch den Ball mal uneigennützig klatschen zu lassen.
Baumgartner: Konnte sein erstes Spiel von Beginn an machen, braucht aber weitere Spiele, um die Form aus Hoffenheim zu erreichen. Die lange Verletzungsphase steckt noch in den Beinen. Hat auch noch ein paar Abstimmungsprobleme mit den Mitspielern. Wäre einer der wenigen, den die Länderspiele zur Formfindung helfen könnten. (Der Rest benötigt eher eine Pause.)
Xavi: Hängt ein wenig durch. Auch weil er unbedingt sein Tor und seine Aktion haben möchte. Der vergebene Elfer war dann der puren Müdigkeit geschuldet. Hängt sich trotzdem immer rein und wird auch zukünftig wichtig bleiben. Bräuchte aber sichtbar ein Pause, damit der Kopf und die Beine wieder mehr Spielwitz versprühen.
Champagner statt Bier – die Fans
Das Spiel konnte man im Ticketbundel mit dem Spiel gegen Manchester City kaufen. Wodurch die Unattraktivität die Bochum für einige Leipziger Stadionbesucher und Dauerkartenbesitzer grundsätzlich seit Jahren ausstrahlt, noch potenziert wurde. Viele No-Show-Rate-Plätze waren somit wieder unbesetzt. Das zähe Spiel brachte auch bei einigen unberechtigten Unmut auf, der in Pfiffen und vorzeitigen Verlassen des Stadions mündete. Da erwartet man bei einigen doch zu viel von dieser Mannschaft und ist wohl leider nur bei Erfolg "Immer Leipzig". Wie reagieren diese Fans, sollte Rasenballsport tatsächlich einmal eine große langfristige Krise erleiden und nicht nur den Kauf neuer Spieler und einen Ersatz für einen Trainer benötigen, sondern auch auf den Support und Rückhalt der Fans hoffen muss? Der harte Kern feierte die sichtlich Trost benötigende Mannschaft am Ende berechtigterweise dennoch.
Danke für euren starken Support, #RBLFans 🫶#RBLBOC pic.twitter.com/5oFwCowH4N
— RB Leipzig (@RBLeipzig) October 7, 2023
Pfeife des Spiels
Die beiden gepfiffenen Elfmeter kann man geben. Entscheidende Berührungen lagen zweimal sichtbar vor. Beim Foul an Poulsen gab es da nicht mal mehr die Möglichkeit des Ermessens. Doch stellt sich hier dem Schiedsrichternovizen die Frage, ob der Referee in der Situation nicht eine Gelbe für den Foulenden ziehen musste. Eine Doppelbestrafung lag doch nicht vor, da der Spieler mit der Gelb-Roten Karte nicht als Folge des Strafstoßes den Platz hätte verlassen müssen, sondern aufgrund zu vieler spielentscheidender Fouls.
Grundsätzlich pfiff Neuling Gerach in seinem zweiten Bundesligaspiel und dem ersten mit Leipziger Beteiligung recht solide. Die defensiven Bochumer erhielten bezogen auf ihre harten Spielweise deutlich mehr berechtigte gelbe Karten. Unfaires Spiel wurde auf beiden Seiten ausgewogen unterbunden.
Am Schiedsrichter Gerach lag es nicht, dass das diesmal behäbige RB zwei wichtige Punkte für den Anschluss zur Spitzengruppe verloren hat. Zweimal gab er zurecht dem insgesamt besseren Leipzigern die Möglichkeit das Spiel gerecht zu entscheiden. Die Chance vom Elferpunkt nutzten die Leipziger jedoch bekanntermaßen zweimal nicht.

Foul oder oder kein Foul ist hier die Frage?
Aufgefallen
1) Sesko in der Startelf ist noch kein Allheilmittel. Nach seinen spektakulären Einwechslungen und Toren kocht bei der Fangemeinschaft immer wieder der Wunsch hoch, dass der schlaksige Stürmer von Beginn an gegen den Ball tritt. Aber dafür sahen diese Einsätze bisher doch noch zu harmlos aus. Er spielt kaum den Neuner, der mit seiner Größe Bälle fest machen oder aussichtsreich weiterleiten kann. Dazu wurde gegen Bochum zu oft Openda genötigt, der damit seiner eigenen taktischen Positionierung beraubt wurde. Poulsen spielt den Neuner bisher deutlich besser und setzt somit Xavi oder Openda ins richtige Licht. Ihm fehlt jedoch der Zug zum Tor und das Glück davor. Es verwundert somit nicht, dass die gesamte Transferperiode das Gerücht umging, Leipzig suche einen weiteren Neuner. Tatsächlich hat man aktuell zwei, die jeweils nur die Hälfte eines reinen Neuners auf das Feld bringen.
2) Es ist ein Novum in der Leipziger Geschichte, dass zwei Elfmeter im laufenden Spiel vergeben wurden. Riemann wird zwar in den Sportmedien für die zwei gehaltenen Strafstöße gefeiert, schaut man sich die Ausführung der Elfer jedoch an, waren beide sehr schwach geschossen. Damit geht man mit 2,55 xGoals aus dem Spiel, aber mit 0 tatsächlichen Treffern. Diese Harmlosigkeit erinnert eher an vergangene Saisons und war bisher in dieser Spielzeit eher kein Leipziger Manko.
3) Insgesamt muss man sich noch nicht um Leipzig sorgen. Mit 14 Punkten nach 7 Spielen ist RB so gut in die Saison gestartet, wie in den Spielzeiten, in denen man recht sicher die Champions League Plätze erreicht hat. 2 Punkte pro Spiel holte man bis jetzt im Schnitt. Das wären zum Saisonende 68 Punkte nach 34 Spieltagen. Diese Punkteausbeute hätte seit dem Aufstieg in die Bundesliga jedes Mal mindestens zu Platz 3 gereicht. Angst machen sollten auch noch nicht die Höhenflüge von Hoffenheim, Wolfsburg und Stuttgart. Jede Saison beißen sich zur Hinrunde zwei bis drei Überraschungsteams oben fest. Hoffenheim ist da ein bekannter Gast. Die meisten derartigen Hinrundenüberflieger schaffen es jedoch sehr selten, sich bis zum Saisonende oben zu halten. Auch hier kennen sich die Hoffenheimer, aber auch Wolfsburg, gut aus. Leipzig spielte dagegen außer in drei Hin- oder Rückrunden immer konstant.
4) Der Wunsch vieler Fans auf die Meisterschaft war und ist vermessen. Der vollzogenen Umbruch war zu groß. Einige neue junge Spieler benötigen mindestens diese Saison, um richtig Fuß zu fassen, andere verlassen RB dann wohl bereits wieder. Das Team ist zwar in der Breite deutlich größer als in der Vorsaison aufgestellt, doch nicht jeder Spieler kann nur ansatzweise den Stammelfspieler ersetzen. Moriba spielt überhaupt keine Rolle, was aber ein anderes Thema ist. Bei Verletzungen einiger Stammspieler mangelt es schnell an Erfahrung und Durchsetzungskraft im Team. Rose holt dennoch viel aus der Mannschaft heraus und kann, wie er in Interviews äußerte, zu recht positiv auf die bisherige Saisonleistung schauen. Die Ziele wurden von Rouven Schröder klar gesteckt. Am Ende soll das Team einen Champions League Platz erreichen. Mit diesem Ziel sollten sich die Fans auch anfreunden.
5) Raum spielt bisher eine starke Saison. Gemessen wird er immer noch an seiner Saison als Flügelspieler bei Hoffenheim. In seiner ersten Saison bei RB musste er dann als klarer RV spielen. Besonders durch seine fehlende Defensivstärke verlor er gegen den deutlich älteren und langsameren Halstenberg das Rennen um den Stammplatz. An diesem Problem hat er deutlich gearbeitet. Mit 60% im Bodenzweikampf und 82% im Luftzweikampf ist er in dieser Saison deutlich besser als in der Vorsaison und auch deutlich besser als Halstenberg in seiner letzten Saison. Ansonsten waren seine Ecken und Flanken zuletzt auch immer eine Waffe. Dass ihm nun gegen Bochum in diese Richtung nicht viel gelang, war bisher eine Ausnahme und lag nicht nur an ihm.
Die Pressekonferenz.
Jetzt geht es in die Länderspielpause, die für viele müde Leipziger keine Pause bringen wird. Die Verletzungsgefahr bei müden Beinen und müder Entscheidungsfindung ist dementsprechend höher. Die reisenden Nationalspieler werden auch nicht dem Training am Cottaweg beiwohnen können. Während den letzten 7 Spielen in 22 Tagen, vielen Reisen und notwendigen Regenerationszeiten gab es wenig Trainingszeit. Eine Auffrischung von Spielabläufen, Taktiken und Positionstreue wäre angebracht. Besonders junge und neue Spieler benötigen Trainingsinput, um fehlerhaftes Verhalten im Spiel nicht zu verfestigen.
Aus der Verletztenliste könnten Henrichs und Olmo wieder zum Kader stoßen. Beide wurden besonders beim Spiel gegen Bochum schmerzlich vermisst. Das nächste Spiel findet am 21.10.2023 in Darmstadt an. Ein unangenehmer Gegner, der ähnlich wie Bochum auftreten könnte und nach einigen Erfolgen mit breiter Brust auf RB wartet. Zudem werden die 98er ausgeruht und ausreichend vorbereitet ins Spiel gehen. Trotzdem sollte RB hier gewinnen.
Mein Tipp: 2:0 für Leipzig
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
RB Leipzig: Blaswich - Simakan, Klostermann, Lukeba, Raum - X. Schlager (78. Carvalho), Kampl, Baumgartner (57. Forsberg), Xavi (78. Werner) - Openda (78. Haidara), Sesko (57. Poulsen)
Bank: Gulacsi, Lenz, Ilaix Moriba, Seiwald, Forsberg, Poulsen, Werner, Haidara, Carvalho
VFL Bochum: Riemann - Ordets, K. Schlotterbeck, Bernardo - Gamboa (72. Loosli), Losilla, Osterhage (88. Masovic), Danilo Soares, Stöger, Asano (82. Antwi-Adjei) - Paciencia (72. Kwarteng)
Bank: Thiede, Wittek, Daschner, P. Förster, P. Hofmann, Loosli, Kwarteng, Antwi-Adjei, Masovic
Schiedsrichter: Gerach, Timo (Landau)
Tore: 0:0
Torschüsse: 17 / 9
Schüsse aufs Tor: 5 / 2
expected Goals: 2,55 / 0,37
Passquote: 89% / 60%
Zweikampfquote: 51% / 49%
Ballbesitz: 77% / 23%
Laufleistung: 114,26 km / 113,92 km
Sprints: 209 / 182
Fouls: 10 / 13
Ecken: 9 / 1
Abseits: 1 / 3
Gelbe Karten: Baumgartner (1), Xavi (1) / Ordets (2), Schlotterbeck (1), Osterhage (1), Stöger (3)
Zuschauer: 44.269
rolei79
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion