Zittrig, aber hochverdient
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Der 3:1 Sieg in Darmstadt brachte Leipzig zwar wieder in die Spur, ließ aber in Sachen Durchführung viel Luft nach oben. Weniger Ballbesitz und Torschüsse als ein Aufsteiger zu haben, sind nicht unbedingt der Anspruch des einzig wahren Rasenballsports.
Rose entschied sich, lediglich einmal zu wechseln. Schlager ersetzte Haidara im Zentrum. Die beiden gegen Darmstadt eher enttäuschenden Raum und Kampl blieben drin und sollten das Vertrauen durchaus rechtfertigen. Dennoch scheint Rose die Breite des Kaders noch nicht auszunutzen, was aber möglicherweise auch Leistungsgründe hat.
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Dreisatz des Spiels
Stark begonnen und dann unnötig gezittert, ehe Xavi den Hammer auspackte und Olmo den Anschlusstreffer mit seinem 3:1 wettmachte. Insgesamt stabiler als gegen Darmstadt aber noch lange nicht stabil genug, da Leipzig einige Lücken und Kontermöglichkeiten anbot, die Belgrad zum Glück nicht nutzen konnte. Im Vergleich zu Darmstadt ein Schritt nach vorne, aber noch lange nicht da, wo Leipzigs eigentliches Leistungsvermögen ist. Mit dem Sieg sieht die Tabelle vor dem schweren Auswärtsspiel in Belgrad sehr gut aus. Verliert Leipzig dort nicht, rückt das Achtelfinale in greifbare Nähe.

So viel besser war Raums Leistung im Vergleich zum letzten Spiel!
Neu im Bullenstall
Lukeba mit einem guten Spiel und einer starken Zweikampfquote. Ein paar individuelle Fehler und Wackler konnte er meist selbst korrigieren. Spielt sich langsam fest.
Xavi wichtiger Antreiber im Zentrum und mit dem Tor des Spiels zum wichtigen 2:0. Einige Ballverluste in gefährlichen Zonen – beispielsweise, wenn er sich fallen lässt und nur noch die letzte Abwehrlinie hinter ihm steht – muss er noch abstellen. Braucht mal einen Kicker neben sich, mit ähnlichen Fähigkeiten – sprich Olmo.
Baumgartner als belebendes Element, wobei ich ihn bisher sehr kritisch gesehen habe, aber gestern war das deutlich besser als bspw. Forsberg davor. Ein paar Schnitzer waren drin (Rückpass zu Blaswich, beim Gegentor gemeinsam mit der Abwehr kein gutes Stellungsspiel) aber es überwogen die positiven Seiten. So auch vor dem 3:1, als er erneut ein Kopfballduell im Strafraum für sich entschied.
Openda ein wenig glücklos, wie immer giftig in den Zweikämpfen aber die meisten Abschlüsse wenig aussichtsreich bzw. blieb er davor auch zu oft hängen. Šeško kam ein wenig spät für den auch nicht sonderlich starken Poulsen, das Spiel lief in der Schlussphase aber am Slowenen vorbei.

Xavi lieferte ein Traumtor!
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Raum: Klare Sache diesmal. Viele gute und nur wenig schlechte Flanken. Gerade im Vergleich zum letzten Kick in Darmstadt fast schon ein Unterschied wie Tag und Nacht, wobei ihm das frühe Tor ggf. auch Selbstvertrauen gab. Brachte mehr Flanken ins Ziel (6) als alle anderen Spieler zusammen (gab aber auch fast die Hälfte aller Flanken im Spiel ab 15/34), was letztlich die meisten Keypässe bedeutete.
Xavi: Wichtiger Antreiber gerade im Vergleich zum Nebenmann Forsberg besonders deutlich, wie sehr das Spiel aktuell auf seinen jungen Schultern ruht. Sonntagsschuss zum wichtigen 2:0, wobei das Spiel danach trotzdem wild blieb. Muss, wie schon geschrieben, aufpassen, wo er sich Ballverluste leisten darf und wo eher nicht.
Kampl: Starke Zweikampfquote, auch er im Gegensatz zum Kick in Darmstadt deutlich verbessert. War im Zentrum stabiler als Schlager.

Raum stellte die Weiche früh auf Sieg!
Luft nach oben
Openda: Aktuell zu viele kleine Fehler und zu wenig Durchschlagskraft. Während andere sich im Gegensatz zum letzten Spiel verbesserten, war Openda eher schlechter. Nur zwei von sieben Zweikämpfen gewann der Belgier.
Tweet des Spiels
Auch am Ende kann man von einem verdienten Sieg sprechen.
— Niklas (@gNiklas43) October 25, 2023
Die Leistung war allerdings nicht vollkommen überzeugend.
Die Kontrolle hat man noch zu oft aus der Hand gegeben & der offensive Plan war mir zu sehr auf individuelle Momente ausgelegt.
Mein MotM: Raum. #RBLZVE #RBLeipzig https://t.co/LH6bcReDaf
Ein wenig fehlt aktuell der große Plan im Spiel.
Champagner statt Bier – die Fans
Großaufgebot vor dem Spiel. Schon am Tag zuvor zogen die Belgrad Fans durch die Leipziger Innenstadt, zu ihrem Fanmarsch war dann mehr los als zu einer Connewitzer Demo. Auch wenn sie martialisch auftraten, blieb es insgesamt ruhig. Andere Fanszenen hätten so eine Situation ggf. zu einer Eskalation genutzt. So blieb es vor, während (ein paar Bengalos) und nach dem Spiel weitestgehend friedlich, lag die Konzentration auf dem was wirklich zählt: dem Sport.
Die Leipziger mit einer schönen Choreo zum Spiel und einer gesanglich starken Leistung. Im Stadion blieben aber erneut einige Plätze frei – Stichwort no show rate.
Die Choreo gegen City war viel geiler, aber schöne Choreo ❤️🤍#RBLZVE pic.twitter.com/BRzj1wRiT9
— RBSLANICCC (@GGLanic) October 25, 2023
Schönes Bild im Zwielicht!
Pfeife des Spiels
Erster Einsatz von José María Sánchez Martínez bei einem Leipziger Spiel. Wie bekannt ließ der Spanier nicht viel mit sich diskutieren, was Henrichs beim zurückgenommenen Elfer lernen durfte. Seine Linie war klar, daher die ruppigeren Belgrader mit vier Gelben. Die Elferaktion hätte er ggf. ohne den VAR sehen müssen, korrigierte sie aber dann nach Ansicht der Bilder schnell.
Vor dem Auftritt ihrer Mannschaft am Mittwochabend in #Leipzig sind rund 3000 Fans des serbischen Meisters Roter Stern Belgrad zum Stadion marschiert. Auf dem Weg dorthin kam es zu Diebstählen und Körperverletzungen. #RBLZVE https://t.co/BDkKn61IvK
— LVZ (@LVZ) October 26, 2023
Machten ihrem martialischen Ruf alle Ehre, aber insgesamt weniger schlimm als befürchtet!
Aufgefallen
1) Leipzig lässt derzeit zu viele Torschüsse zu. 34 in den letzten zwei Spielen, davon acht aufs Tor. Gerade gegen Teams, die RBL eigentlich mehr dominieren müsste und gegen die Stabilität gefordert ist, ist das deutlich zu viel. Die Gründe liegen im unsauberen Passspiel, schlechter Konterabsicherung und leichtfertigen Ballverlusten mit vielen eigenen Spielern vor dem Ball. Hier muss Rose jetzt ansetzen, Ziel muss es sein, wieder so auftreten zu können, wie beispielsweise gegen Union.
2) Besonderen Fokus muss Rose auf die Passqualität setzen, mit ihr steht und fällt alles. Zwar waren die ersten 20 Minuten stark, danach blieb aber viel zu wünschen übrig. Nicht so schlimm wie gegen Darmstadt, wo es am Ende unter 70% waren, aber eben auch noch nicht gut genug, um den Gegner mit dieser Qualität den Zahn zu ziehen. Im Gegenteil, die Fehlpässe und Ballverluste brachten RBL ein ums andere Mal in Verlegenheit.
Nächster Sieg in der ChampionsLeague und damit eine gute Ausgangssituation in der Gruppenphase 💪 #RBLeipzig
— RBoligei (@BoligeiR) October 25, 2023
Auch wenn es wieder schwierig war... Nicht vergessen, jeder Sieg muss sich hart erarbeitet werden und ist kein Selbstläufer ❤️🤍
Tolle Stimmung #RBFans#RBLZVE #UCL pic.twitter.com/j3991p3TE2
Tolle Stimmung auf den Rängen!
3) Ein wenig wunderlich, dass Šeško derzeit keine Rolle spielt. Sicherlich ist Poulsen als Dauerläufer wichtig, um die Abwehrreihen zu zermürben, aber so richtig flutscht das Duo Openda & Poulsen derzeit nicht. Überhaupt gibt es nur wenig Fluktuation in der Startelf. In der Defensive erklärt sich das von selbst, aber offensiv bieten sich doch einige Möglichkeiten, denn auch ein Forsberg ruft momentan nicht sein Optimum ab.
4) In Sachen Abschlüsse las sich der Sieg am Ende deutlich stabiler als in der Anzahl zugelassener gefährlicher Aktionen. Was zum einen an den vielen gewonnen Duellen der Abwehrreihe lag, zum anderen an der Limitiertheit der Belgrader Kicker. So war der Anschlusstreffer die einzige klare Chance des Roten Sterns. Alle anderen Abschlüsse waren unterhalb von 0,1xG vor dem Schuss und 0,2PSxG nach dem Schuss. Dagegen hatte RB zehn Abschlüsse mit einem höheren Wert von 0,1xG und acht mit einem Wert von 0,2PSxG. Der Sieg also trotz der Kritik hochverdient.
#RBL-Trainer #Rose nach #RBLZVE mit Sonderlob für Castello #Lukeba: "Außergewöhnlich. Von der ersten Minute steht er, mit und gegen den Ball. Er hat Situationen, wo Du draußen schon den Atem anhältst. Mit welcher Ruhe und Klarheit er spielt, ist außergewöhnlich stark." pic.twitter.com/nrjBXl3C6Y
— Dirk Hofmeister (@DirkHofmeister) October 26, 2023
Lukeba masuert sich so langsam.
5) Der Ausblick auf die kommenden Spiele ist klar. Leipzig ist in den kommenden Wochen in der Favoritenrolle und muss dieser gerecht werden. Köln, gegen die ein Heimsieg Pflicht ist und eine nicht zu unterschätzende Auswärtsspielwoche mit Reisen nach Wolfsburg, Mainz und Belgrad stehen an. Wolfsburg ist gut gestartet, hat aber gegen Leipzigs direkte Konkurrenz (Stuttgart, Leverkusen, BVB) verloren – ein Sieg im Pokal ist daher Pflicht wie auch verpflichtende Tradition. In Belgrad, das im 'Marakana' seit über einem Jahr unbesiegt ist, wird es sicherlich auch ein ganz heißer Tanz. Gegen die noch sieglosen Mainzer besteht Stolpergefahr – vielleicht sollte Rose ein Video vom letzten Kick gegen die 05er davor zeigen.

Olmo ist wieder zurück!
Komplett stabil wirkt Leipzig seit dem Unionspiel nicht mehr. Auch gegen Belgrad war der Sieg zwar verdient, aber es gab zu viele wacklige Phasen im Spiel, aus denen ein besserer Gegner Leipzig einen Strick gedreht hätte. Zu leichtfertig waren manche Ballverluste, zu wild der Spielaufbau an einigen Stellen und zu groß die Lücken, die Belgrad angeboten wurden.
Dass der Sieg insgesamt in Ordnung ging, lag an den offensiv stärkeren Phasen und guten Einzelaktionen sowie der allgemeinen Schwäche der Hintermannschaft des Roten Sterns. Mehr Dominanz und Struktur wird aber benötigt, will RBL die Saison erfolgreich gestalten und Punktverluste wie gegen Bochum vermeiden. Gleichwohl bedeutet dieser Sieg eine exzellente Ausgangsposition für das Duell in Belgrad und die Qualifikation für das Achtelfinale.
Mit Köln wartet bereits die nächste Pflichtaufgabe am Samstag in der Arena. Der FC feierte im Derby gegen Gladbach seinen ersten Sieg in dieser Bundesligaspielzeit, war davor gegen die direkte Leipziger Konkurrenz aus Leverkusen und Stuttgart aber klar unterlegen. Ähnlich stark sollte auch RBL auftreten, um den Anspruch auf die Top 4 in der Bundesliga zu untermauern.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – UEFA – FotMob – fbref
Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs (58. Klostermann), Simakan, Lukeba, Raum – Schlager, Kampl (C) – Xavi (75. Olmo), Forsberg (58. Baumgartner) – Poulsen (82. Werner), Openda (82. Šeško)
Bank: Gulácsi – Lenz, Haidara, Seiwald, Carvalho
Roter Stern Belgrad: Glazer – Mijailović, Dragović, Djiga, Rodić (65. Nedeljković), Mitrović (65. Lučić) – Ivanic, Hwang, Stamenić (81. Katai) – Ndiaye (65. Mijatović), Olayinka (46. Bukari)
Bank: Popović – Degenek, Spajić, Kanga, Kangwa, Kabić
Schiedsrichter: José María Sánchez Martínez (Spanien)
Tore: 1:0 Raum (13.), 2:0 Xavi (59.), 2:1 Stamenić (70.), 3:1 Olmo (84.)
Torschüsse: 27 / 16
Schüsse aufs Tor: 10 /4
expected Goals: 2,79 / 1,09
Passquote: 87% / 80%
Zweikampfquote: 59% / 41%
Ballbesitz: 65% / 35%
Laufleistung: 120,3 km / 115,0 km
Fouls: 7 / 16
Ecken: 9 / 4
Abseits: 1 / 1
Gelbe Karten: Henrichs (1) / Stamenić (2), Rodić (2), Hwang (2), Djiga (1)
Zuschauer: 42.209
Rumpelstilzchen