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Kantersieg mit Nachgeschmack
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Kantersieg mit Nachgeschmack

Kantersieg mit Nachgeschmack

Sechsmal bekam der FC in Leipzig noch vor Halloween das Gruseln und muss ganz im Sinne des anstehenden Reformationstages bußfertig nach Köln zurückreisen. Zwar gab es Tore satt, aber für diese Lust am Fußball folgte scheinbar die Strafe auf dem Fuße bzw. der Schulter, nämlich der von Olmo, der, nachdem er auf selbige gefallen ist, wohl mehrere Wochen ausfällt.

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Nachdem Leipzig gegen Bochum im letzten Heimspiel unnötig Punkte hat liegengelassen und auch die Auftritte gegen Darmstadt und Belgrad trotz Siegen nicht gerade vor Stabilität strotzten, war die Marschroute gegen die Kölner Gäste, die ausgeruht und im Derbysiegesrausch anrückten, klar. Ein Dreier und möglichst ein ungefährdeter sollte her.

Rose rotierte gegen den mit einigen Ex-Leipziger aufspielenden (Selke, Martel, Chabot) und von Intimus Baumgart trainierten FC durch, wechselte sogar die Grundformation. Klostermann statt Kampl als Kapitän agierte in einer Dreierkette mit Lukeba und Simakan. Im Zentrum kam Haidara ins Spiel und in der Offensive ersetzte Werner Poulsen und auch Forsberg fiel der Umstellung zum Opfer.

 

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Dreisatz des Spiels

Der Sieg war ein starkes Statement und die nach den letzten nicht so souveränen Auftritten erhoffte Reaktion auf dem Feld. Die taktische Marschroute, mit der Dreierkette die Lücke vor der Abwehr zu schließen, funktionierte bis auf die beiden Kölner Großchancen recht gut. Offensiv wirbelte Xavi und auch die Außenverteidiger konnten befreiter aufspielen, da sie besser abgesichert waren. Werners wichtiges Elfmetertor zum 1:0 sollte ihm Auftrieb geben, stark auch wie das Stadion hier hinter ihm stand. Getrübt wird das Bild allerdings durch die Verletzung Werners ohne Fremdeinwirkung (vielleicht aber nur leicht) und mehr noch durch die Schulterverletzung Olmos, die laut Rose wohl einen wochenlangen Ausfall nach sich ziehen wird. Olmos nicht enden wollende Leidensgeschichte erhält ein weiteres unrühmliches Kapitel, auf dessen Lektüre wohl alle Leipziger gerne verzichtet hätten.

 

Wichtiger Treffer für Werner.

 

Neu im Bullenstall

Lukeba mit einem souveränen Auftritt. Auch in der neuen Formation funktionierte der Franzose, als würde er schon länger mit seinen neuen Kollegen zusammen kicken. Lenz kam am Ende für den starken Raum und spulte seinen Stiefel runter, ohne groß auffällig zu sein. Er bleibt auf Links das Backup für die Breite.

Xavi ist der Schlüsselspieler im Leipziger Kader. Hier ist fast jeder Superlativ angebracht und nach oben hat der Niederländer m.E. kein Limit. Durchaus vorstellbar, dass er irgendwann zu den ganz Großen im Weltfußball zählen wird. Ein kraftvoller Antritt gepaart mit unbändigem Ehrgeiz, messerscharfer Übersicht und exzellenter fußballerischer Ausbildung. Er sorgt dafür, dass aktuell kaum ein Gedanke an Nkunku und Szoboszlai verschwendet wird, ein echter Glücksgriff, der hoffentlich noch ein weiteres Jahr dranhängt. Nicht ganz in diesen Sphären (oder eher einfach „nicht“) ist Carvalho unterwegs, der anders als Xavi keine Topsaison vor der Leihe vorweisen konnte und auch nach seiner Einwechslung keinen bleibenden Eindruck (ein guter Abschluss, ein vermeidbarer 5m-Fehlpass) hinterließ.

6:0 – ein Fest für die Angreifer und damit auch für das Neuzugang-Trio aus Openda (2), Šeško (1) und Baumgartner (1), die jeweils trafen. Openda mit starken Abschlüssen und guten Läufen in die Tiefe war trotz einleitendem Elfertreffer Werners sicher der bessere der beiden Startelfangreifer, auch wenn er in einigen Zweikämpfen das Nachsehen hatte. Baumgartner konnte zwar die spielerische Lücke, die Olmo und Xavi hinterließen nicht ganz füllen, war aber höchst effizient. Er bereite Šeškos Tor nach einer Ecke vor (geblockter Abschlussversuch) und setzte mit dem 6:0 per sehenswertem Fernschuss den Schlusspunkt des Spiels.

 

"Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene".

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Henrichs: Ein ausgezeichneter Auftritt des wohl derzeit besten deutschen Außenverteidigers. Eine starke Entwicklung, die er in seiner Zeit hier genommen hat. Die meisten Keypässe und auch an weiteren torschusseinleitenden Aktionen beteiligt, mit Xavi die meisten erfolgreichen Dribblings und das bei weniger Versuchen. Eine der besten Zweikampfquoten auf dem Feld und eine großartige Flankenquote. Sicher half ihm dabei auch die gute Absicherung durch die Dreierkette.

Xavi: Xavi doing Xavi things. Ob es ein herrlicher Außenristpass ist oder ob er einfach mal so drei Kölner in die Westentasche steckt. Xavi beim Kicken zuzusehen macht einfach gute Laune, das merken auch Fans anderer Vereine. Neben Henrichs, der Mann des Spiels. Auch er hatte durch die Grundordnung als freies Radikal hinter den Spitzen noch einen Tick mehr Freiheiten als sonst.

Openda: Bei den eiskalten Abschlüssen überkommt einem als Gegenspieler ein mittelschweres Frösteln. Openda kann man daher nur schwer aus dem Spiel nehmen, da er immer in Lauerstellung ist und bei sich bietenden Schussmöglichkeiten nicht immer, aber oft entweder sehr platziert oder hammerhart abschließt. Die beiden Tore bildeten schön dieses Spektrum seines Könnens ab.

 

Baumgartner mit einem Traumtor.

 

Luft nach oben

Das war schon eine sehr runde Vorstellung des Teams, dass sich nur zweimal über schnelle Gegenzüge der Kölner überrumpeln ließ. Einmal stimmte die Außenbahnverteidigung nicht und die Zuordnung in der Mitte war verbesserungswürdig. Einmal entwickelte sich eine Ecke zum Bumerang und Selke fand seinen Meister in Blaswich.


Tweet des Spiels

Wenn du von Leipzig sechs Dinger eingeschenkt bekommst...

 

Champagner statt Bier – die Fans

Relativ niedrige no show rate beim Spiel und eine allgemein gute Unterstützung von den Rängen. Schön zu hören, wie das Stadion Werner vor dem Elfmeter anfeuerte. Seine Krise ist nicht überwunden aber den Rückhalt zu spüren, kann sicherlich nicht schaden. Auf Kölner Seite war hingegen wenig los. Der übliche Mitgliederanzahl-Längenvergleich, wobei die no show rate bei den Kölner Mitgliederversammlungen auch eher so im 90+ Prozentbereich liegt, Karteileichen statt Mitbestimmung.

Im Netz die üblichen geistigen Tiefflieger mit den Argumenten von vorgestern. Passend dazu ein lost lostnippes, der – als einer der für FC Verhältnisse noch fast Besonnenen – zu erwarten scheint, dass der Stadionsprecher beim 6:0 für das Heimteam im Trauerflor kommentiert. Wie lost, kann man sein? Die Antwort lautet offenbar bei einigen Kölnern: Ja!

 

Manche Leute haben Probleme...

 

Pfeife des Spiels

Brand, mit bisher 13 Spielen mit Leipziger Beteiligung, das 13. natürlich kein Glücksspiel, denn dort gab es vor gut einem Jahr das letzte Heimspiel gegen den FC, das mit 2:2 endete und in dem Szoboszlai vom Platz gestellt wurde. An der auslösenden Aktion, einem Schlag gegen Kainz schieden sich dann die Geister. In der Summe war es damals jedenfalls kein Heimschiedsrichter, was sich auch an der bisherigen Bundesligabilanz Leipzigs ablesen ließ: 2 Siege, 2 Niederlagen, 1 Unentschieden.

Den Elfer zu geben war vertretbar, auch wenn Haidara beim Ballgewinn auch nicht gerade sanft zu Werke ging. Die Gelben für die beiden Trainer ebenfalls nachvollziehbar, da überzogen die beiden Freunde an der Seitenline mit der lauthalsen Kritik am Spielleiter, sah auch Rose danach ein. Der Platzverweis nur auf den ersten Blick kritikwürdig, dass sich Olesen nach dem Tritt gegen Simakans Knie beschwerte und den Platzverweis mit einem Grinsen kommentierte, war letztlich das Einzige, was daran nicht zu verstehen war. Allgemein kamen die Kölner sogar noch ganz gut weg.

 

Olmo out.

 

Aufgefallen

1)      Bemerkenswert sicherlich die Umstellung auf Dreierkette. Zum einem laut Rose dem Ausfall Kampls geschuldet, zum anderen vielleicht auch die Reaktion auf die Lücke vor der Abwehr in den letzten Spielen. Insgesamt eine gelungene Anpassung, die über weite Strecken einerseits für Sicherheit sorgte und andererseits Raum und Henrichs mehr offensive Ausflüge erlaubte. Bestes Beispiel die Kombination der beiden vor dem Tor zum 3:0. Durch die Kaderstruktur (viele Offensive, Unterdeckung bzw. Ausfälle in der Abwehrkette) werden wir diese Formation wohl nicht so häufig sehen, gut zu wissen aber, dass das Team problemlos auch so auftreten kann, wenn es nötig ist.

2)      In welchem Paralleluniversum Gulácsi sich an dem bärenstarken Blaswich wieder vorbei spielen soll, ist nicht bekannt. In diesem Teil des Multiversums wird das aber wohl kaum passieren. Wie Blaswich die Topchance von Selke vereitelte (die wohl beste Abschlusschance des Spiels neben dem Elfer), war schon ganz großes Kino, das reicht für einen Platz unter den Torvangers of the Galaxy. Pete wird sich also weiter hinten anstellen müssen und auch Vandevoordt wird sich nächsten Sommer trotz starker Leistungen in Belgien nicht einfach ins gemachte Nest setzen können.

 

Hungry4More.

 

3)      Eine Schwachstelle bei Leipzig bleiben die eigenen Ecken. Zu oft landen sie letztlich bei Blaswich, hier könnte die Rückraumbesetzung besser sein. Schlimmer noch sind die Ecken, die zu einem Konter mutieren (Selkes Chance resultierte aus einer solchen eigenen Ecke). Da haben die Standardtrainer noch einiges zu tun.

4)      Das Spiel hätte auch in der 34. eine andere Wendung nehmen können, als Waldschmidt die Möglichkeit zum Ausgleich durch einen Pfostentreffer vergab. Es blieb aber im Gegensatz zu den Spielen gegen Bochum, Darmstadt oder Belgrad die einzige Aktion bis zum 4:0, in der Köln so etwas wie Gefahr ausstrahlte. Insofern kann das Experiment Dreierkette durchaus als gelungen bezeichnet werden.

 

Den Sieg souffliert

 

5)      Die Aktion, die zur Verletzung von Olmo führte, maximal unglücklich. Im Prinzip ein Allerweltsfoul, bei dem Olmo anschließend auf die Schulter fiel. Sieht man so mindestens ein halbes Dutzend Mal pro Spiel. Gerade als der Spanier wieder ein Kandidat für die Startelf wurde, der nächste Rückschlag. Durch den vorherigen Ausfall ändert sich für das Team wenig und mit Forsberg, Baumgartner und Carvalho ist Leipzig in der Breite auch solide besetzt, aber in der Spitze ist ein Olmo in Form kaum zu ersetzen. Die Verantwortung wird also weiterhin auf Xavis jungen Schultern ruhen, der Rest darf sich um den Platz neben dem Niederländer balgen, es sei denn Rose setzt erneut auf die Dreierkette, dann wird es offensiv zwangsläufig ein paar lange Gesichter geben. Mit Olmo kann hingegen bei einer solchen Verletzungsanfälligkeit nicht mehr wirklich für eine ganze Saison geplant werden. Ein Verkauf im Sommer, wie schon von einigen Medien berichtet, verliert da einen Gutteil seines potenziellen Schreckens.

6)      Nur zwei von 14 Hinrundenspielen an einem 28. eines Monats konnte RBL vor dem Sieg gegen Köln für sich entscheiden. Ein Sieg also gegen diese statistische Kleinstsparte. Seit der Saison 17/18 bleibt RBL damit gegen einen Tabellen-16. unbesiegt. Nur gegen den HSV verlor Leipzig eine solche Ansetzung 16/17 in Liga 1.

 

Geht runter wie Öl.

 

7)      Der Kantersieg gegen Köln ist ein Schritt in die richtige Richtung, darauf ausruhen darf sich RBL aber nicht. Köln konnte bisher vollends nur gegen Gladbach im Derby überzeugen und steht nicht ganz zu Unrecht im Tabellenkeller. Wie problematisch solche Gegner sein können, hat RBL ja schon gegen Bochum gesehen. Wolfsburg hingegen ist trotz der Niederlage gegen Augsburg ein anderes Regal. Hier gilt es auf den zeitweise sehr guten Offensivabläufen aufzubauen, schwächere Phasen wie Mitte der ersten Halbzeit weiter zu minimieren, Standards zu verbessern und defensiv noch weniger Großchancen zuzulassen.

8)      Höchste Niederlage für Baumgart in Liga1 und höchste Niederlage für Köln seit über fünf Jahren (damals 6:0 in Hoffenheim – damals übrigens der aktuelle Kölner Uth auf der Gegenseite der beste Mann mit vier Scorern). Für eine höhere Pleite muss man schon zurück in die 70er Jahre gehen (7:0 gegen die Bayern 1971 noch mit dem Original-Müller, Breitner und Hoeneß).

 

Die Pressekonferenz nach dem Kantersieg.

 

Ein echtes Ausrufezeichen, so ein Kantersieg, der auch in der Höhe nicht komplett unverdient war, wenngleich Köln den Ausgleich zum 1:1 auf dem Fuß hatte und kurz vor der Pause komplett den Faden und damit das Spiel verlor. Leipzig bleibt damit das Team der Liga, das statistisch gesehen am deutlichsten überperformt (7,88 mehr Tore als erwartbar, zum Vergleich Union letzte Saison fast 16 Tore mehr). Köln hingegen bildet das andere Ende des Ligaspektrums ab (5,55 Tore weniger als erwartbar).

Die Ausfälle von Werner (Ausfallzeit und Grund noch unklar) und Olmo (sieht nach einer längeren Verletzung aus) trüben das Bild und müssen nun wohl bis zur Winterpause intern abgefangen werden. Gut, dass Baumgartner so langsam in Schwung kommt. Alles, bis auf eine Verletzung von Xavi, kann momentan durch die Breite des Kaders kompensiert werden.

Es folgen jetzt drei Auswärtsspiele in drei Wettbewerben. Vor Belgrad und Mainz (Liga) geht es im DFB-Pokal nach Wolfsburg. Das fast schon traditionelle Pokalduell gegen die Wölfe, das einst mit Pokalshrek Frahn seinen Anfang nahm. Der VfL begann gegen den FCA stark, musste aber am Ende mit einer 3:2 Niederlage die Rückreise antreten. Stabil wirkt die Kovac-Elf nicht und hat auch schon gegen die Leipziger CL-Platz Konkurrenz aus Stuttgart, BVB und Bayer verloren. Da sollte sich Leipzig nicht lumpen lassen, immerhin geht es um die Tit(t)e(n)lverteidigung!

 

So eine Anzeigetafel liest man doch gern.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs, Simakan, Klostermann (C), Lukeba, Raum (75. Lenz) – Schlager, Xavi (63. Baumgartner), Haidara – Openda (75. Šeško), Werner (63. Olmo, 70. Carvalho)
Bank: Gulácsi – Poulsen, Forsberg, Seiwald
1. FC Köln: Schwäbe – Carstensen, Hübers, Chabot (46. Kilian), Paqarada – Ljubičić, Martel – Maina (46. Alidou), Waldschmidt (70. Huseinbašić), Kainz (C, 70. Olesen) – Selke (77.)
Bank: Köbbing – Schmitz, Heintz, Tigges
Schiedsrichter: Benjamin Brand (Gerolzhofen)
Tore: 1:0 Werner (15.) FE, 2:0 Openda (40.), 3:0 Raum (43.), 4:0 Openda (45.+3), 5:0 Šeško (88.), 6:0 Baumgartner (90.+1)
Torschüsse: 26 / 6
Schüsse aufs Tor: 13 / 2
expected Goals: 4,86 / 1,33
Passquote: 88% / 82%
Zweikampfquote: 47% / 53%
Ballbesitz: 62% / 38%
Laufleistung: 113,5 km / 112,7 km
Sprints: 244 / 265
Fouls: 8 / 13
Ecken: 11 / 1
Abseits: 1 / 2
Gelbe Karten: Simakan (2), Klostermann (1), Rose / Chabot (3), Baumgart
Gelbe-Rote Karten: Olesen (80.)
Zuschauer: 46.418

Rumpelstilzchen