Aus der Traum!
Inhalt
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Mit dem Kantersieg gegen Köln und drei Siegen im Rücken sowie zwei Pokaltiteln in Folge fuhren die Rasenballer mit ordentlich Rückenwind nach Wolfsburg. Die Wölfe hatten zuletzt drei Niederlagen einstecken müssen, bei ihnen galt es also Wunden zu lecken. Zudem hatte der Gegner in den letzten 12 Spielen nur einmal gegen RBL gewonnen und schon gegen einige aktuelle Topteams verloren. Das Ziel war also klar: Einzug ins Achtelfinale.
Rose reformierte sein Team am Reformationstag – nomen est omen. Brachte Poulsen für Simakan und stellte auf Viererkette um. Im Tor durfte Gulácsi ran.
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Dreisatz des Spiels
Die Leistungsschwankungen denen RBL derzeit unterliegt, gleichen denen eines Bootes in stürmischer See. Oft ist Leipzig zwar oben auf, aber ab und an auch im tiefen Wellental. Gegen die defensiv wie Bochum oder Union agierenden Wölfe fiel Leipzig nichts ein. Bestes Beispiel für den Wolfsburger Spielansatz war, dass RBL trotz Unterzahl weiter viel Ballbesitz hatte, aus dem man aber wie davor wenige bis keine Chancen generierte. Ein Xavi und blindes anflanken der hochgewachsenen Wolfsburger Fünferkette genügten verständlicherweise nicht. Gulácsis Wechsel gab dem Team keine Sicherheit und Poulsens Ampelkarte verschlechterte die Situation noch weiter. Überhaupt blieben einige unter ihren Möglichkeiten, wobei Rose auch früher auf die Missstände hätte reagieren müssen.

Simakan am Ende mit viel Biss und Offensivdrang.
Neu im Bullenstall
Kein guter Tag für die Neuzugänge. Lukeba ließ sich beim Gegentor überrumpeln und stand auch sonst nicht immer sicher, was aber auch an den Situationen lag, in die er durch die Konter hineingepresst wurde. Simons ebenfalls unter seinen Möglichkeiten, wobei er mit der Streuung seiner Mitspieler auch seine liebe Not hatte. In Erinnerung blieb ein ungefährdeter 5-Meter Fehlpass Werners auf Simons, eine Schwalbe macht eben noch keinen Sommer, und in diesem Sinne fehlte es gestern auch an Mitspielern mit Präzision.
Openda ebenfalls unglücklich. Gewann nur einen Zweikampf und semmelte bei einer der besten Ausgleichsmöglichkeiten komplett neben das Tor. Baumgartner, Carvalho und Šeško kamen zu spät und konnten das Ruder nicht mehr rumreißen. Šeško blieb nur durch seine Abseitsszenen im Gedächtnis und brachte keinen Pass ins Ziel. Baumgartner wirkte da noch griffiger.

Openda vergab die beste Chance.
Die zwei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Xavi: Zeigte am ehesten noch, was für Potential in der Leipziger Elf steckt. Saubere Zweikampfquote von über 60%. Ihm fehlten vor allem die Mitspieler, die in Sachen Präzision und Handlungsschnelligkeit auf seinem Level waren.
Raum: Viele missglückte Flanken und Ballverluste, aber immerhin auch per Freistoß die einzige Topchance durch Openda eingeleitet (71.). Sonst zwar viel versucht, aber auch oft gescheitert.

Poulsen flog mit Ampelkarte.
Luft nach oben
Eigentlich so ziemlich alle. Angefangen mit Rose, der ohne Not Gulácsi ranließ, welcher unsicher wirkte, und auch beim Gegentor nicht ideal positioniert war. Zudem wechselte Rose viel zu spät. Bei den gelbbelasteten Poulsen und Schlager hätte es sich zur Halbzeit schon angeboten, sie rauszunehmen. Auch Werner und Openda fanden quasi nicht ins Spiel. Wie gegen Bochum fehlte es Leipzig an Ideen gegen tiefstehende Gegner. Fängt man dann ein Kontertor, sieht es düster aus. Hier muss man die gesamte Offensive in die Pflicht nehmen.
Tweet des Spiels
.@RB_Fans, die zu Halloween ein Fußballspiel und ein Horrorfilm schauen wollten, hatten Glück, denn sie haben mit dem #DFBPokal-Spiel #WOBRBL beides zum Preis von einem bekommen und einen gruseligen-schaurigen Fußballabend erlebt... 💀🏆 pic.twitter.com/dkXTLN02et
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) October 31, 2023
FSK 18.
Champagner statt Bier – die Fans
2.700 mitgereiste Fans und damit ein voller Gästeblock. An den stark auftretenden Leipzigern auf den Rängen lag es nicht, dass in dieser Pokalsaison frühzeitig Schluss war. Über die ganz Spielzeit waren die Rasenballer gut zu hören und gaben in der nur halb gefüllten Arena den Ton an.
Wir gewinnen und verlieren gemeinsam ❤️🤍
— RBoligei (@BoligeiR) October 31, 2023
Heute war ein gebrauchter Tag. Viele Spieler blieben unter ihren Möglichkeiten und die leichte Rotation hatte keinen Effekt.
Wie gegen Bochum fand man erneut keine Mittel gegen tiefstehenden Gegner gefährlich zu werden#WOBRBL #DFBPokal pic.twitter.com/XQpu2J2UL8
An den Fans lag es nicht.
Pfeife des Spiels
Erste Niederlage unter Badstübner, unter dem Leipzig davor, außer bei einem 1:1 in Augsburg, immer gewann. Erstmals blieb RBL unter seiner Leitung ohne Tor. Für dieses Novum hatte sich RBL leider ein denkbar schlecht geeignetes KO-Spiel ausgesucht.
Badstübner vergab insgesamt 11 Gelbe (inklusive der Ampelkarte), die angesichts deutlicher Wolfsburger Foulspielüberlegenheit erstaunlich gleich verteilt waren. Der Platzverweis unstrittig, dumm von Yussi da so hinzugehen. Einige Situationen hätte man anders bewerten können, ingesamt aber meist nachvollziehbar.
Über 90 Min war RB hier zwar das bessere Team, aber wenn man sich selbst ins Bein schießt und gegen ein Gegner der wie Classic Augsburg spielt wenig kreiert bekommt, dann steht am Ende halt das Aus.
— Niklas (@gNiklas43) October 31, 2023
Rose muss sich heute ein paar Vorwürfe gefallen lassen.#WOBRBL #RBLeipzig https://t.co/OIaD2o1e8y
Die gewohnten Probleme mit den tiefstehenden Gegnern.
Aufgefallen
1) Erste Fragezeichen gleich bei der Aufstellung. Pete eine Chance zu geben, ist nobel, aber schon gegen Wiesbaden war das viel zu wacklig und Wolfsburg ist immer noch ein Bundesligist aus dem oberen Regal. Zumal das Team mit Gulácsis Art Fußball zu spielen bzw. eben nicht zu spielen, nicht klarkam und es deswegen mehrere Missverständnisse gab. Beim Gegentor war Pete nicht gut postiert, aber der Schuss war auch besser postiert wohl schwer zu halten. Jedenfalls machte Rose hier eine Baustelle unnötig auf. Pete ist jetzt hinten an, da kann man in so einem schweren alles oder nichts Spiel nicht mal so einfach durchwechseln.
2) Zu viele Ballverluste im Zentrum bzw. verlorene zweite Bälle. Erstaunlicherweise war das in Überzahl fast schon besser als davor. Grundsätzlich ist das ein Problem, was sich schon durch die bisherige Saison zieht und eng mit Kontern aus eigenen Ecken in Verbindung steht. Unnötige Fehlpässe (Werner), mit dem Kopf durch die Wand gegen zwei Gegenspieler (Schlager), schlechte Raumaufteilung im Rückraum bzw. vor dem 16er. Diese Schwächen führen immer wieder zu Unterbrechungen im Spielaufbau, so dass selten ein defensiv stehender Gegner zurecht gespielt werden kann, weil ein Fehlpass oder nachfolgender Ballverlust den Counter wieder auf Null setzten.
Das Pokalaus in bewegten Bildern.
3) Nach dem Spiel viele Schuldzuweisungen an Rose, Aufstellung und Team. Ex post ist sowas natürlich – siehe auch diesen Bericht hier – immer einfach, aber letztlich gab es bis auf Gulácsi und Poulsen keine Anpassungen in der Startelf. Eigentlich eine, gemessen an den bisherigen Leistungen, nicht komplett unnachvollziehbare Aufstellung. Insofern ist es natürlich leicht, eine Aufstellung zu fordern, denn die Einwechsler brachten leider ebenfalls nicht wirklich Schwung.
4) Besser als Leipzig gelang Kovac die Umstellung. Insgesamt acht Änderungen in der Startelf, dennoch passte der Abwehrverbund wie Arsch auf Eimer und ließ die Leipziger Angriffswellen zerschellen. Insofern kann man die ganzen zu wenig oder zu viel Umstellungen Diskussionen auch ad acta legen. Im Prinzip kann sowas auch klappen, wenn das Team weiß, was es zu tun hat.

Šeško brachte wenig Schwung.
5) Dass dieses Wissen bei Leipzig vielleicht noch nicht ganz so ausgeprägt ist, könnte der Grund für die schwankenden Leistungen sein. Vor wenigen Tagen lief es trotz taktischer Anpassung gegen Köln wie am Schnürchen, nun der Dämpfer gegen Wolfsburg. Gegen Union knackte Leipzig die Defensive, gegen Bochum ergebnisloses Anrennen. Die Umwälzungen des Sommers und die Ausfälle von Schlüsselspielern fordern scheinbar ihren Tribut.
6) Erstmals unter Badstübner verloren, erstmals ein Pokalspiel in Wolfsburg verloren, erstmals ein KO-Spiel an einem Monatsletzten verloren (sieht man mal von Peter Pacults Ausscheiden aus dem Sachsenpokal aus, war ja Schaltjahr und Februar). Denkbar schlechter Tag mit diesen Serien zu brechen.

Kein DFB Poakl in diesem Jahr, dann eben die Meisterschaft...?
Der Schuss vor den Bug gegen Bochum war offensichtlich nicht genug. Die Leipziger genauso mit dem Kopf durch die Wand wie zuletzt gegen die Ruhrpottler, die waren aber individuell schlechter und ließen daher mehr Schüsse aufs Tor zu und konnten ihre Konter nicht ummünzen. Die Umstellungen (Torwartwechsel ohne Not) und die zu spät erfolgten Wechsel (Platzverweis der vorbelasteten Poulsen, es war sein viertes Foul) komplettierten dieses Bild.
Im Nachhinein ist man ja immer schlauer, deswegen ist es auch leicht mit diesem Wissen zu argumentieren, aber auch die Wechsel brachten in der Schlussphase nicht den erhofften Schwung. Fraglich, ob das also von Beginn an anders gewesen wäre. Insgesamt fehlt aktuell ein echter Unterschiedsspieler neben Xavi. Olmo ist verletzt und Openda taucht noch zu oft ab, dahinter ist eine Phalanx aus Offensivkräften, die keine konstanten Leistungen bringen und seltsame Wege gehen (Werner). Das trifft auf Poulsen ebenso zu, wie auch auf Baumgartner, Forsberg (oder Šeško, der gegen Gladbach und Bochum auch von Beginn keine Bäume ausgerissen hat).
Der Traum vom dritten Pokalerfolg in Serie, einer noch nie erreichten Marke, ist also ausgeträumt. Die harte Realität hat Leipzig wieder und in der gilt es nun gegen Mainz unbedingt zurück in die Erfolgsspur zu kommen. In Belgrad und gegen Freiburg wird es sicherlich auch nicht einfach und danach steht die Revanche in Wolfsburg in der Liga an. Ziel muss es sein, diese Spiele allesamt zu gewinnen, in der aktuellen wechselhaften Verfassung keine leichte Aufgabe für unsere Rasenballer.
Das war heute gar nichts. Sehr enttäuschend. Offensiv haben wir nicht stattgefunden. Bis auf Xavi waren da vorn alle desolat. Schade. Einmalige Geschichte schreiben, hat wohl als Motivationsfaktor heute leider nicht ausgereicht. Könnte einen Erfolgsknick geben. #WOBRBL
— Justgroovy (@justgroovy20th) October 31, 2023
Offensiv bleibt aktuell manchmal ifach zu viel Luft nach oben.
Kicker – Sofacore – RBL – FotMob– fbref
Statistik
VfL Wolfsburg: Pervan – Baku (74. Maehle), Lacroix, Bornauw, Zesiger – Svanberg, Gerhardt – Černý (65. Paredes), Vranckx (81. Arnold), Kaminski (81. Majer) – Tomás (74. Wind)
Ersatzbank: Schulze – Cozza, Pejčinović, Jenz
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Henrichs, Klostermann, Lukeba (73. Simakan), Raum – Haidara (80. Baumgartner), Schlager (73. Kampl) – Xavi, Werner (73. Šeško) – Openda (86. Carvalho), Poulsen
Ersatzbank: Blaswich – Lenz, Forsberg, Seiwald
Schiedsrichter: Florian Badstübner (Nürnberg)
Tore: 1:0 Černý (14.)
Torschüsse: 12 / 11
Schüsse aufs Tor: 5 / 1
Passquote: 67% / 82%
Zweikampfquote: 47% / 53%
Ballbesitz: 34% / 66%
Fouls: 17 / 11
Ecken: 6 / 6
Abseits: 3 / 4
Gelbe Karten: Lacroix (1), Vranckx (1), Paredes (1), Baku (1) / Schlager (1), Castello (1), Simakan (1)
Gelb-Rote Karten: Poulsen (56.)
Zuschauer: 16.031 (ca. 2.700 Leipziger)
Rumpelstilzchen