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Einfallsloses Leipzig verliert beim Tabellenletzten
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Einfallsloses Leipzig verliert beim Tabellenletzten

Einfallsloses Leipzig verliert beim Tabellenletzten

Mit der wohl schlechtesten Saisonleistung, an der Grenze zu indiskutabel, verliert Leipzig mit 2:0 beim bisher sieglosen Tabellenletzten aus Mainz. Die Hausherren setzten zwei Konter, während RBL über 90 Minuten keine einzige zündende Idee aufs Feld brachte.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Das Pokalaus nagte noch an den Leipziger Fußballseele, nicht zuletzt, weil mit den Bayern ein weiterer Favorit ebenfalls die Segel streichen musste. Aber keine Zeit für Krokodilstränen, denn es ging schon wieder mit dem Tagesgeschäft weiter. Leipzig zu Gast beim sieglosen Tabellenletzten aus Mainz. Auch wenn die letzten drei Spiele in Mainz nicht gewonnen werden konnten und Schiedsrichter Dankert nur eine Ligapleite von Leipzig pfiff, die allerdings 2018 in Mainz, so war doch klar: Drei Punkte müssen her, um oben den Anschluss nicht zu verlieren und eine nicht unwahrscheinliche BVB-Pleite gegen die Bayern zu nutzen.

Rose kehrte gegen den FSV zur Dreierkette aus dem erfolgreichen Köln-Kick zurück. Etwas überraschend, denn das minderte die Anzahl von Offensivkräften. Openda stürmte vor Xavi und Baumgartner, letzterer ersetzte Werner. Für Poulsen kam Simakan ins Spiel und Kampl lief statt Haidara auf. Blaswich kehrte ins Tor zurück. Einiges an Rotation also, um frische Kräfte zu bringen. Mainz hingegen nicht nur mit einem neuen Trainer, sondern auch einigen Verletzungssorgen und 14 sieglosen Spielen im Gepäck.

 

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Dreisatz des Spiels

Die Leistung aus dem Wolfsburgspiel noch zu unterbieten, war nicht einfach, aber die Rasenballer meisterten diese Hürde mit einer Leichtigkeit, die sonst in allen anderen Belangen auf dem Feld fehlte. Zum vierten Mal in Folge kein Sieg in Mainz und das mit der wohl bisher schlechtesten Saisonleistung (0,5 xG der geringste Wert der Saison). Keine Ideen die tief stehende Mainzer Abwehr zu knacken, keine ausgeklügelten Standards und eben auch kein Xavi, der RBL mit einem Geniestreich rettete, stattdessen am Ende zwei Konter kassiert, die den Mainzern den ersten Saisonsieg ermöglichten. Gefühlt wurden aus den Spielen gegen Bochum oder Wolfsburg keinerlei Lehren gezogen, daher heißt es für Mannschaft und Trainerteam nun Nachsitzen.

 

Rose ratlos.

 

Neu im Bullenstall

Openda im Sturm erneut in der Luft. Ihm fehlten Anspiele und Zweikampfhärte (20% Quote), keine aussichtsreichen Abschlüsse, aber das betraf heute jeden. Werner und Šeško wirkten aber auch nicht besser und blieben offensiv noch harmloser.

Xavi erwischte keinen guten Tag und das war dann dem gesamten Leipziger Spiel anzumerken. In der ersten Halbzeit quasi unsichtbar, hatte er im zweiten Durchgang einen schönen Fernschuss, der mit ein wenig Glück hätte reingehen können, aber Glück hatte RBL heute nicht. Xavi fehlen die Kicker, mit denen zusammen er Fußball spielen kann, gerade an einem Tag, an dem quasi jeder unter seinen Möglichkeiten bleibt, zeigt sich das eindrücklich. Baumgartner wurde vielleicht auch für seine gute Einwechslung beim Kölnspiel mit einem Startelfeinsatz belohnt, hatte in der ersten Halbzeit die xG-technisch beste Leipziger Chance (0,11), glänzte abseits davon aber mit einer schlechten Zweikampfquote (25%) und der schlechtesten Passquote aller Leipziger (62%).

Lukeba bei den Gegentoren nicht nah am Mann, aber da war er ebenfalls nicht allein im Abwehrverbund. Sonst wie auch Simakan mit einer deutlich stabileren Zweikampfquote als Nebenmann Klostermann.

 

Kampl konnte keine Struktur geben.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Bitte gehen sie weiter, hier gibt es nichts zu lesen. Ein Spiel in dem durch die Bank weg jeder unter seinen Möglichkeiten blieb.

 

Luft nach oben

Auch hier braucht niemand herausgegriffen werden. Blaswich am ehesten noch schuldlos, davon ab die Abwehrkette bei den Kontern nicht abgestimmt. Das Zentrum ohne Qualität im Spielaufbau, die Außen ohne Offensivimpakt und mit schlechten Flanken (4/23 kamen an) und die Offensive ohne Großchance. Diesmal mehr Luftnummer als Substanz.


Tweet des Spiels

Verdiente Niederlage beim Tabellenletzten, das ist ein Tiefstschlag.

 

Champagner statt Bier – die Fans

Gut 1.000 Fans begleiteten die Rasenballer nach Mainz und bekamen dafür erneut einen feuchten Händedruck in fußballerischer Form geboten. Die Leipziger waren in der gut gefüllten Arena gut zu vernehmen, konnten ihrem Team aber scheinbar auch nicht den nötigen Schwung von den Rängen liefern.

 

Wäre das die entscheidende Situation des Spiels gewesen, hätte es Diskussionen gegeben.

 

Pfeife des Spiels

Dankert eigentlich mit einer guten Leipziger Bilanz – neun Bundesligaspiele und sieben Siege, nur einmal gab es eine Niederlage – 2018 in, wo auch sonst, Mainz, das einzige Spiel in Liga 1 unter seiner Leitung, in dem Leipzig torlos blieb. Eine Ansetzung, die sich heute wiederholte und deren Resultat ähnlich war. Am Rostocker lag es aber nicht, auch wenn er einige eigenwillige Entscheidungen traf. Zum einen langten die Mainzer den Leipzigern gehäuft mit Hand und Ellenbogen ins Gesicht, was durchgehend(!) straflos blieb, zum anderen war da die vermeintliche Ecke, die dann zum ersten wirklich gefährlichen Konter mutierte. Während Xavi und Raum an der Eckfahne den Ball zurechtlegten, entschied Dankert doch noch auf Abstoß, Zentner führte schnell aus, was die Rasenballer natürlich überrumpelte.

 

Schlager mit vielen Stock- und Passfehlern.

 

Aufgefallen

1)      Die letzten zwei Niederlagen der Rückrunde 22/23 und die ersten zwei Niederlagen der Hinrunde 23/24 gegen Mainz und Leverkusen, so schließt sich scheinbar der Kreis, da soll mal einer sagen, die Leipziger fühlen sich der Tradition nicht verpflichtet. Es war zudem die höchste Niederlage gegen einen Tabellenletzten. Nur Zorniger hatte einst in Liga 2 ebenfalls 2:0 in Aue verloren, Ältere werden sich ggf. noch erinnern, was danach geschah…

2)      Vielleicht rächt sich jetzt auch ein wenig die unioneske Überperformance in Sachen Chancenverwertung aus den bisherigen Spielen, oft konnte RBL mehr Tore als rechnerisch wahrscheinlich erzielen. Trifft Xavi per Fernschuss, dann wäre es vielleicht anders gelaufen, an der grundsätzlich problematischen Einfallslosigkeit würde dies indes nichts ändern.

 

Tradition verpflichtet.

 

3)      Rose fokussierte nach dem Spiel auf die schlechte Entscheidungsfindung und das fehlende Erzwingen von Toren. Natürlich geht es in Interviews gerne mal etwas weniger komplex zu, aber diese „man muss nur wollen“-Kerbe ist dann noch schon etwas sehr abgenutzt. Was Leipzig sichtbar gegen solche Teams fehlt und auch gegen Bochum, Wolfsburg und andere vermissen ließ, ist ein klarer Matchplan gegen tief stehende Gegner. Es mag sein, dass der Fokus in der Vorbereitung zu sehr auf den Umschaltfußballtugenden lag, einen Fußball, der gegen solche Teams und Spielanlagen nicht wirklich funktioniert, weil der Gegner durch Verweigerung kontert, aber dann braucht es einen Plan, der eines Spitzenteams würdig ist. Hier agieren neben den Bayern auch Teams wie Leverkusen besser, da sie deutlich präziser, handlungsschneller und agiler im Spielaufbau sind. Eine Eigenheit, die momentan zu vielen Leipzigern abgeht und deren Verbesserung dem Trainerteam genauso obliegt, wie das Einüben von Standards.

4)      Ein wenig unklar, warum Rose auch gegen Mainz auf die Dreierkette setzte. Openda lange Zeit offensiv auf sich allein gestellt, hing in der Luft. Defensiv wurde RBL trotzdem über die Außen ausgekontert und abseits von vielen Ballstafetten im Abwehrverbund brachte diese Spielformation wenig. Hatte ich gegen Köln die Durchführung dieses Ansatzes gelobt, so schien gegen Mainz nichts zu passen, auch weil ohne Leipziger Treffer die Mainzer zu keiner Zeit ihren Abwehrverbund aufbrechen mussten und es RBL daher mit den drei gebundenen Abwehrkräften noch schwerer fiel, situativ eine Überzahl zu erzeugen.

 

"Wir müssen nur wollen"

 

5)      Viele schwache Standards und viele schwache Flanken. Raum mit Tendenz zur letzten Saison und auch Henrichs unter seinen Möglichkeiten. Nicht das erste Mal, dass man sich als Zuschauer fragt, wie oft die Rasenballer noch versuchen, mit dem Flankenkopf durch die Abwehrwand zu rennen. Dazu kommt ein schwaches Zentrum, in dem sich viele Spieler (Schlager!) den Ball zu weit vorlegten und so unnötige Ballverluste produzierten. Auch das Spiel ohne Ball – erst der Pass, dann das Warten statt sich erneut anzubieten – sowie offensive Doppelpässe waren absolute Bückware. Mit so vielen Problemen ist dann am Ende kein Staat zu machen.

6)      Durch die Bank weg Bewertungen unterhalb von 7 in fast allen Portalen für die Leipziger. Das spiegelte gut das Spiel wieder, in dem es quasi keine Highlights gab und in dem sich keiner auszeichnete. Mit so einer unterdurchschnittlichen Leistung reicht es dann selbst gegen den angeschlagenen Tabellenletzten nicht. Neben der defizitären Spielanlage blieb auch die individuelle Klasse der Einzelnen auf der Strecke.

 

Lieber mal auf sich schauen, was hilft es, wenn andere noch schlechter sind.

 

7)      Ein besorgniserregender Trend momentan. In drei der letzten sechs Spiele konnte RBL keinen eigenen Treffer erzielen. Zwar gab es in den anderen drei Spielen 12 Tore, aber das zeigt nur, dass viel an der Tagesform hängt und wenig an einem Konzept, an dem man sich auch an schlechten Tagen auf- und ausrichten kann. Alles in allem ein durchwachsener Start in den Herbst und mit den Kicks in Belgrad und gegen Freiburg stehen noch zwei schwere Spiele an, eher es in die letzte Länderspielpause des Jahres geht. Zwei Spiele, in denen Leipzig besser nicht verlieren sollte.

8)      Ein Thema nach dem Spiel war die möglicherweise fehlende Frische. Gemessen an den Laufwerten war Mainz deutlich überlegen, auch weil mehr gegen den Ball spielen mussten und gemeinschaftlich lange Wege bei Umschaltmomenten zurücklegten. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Zum einen hat Leipzig (Länderspiele außen vor) lediglich vier Spiele mehr als Mainz in den Knochen, dabei aber den deutlich breiteren Kader. Zum anderen rotiert Rose relativ wenig. Bei den Wechsel im Spiel kann man die Uhr danach stellen, dass vor der 60. Minute – egal wie es läuft – nicht gewechselt wird und in der Startelf wechselte Kovac beispielsweise auf acht Positionen durch, Rose dagegen wie auch gegen Mainz nur auf drei. Das bedeutet, dass das Stammpersonal auch schneller überspielt wirken kann. Grundsätzlich sollte der Kader nach einem Drittel der Saison aber – egal welcher Spielstil – nicht den Eindruck vermitteln, auf der Felge zu gehen. Das wäre dann nämlich ebenfalls zu hinterfragen, warum RBL derzeit schon diesen Eindruck vermittelt.

9)      Immer wieder Namedropping, wer denn jetzt besser gespielt hätte oder früher hätte eingewechselt werden können. Die bittere Realität ist aber, dass es momentan fast egal zu sein scheint, wer in der Offensive beginnt und wer ggf. später kommt. Einzig auf Xavi kann man sich im Normalfall verlassen, bei allen anderen schwankt die Leistung zu stark, um einen alternativen Startelfvorschlag argumentativ zu untermauern. Bestes Beispiel Baumgartner, der gegen Köln als Einwechsler gut war, aber heute als Startelfspieler schwach.

 

Xavi glücklos.

 

Bemerkenswert einfallslos, was Leipzig in den letzten 180 Minuten aufs Feld brachte, drei Schüsse aufs Tor und eine einzige Großchance (in Wolfsburg durch Openda nach Standard). Viel zu wenig für die eigenen Ansprüche und das hat anders als Rose nach dem Spiel feststellte auch wenig mit „erzwingen“ zu tun, sondern liegt hauptsächlich an der taktischen und spielerischen Einfallslosigkeit. In diesem Sinne war Mainz der vorläufige Tiefpunkt der Leipziger Saison, wobei sich diese Probleme auch schon gegen Bochum, Belgrad, Wolfsburg, Darmstadt, Gladbach und Wiesbaden zeigten. Wenn aber die individuelle Klasse nicht sticht, hat RBL oft keine anderen Pfeile mehr im Köcher.

Nach dem vermeidbaren Pokalaus ist dies der nächste Dämpfer, der aktuell eine beängstigende Tendenz erhärtet, daran ändert auch der stark durch den Spielverlauf (drei schnelle Tore vor der Pause) gestützte Kantersieg gegen Köln nichts. Ohne Olmo bleibt aktuell nur Xavi, der bei RBL den Unterschied machen kann, alle anderen hängen zu stark an der Tagesform und bringen nicht die gleichen Qualitäten mit. Hat der Niederländer dann einen schlechten Tag, können die taktische Marschroute oder Automatismen dies nicht kompensieren.

In Belgrad erwartet Leipzig nun ein heißer Tanz mit einer kampfstarken Mannschaft, beinharten Fans und einem Team, dass über ein Jahr daheim unbesiegt ist. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für eine Trendwende, aber man wächst ja mit seinen Aufgaben und lernt aus Niederlagen …

 

Baumgartner konnte seine Leistung vom Kölnspiel nicht bestätigen.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Statistik
1. FSV Mainz 05: Zentner (C) – van den Berg, Guilavogui (16. da Costa), Leitsch – Fernandes, Barreiro, Kohr (68. Krauß), Caci – Richter (68. Barkok), Onisiwo (90. Ajorque), Lee (90. Papela)
Bank: Batz – Mwene, Mamutovic
RB Leipzig: Blaswich – Simakan, Klostermann (82. Poulsen), Lukeba – Henrichs, Schlager, Kampl (C, 82. Haidara), Raum – Xavi (82. Forsberg), Openda (67. Šeško), Baumgartner (67. Werner)
Bank: Gulácsi – Lenz, Seiwald, Carvalho
Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)
Tore: 1:0 Lee (76.), 2:0 Barreiro (82.)
Torschüsse: 10 / 10
Schüsse aufs Tor: 3 / 2
expected Goals: 1,50 / 0,51
Passquote: 68% / 82%
Zweikampfquote: 48% / 52%
Ballbesitz: 32% / 68%
Laufleistung: 121,27 km / 117,47 km
Sprints: 247 / 216
Fouls: 12 / 9
Ecken: 2 / 7
Abseits: 5 / 0
Gelbe Karten: Barkok, van den Berg, Caci / Klostermann (2)
Zuschauer: 30.100 (ca. 1.000 Leipziger)

Rumpelstilzchen