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Von Überzahl und überzähligen Minuten
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Von Überzahl und überzähligen Minuten

Von Überzahl und überzähligen Minuten

Der fünfte Sieg gegen den BVB in den letzten sechs Spielen. Nach zwei enttäuschenden Auswärtsauftritten in der Liga setzt Leipzig mit dem Sieg ein Ausrufezeichen im Verfolgerduell. Trotz langer Überzahl gelang es den Rasenballern beim 3:2 aber nicht, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken und den BVB in Schach zu halten. Geraden in den Endphasen der Halbzeiten ging die Spielkontrolle flöten, woraus letztlich zwei Gegentore resultierten.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Beste Motivationsspritze vor dem Spiel die Aussagen von Watzke auf der JHV der BVB Aktiengesellschaft, in der er – scheinbar getrieben von der Vermutung, dass Leipzig aktuell die Konkurrenz des BVB ist und nicht etwa Bayern oder Bayer – gesondert betonte, dass der BVB ja wohl noch im Pokal sei und vor Leipzig in der Tabelle stünde. Gealtert wie Milch im Hochsommer. Aber wenn man sich an RBL abarbeiten muss, dann werden beim BVB wohl gerade auch deutlich kleinere Brötchen gebacken.

Für das Verfolgerduell gegen die Borussen setzte Rose nach zwei Auswärtsniederlagen in Folge (Mainz, Wolfsburg) auf eine Fünferkette mit nur einem nominellen Stürmer (Openda). Ziel war es dabei wohl, den BVB kommen zu lassen und kontern zu können, was sich letztlich bei der frühen roten Karte für Hummels auch auszahlen sollte.

 

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Dreisatz des Spiels

Rote Karte und Eigentor, es lief nicht gut für den BVB, der nach einer guten und spielbestimmenden Leipziger Phase jedoch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte von RBL eingeladen wurde den Ausgleich zu erzielen und dies dankend annahm. Im zweiten Durchgang ging den Rasenballern die Kontrolle lange ab, Baumgartners Tor beruhigte die Lage nur bedingt. In den Schlussminuten wurde es dann komplett wild. Poulsen wackelte brasilianisch Schlotterbeck aus, aber der BVB antworte nach einer Ecke mit dem Anschlusstreffer und so mussten die mitgereisten Fans bis zum Ende zittern.

 

Drittes Tor von Yussi in Folge.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Raum: Offensiv ging sehr viel bei Leipzig über die linke Seite, wo Raum mehr Freiheiten hatte und mit Xavi auch einen guten Nebenmann. Nach Schlager die meisten Pässe – abseits der Innenverteidiger, mit Xavi die meisten Keypässe und eine gute Zweikampfquote von 66%. Sogar bei seinen Flanken erreichten fast schon ungewöhnlich viele ihr Ziel (66%).

Poulsen: Nicht selten diese Saison schon abgeschrieben, aber trotzdem aktuell der Stürmer mit den zweitmeisten Einsatzzeiten. Nun trifft er auch noch – sein drittes Tor im dritten Spiel nacheinander. Dazu die Vorbereitung für die zweitbeste Chance der Schlussphase, die Šeško allerdings liegen ließ. Der Slowene revanchierte sich aber mit der Einleitung des 3:1, auch wenn danach noch Forsberg (gutes Auge für Yussuf) und Poulsen selbst mit seinem Zweikampf gegen Schlotterbeck. Beide hatten so noch einen ordentlichen Anteil am wichtigen Treffer.

Xavi: Xavi immer noch einer der auffälligsten Leipziger, auch wenn er die ganz große Explosivität bzw. Exklusivität nicht mehr so leichtfüßig auf den Platz bringt wie zu Beginn der Saison. Die Verteidiger haben sich ein wenig auf ihn eingestellt und er wirkte gegen den BVB manchmal etwas unkonzentriert und überspielt – gut zu sehen daran, dass er nur ein erfolgreiches Dribbling hatte. Trotzdem gemeinsam mit Raum die meisten Keypässe, aber man merkt ihm an, dass ihm ein Olmo als Partner ab und an recht guttun würde.

 

Raum mit einem offensiv wie defensiv gutem Spiel.

 

Luft nach oben

Auf die Spieler bezogen, fiel zwar keiner besonders ab, aber auffällig war, dass über rechts und Baumgartner lange recht wenig ging (bezeichnend lediglich 25% Zweikampfquote und 15 erfolgreiche Pässe (65%) beim Österreicher), defensiv agierten Klostermann und Simakan nicht immer sicher (gemeinsam gewannen sie nur 5 von 13 Zweikämpfen). Offensiv unterstrich die Hereinnahme Šeškos, warum der Slowene aktuell etwas hinten an ist. Gute Chance auf das 3:1 vergeben und im Spiel gegen den Ball eher mau.

Allgemein fiel auf, dass Leipzig selbst in Überzahl wenig bis kaum Kontrolle im Mittelfeld hatte, das zu leicht überspielt wurde und in dem die Borussen zu viel Platz hatten. Offensiv haperte es erneut an der Chancenverwertung und in Sachen Konzentration vor der Pause sollte den Kickern die alte Weisheit eingeschärft werden – ein Spiel ist erst zu Ende, wenn der Schiedsrichter abpfeift – vielleicht muss Rose analog zu Kumpel Baumgart (siehe Fußballspruch des Jahres 2021) dazu auch noch mehr reinbrüllen.


Tweet des Spiels

Gealtert wie Milch im Hochsommer.

 

Champagner statt Bier – die Fans

Kein ausverkaufter Gästeblock und einige BVB-Fans offensichtlich mit leichten Erinnerungslücken, warum dies seit dem ersten Auftritt der Leipziger in Dortmund recht häufig so ist. Da ist Häme ggf. weniger angebracht, aber Niveau ist scheinbar eine am Borsigplatz recht gebräuchliche Handcreme. Passt aber zu den oben schon erwähnten Aussagen von Watzke. Letztlich trotzdem eine ordentliche Anzahl Leipziger dabei, die die Rasenballer bis zum Ende unterstützten und dann den Sieg gemeinsam mit der Mannschaft feiern konnten.

 

Auch mit stattlichen 2300 Fans lässt es sich gut feiern.

 

Pfeife des Spiels

Drei der letzten vier Spiele unter Jablonskis Leitung gegen den BVB, nicht, dass der Bremer bei dieser Ansetzung noch zum Inventar wird. Nur zwei der 19 Spiele mit ihm an der Pfeife hat Leipzig verloren (in München und im März in Dortmund). Jablonski ließ beiderseits viel laufen und zeigte bei den Bällen, die an den Arm gingen, wie auch bei leichten Fallern im Strafraum (Openda, Adeyemi) nicht auf den Punkt. Wenig konsistent zu diesen Entscheidungen waren indes die Gelben für Openda und Xavi und die allgemeine Verteilung der gelben Karten. Beim Foul von Hummels war die Rote letztlich alternativlos.

 

Der BVB auf dem Weg zum Lieblingsgegner.

 

Aufgefallen

1)      Über 85 Minuten – Nachspielzeit eingerechnet – in Überzahl, im Gegensatz zum BVB kein Spiel unter der Woche und dennoch bekam Leipzig gegen einen in dieser Saison oft eher biederen BVB keine echte Spielkontrolle hin. Schlimmer noch, in den Endphasen der Halbzeiten wurde es komplett wild und Dortmund durchaus mit der Chance auf den Ausgleich. Insgesamt war das Spiel mit dem Ball oft zu ungenau und im Zentrum klafften Lücken, die sich nur schwer erklären lassen. Dortmund mit mehr Ballbesitz, besserer Zweikampfquote und mehr Sprints. Souverän und abgeklärt wirkte das von Leipzig nicht und auch wenn am Ende ein insgesamt betrachtet verdienter Sieg heraussprang, müssen diese Probleme adressiert werden.

2)      In diese Richtung stießen auch die Kommentare von Schlager (schlechte Chancenverwertung), Baumgartner (fehlende Spielkontrolle) und Rose (fahrige Endphasen, keine Frische). Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung und nach diesem Spielverlauf gilt es eben auch sich darauf zu konzentrieren, was in der Leipziger Spielanlage verbessert werden kann. Ganz oben auf dieser Liste das eigene Spiel mit dem Ball und eine konzentrierte Abwehrleistung. Auch wenn die vom BVB angestimmten eigenen Lobeshymnen vielleicht etwas drüber waren, so kam es nicht von ungefähr, dass die Leipziger Spieler trotz des Sieges ihre Leistungen eher kritisch kommentierten.

 

Party Teil 2.

 

3)      Nach dem blamablen Pokalaus und dem schmeichelhaften Unentschieden gegen den aktuellen Tabellenführer aus Leverkusen war das Spiel für den BVB eher ein Schritt nach vorne. Seit Wochen spielt der BVB eher mau, einzig in der Champions League und in wenigen Ausnahmen in der Liga konnten die Gastgeber überzeugen. Spielerisch war es also ein Schritt nach vorne, weil trotz Unterzahl das Spiel bis zum Ende offen war und man Leipzig in den Schlussphasen der Halbzeiten fast schon beherrschte und auch offensiv ganz solide agierte. Mental, weil die Rückschläge gut verdaut wurden. In Unterzahl auch noch durch ein Eigentor in Rückstand zu geraten, muss man auch erstmal verkraften. Insgesamt war es aber von beiden Vereinen kein Spiel auf hohem Niveau – zu fehleranfällig, zu unkonzentriert und keine klare Linie. Der beste Fußball der Liga wird derzeit auf anderen Plätzen gespielt.

4)      Besonders auffällig war, dass trotz der eher defensiven Aufstellung vor der Fünferkette nur wenig Kontrolle im Sechser-Raum herrschte. Schlager hier nicht mit dem besten Spiel und relativ schlechten Zweikampfwerten, wobei es Leipzig grundsätzlich zu selten gelang – auch in Überzahl – die Räume zu schließen und in die Duelle zu kommen. So konnte der BVB bis 10-20 Meter vor dem Strafraum recht unbedrängt kombinieren. Dies führte zwar nur in den Schlussphasen der Halbzeiten zu wirklichen Chancen (die beste Chance des BVB außerhalb der Nachspielzeiten war Meunier mit 0,05 xG in der 36!), erlaubte aber eben keine Kontrolle des Feldes seitens Leipzig, was sich schön in der Ballbesitzstatistik zeigte.

 

Poulsen brasilianisch.

 

5)      Ärgerlich die erneuten Gegentore in der Nachspielzeit. Wie schon gegen Freiburg und Heidenheim war es um die Leipziger Konzentration nach der regulären Spielzeit nicht zum Besten bestellt. Gedanklich schien RBL schon vor den Ecken, nach denen die Gegentore fielen, teilweise in der trockenen Kabine zu sein. Auch Rose war durch diesen Umstand nicht erfreut.

6)      Unter der Woche schlug mal wieder das beste Bayern Scouting zu. Freund und vielleicht schon Eberl als Vorgriff baggerten erfolgreich am Leipziger Transferziel, dem Spanier Zaragoza, der nun nach München und nicht nach Leipzig geht. Verhandlungen müssen also noch geheimer geführt werden, sonst steht der bayrische Heini immer gleich vor der Tür…

 

Exklusive Bilder von FCB Spielerverhandlungen.

 

7)      Auf den anderen Plätzen lief es eigentlich auch nicht so schlecht für Leipzig. Die anderen aus der Top-5 konnten nicht gewinnen. Bayern bekam eine ordentliche Klatsche zum zweiten Advent eingeschenkt und Stuttgart gegen Leverkusen endete mit einem sehenswerten Unentschieden, in dem Stuttgart ein ordentliches Feuerwerk abbrannte. Nächste Woche geht es dann gegen die Bayern, fragt sich, wer da aktuell mehr Angst hat. Für RBL kommt nach dem Champions League Abschluss das nächste Verfolgerduell. Hoffenheim, über die schon Stuttgart stolperte, siegte nach fünf sieglosen Spielen gegen Bochum. Sie gilt es nun ebenfalls auf Distanz zu halten, um sich in der Top-4 festzukrallen.

 

Xavi umhummelt.

 

Nachdem im November abseits von Belgrad kein Auswärtsspiel gewonnen wurde, war der Sieg in Dortmund ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Zumal auch in Überzahl ein Erfolg beim BVB nicht selbstverständlich ist. Besonders schön auf alle Fälle das Tor von Poulsen, das mitten in die beste Phase der Terzić-Elf fiel.

Dennoch bleiben aber die grundsätzlichen Probleme bestehen, so wie sie auch nach dem Spiel von Rose und dem Team adressiert wurden. Chancenverwertung, Ruhe im Spielaufbau und Konzentration über die gesamte Spieldauer sind da u.a. die Themen.

Nächste Woche jetzt die doppelte Heimspieldröhnung ehe es zuletzt noch einmal nach Bremen geht. Gegen Bern geht es um die Ehre bzw. die Siegprämie in der Champions League, Platz 2 ist ja schon sicher. Gegen Hoffenheim kann Leipzig den Platz unter den Top-4 festigen.

 

Drei wichtige Punkte werden gebührend gefeiert.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Statistik
Borussia Dortmund: Kobel – Meunier (82. Reyna), Hummels, Schlotterbeck, Bensebaini (82. Malen) – Brandt, Can (C), Özcan – Reus (71. Adeyemi), Füllkrug, Bynoe-Gittens (20. Süle)
Bank: Meyer – Morey, Brunner, Blank, Papadopoulos
RB Leipzig: Blaswich – Simakan, Klostermann (C), Lukeba – Henrichs, Haidara (81. Kampl), Schlager, Raum – Baumgartner (75. Forsberg), Xavi (75. Sesko) – Openda (75. Poulsen)
Bank: Gulácsi – Lenz, Bitshiabu, Seiwald, Carvalho
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Tore: 0:1 Bensebaini (32.) ET, 1:1 Süle (45.+5), 1:2 Baumgartner (54.), 1:3 Poulsen (90.+1), 2:3 Füllkrug (90.+3)
Torschüsse: 18 / 26
Schüsse aufs Tor: 6 / 8
expected Goals: 1,71 / 6,64
Passquote: 84% / 83%
Zweikampfquote: 54% / 46%
Ballbesitz: 54% / 46%
Laufleistung: 109,34 km / 120,70 km
Sprints: 220 / 212
Fouls: 6 / 11
Ecken: 6 / 6
Abseits: 1 / 4
Gelbe Karten: Simakan (4), Xavi (3), Openda (4) / Özcan (2)
Rote Karte: Hummels (15.)
Zuschauer: 81.365 (ca. 2.350 Leipziger)

Rumpelstilzchen