Happy End einer Liebesgeschichte
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Es weihnachtelt so langsam in Leipzig. Die Weihnachtsmärkte brechen aus allen Nähten, Weihnachtssingen im Stadion, (Abschieds-) Geschenke werden für verdiente Spieler gepackt und in der Gerüchteküche brodelt es, wen sich die RBL-Oberen gerne unter den Baum legen wollen. Dazu ist es den Rasenballern gelungen, drei Spiele in Folge zu gewinnen – nicht immer souverän – aber die Ergebnisse stimmen langsam wieder.
Da Rose gegen Bern am großen Rotationsrad gedreht hatte, war klar, dass der Fokus auf der Bundesliga und dem Verfolgerduell – dem einzig wahren El Plastico – liegen würde. Die Liga hatte dieses Zugpferd von einem Klassiker selbstredend auf den Abend geplant. Gegen die auswärtsstarken Hoffenheimer (Platz 3 – wie übrigens auch Leipzig in der Heimtabelle), setzte unser Coach auf die Stammelf. Das bedeutete auch für den später nochmal im Fokus stehenden Forsberg vorerst die Bank. Im Vergleich zum Sieg in Dortmund ersetzte Poulsen Lukeba, da Rose zum 442 zurückkehrte.
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Dreisatz des Spiels
Vor dem Spiel hatte Schäfer auf der PK einen best case für den Forsberg Abschied gemalt – das gestrige Spiel war schon nah dran an dem Happy End dieser Liebesgeschichte zwischen dem Schweden und Leipzig. Er kam und überwand die Widerstände (Gegentor nach Torwartfehler) und führte seine Rasenballer mit einem Tor und einer Vorlage zum Sieg, schoss dabei den 499. Bundesligatreffer Leipzigs und bereitete den 500. vor. Ein Sieg, der auch in der Höhe verdient war, denn von Hoffenheim war nur sporadisch etwas zu sehen.

Poulsen dreht erneut auf.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Forsberg: Nur wenige können bei ihrem finalen Heimspiel zum Matchwinner werden. Emil ist dieses Kunststück gelungen. In den letzten Wochen hat er noch einmal seine ganze Klasse gezeigt, die ihn über die Jahre so auszeichnete. Auch wenn ihm das in den letzten Spielzeiten nicht mehr so stabil gelang, so war er doch immer ein Kicker, der zu solchen entscheidenden Szenen fähig war. Gegen die TSG zog er das Spiel endgültig auf Leipzigs Seite, erzielte abgebrüht nach schöner Openda Vorlage das 2:1 und schrammte nur knapp am 3:1 vorbei, dass dann nach Latte zur Vorlage für Simakan wurde.
Poulsen: Kein Tor und technisch gesehen auch keine Vorlage, aber trotzdem ein gutes Spiel des Dänen, den wohl kaum jemand als Stürmer Nr.2 im Sommer auf der Bingokarte hatte. Großen Anteil an der Führung durch Klostermann, weil er den Ball in die Mitte bringt, wo erst Simakan verpasste, ehe Klostermann erfolgreich war. War direkt an den vier besten Chancen (laut xG) Leipzigs beteiligt, die nicht zu einem Tor führten und absolvierte die meisten Zweikämpfe auf dem Feld.
Simakan: Mit dem Tor krönte er seine gute Hinserie. Nach Raum ist Simakan derzeit der Kicker mit den meisten Einsatzminuten. Auch wenn Leipzig hier und da mit kleineren Abwehrschwächen zu kämpfen hat, so ist seine Stabilität entscheidend gewesen, den Ausfall Orbáns zu kompensieren. Gegen die TSG schrammte er knapp am 1:0 vorbei, das dann Klostermann erzielte und setzte mit dem 3:1, dem 500. Bundesligatreffer für RBL, den Schlusspunkt. Neben Simakan hätten es auch Xavi (ein wenig Pech mit dem Pfosten) und Raum (die meisten Keypässe) verdient gehabt, in diese Kategorie zu erscheinen.

Raum und die anderen Abwehrspieler mit einer offensiv starken Leistung.
Luft nach oben
Blaswich: Seit seiner Berufung in die Nationalmannschaft irgendwie ein wenig unsicher. Der Fehler, der zum Ausgleich führte, nicht der einzige in den letzten Wochen. Auch wenn er auf der Linie erneut stark gehalten hat, so sollte Blaswich beim Herauslaufen wieder souveräner werden.
Haidara: Manchmal etwas übermotiviert und nicht ganz so stabil wie Schlager neben ihm. Aber eher Jammern auf hohem Niveau.
Tweet des Spiels
Danke @eforsberg10! ❤️ #Forsberg pic.twitter.com/czKPK3lFTI
— RB-Fans.de (@rb_fans) December 17, 2023
Gänsehautmoment der Extraklasse.
Champagner statt Bier – die Fans
Man möchte meinen, dass es gegen Hoffenheim eine etwas geringere no show rate gab. Auch dies mag mit dem Forsberg Abschied begründet sein, den man sich als Fan lieber nicht entgehen lassen wollte. Vor dem Spiel gab es wohl kleinere Reibereien mit einer TSG Fangruppe, die letztlich am Waldplatz festgesetzt wurde. Im Spiel dann aufseiten der Gäste relativ ruhig. Der große Schwung kam dann mit Forsbergs Einwechslung in die Kurve und zog sich durch die engagierte Schlussphase bis zu seiner Rede nach dem Spiel.

Xavi glücklos aber mit viel Offensivdrang.
Grüße aus der Kurve – von LeipzigOlé
Wow, was für ein Abend. El Plastico als absolutes Topspiel der Woche, welches diesen Titel auch absolut verdient hat. Jeder, der gestern im Stadion war, wird diesen Abend nicht vergessen und das liegt nicht unbedingt daran, dass wir gegen Hoffenheim gewonnen haben.
Es wurde zu einem legendären und emotionalen Abend! In den letzten Tagen wurde es immer klarer, dass sich einer der verdientesten Spieler von Rasenballsport Leipzig verabschieden und auf eine neue Reise begeben wird.
Den ersten Schritt zur Verabschiedung machten die Fans als in der 10. Minute das ganze Stadion stand und "Emil Forsberg" skandierte. Untermalt wurde das Ganze noch mit einem Spruchband der Z147, welches in einem Satz beschrieb, was man mit 1000 Büchern nicht ausdrücken könnte.
Er sei sei stolz, dass die Menschen in Leipzig ihn “nicht nur als den Fußballspieler Emil #Forsberg erinnern, sondern auch als den Menschen, der immer freundlich war, immer offen, gute Laune hatte, immer, fast immer”, erzählt ein sehr glücklicher Emil Forsberg @sportstudio pic.twitter.com/hKoWF4KSfK
— Thomas Skulski (@Skulle59) December 16, 2023
Wer keine Tränen in den Augen hatte war ein Roboter.
In der zweiten Halbzeit sollte es allerdings so richtig Vogelwild werden. Schon bei der Einwechslung von Emil Forsberg waren die Fans so brutal laut, dass das Stadiondach Richtung Orbit abgehoben hätte, wäre es nicht so fest verankert.
Seinen Legendenstatus hat er, nur wenige Minuten später, noch fester zementiert, als beim Stand von 1:1 das Unglaubliche passierte. Emil bekommt nach wilden Winken den Ball, macht Emil Dinge und schießt das 2:1. Wahnsinn, absolute Eskalation und es ist ein Moment, den man sich nicht besser hätte ausdenken können. Was für ein überragender Abgang! Sowas erlebt man nicht oft, egal ob als Fußballer oder auch als Fan. Für alle, die nicht im Stadion sein konnten, habt ihr echt was verpasst!
Nach dem Spiel wurde es noch einmal richtig emotional. Licht aus, Spot an und voller Fokus auf die Legende! Nach ein paar Videoclips und warmen Worten ergriff Emil noch einmal das Wort und bedankte sich bei den Fans und diese ließen ihn noch einmal richtig hochleben, so wie es nur bei wenigen Spielern zelebriert wird! Dabei waren nicht nur Emils Augen Tränengefüllt - und das vollkommen zu Recht!
Viel kann man nicht mehr sagen nach so einem Abend und sicherlich könnte man auch ewig schreiben, sich tausende Videos ansehen, aber wenn man nicht dabei war, wird man nie diese Emotionen begreifen können.
Eins noch zum Schluss, alles Gute, maximalen Erfolg und ganz viel Liebe für dich Emil. Komm mal wieder vorbei, du bist bei uns immer willkommen! – Einmal Leipzig, immer Leipzig!
„Forsberg war auch deshalb ein absoluter Publikumsliebling, weil er abseits des Platzes so locker und freundlich rüberkam, und weil er längst selbst gemerkt hat, wie gut er zu diesem Verein und in diese Stadt passt.“
— Justgroovy (@justgroovy20th) December 17, 2023
Einfach großartiger, lesenswerter Artikel! Pflichtlektüre.👍 https://t.co/Z3tD9DABsO
Viele großartige Worte für einen heraussragenden Spieler.
Pfeife des Spiels
Achtes Spiel für Robert Schröder mit Beteiligung von RB Leipzig. Einzig der Supercup 2022 gegen die Bayern ging dabei verloren. Die Ligaheimspiele hatte Leipzig alle gewonnen, darunter mit Stuttgart und Freiburg auch zwei Vereine aus dem Südwesten geschlagen. Eine Bilanz, die nun um einen Sieg gegen die TSG reicher ist. Einzig im ersten Spiel unter seiner Leitung – 2011 gegen Hertha II – sah ein Leipziger die Ampelkarte. Damals war es Rockenbach da Silva.
Im gestrigen Spiel waren nicht alle Entscheidungen Schröders nachvollziehbar. Bestes Beispiel dafür vielleicht der fragwürdige Freistoß, der zum Ausgleich führte, aber auch die Rote gegen Grillitsch – von hinten gegen Wade und auf den Fuß – hätte nicht zwingend kassiert werden müssen. Insgesamt aber eine gute Spielleitung des Hannoveraners.
Diese rote Karte wurde vom VAR kassiert. Ja, Yussi wird an der Wade nur gestrichen, danach geht es aber mit voller Intensität aufs Sprunggelenk. Rot vielleicht hart, aber keineswegs falsch oder eine klare Fehlentscheidung. Wie wird der Eingriff begründet? pic.twitter.com/yZ68nNYRl8
— CFL 🏆 Pokalsieger2023 🏆📯 (@CFLE79) December 17, 2023
Musste da der VAR wirklich eingreifen?
Aufgefallen
1) Langsam schiebt sich Leipzig nach vorne. Die direkte Konkurrenz um den Platz die bei den Champions League Plätzen hinter Bayern und Bayer wurde jeweils geschlagen. Wichtige Sechs-Punkte-Siege, die allesamt auch verdient waren. Auf deren anderen Seite werden die Niederlagen gegen Mainz (seit April sonst ohne Bundesligasieg) und Wolfsburg (gerade erstmals seit September, abgesehen von den Spielen gegen Leipzig, knapp gegen den Tabellenletzten gewonnen) noch lange schwer im Magen liegen. Bei der derzeitigen Punkteausbeute und der Größe des Umbruchs, der sich durch den Abgang Forsbergs noch verstärken wird, war es jedoch zu erwarten, dass nicht alles reibungslos ablaufen wird.
2) Wenig reibungslos ist beispielsweise die aktuelle Leipziger Tendenz aus individuellen Fehlern Tore zu kassieren und selbige meist gegen Ende einer Halbzeit zu bekommen. Kaum ein Spiel endet derzeit ohne ein Tor für den Gegner, gerne auch eine Folge von ruhenden Bällen. Hier muss also angesetzt werden, um in der Rückrunde etwas stabiler zu sein und sich nicht um den gerechten Lohn der eigenen Offensivbemühungen zu bringen.
Ein Spalier für die 𝗥𝗕𝗟-𝗟𝗲𝗴𝗲𝗻𝗱𝗲 @eforsberg10!#RBLTSG #Bundesliga pic.twitter.com/Qiu79fl8j0
— RB Leipzig (@RBLeipzig) December 17, 2023
Abschied auch auf dem Platz episch.
3) Mit Forsbergs Abgang und dem unklaren Status von Werner und Carvalho sowie dem immer noch rekonvaleszenten Olmo gestaltet sich der Leipziger Umbruch weiterhin schwierig. Hier müsste unter diesen Vorzeichen eigentlich ein Neuzugang im Winter erfolgen, denn die erste Mannschaft ist – wie das Bernspiel zeigte, sehr eingefahren und aus der zweiten Reihe könnte mehr Druck aufgebaut werden. Nachdem Zaragoza sich für die Bayern entschieden hat, wird aktuell Sancho in die Gerüchteküche geworfen. Leipzig hat im Rennen um den unzufriedenen United-Kicker aber maximal Außenseiterchancen. Grundsätzlich ist es aber aktuell noch etwas ruhig.
4) Gut zu sehen, dass auch ohne Xavis Vorlagen und Opendas Tore die Leipziger Offensive funktioniert. Poulsen zeichnete sich durch einige gefährliche Situationen aus. Raums Standards waren gefährlicher und auch die Abwehrspieler trafen. Das lässt etwas hoffen, die Verantwortung in der Rückrunde auf mehr Schultern zu verteilen. Gerade Baumgartner und Šeško sind daher in der Rückrunde gefordert. Mit ungefähr einem Scorer pro 100 Minuten sind sie in der Hinrunde sogar besser als Forsberg unterwegs gewesen. Vielleicht öffnet dieser Abgang also auch die Möglichkeit, neue Helden zu formen.
500 – RB Leipzig erzielte mit dem dritten Tor gegen Hoffenheim das 500. Tor im 253. Bundesliga-Spiel der Vereinshistorie – nur der FC Bayern (im 231. Spiel) und Borussia Mönchengladbach (im 240. BL-Spiel) knackten diese Marke in der BL-Historie früher. Jubiläum. #RBLTSG pic.twitter.com/hOj4M2ecv1
— OptaFranz (@OptaFranz) December 16, 2023
Simakan mit einem historischen Treffer.
Das wohl emotionalste letzte Heimspiel vor der Weihnachtszeit, das der einzig wahre Rasenballsport bisher zu bieten hatte. Selbst die schönen Siege gegen Halle (Liga 3), im ersten Bundesligajahr gegen Hertha (damals übrigens mit Forsberg Vorlage) oder letzte Saison gegen Freiburg, als Leipzig in die Top-4 rutschte und dabei natürlich auch Forsberg traf, können diesem Moment nicht das Wasser reichen. Forsbergs Abschied bewegte die Gemüter in etwa so wie der des langjährigen Kapitäns Dome Kaiser. Das sind die Geschichten, die eine echte Bindung zum Verein zeigen und erzeugen. Daran werden wir wohl noch in vielen Jahren zurückdenken, wie an die berühmtesten Tore, sei es Coltorti oder der Siegtreffer gegen den BVB – mit dabei natürlich Forsberg!
Durch den Sieg sieht es in der Tabelle "rosig" aus. 32 Punkte nach 15 Spieltagen ist eine starke Ausbeute, die Leipzig in Bremen nochmal nachbessern kann und sollte, um für das nächste Jahr gewappnet zu sein und besonders die Verfolger auf Abstand zu halten. Dort hat sich der BVB gegen Augsburg selbst ein Bein gestellt, aber es ist noch lange nicht aller Tage Abend und der Start ins neue Jahr wird es mit Frankfurt, Leverkusen, Stuttgart und Union richtig in sich haben.

Viel Erfolg Emil!
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs, Klostermann, Simakan (83. Castello Jr.), Raum – Haidara (58. Kampl), Schlager – Baumgartner (66. Forsberg), Xavi (83. Carvalho) – Openda (83. Šeško), Poulsen (C)
Bank: Gulácsi – Lenz, Werner, Seiwald
TSG 1899 Hoffenheim: Baumann (C) – Kabak (75. Akpoguma), Brooks, Vogt – Kadeřábek (90. Nsoki), Stach (75. Bischof), Skov (46. Grillitsch) – Prömel, Kramarić – Bebou (69. Beier), Bülter
Bank: Philipp – Becker, Tohumcu, Szalai
Schiedsrichter: Robert Schröder (Hannover)
Tore: 1:0 Klostermann (34.), 1:1 Kabak (42.), 2:1 Forsberg (70.), 3:1 Simakan (74.)
Torschüsse: 22 / 9
Schüsse aufs Tor: 10 / 4
expected Goals: 2,92 / 1,04
Passquote: 87% / 84%
Zweikampfquote: 57% / 43%
Ballbesitz: 57% / 43%
Laufleistung: 117,0 km / 118,8 km
Sprints: 253 / 241
Fouls: 11 / 9
Ecken: 9 / 2
Abseits: 2 / 0
Gelbe Karten: Haidara (2), Xavi (4) / Kabak (4), Grillitsch (4)
Zuschauer: 42.946
Rumpelstilzchen & LeipzigOlé