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0:1 gegen Frankfurt – Leipziger Chancenwucher
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0:1 gegen Frankfurt – Leipziger Chancenwucher

0:1 gegen Frankfurt – Leipziger Chancenwucher

Mit einer 0:1 Heimpleite startet Leipzig ergebnistechnisch denkbar schlecht ins neue Jahr und beschließt zeitgleich die Hinrunde. Erstmals verliert RBL dabei ein Heimspiel gegen die SGE. Über 30 Torschüsse und über 30 Freistöße und Flanken ließ die Rose-Elf ungenutzt. Wie schon mehrmals in dieser Saison scheiterte Leipzig eher am eigenen Unvermögen als am Gegner.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Wunden lecken in Bremen, Weihnachtsschmaus, Silvester, Trainingslager, Testspiel – keine vier Wochen und schon steht die Eintracht auf der Matte. Drei Jahre lang von 2020-2022 konnte Leipzig gegen die Eintracht nicht gewinnen. Das änderte sich 2023 unter Rose und kulminierte im Sieg im Pokalfinale. Neues Jahr, neues Glück für die Eintracht? Nicht, wenn es nach der starken Leipziger Heimbilanz in dieser Saison geht…

Für das Ziel – einen Auftaktsieg zum Jahresanfang bzw. einen Sieg zum Abschluss der Hinrunde - quasi das Alpha und das Omega zugleich - gab es bei Roses Aufstellung keine Überraschung. Der Trainer setzte auf eine Offensive, die komplett aus Sommerneuzugängen bestand. Šeško, in der Liga noch ohne Tor bei einem Startelfeinsatz sowie Openda stürmten vor Xavi und Baumgartner. Eine Konstellation, die es so zuletzt beim torlosen 0:0 gegen Bochum gab. In der Defensive keine Überraschungen, hier erhielt Klostermann, der unlängst seinen Kontrakt verlängerte, den Vorzug vor Lukeba. Im Zentrum durften Kampl und Schlager ran, da Haidara beim Afrikacup weilt. Neuzugang Elmas nahm wie Olmo, der endlich genesen war, auf der Bank Platz.

Bei der Eintracht galt hingegen – alles neu macht der Januar, denn offensiv starteten die Winterneuzugänge van de Beek (Manchester United) und Kalajdžić (Wolverhampton Wanderers), der Österreicher sorgte vor gut zwei Jahren bei Stuttgart für Furore, ehe er in England durch einen Kreuzbandriss zurückgeworfen wurde.

 

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Dreisatz des Spiels

So enttäuschend das letzte Spiel vor der Weihnachtspause, so ernüchternd nun auch das erste danach. Die Rose-Elf mit viel Aufwand, über 30 Torschüssen sowie über 30 Flanken & Freistößen, aber am Ende ohne Tor. Problem besonders die niedrige Chancenqualität (Frankfurt mit den beiden besten Chancen des Spiels) und die unterirdische Verwertungsquote (bei gut 3 xG muss dennoch mal einer reingehen). Damit steht Leipzig zum Ende der Hinrunde mit einem Punkteschnitt von unter 2 da und hat erstmals daheim gegen Frankfurt verloren – ein echter Fehlstart und die guten Gegner kommen erst noch…

 

Schweigeminute für den Kaiser.

 

Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt

Xavi: Auch im neuen Jahr einer der wenigen, der den Unterschied machen kann – nämlich qua seiner Fertigkeiten am Ball und nicht dank der taktischen Ausrichtung des Teams. Manchmal einen Tick zu eigensinnig, aber genau solche Unterschiedsspieler fehlen im Team. Kicker, die den Gegner auch mal überraschen und Lücken für die Mitspieler reißen. Bestes Zeugnis für Xavis Einhorncharakter in der Leipziger Elf: 16 von 21 Zweikämpfen und 8 von 11 Dribblings entschied der Niederländer für sich.

Raum: Viele Flanken, Ecken & Freistöße. Dass aus diesen keine Tore resultierten, lag gegen Frankfurt weniger an Raum als an den Empfängern. Immerhin hatte er bei Flanken und langen Bällen eine gute Zielquote (10 von 26 erreichten den Mitspieler), was zu den herausragenden acht Keypässen beitrug. Bei Zweikämpfen muss Raum aber noch zulegen.

Olmo & Openda: Im Prinzip eine Hoffnungsnennung. Warum? Weil z.B. der Spanier trotz einiger physischer Schwächen (17% Zweikampfquote) nochmal etwas Schwung, Chancen und Torschusseinleitungen (4) brachte. Der Belgier hingegen war der torgefährlichste Spieler auf dem Feld, zwar ohne diese Gefahr umzumünzen, aber da fehlte - anders als bei anderen Abschlüssen (beispielsweise Baumgartners Fernschussrückgaben) - oft nicht viel.

 

Šeško mit großen Schritten, aber wenig Zählbarem.

 

Luft nach oben

Šeško: Ein Kicker, der mich ehrlich gesagt, verzweifeln lässt. Gute Anlagen, gepaart mit vielen falschen Entscheidungen auf dem Feld. Will er Poulsen schlagen und Werner vergessen machen, muss er jetzt endlich mal zulegen. Im Spiel gegen den Ball und auch bei den Entscheidungen vor dem Kasten. Er hatte in der 16. Spielminute die wahrscheinlich größte Chance auf den Ausgleich, der in dieser frühen Phase das Spiel hätte vielleicht noch kippen können.

Poulsen: Auch für den Dänen war es nach der Einwechslung nicht gerade in perfekter Einstand ins neue Jahr. Kein gewonnenes Duell, kein Schuss aufs Tor, keine Torschussvorlage, kein Impact.

Kampl: Zwar die ordnende Hand und eine hohe Passquote, aber nicht bissig genug. Schlager führte 12 Zweikämpfe, Kampl lediglich zwei - darf es vielleicht noch etwas mehr sein? Ohne Haidara könnte nun vielleicht die Stunde von Seiwald schlagen.

 

Tweet des Spiels

Leider wahr...

 

Champagner statt Bier – die Fans

Solide Stimmung in der Arena, aber auch keine Topleistung auf den Rängen. Dank des über weite Strecken bestimmend geführten Spiels, war die Laune auf den Rängen bis zum Ende gut und hoffnungsvoll, auch wenn die Abschlüsse einige an den Rand des Nervenzusammenbruchs geführt haben dürften. Die no show rate wieder recht hoch, um die 40.000 Zuschauer dürften im Stadion gewesen sein.

 

Ob es regnet, ob es schneit, stets stehn wir für dich bereit!

 

Pfeife des Spiels

Willenborg hat in der Bundesliga eine eher ausbaufähige Bilanz bei Leipziger Spielen. Drei Niederlagen standen lediglich zwei Siege gegenüber. Einer davon immerhin eindrucksvoll in dieser Saison, als im Sommer Stuttgart mit 5:1 vom Platz gefegt wurde. Dies blieb aber der einzige Leipziger Heimsieg mit ihm an der Pfeife. Gegen Bielefeld (2023) und Berlin (2017) setzte es Niederlagen. Eine Leipziger Pleite gegen die Hertha zu leiten, hat schon fast Einhorncharakter. Immerhin sah die Auswärtsbilanz der Eintracht (6 Spiele – 0 Siege) bei ihm auch nicht besser aus, aber das ist ja nun Geschichte...

Willenborgs eher lange Leine kam den Gästen entgegen, die bei 16 Fouls mit zwei Gelben gut bedient waren. Die Schubser im Strafraum gegen Openda und Xavi waren meines Erachtens nicht elfmeterwürdig, auch wenn IG Schiedsrichter das besonders bei Openda anders sieht. Insgesamt ein paar kleinere nicht ganz nachvollziehbare Entscheidungen, aber keine spielentscheidenden Dinge, sodass Leipzigs erste Heimpleite gegen die SGE nicht auf sein Konto geht.

 

Ausdruck auf den Gesichtern im Fanblock, beim Blick auf die ausgelassenen Chancen.

 

Aufgefallen

1)      Im Winter wurden von Rose und dem Team Standards und Chancenverwertung als Verbesserungspotenziale ausgemacht. Das Spiel gegen Frankfurt führte diese angeblichen Trainingsziele ad absurdum – wie nebenbei auch schon davor das Testspiel gegen St. Gallen. Dass Leipzig in der xG Tabelle dennoch ziemlich auf Linie ist, liegt im Prinzip nur an Freaktoren und ein paar sehr effizienten Spielen zu Beginn der Saison. Seit dem Herbst wird dieses xG Polster aber durch Unvermögen aufgefressen. Damit den Neujahrsvorsätzen auch Taten folgen, muss das Trainerteam jetzt hier schleunigst Erfolge erzielen, zumal mit Leverkusen, Stuttgart und Union echte Bretter zu bohren sind.

2)      Rechnet man Einzelkönner wie Xavi aus den Leipziger Angriffsbemühungen, ist man schnell bei einem sehr statischen Spiel, das von Flanken und ruhenden Bällen lebt. Einfach weil klare Strukturen fehlen, um gegen dichte Abwehrreihen zum Erfolg zu kommen. Hier braucht es Geduld und vor allem hohe Passeffizienz in der Angriffsspitze, die geht einigen Kickern aber ab, sodass gerade der letzte oder vorletzte Pass nicht mehr sitzt. Auch hier ist das Trainerteam also gefordert, die Voraussetzungen zu schaffen, sich den Gegner gezielt herzuspielen. Dies ist beispielsweise Xabi Alonso mit Leverkusen sehr gut gelungen.

 

Frankfurt reiht sich in Spiele wie Bochum, Wolfsburg und Bremen ein.

 

3)      Während Leipzig sehr viel investierte und viele kleine Chancen hatte, so reichte Frankfurt der einzige Schuss auf den Kasten zum Sieg und obendrauf, mit Götzes Möglichkeit aus der 57., ließ die SGE sogar die beste Möglichkeit des gesamten Spiels aus. Wenige Offensivaktionen, die aber saßen. Zum einen, weil sie jeweils einem klaren Plan folgten: die Räume aus dem Konterfußball und die Breite des Spielfelds nutzen, um nach dem Umschalten Leipzig die Zuordnung zu erschweren. Die beiden Hereingaben fanden dann im Zentrum die schlecht gedeckten Knauff und Götze. Zum anderen wurden diese Aktionen auch durch die fehlende Gegnerorientierung der Rose-Elf erleichtert, die Zuordnung auf Außen wie auch im Zentrum hatte nicht gestimmt. Auch weil sich solche Möglichkeiten für den Gegner nicht immer verhindern lassen müssen, ist es wichtig, dass die Abwehr stets auf der Höhe ist und dass im Angriff die eigenen Chancen effizienter genutzt werden, um nicht erneut Rückständen hinterherlaufen zu müssen.

 

Olmo ist zurück, das gibt Hoffnung.

 

4)      Hoffnung macht die Rückkehr von Olmo, der sich solide einfügte und offensiv einige Akzente setzte. Je schneller der Spanier wieder in der Startelf steht und mit Xavi eine Achse bildet, umso besser. Auch Elmas könnte in der Rückrunde eine größere Rolle spielen. Während bei Frankfurt ja bereits Winterneuzugänge begannen, musste Elmas bis in die Schlussminuten warten. In Anbetracht der Tatsache, dass RBL für Elmas, Šeško und Baumgartner insgesamt über 70 Mio Euro ausgegeben hat, sollte einer dieser drei in der Rückrunde besser mal zünden, sonst sollte man sich wohl eher auf Klasse statt Masse spezialisieren und mehr Kicker wie Openda holen, die gleich den Unterschied machen können. Das gilt auch im Hinblick auf den möglichen Ersatz für Werner. Denn Forsberg, Moriba und Werner durch Elmas zu ersetzen klingt für die kommende Rückrunde etwas dünn.

5)      Während Leverkusen Frankfurt eindrucksvoll vor der Winterpause mit 3:0 besiegte, verloren unsere Leipziger erneut ein Spiel gegen einen insgesamt betrachtet eher mauen Gegner. Abseits der beiden Spitzenspiele gegen Bayer und Leverkusen waren alle Punktverluste in dieser Spielzeit vermeidbar und gegen Teams, die sonst wenig zu überzeugen wussten. Wenn RBL also in solchen Spielen leichtfertig Punkte und damit auch Titelchancen vergibt, dann muss jetzt eben die Delle in den Topspielen ausgebessert werden. Mit Leverkusen kommt nächste Woche die maximale Herausforderung auf Leipzig zu und auch das Auswärtsspiel in Stuttgart dürfte es in sich haben. Die Möglichkeit, um zu zeigen, wo man steht. Setzt es wieder Punktverluste, so dürfte das ligatechnische Minimalziel Platz 4 in Gefahr geraten.

 

Ein Blick auf die Hinrunde zeigt, dass auch Emil zuletzt nicht mehr so oft den Unterschied machte.

 

Trotz der Niederlage, sind die spielbestimmende Herangehensweise und die Vielzahl der Leipziger Chancen erstmal positiv zu werten. Auch die Rückkehr Olmos und die Spielfreude Xavis machte Laune, gelingt es diese zwei Unterschiedsspieler zeitgleich aufs Feld zu bringen, kann es eine erfolgreiche Rückrunde werden, auch wenn die möglichen Sommerabgänge der beiden etwas Angst machen.

Von Chancen und Ballbesitz allein lässt sich aber tabellarisch nicht leben und so muss die Verwertungsquote aber auch die Qualität der einzelnen Möglichkeiten in der kommenden Woche im Fokus stehen. Einerseits braucht es mehr Struktur in den Angriffen, hier ruht zu viel auf den Schultern Xavis, wohingegen es anderen Kicker an Handlungsschnelligkeit mangelt. Andererseits ist die Verwertungsquote gerade nach ruhenden Bällen viel zu niedrig.

Mit Leverkusen kommt nun die Topelf der Stunde und der Herbst- bzw. Hinrundenmeister nach Leipzig. Gegen Augsburg tat sich Leverkusen auch schwer, gewann aber in letzter Minute verdient – erspielte sich dabei auch mehr Großchancen als Leipzig gegen die SGE. Nach den Punktverlusten gegen Bremen und Frankfurt muss es das Ziel sein, den noch ungeschlagenen Spitzenreiter in der heimischen Arena zu schlagen, um zu zeigen, dass mit RBL noch zu rechnen ist!

 

Elmas erhielt ein paar Einsatzminuten.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Statistik
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs (87. Elmas), Simakan (87. Lukeba), Klostermann, Raum – Kampl (C), Schlager – Baumgartner (67. Olmo), Xavi – Šeško (67. Poulsen), Openda
Bank: Gulácsi – Lenz, Bitshiabu, Seiwald, Eduardo
Eintracht Frankfurt: Trapp (C) – Tuta, Koch, Pacho, Nkounkou – Ebimbe (71. Jakić), Larsson, Götze (84. Hauge), Knauff – van de Beek (62. Buta), Kalajdžić (62. Ngankam)
Bank: Grahl – Smolčić, Hasebe, Aaronson, Max
Schiedsrichter: Frank Willenborg (Osnabrück)
Tore: 0:1 Knauff (7.)
Torschüsse: 31 / 5
Schüsse aufs Tor: 8 / 1
expected Goals: 2,67 / 1,08
Passquote: 86% / 77%
Zweikampfquote: 55% / 45%
Ballbesitz: 63% / 37%
Laufleistung: 119,56 km / 121,05 km
Sprints: 274 / 251
Fouls: 9 / 16
Ecken: 15 / 4
Abseits: 4 / 3
Gelbe Karten: – / Ebimbe (2), Larsson (1)
gemeldete Zuschauer: 45.867

Rumpelstilzchen