Eine gefährliche Abwärtsspirale!
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach den Heimpleiten gegen Frankfurt und Bayer benötigte RBL ein Erfolgserlebnis beim Sechs-Punkte-Spiel gegen die direkte Konkurrenz aus Stuttgart. Da der VfB ebenfalls in einer kleinen Ergebniskrise steckte, wichtige Akteure fehlten und das Hinspiel mit 5:1 gewonnen wurde, durfte sich RBL durchaus Hoffnungen auf Punkte machen.
Problematisch für Rose war jedoch, dass Xavi nach der fünften Gelben passen musste und so der Schlüsselspieler der Saison fehlte. Für den Niederländer startet Baumgartner, sonst gab es keine Änderungen im Vergleich zu der über weite Strecken sehr ausbaufähigen Niederlage gegen Leverkusen.
Dreisatz des Spiels
Nach diesem Spiel positive Ansätze zu suchen, fällt extrem schwer. Lediglich die Chancenverwertung und der Umstand, dass Leipzig mal keine 30 Ecken benötigte, um ein Tor zu erzielen – standen auf der Habenseite. Davon ab war es in allen anderen Belangen eine absolute Katastrophe: spielerisch limitiert, die Abwehr ein kopfloser Hühnerhaufen, das Zentrum weder mit noch gegen den Ball auch nur ansatzweise effektiv, offensiver Underdogfußball und im Tor ist Blaswich weiter in der Sinnkrise. Kurzum: Stuttgart spielte Fußball – was Leipzig machte, weiß ich ehrlich gesagt nicht! Viele Hausaufgaben und wenig Zeit für Marco Rose.

Stuttgart im Zentrum deutlich aggressiver.
Die besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Šeško & Openda: Weil es ihnen gelungen ist aus den wenigen Bällen, die sie aus dem Mittelfeld bekamen, überhaupt Tore zu erzielen. Šeško dabei sogar sein erstes Bundesligator, bei dem er in der Startelf stand. Am Ende wirkte der Slowene zwar etwas lustlos im Anlaufen, aber da war der Drops auch schon gelutscht.

Šeškos Anschluss sehenswert aber nicht wirklich verdient.
Luft nach oben
Trainerteam: Vollmundige Worte im Trainingslager, die Resultate sind alarmierend. Die Abwehr ein Scherbenhaufen, offensiv hängt alles an Xavi – eine echte Taktik ist nicht zu erkennen und während Stuttgart und Bayer herspielen, ist bei Leipzig spielerische Ebbe und unansehnlicher Underdogfußball an der Tagesordnung.
Abwehr: Eine funktionierende Defensive gehört zu den absoluten Basics. Wenn schon nichts anderes, dann muss die Abwehr stehen. Das ist aktuell auf keiner Position der Fall. Eine absolut bedenkliche Entwicklung. Paradebeispiel Undavs Tor zum 5:2: In so einer Situation – ein ruhender Ball – muss der beste Angreifer des Gegners im Strafraum doch gedeckt sein, stattdessen ist niemand da und Undav darf Abschluss und Nachschuss ungestört durchführen. Hier fehlen derzeit essenzielle Dinge. Zusätzliches Problem ist dabei Blaswichs Formkrise, der Keeper seit seinem Nationalmannschaftsausflug von der Rolle, wieder mit einigen merkwürdigen Einlagen im Fünfmeterraum.
Mittelfeld: Auch hier braucht man keinen herauszugreifen – insgesamt eine unterirdische Leistung. Olmo fehlt noch der Spielwitz, er war lange verletzt, das kann passieren, aber man sieht auch deutlich den Unterschied zu Xavi. Im Zentrum keinerlei Kontrolle, kein effektives Stören des Stuttgarter Spielaufbaus, die im Prinzip ohne große Probleme bis zur Leipziger Abwehrkette durchpassen konnten. Baumgartner, als Olmos Nebenmann, noch im Glück keine Ampelkarte gesehen zu haben, mit einer Zweikampfquote fürs Tiefbauamt.
Tweet des Spiels
Abseits des total abwegigen Elfmeters ist diese Mannschaft bisher kaum wiederzuerkennen. Saft und kraftlos. Frustrationsfouls. Kaum bis keine Körpersprache. Kein Spielwitz oder Inspiration. Keine mannschaftliche Geschlossenheit. Ohne Willen, Leidenschaft. Unkonzentriert. #VfBRBL https://t.co/canoptFOv8
— Justgroovy (@justgroovy20th) January 27, 2024
Es stimmt an so vielen Ecken und Enden nicht.
Champagner statt Bier – die Fans
Für die Mitgereisten tat es einem besonders leid. Lange Auswärtsfahrt und dann so eine Nicht-Leistung. Seit Ende Oktober in acht Auswärtsspielen nur zwei Siege – hartes Brot.
Wir sind da 🖤 #vfbRBL pic.twitter.com/eflqxn6EHQ
— BrauseCrew Berlin (@brausecrew) January 27, 2024
Kein Lichtstrahl der Hoffnung.
Pfeife des Spiels
Jablonski eigentlich durchaus eine Art Glücksbringer für RBL. Den Pokalkantersieg in Freiburg pfiff er genauso wie den Auswärtserfolg in Dortmund im Dezember. Vor dem Stuttgartspiel nur zwei knappe Niederlagen in Bundesliga und Pokal und die in Dortmund und München. An Bremer lag die Leipziger Niederlage nicht, auch wenn man beim Elfmeter geteilter Meinung sein kann. Einerseits hat der Arm auf dieser Höhe nichts verloren, das muss Simakan wissen, es ist ja nicht der erste Elfmeterpfiff dieser Art. Andererseits wird er aus dem Rücken aus kurzer Entfernung angeköpft. Dass dieses Spiel ohne den Elfer eine andere Richtung genommen hätte, kann man meines Erachtens aber ins Reich der Mythen und Fabeln verweisen – insofern war dies sekundär. Die Kartenverteilung war etwas einseitig, gerade wenn man auf die Anzahl der Foulspiele schaut, aber gerade Baumgartner kam ohne Ampelkarte schon fast gut weg.

Blaswich aktuell nicht immer ein sicherer Rückhalt.
Aufgefallen
1) Fangen wir nochmal mit den wenigen positiven Seiten an. Aus wenigen Chancen (vier Torschüsse) konnte Leipzig immerhin zwei Tore erzielen. Eines davon sogar nach einer der drei Ecken. Alle Abschlüsse aufs Tor gingen rein. Kein Vergleich zu dem Chancenwucher gegen Frankfurt, wobei man auch diesen differenziert betrachten muss, was die Qualität dieser Möglichkeiten anbelangte. Zudem, ein äußerst schwacher Trost, hat RBL den direkten Vergleich gegen Stuttgart gewonnen – immerhin.
2) Damit aber genug mit den Augenwischereien. Denn die Chancenverwertung wird nun nicht magisch auf diesem Niveau bleiben, der eine Konter und die eine Ecke wird es so demnächst auch wieder ohne Torerfolg geben, viel wichtiger ist daher, solche Chancen herauszuspielen und damit sind wir bei einem der zwei kritischen Hauptpunkte. Auswechslungen von Xavi in der Hinrunde ließen oft erahnen, woher der Wind weht, wenn der einzige Unterschiedsspieler hinter den Spitzen mal nicht auf dem Feld steht. Die Hoffnung, dass Olmo schnell auf ähnlichem Niveau agieren würde, hat sich als sehr trügerisch herausgestellt, auch weil sein Skillset bei weitem nicht so umfangreich wie das von Xavi ist.

Seiwald mit einigen haarsträubenden Fehlpässen in de eigenen Hälfte.
3) Insgesamt fehlt der Leipziger Offensive jedenfalls ein ganzheitlicher Ansatz. Das einzige, was gestern ansatzweise funktionierte, waren lange Bälle auf die Außen, um dann zu hoffen, dass der Spieler dort sich dann durchsetzen kann und den Ball per Flanke oder Kurzpass wieder in die Mitte bringen kann. Aber sehr oft hatte es den Anschein, dass die Spieler nicht wissen, was ihre Kollegen machen, vorhaben oder wo sie sich hinbewegen werden. Kontrolliertes Spiel, gerade unter Druck, war kaum möglich. Progressive Meter mit Pässen zu machen, das war abseits der langen Bälle, die naturgegeben eine höhere Fehleranfälligkeit haben, war nicht die Sache von RBL. Auch bei früheren Spielen, wurde die Passquote oft vom Ballbesitz gestützt, im Offensivdrittel gehen RBL Abläufe und Präzision flöten. Das wird alle besonders deutlich, wenn Xavi nicht auf dem Platz steht, denn er kaschiert diese Problematik. Ganz anders Stuttgart, hier wurden Angriffe schnell und präzise vorgetragen, rückten die Spieler bei Abschlüssen gut nach, um auf Abpraller zu lauern und positionierten sich gut in Zweikämpfen und bei Standards. Drei Stuttgarter mit jeweils mehr Keypässen als alle Leipziger zusammen – Welten!

Klostermann als Kapitän.
4) Die Offensivproblematik wäre noch etwas erträglicher – wobei bei den Kaderkosten eigentlich sowieso schwer verdaulich – wenn die Abwehr sitzen würde. Hier befindet sich Leipzig aber derzeit gefühlt im freien Fall. Gut schon an den Zweikampfquoten (43 %) und den Laufwerten (5 km weniger gelaufen) zu sehen, aber mehr noch an den vielen individuellen Fehlern und der Unkonzentriertheit unter Druck. Seit Ende Oktober hat RBL kein einziges Spiel mehr ohne Gegentor absolviert – 14 Spiele (auswärts gar seit Ende September)! Der Rekord davor stand bei 9. Zum einen liegt dies an den Aussetzern, die Blaswich seit seiner Nationalmannschaftsnominierung im Spiel hat, gerade die Beherrschung des Fünfmeterraums ist ihm vollkommen abhandengekommen. Zum anderen bietet die Abwehrkette oft auf den Außenbahnen zu viel Platz, diese Räume wusste Stuttgart sehr gut zu nutzen, wenn dann noch im Strafraum die Zweikämpfe verloren werden oder schlimmer noch, gar nicht erst geführt, kann es eben auch mal eine Klatsche und nicht nur 1-2 Gegentore geben. Hier muss nun als erstes der Hebel angesetzt werden. Die Spieler sind hier aber immer noch die gleichen, die letzte Rückrunde im DFB-Pokal gegen Frankfurt und Dortmund oder in der Liga diese Saison bei Union und in Gladbach zurecht ohne Gegentor blieben oder den Supercup 3:0 errangen. Was ist also passiert – diese Frage muss Roses Team sich jetzt stellen und idealerweise auch zügig beantworten. Alles nur mit dem Ausfall Orbáns zu erklären, wäre zu kurz gegriffen und würde zudem weitere Fragen aufwerfen.
Hinter dem Stichwort "Schläfrigkeit" steht im Fußball-Lehrbuch künftig der Link zum Video vom 2:4 gegen Stuttgart. #RBLeipzig pic.twitter.com/TlQgPkCAxD
— Irish Star (@LEZwenn) January 27, 2024
Am besten einen Nachmittag nächste Woche in Dauerschleife.
5) Weil hier auch schon wieder die Rufe nach der Kaderqualität und nach Neuzugängen zu hören sind. Ich bin nicht der Meinung, dass dies in der derzeitigen Situation zielführend ist. Natürlich haben wir ein Gefälle im Kader, das ist ganz normal, aber hier lässt sich aus dem verfügbaren Material mehr herausholen. Es dürfte eigentlich klar sein, dass weder Leverkusen noch Stuttgart in der Breite deutlich besser besetzt sind, aber sie holen eben mehr aus den vorhandenen Spielern heraus. Sehr schön zu sehen am spielerischen Stuttgarter Aufstieg, nachdem sie letzte Saison beinahe abgestiegen wären. Ein weiterer Punkt ist, dass hier maximal nur sofortige Unterschiedsspieler helfen würden, weitere potenzielle Spieler für die Breite bringen uns momentan nicht weiter. Das ist schön bei Elmas zu sehen, der eben nicht wie bei anderen Teams in der Bundesliga sofort als Neuzugang in der Startelf steht und momentan nur Kurzeinsätze bringt. Spieler vom Typ Xavi werden wir aber diesen Winter nicht bekommen. Grundsätzlich bleibt aber zu hinterfragen, ob die Investitionen in die Kaderbreite und nicht in die Kaderspitze in der Form zielführend waren. 100 Mio für Seiwald, Šeško, Baumgartner und Elmas, aber unter 50 Mio für Openda. Breite ist nur gut, wenn sie gemeinschaftlich langsam aber stetig besser wird, wie beispielsweise bei Stuttgart, diese Entwicklung ist aber bei den Genannten aktuell nicht wirklich zu sehen.
6) Drei Niederlagen und zwei Heimniederlagen in Folge, das ist beides der bisherige Leipziger Bundesligarekord. Es ist nicht die erste Serie, die in dieser Saison wackelt oder zum Einsturz kommt. So war es die erste Niederlage gegen Stuttgart überhaupt, es war auch der erste Punktverlust gegen Bochum daheim überhaupt, die erste Niederlage gegen Frankfurt daheim oder auch das vierte sieglose Spiel in Mainz in Folge. Wohlgemerkt immer noch der einzige Mainzer Bundesligasieg in dieser Saison. Das sind mir persönlich viel zu viele solcher „Rekorde“ (siehe oben zu den Gegentoren) und dies zeigt auch, dass wir hier nicht erst seit dem Jahreswechsel ein Problem haben. Darüber können auch teilweise gute Spiele nicht hinwegtäuschen.
Wenn man sich nochmal vergegenwärtigt, dass sowohl bei Frankfurt, Leverkusen als auch bei Stuttgart mehrere wichtige Spieler aufgrund des Afrika/Asia Cup gefehlt haben und man trotzdem in keinem Spiel punkten konnte, macht es einen noch mehr sprachlos... #VfBRBL #RBLB04 #RBLSGE pic.twitter.com/mzyDuVk76K
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) January 27, 2024
Bayer, Stuttgart und Frankfurt spielen und spielten derzeit nicht die Sterne vom Himmel, aber für Leipzig reichte es.
Ein Spiel, das in so vielen Belangen zu kritisieren ist, dass es auf keine Kuhhaut mehr geht. Als allererstes muss Rose die Abwehr in den Griff bekommen, zur Not mit einer Fünferkette, so kann es jedenfalls nicht mehr weitergehen. Vom spielerischen Niveau, das Stuttgart und Bayer diese Saison zeigten, ist Leipzig Meilen entfernt, das ist aber bei den Kaderkosten eine sehr bedenkliche Analyse.
Schon jetzt brennt der Baum und der Umstand, dass jetzt erst „die Ergebnisse im Kopf angekommen“ sind, wie Rose nach dem Spiel sagte, wirft die Frage auf, warum sich das Team nicht schon eher, mit der seit Oktober immer problematischeren Lage, beschäftigt hat. Defensive Aussetzer, offensive Schwächen, hohe Abhängigkeit von Xavi, das war alles bekannt und lag offen wie ein Buch. Jetzt wird die Zeit knapp.
Als Nächstes kommt nun Union. Das Hinspiel war ein defensiv sehr souverän geführtes. Offensiv musste Xavi den Reigen eröffnen, eher Šeško den Deckel drauf machte. Sollte das Rückspiel auch verloren gehen, dann wäre es Leipzig schlimmste Heimniederlagen wie auch Niederlagenserie in der Bundesliga – das sollte genügend verdeutlichen, auf welcher Schwelle wir uns gerade befinden!

Einiges wiedergutzumachen.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
VfB Stuttgart: Nübel – Rouault, Anton (C), Zagadu – Vagnoman, Stiller, Millot (84. di Benedetto), Mittelstädt – Führich (89. Milošević), Undav (87. Stenzel), Leweling (84. Massimo)
Bank: Bredlow – Haraguchi, Paula, Cissé
RB Leipzig: Blaswich – Simakan, Klostermann (C), Lukeba (84. Orbán), Raum – Seiwald (67. Kampl), Schlager (77. Elmas) – Baumgartner (67. Henrichs), Olmo (77. Poulsen) – Šeško, Openda
Bank: Gulácsi – Lenz, Bitshiabu, Jatta
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Tore: 1:0 Millot (25.) HE, 2:0 Undav (30.), 2:1 Šeško (32.), 3:1 Leweling (48.), 3:2 Openda (55.), 4:2 Undav (56.), 5:2 Undav (75.)
Torschüsse: 18 / 4
Schüsse aufs Tor: 9 / 2
expected Goals: 3,13 / 0,50
Passquote: 84% / 84%
Zweikampfquote: 57% / 43%
Ballbesitz: 54% / 46%
Laufleistung: 122,88 km / 117,56 km
Sprints: 262 / 254
Fouls: 9 / 11
Ecken: 9 / 3
Abseits: 1 / 3
Gelbe Karten: Anton (3) / Schlager (3), Simakan (5), Baumgartner (3), Raum (3)
Zuschauer: 52.100
Rumpelstilzchen