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Schlagkräfte Berliner gegen verängstigte Bullen

Schlagkräfte Berliner gegen verängstigte Bullen

Für Union Berlin ist es bislang eine Saison zum Wegschmeißen und auch abseits des Platzes hat man sich zuletzt nicht mit Ruhm bekleckert. Auch für RB muss am Sonntag der erste Dreier des Kalenderjahres 2024 her. Kann man gegen die Eisernen die Trendwende schaffen?

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RB mit einem negativen Trend

0 Punkte im Kalenderjahr 2024, der letzte Sieg am 16. Dezember 2023. RB steckt in einer waschechten Krise. Aus dem Sechspunktevorsprung gegenüber den Dortmundern ist ein Dreipunkterückstand geworden. Innerhalb von wenigen Spielen scheint die bislang greifbare Champions League zu entgleiten. Dies wirft Fragen bei den Verantwortlichen auf. Wo es gegen Frankfurt noch nach Pech und schlechter Chancenverwertung aussah, gibt es nach dem Debakel gegen Stuttgart keine Ausreden mehr. 18 zu 4 Torschüsse, nur 45 % Ballbesitz und ein Ergebnis von 5:2 Toren, machen die Leipziger Sorgenfalten größer.

Mit Union Berlin kommt am Sonntag das bislang schlechteste Auswärtsteam in die Red Bull Arena. Bislang konnten die Köpenicker nur 4 Punkte in der Fremde holen. Ein Aufbaugegner zur richtigen Zeit?

 

In Leipzig rückt man enger zusammen

Laut den Verantwortlichen sei das Spiel am Sonntag kein Entscheidungsspiel für Trainer Marco Rose. Doch bei dem Verhalten der Verantwortlichen merkt man, dass die Lage ernst genommen wird. Bei einem Verpassen der Champions League würden 30 - 40 Millionen Euro verloren gehen. Doch auch für den Umbau des Kaders wäre dies von besonderer Bedeutung. Der Verbleib von Xavi Simons hängt unmittelbar mit dem Erreichen der Champions League zusammen und auch Topspieler wie Dani Olmo und Loïs Openda werden sich umschauen, sollte man in Leipzig keine Königsklasse mehr spielen.

Wie ernst die Krise ist, zeigt, dass der Aufsichtsrats-Boss und ehemalige Geschäftsführer Oliver Mintzlaff sich wieder mehr in die Belange des Vereins einmischt. Auch der technische Direktor von Red Bull Soccer International Mario Gomez, der bei RB für die strategische Planung und strukturelle Arbeit tätig ist, führte Einzelgespräche mit den Leistungsträgern. Der Verein erhofft sich davon, dass der Zusammenhalt in der Mannschaft durch die Krise nicht zerstört wird.


Trotz schwieriger Tage gibt es auch Positives. Doudou Haidara zieht mit Mali ins Viertelfinale des Afrika-Cups ein und wird gefeiert.


Kleiner Kader, große Sorgen

Nach mehreren Quellen war Rouven Schröder auf der Suche nach weiteren Neuzugängen, wurde aber nicht fündig. Marco Rose gab bereits mehrfach öffentlich bekannt, dass der kleine Kader ihm Sorge bereiten würde. Zur Frage, ob es aufgrund der letzten Niederlagen eine Systemumstellung gebe, verneinte Rose dies und verwies dabei auf den kleinen Kader und den gelbgesperrten Mo Simakan. Auch die Torhüterposition scheint wieder vakant zu sein. Nach seiner Nominierung zur Nationalmannschaft fällt Janis Blaswich immer häufiger mit Patzern auf. Besonders bei Standards ist die Leipziger Defensive anfällig, was unter anderem mit der in der letzten Zeit schwachen Strafraumbeherrschung Blaswichs zusammenhängt. Daher wird wohl am Sonntag wieder Péter Gulácsi im Kasten der Leipziger stehen. Positiv stimmt die Rückkehr von Xavi Simons, dessen Kreativität gegen ein häufig tiefstehendes Berlin von wichtiger Bedeutung sein wird.


Verletzte und gesperrte Spieler von RB Leipzig

Xavi Simons ist nach seiner Gelbsperre wieder im Kader und wird höchstwahrscheinlich von Beginn an spielen. Auch Willi Orbán ist wieder voll bei der Mannschaft und konnte am vergangenen Samstag erste Minuten sammeln. Definitiv fehlen werden Amadou Haidara, der im Afrika-Cup mit Mali im Viertelfinale steht (Glückwunsch!) und Mo Simakan mit einer Gelbsperre. Aufpassen muss Loïs Openda, der bereits vier Gelben Karten gesammelt hat.


Pete the Wall, zurück im Tor.


Mögliche Startaufstellung:

Gulácsi – Henrichs, Klostermann, Lukeba, Raum – Schlager, Kampl – Olmo, Xavi – Poulsen, Openda 



Der Gegner im Check – Union Berlin

Eine Saison zum Vergessen – ein Blick auf die Zahlen

In den letzten Jahren kannten die Eisernen nur den Weg nach oben auf der Erfolgsleiter. Nach dem Aufstieg folgten Klassenerhalt, die Qualifikation für die Conference League und schlussendlich sogar die Qualifikation für die Champions League. Der Fußball war einfach und erfolgreich. Nach dem geglückten Saisonstart 2023/2024 folgte dann aber der Absturz. Mit zwischenzeitig 12 Pleiten am Stück und einer längeren Zeit auf dem letzten Tabellenplatz geht es für Union in dieser Saison um nichts mehr als die nackte Existenz in der ersten deutschen Liga. Auch wenn der tiefe Fall unerwartet wirkt, so war es dennoch vorherzusehen. Die Eisernen hatten in den vergangenen Jahren schlichtweg überperformt. In der vergangenen Saison schoss man ganze 51 Tore, wobei der xGoals-Wert (also der Wert der erwartbaren Tore) bei gerade einmal 35,07 lag. Bei den erwartbaren Gegentreffern lagen die Werte zwar näher aneinander (38 Gegentreffer – 42,43 xGA), aber auch hier spielte man über den eigenen Erwartungen. Betrachtet man diese statistischen Werte, so hätte Union die Saison nicht auf Rang 4, sondern auf Rang 13 mit 42 statt 62 Punkten beenden müssen. Diese Saison sieht das Ganze etwas anders aus. Die erwarteten Gegentore und die tatsächlichen sind beinahe identisch und bei den geschossenen Toren fehlt dieses Jahr die Effizienz (rechnerisch hätte man 6 Tore mehr schießen müssen).

 

Trainerwechsel ohne wirkliche Wirkung

Der letzte Platz und die Angst vor einem Abstieg brachten die Verantwortlichen von Union Berlin dazu, sich vom Erfolgstrainer der letzten Jahre Urs Fischer zu trennen. Man erhoffte sich einen Aufschwung und damit verbunden den klassischen Trainereffekt. Mit dem Kroaten Nenad Bjelica holte man im November 2023 einen bekannten Namen in die Hauptstadt. In den vergangenen Jahren hatte Bjelica namhafte Vereine wie Trabzonspor, Dinamo Zagreb oder Austria Wien trainiert. Durch die Stationen in Österreich und zwischenzeitlich auch beim 1. FC Kaiserslautern spricht Bjelica gut Deutsch, was den Verantwortlichen wichtig war. Der Kroate setzt bei seinem Spiel auf Disziplin und will einen dominanten Fußball spielen, was ihm bislang noch nicht wirklich gelingen konnte. In seinen ersten 8 Spielen gelang Bjelica gerade einmal ein Schnitt von 1,38 Punkten. Zwar konnte Union von den Abstiegsplätzen wegkommen, aber an alte Zeiten anknüpfen kann man nicht. Zuletzt sorgte er auch eher abseits des Platzes für Aufsehen, als er mit Bayerns Leroy Sané aneinandergeriet und nach einem Schlag ins Gesicht für drei Spiele gesperrt wurde. Damit fehlt Bjelica auch am Sonntag und wird von Danijel Jumic ersetzt.


Auch an der Seitenlinie: Marie-Louise Eta. Marco Rose, über eine besondere Frau in der Männerdomäne.


Misslungene Kaderzusammenstellung, die Zweite

Auch bei Union drehte sich im Sommer vieles um Ab- und Zugänge. Bonnuci, Volland, Gosens, Fofana und Aaronson. Große Namen, die Union langfristig an der Bundesligaspitze halten sollten. Doch Namen lassen sich zwar gut verkaufen, bringen am Ende aber keine Punkte. Die Bilanz aus dem Transfersommer ist ernüchternd. Bonnuci und Fofana sind bereits wieder abgezogen und Volland, Gosens und Aaronson konnten ihren Namen auch noch nicht wirklich gerecht werden. Hinzu kommen die Abgänge im Winter. Mit Becker und Behrens gehen zwei weitere Stürmer, die bislang nur von Chris Bedia und dem Flügelspieler Yorbe Vertessen ersetzt werden konnten. Bedia kam aus der Schweiz, wo er bislang 10 Treffer und 3 Assist sammeln konnte. Ein guter Wert, aber es ist halt auch nur die Schweizer Liga. Vertesse kam von PSV Eindhoven, wo er in der Liga in 17 Spielen nur auf 4 Scorerpunkte kam. Der Kader wirkt unausgewogen und wild zusammengestellt. Das gute Arbeiten der Führungsebene der letzten Jahre wurde binnen 6 Monaten zunichtegemacht.


Verletzte und gesperrte Spieler von Union Berlin

Laidouni ist noch beim Afrika-Cup und wird daher fehlen. Im Krankenlager ist nur noch Josip Juranovic. In der Defensive ist Danilho Doekhi wieder einsatzbereit und könnte in die Startelf drängen. Auch Ex-Leipziger Rani Khedira wartet auf sein Startelf-Comback und ist wieder nach seiner Wadenverletzung komplett fit.


Wiedersehen mit alten Bekannten. Rani Khedira könnte gegen RB wieder in die Startelf rücken.


Der Fantipp

Für beide Mannschaften geht es um viel. Beide Mannschaften stecken in einer Krise. Doch am Ende siegt die Qualität auf den einzelnen Positionen und RB gewinnt mit 2:1 gegen die Köpenicker.


Was läuft wo?
Radio: http://bullenfunk.fm/
TV-Übertragung: DAZN

Alex Hell