Kane Lust auf Sieg?
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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Der FCB in der Krise, Tuchel muss am Saisonende gehen, drei Pleiten in Folge und die Titelchancen bewegen sich im Promillebereich. Gute Voraussetzungen, um zum fünften Mal in Folge gegen den FCB ungeschlagen zu bleiben. Aber Leipzig hat eigene Probleme: Eine veritable Auswärtsschwäche – seit Oktober kein Auswärtsspiel mehr zu Null gewonnen und nur eines der letzten sieben überhaupt siegreich gestaltet. Das Getriebe läuft schon lange unrund, darüber konnten auch die letzten Heimerfolge nicht hinwegtäuschen. In München musste Blaswich den angeschlagenen Gulácsi ersetzen und Šeško startete für Poulsen.

Šeškos Treffer reichte am Ende nicht.
Dreisatz des Spiels
Mit diesen Problemen ist kein Staat zu machen. Natürlich kann man in München verlieren, aber der Ton macht die Musik und die ist derzeit weit davon entfernt harmonisch zu klingen. Nur 20 Minuten spielte Leipzig wirklich mit, kam zu dem nicht unverdienten Ausgleich und stellte danach prompt wieder jegliche Bemühungen ein. Die Zufriedenheit ist das Ende aller Ambitionen. Wechsel und Körpersprache zeigten diese Ambitionslosigkeit mehr mitzunehmen als einen Punkt. Dafür und für andere Fehler wurde RBL am Ende mit der Last-Minute-Niederlage bestraft.

Henrichs erneut unter seinen Möglichkeiten.
Die drei besten Kicker aus der schönsten Stadt der Welt
Šeško: Sicherlich treibt er einen zur Weißglut und auch gegen die Bayern vergab er die beste Chance, aber immerhin erzielte er den Ausgleich und verbuchte die drei besten Abschlusschancen für sich. Im Spiel nimmt er sich immer noch zu viele Auszeiten, aber trotz dieser Schwächen sind Poulsen und Baumgartner aktuell keine echten Alternativen zum Slowenen.
Xavi: Erneut einer der besten Leipziger, ihn in der Schlussphase rauszunehmen, war nicht nachvollziehbar, da mit ihm eine der letzten Entlastungsmöglichkeiten flöten ging. Er muss sich leicht verschaukelt vorkommen, solche Endphasen auf der Bank mitzuerleben. Die meisten Keypässe hatte er natürlich auch wieder auf seiner Seite.
Olmo: Leitete den Ausgleich ein und hatte eine stabile Zweikampfquote – führte und gewann die meisten in absoluten Zahlen auf Leipziger Seite. Abseits davon dennoch noch einige Luft nach oben und kein Vergleich zu seiner entfesselten Version aus dem Super Cup-Finale.

20 gute Minuten nach der Pause wurden mit dem Ausgleich belohnt.
Luft nach oben
Abwehr: Schon nach wenigen Minuten, als Blaswich Kanes Kopfball von der Linie kratzte, war klar, dass man den Topgoalgetter der Liga besser nicht aus den Augen lässt, dass Mannschaft und Team diese einfache Formel bis in die Schlussphase nicht gedanklich verarbeitet hatten, führte dann zum Knockout. Wohin sich Simakan in dieser Situation orientierte, wird er wahrscheinlich auch nicht wissen.
Wechselspieler: Ein glückliches Händchen hat Rose schon seit der Hinrunde nicht mehr, was die Wechsel anbelangt, gegen die Bayern verpufften sie besonders eindrucksvoll. Poulsen kam im Prinzip gar nicht ins Spiel, Kampl und Elmas führten keinen Zweikampf und Lukeba und Baumgartner hätte man sich eine Minute vor Ende auch schenken können.
Tweet des Spiels
Ja, ärgerlich. Aber wenn du die letzten 20 Minuten (inklusive deiner Wechsel) nichts von dem Spiel willst als ein 1:1 mitzunehmen, dann passiert das eben auch mal. #fcbrbl
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) February 24, 2024
Der Tod aller Ambitionen.
Champagner statt Bier – die Fans
Zeitweise war es arg ruhig in der Allianz-Arena und zeitweise machten besonders die mitgereisten Leipziger gut Stimmung. Dass bei den vielen abgespulten Reisekilometern ein fußballerischer Tiefschlag dem anderen folgt, gehört zu den eher traurigen Geschichten der Saison.
Pfeife des Spiels
Stegemann machte insgesamt nicht die beste Figur, aber die Niederlage auf den Schiedsrichter zu schieben, wäre der falsche Ansatz. Kimmichs tritt in die Weichteile von Openda im ersten Durchgang hätte auch mehr geben können als nichts, es wurden schon Kicker für weniger vom Platz gestellt, zumal das Hochziehen des Beins nicht wirklich eine normale Fallbewegung war. Auch Pavlović hätte, wie Tuchel mit der schnellen Auswechslung danach erkannte, durchaus vom Platz gestellt werden können, als er Openda im zweiten Durchgang seinen Ellenbogen ins Gesicht rammte. Beim 2:1 roch es ein wenig nach Abseits, eine kalibrierte Linie gab es nicht aber ich glaube, dass im Zentrum Orbán noch näher dran war. Insofern ein paar strittige Szenen, die es so oft in Spielen gibt.

Xavi giftig.
Aufgefallen
1) Die große Klammer dieses Spiels war die sträfliche Missachtung von Kanes Fähigkeiten im Abschluss. Es begann mit der Chance in der 5. Spielminute, setzte sich mit dem Führungstreffer in der 56. fort und endete mit dem Schlusspunkt in der 91. Nur Kane hatte auf FCB-Seite gut Abschlussmöglichkeiten und bei fast allen war er ungedeckt. So darfst du mit dem besten Torjäger der Liga einfach nicht umgehen. Dass die Abwehr dies bis zum Ende nicht verinnerlicht hatte und Rose hier nicht von außen eingriff, waren die Knackpunkte des Spiels.
2) In der Hinrunde zitierte ich Fassbinders Melodram „Angst essen Seele auf“ beim Spiel gegen City und während City wirklich angsteinflößend sein kann, sind es die Bayern in der aktuellen Situation nicht mehr wirklich. Trotzdem spielte Leipzig in der ersten Halbzeit und nach dem Ausgleich das Kaninchen, das sich vor der Schlange verstecken will. Diese lethargischen und furchtsamen Phasen gab es in quasi jedem Spiel seit Herbstanfang. Wenn das Team nicht begreift, dass es diese Teilnahmslosigkeit ist, die am Ende die Champions League kosten wird, dürfte die Saison ähnlich melodramatisch wie Fassbinders Film enden.
Ärgerlich, aber auch selbstverschuldet, dass man hier nicht den verdienten Punkt mitnehmen konnte.
— Niklas (@gNiklas43) February 24, 2024
In der 2. HZ hat man besser gespielt, aber leider wieder einmal die Chancen nicht effizient nutzen können.
Mein MotM: Xavi. Sehr engagierte Leistung.#FCBRBL #RBLeipzig https://t.co/C1VmnqSGtu
Leipzig ineffizient aber Bayern mit den klar besseren Chancen.
3) Spielerisch bleibt nach den markigen Worten aus der Winterpause und dem Trainingslager mit angeblichen Fokus auf das Spiel mit dem Ball weiterhin Ebbe bei den Rasenballern. In Sachen Passqualität blieb RBL in allen Belangen hinter den Bayern – Keypässe, Pässe ins Offensivdrittel und Pässe in den Strafraum und dabei war de FCB noch nicht mal wirklich gut. Zwar war RBL defensiv nicht so schlecht – gute Zweikampfquote (59%), läuferisch auf Augenhöhe und viele Tacklings, aber mit dem Ball war es nur eine sehr kurze Phase zwischen dem Wiederanpfiff und dem Ausgleich passabel. Hier fallen den Leipziger die unsauberen Pässe und die Probleme einiger Kicker in der Ballverarbeitung mit schöner Regelmäßigkeit auf die Füße.
In den Auswärtsspielen viel zu häufig zu kopflos und über 90 Minuten zu unkonzentriert unterwegs. Mit dieser katastrophalen Diskrepanz in der Punkteausbeute zwischen Heim- und Auswärtsspielen wird es schwer mit der Champions League. #RBLeipzig #UCL #fcbrblhttps://t.co/HiSs86bBKV pic.twitter.com/w6a6vqfsbg
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) February 24, 2024
Auswärts ist derzeit ein Synonym für Sieglosigkeit.
4) Bleibt ein letzter Punkt zu erwähnen. Man hat nicht wirklich den Eindruck, dass das Team die aktuelle Misere wirklich juckt. Die Worte nach dem Spiel gleichen sich ein aufs andere Mal, auf dem Feld geht viel zu selten ein Ruck durch die Mannschaft. Aus hungry4more als Teamschlachtruf wurde You can do anything, bei dem die Einzelperson im Fokus zu sein scheint. Ein starker Mann, der dem Team und Rose mal Beine macht, ist weit und breit nicht zu sehen. So scheint die Saison ihrem Ende entgegenzudümpeln, ohne dass man den Eindruck gewinnen könnte, dass das Pokalaus oder die langsam entgleitende Champions League Qualifikation irgendjemand groß zu ärgern scheint.
5) Die eine Million Euro Frage ist nun, kann Rose diese Problemstellen wirklich lösen? Denn für eine simple Formdelle sind diese Schwächen zu persistent. So gut der Start in die Saison war, so lange ist dieser schon her und so absteigend ist die Form- und Ergebniskurve seit dem Ende des Spätsommers. Zu selten ist das Team mehr als die Summe seiner Einzelteile, manchmal gar scheinbar weniger als dies. Aber genau diese Extraprozente aus einer – zweifelsfrei nicht untalentierten Mannschaft – herauszuholen, ist die Aufgabe des Übungsleiters. Von Überperformance wie bei Stuttgart oder Leverkusen ist Leipzig aber einen ganzen Schritt in Siebenmeilenstiefeln entfernt. Die Hoffnung durch Wechsel und Rückkehrer wie etwa Orbán und Gulácsi die Trendwende einzuleiten, war keine nachhaltige Idee, die an den Grundproblemen etwas hätte ändern können. Wo man hinsieht bröckelt der Putz: Automatismen, Standards, Spielkultur, Abwehrverbund und nicht zuletzt auch der fehlende Wille und eine echte Lernbereitschaft.
In Gedenken an Andreas Brehme 🕯️ pic.twitter.com/zDrJa57eHW
— RB Leipzig (@RBLeipzig) February 24, 2024
Abschied von Andi Brehme.
Es kommt einfach zu viel zusammen. Hausgemachte Probleme, die schon lange bekannt sind. Lethargische und ängstliche Phasen im Spiel – auch gegen den FCB wieder fast 70 Minuten Leerlauf, Abwehrprobleme, die auch mit Willi nicht der Vergangenheit angehören – wie kann Kane so oft, so frei stehen, wenig erfolgreiches in-Game-Coaching, sei es um derartige Probleme abzustellen oder über Wechsel gezielt einzugreifen und natürlich die spielerische Armut, die sich wie ein roter Faden durch die Saison zieht. Es reicht einfach nicht aus, sich auf die wenigen Topspieler zu verlassen, sondern es braucht Automatismen und einen klaren Plan.
Man könnte sich einige Spieler aus der Hinrunde nehmen und nach diesen Kritikpunkten in den Berichten suchen – man wird sie auch dort finden. Seitdem ist zwar Olmo zurückgekommen, aber trotzdem spielt das Team letztlich immer schlechter und ist im Prinzip von Einzelleistungen abhängig. Das letzte durchgängig zufriedenstellende Spiel ist Monate her. Die so oft nach den Spielen zu hörende Aussage, dass man daraus lernen wird, ist nur eine hohle Phrase.
Nun geht es in einer Woche nach Bochum, dem Team, was vor einer Woche die Bayern daheim besiegt hatte, das in der Hinrunde erstmals in Leipzig einen Punkt mitgenommen hat und in der letzten Rückrunde überhaupt zum ersten Mal gegen Leipzig punktete – zwei dieser vielen kleinen erfolgreichen Serien, die zuletzt ihr unrühmliches Ende fanden. Aber so lange das Team nicht begreift, der Erkenntnis von Problemen auch ein Lösungsansatz und ein Lösungsversuch folgen müssen, wird das nächste Woche wieder kein Zuckerschlecken werden.

Vielleicht mal wieder mit den Fans einen Auswärtssieg feiern?
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
FC Bayern München: Neuer (C) – de Ligt, Dier, Guerreiro, Kimmich – Goretzka, Pavlović (81. Kim) – Müller (64. Laimer), Musiala (83. Choupo-Moting), Sané (65. Tel) – Kane
Bank: Ulreich – Aznou, Zaragoza, Zvonarek
RB Leipzig: Blaswich – Henrichs, Simakan, Orbán (C), Raum (90.+3. Lukeba) – Schlager, Haidara (73. Kampl) – Olmo, Xavi (87. Elmas) – Šeško (90.+3. Baumgartner), Openda (73. Poulsen)
Bank: Zingerle – Lenz, Bitshiabu, Seiwald
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)
Tore: 1:0 Kane (56.), 1:1 Šeško (70.), 2:1 Kane (90.+1.)
Torschüsse: 16 / 11
Schüsse aufs Tor: 4 / 6
expected Goals: 1,83 / 0,58
Passquote: 90% / 85%
Zweikampfquote: 41% / 59%
Ballbesitz: 56% / 44%
Laufleistung: 119,62 km / 118,07 km
Sprints: 252 / 244
Fouls: 11 / 10
Ecken: 6 / 4
Abseits: 3 / 0
Gelbe Karten: Pavlović (4), de Ligt (5), Musiala (2) / Orbán (1), Schlager (5), Simakan (6)
Zuschauer: 75.000
Rumpelstilzchen