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Träge & Einfallslos – Nullnummer gegen Union

Träge & Einfallslos – Nullnummer gegen Union

Ein enttäuschende Nullnummer, die allzu bekannte Probleme offen legte. Die Leipziger Offensive gab sich lethargisch und einfallslos und Openda versemmelte am Ende einen Elfer. Eine Nullnummer mit harten Bochum Vibes.

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Zwei Wochen nach dem Sieg gegen den Meister und eine relativ ereignisarme Länderspielpause später startet die Saison mit dem Heimspiel gegen Union erst richtig. Während die Gegner in der Liga machbar sind und fast schon unter dem Label „Pflichtsieg“ zu klassifizieren sind, stehen in der Champions League Atlético Madrid und Juve an. Das darf den Blick auf die Bundesliga jedoch nicht vernebeln. Rose, der wegen des Platzverweises auf der Tribüne saß, setzte gegen die eisernen Defensivspezialisten erstaunlicherweise erneut auf eine Fünferkette. Zwei defensive Grundausrichtungen ergaben ein über weite Strecken wenig ansehnliches Spiel.

 

Nusa brachte dieses Mal nicht die Wende.

 

Dreisatz des Spiels

Ein leider gerechtfertigtes Unentschieden, denn abseits des vergebenen Elfmeters waren die Chancen auf Leipziger Seite Mangelware. Je nach Metrik ging ohne den Elfer sogar mehr bei Union, die besonders nach ruhenden Bällen deutlich gefährlicher waren als die Rasenballer. Das Spiel mit dem Ball und auch das läuferische Spiel ohne den Ball waren absolut unterdurchschnittlich. Eine Einfallslosigkeit, die auch aus der Vorsaison allzu bekannt ist.

 

Es hätte die Szene des Spiels werden können...

 

Aufgefallen

1)      Fangen wir mit den wenigen positiven Dingen an: Neuer Zuschauerrekord in der Red Bull Arena – 47.800 Plätze sind durch die letzten Anpassungen möglich – immer noch nicht mal die Hälfte der Rekorde des alten Zentralstadions aber so langsam geht es Richtung 50.000. Dass es ausgerechnet ein Ost-Derby (da hat er es geschrieben…) gegen die ungeliebten Eisernen sein sollte, verleiht dem Ganzen eine gewisse Würze. Leider hielt das Spiel nicht ansatzweise was die Zuschauerzahlen versprachen.

 

Das sogenannte U des Grauens.

 

2)      Wenn man für ein Lexikon ein Bild für Einfallslosigkeit im Bereich Fußball suchen würde, dann wäre die gestrige Passmap eine sehr gute Wahl. Die Dreierkette spielte sich quasi die Füße wund und hier mussten nach dem Spiel sicherlich die Schuhe abnutzungsbedingt gewechselt werden, aber der Vortrag in die Offensive bestand hauptsächlich aus dem „Plan“ irgendwie den Ball zu Xavi zu bekommen. Wenn Kampl von den sieben Defensiven schon der beste Mann ist, dann sagt das alles aus. Erfolgreiche Flanken oder gar Doppelpässe und Passstafetten gab es quasi nicht. Die Verschiebungen immer äußerst träge, kaum one touch Pässe oder präzise Spielverlagerungen. Leipzig verlangt Union daher auch nicht viel ab, um defensiv sicher zu stehen.

 

Bringet mir die Lahmen und Fußkranken.

 

3)      Ein weiterer integraler Bestandteil der Leipziger Trägheit war die unterdurchschnittliche Laufbereitschaft. Nicht nur relativ zu Union (7 km weniger) sondern auch relativ zu anderen Topmannschaften mit vergleichbarem Ballbesitzanteil (13 km weniger als BVB und FCB, 7 weniger als Leverkusen). Wer sich ohne den Ball nicht anbietet und Räume schafft, der wird mit defensiven Teams immer große Probleme haben, da es ihnen leichter fällt den Raum zu verteidigen. Aber wie kann es sein, dass Leipzig Mitte September der Esprit fehlt? Da versprühen Zombies ja teilweise weniger Lethargie… eine Frage für das Trainerteam.

4)      Mit dem verschossenen Elfmeter als Sahnehaube erinnerte dieses Spiel frappierend an das 0:0 gegen Bochum, bei dem RBL sogar zwei Elfer in den Sand setzte und abseits davon weitestgehend harmlos agierte. Damit gingen vier der letzten neun Elfmeter nicht ins Tor. Eine unterdurchschnittliche Quote, die Leipzig gerade in solchen engen Spielen auf die Füße fällt. Mit Forsberg – der gegen Bochum allerdings auch versagte – hat RBL seine sichere Bank bei diesen Standards verloren. Zeit, dass sich hier ein neuer Kicker der Verantwortung würdig erweist.

 

Nicht mal schöntrinken war noch möglich...

 

5)      Unverständlich die Wahl von Rose, mit einer Fünferkette zu agieren. Vielleicht davon getrieben, den Ausfall des Abwehrchefs zu kompensieren und Geertruida bei seinem ersten Spiel nicht zu viel aufzubürden. Aber dadurch fiel es Union leicht, Xavi zuzustellen, da im Verbindungsraum zwischen Defensive und Offensive Optionen fehlten. Die Wechsel kamen dann wie fast schon üblich viel zu spät und brachten dem Spiel auch nicht den nötigen Schwung, zumal es bis 10 Minuten vor Schluss auch nur positionsgetreue Wechsel waren. Hier fehlt es Rose ein wenig an Variabilität und Risikobereitschaft. Letztlich führte dies dazu, dass es RBL kaum gelang, in den Strafraum zu kommen. Ohne Standards gab es beispielsweise nur sieben erfolgreiche Pässe in den Strafraum von Union (FCB und B04 hatten 12).

6)      Das wirkliche Ausmaß der Offensivschwäche wird deutlich, wenn man einen Blick auf die Torschussstatistik wirft. Lesen sich 15 Torschüsse von RBL noch ganz solide, so musste Rønnow nur drei Mal eingreifen. Einmal in Halbzeit 1 (Openda), einmal beim Elfmeter und zuletzt bei Raums Freistoß (92.). Viele andere Abschlüsse wurden vorher geblockt oder gingen neben den Kasten, nicht zuletzt, weil sie oft aus der zweiten Reihe abgegeben wurde. Ein guter Spielvortrag in den Strafraum, geschweige denn in den Fünfmeterraum, gelang RBL selten. Union gelang es daher, durch die Standards die sechs Abschlüsse mit der kürzesten Distanz im Spiel abzugeben. Leipzig hatte dagegen die sechs, die am weitesten vom Kasten entfernt abgegeben wurden. Definiere Einfallslosigkeit.

 

Being normal is boring!

 

7)      Solider Einstand für Neuzugang Geertruida, der immer der Spieler mit den meisten progressiven Pässen war (vor Kampl und Simons und mit so vielen wie Lukeba und Klostermann zusammen) und defensiv die meisten Zweikämpfe führte (nur Xavi hatte mehr). Allerdings war seine Quote bei den Bodenzweikämpfen eher mau (2 von 9). Vermeeren blieb ohne gewonnenes Duell (0 von 3), Nusa wurde diesmal nicht zum Matchwinner, auch weil sein Spiel eher darauf ausgelegt ist, Räume zu haben. Bester Mann auf Leipziger Seite war Kampl, weil er als einziger wirklich Xavi einsetzen konnte und mit 96% Passquote und 75% Zweikampfquote starke Werte im Zentrum hatte. Am ehesten Luft nach oben gab es bei den Startelfspielern bei Šeško, da er quasi keine Abschlüsse hatte und die schlechteste Passquote aufwies.

 

Dieses Mal ohne ausgelassene Feierlichkeiten.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C) – Klostermann, Castello Jr., Geertruida (88. Bitshiabu) – Raum, Henrichs (69. Baumgartner), Kampl (88. Poulsen), Haidara (66. Vermeeren) – Šeško (66. Nusa), Openda, Xavi
Bank: Vandevoordt – Elmas, Seiwald, Silva
1. FC Union Berlin: Rønnow – Vogt, Leite, Doekhi – Haberer, Rothe (81. Querfeld), Khedira (C), Schäfer (81. Kemlein), Bénes (56. Vertessen) – Hollerbach (69.), Skarke (56. Siebatcheu)
Bank: Schwolow – Skov, Trimmel, Tousart
Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)
Tore: Fehlanzeige
Torschüsse: 15 / 10
Schüsse aufs Tor: 3 / 3
expected Goals: 1,29 / 0,86
Passquote: 88% / 74%
Zweikampfquote: 61% / 39%
Ballbesitz: 68% / 32%
Fouls: 8 / 19
Ecken: 6 / 5
Abseits: 1 / 1
Gelbe Karten: Haidara (1), Kampl (1) / Benes (1), Khedira (1), Doekhi (2)
Zuschauer: 47.800

Rumpelstilzchen