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Ein Blitzstart macht noch kein erfolgreiches Spiel
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Ein Blitzstart macht noch kein erfolgreiches Spiel

Ein Blitzstart macht noch kein erfolgreiches Spiel

Auch in Madrid zeigten die Rasenballer altbekannte Schwächen und eine Entwicklung, die derzeit der abgewandelten Devise zu folgen scheint: "rückwärts immer, vorwärts nimmer". Kein Leipziger auf dem Platz hatte jedenfalls die Absicht ein spielerisch dominantes Spiel aufzuziehen. Darüber darf rückblickend auch der frühe Treffer Šeškos und die späte Siegtreffer Madrids nicht hinwegtäuschen.

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Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Das rumplige Unionspiel sollte ein Warnschuss für RBL gewesen sein, aber in einer Welt voller Konjunktive muss man solch simple Botschaften trotzdem erstmal verarbeiten und in die Realität überführen. Auch wenn Leipzig nicht in einer schöpferischen Krise stecken würde, wäre ein Sieg in Madrid, die immerhin in Spanien auf Platz 2 liegen und seit 10 Champions League Heimspielen nicht verloren hatten, eine schwere Aufgabe gewesen. Kurz vor dem Spiel musste Rose zudem auf Kampl verzichten, der gegen Union noch zu den besseren Kickern zählte. Er startete daher mit Vermeeren und etwas überraschend auch erstmals mit Nusa.

 

Šeško jubelt früh.

 

Dreisatz des Spiels

Šeškos Konter gegen eine noch nicht so richtig auf dem Platz stehende Madrid-Abwehr sorgte für die frühe Führung. Drei der sieben Leipziger Abschlüsse wurden in dieser Aktion abgegeben. Diese Statistik zeigt gut, wohin die Reise im restlichen Teil der Spielzeit ging. Bis auf ein kleines Aufbäumen Mitte der zweiten Halbzeit dominierte Madrid das Spiel und war im Zentrum gegen den Ball deutlich griffiger als die Rasenballer, was sich erschreckend deutlich an den Zweikampfstatistiken niederschlug. Der späte Knockout durch Giménez sicherlich etwas glücklich, aber absolut verdient.

 

Atletico jubelt spät.

 

Aufgefallen

1)      Šeško, allein dank des Tores, und Raum, weil er für drei der vier angekommenen Pässe in den gegnerischen Strafraum verantwortlich zeichnete, noch die besten in einer im Prinzip komplett unter ihren Möglichkeiten agierenden Leipziger Elf. Weder die alten Hasen (Orbán und Gulácsi) noch die offensiven Antreiber (Xavi und Nusa) noch die Neuzugänge (Vermeeren, Nusa und Geetruida) konnten überzeugen – so dass es quasi von Spielerseite an allen Ecken und Enden fehlte.

2)      Ein Blick auf die Marktwerte zeigt, dass Leipzig und Atletico quasi gleichauf sind, aber auf dem Platz war das besonders in Halbzeit 1 ein Klassenunterschied. Da hatte sich tags zuvor Stuttgart deutlich besser gegen Real verkauft (1,9 xG). Wenn es also darum geht, aus der zweifelsohne vorhandenen Qualität das Optimum oder wenigstens den Durchschnitt herauszuholen, scheiterte Rose wie schon gegen Union an dieser Aufgabe.

 

Eine Aufstellung gewinnt letztlich keine Spiele.

 

3)      Wie gegen Union war Leipzig läuferisch unterlegen. Besonders deutlich wurde dies im Zentrum, wo die Madrilenen den Rasenballern viel mehr auf den Füßen standen und die Räume schlossen als andersherum. Wie die Atlético-Kicker sogar bis in den Strafraum hinein ungedeckt oder in Zwei-gegen-eins-Situationen agieren konnten, war letztlich entscheidend für den Sieg. Schon vor dem Ausgleich gab es hier einige Chancen und selbst bei der späten Führung standen zwei Gegenspieler am langen Pfosten gegen Seiwald. Das mag in Teilen der Raumdeckung Leipzigs geschuldet gewesen sein, aber dann muss auch hier während des Spiels reagiert werden. Wie Griezmann beim Ausgleich am Elfmeterpunkt zwei Meter Platz in alle Richtungen hat, tat beim Zuschauen schon fast physisch weh.

4)      In beiden Strafräumen – also auch im eigenen – gewann Leipzig insgesamt zwei Kopfballduelle. Eines war das Tor von Šeško, das andere Poulsens Kopfball in Halbzeit 2, was im Umkehrschluss bedeutet, dass im eigenen Strafraum bzw. sogar im eigenen Defensivdrittel kein Kopfballduell von RBL gewonnen wurde. Auch hier hätte eine gegnerorientierte Deckung Abhilfe schaffen können. Grundsätzlich war das aber auch nur eine Fortführung der Schwäche bei Standards, die schon gegen Union sehr deutlich zutage trat.

 

Schlechte Werte bei den Neuzugängen.

 

5)      Kein Neuzugang konnte in Madrid wirklich überzeugen, das wäre verschmerzbarer, wenn dafür die arrivierten Spieler besser gewesen wären, aber mit einer insgesamt überschaubaren Leistung, war es der Sargnagel. Nusa kam beispielsweise nur auf vier erfolgreiche Pässe und einen verlorenen Zweikampf. Vermeeren konnte nur einen Zweikampf gewinnen (was aber auch auf Haidara und später Seiwald zutraf) und auch Geertruida verlor sein einziges Duell. Zu wenig, um sich wirklich in den Fokus zu spielen.

6)      Während die Defensive noch teilweise hielt, lief offensiv fast nichts. Openda (67%), Šeško (56%), Nusa (44%) und Poulsen (25%) kamen gemeinsam auf 20 angekommene Pässe und durch die Bank schlechte Passquoten. Zwar führte die Offensive viele Duelle – die Top 3 Leipziger waren Šeško, Xavi und Openda – aber diese drei gewannen auch nur 12 ihrer 33 Zweikämpfe. War ein solcher mal erfolgreich, dann verebbte der Angriff spätestens in den folgenden Passversuchen. Besonders deutlich wird dies, wenn man sich die erfolgreichen Pässe ins Offensivdrittel (19) oder in den Strafraum (4) anschaut. Hier hatte Atlético ein klares Übergewicht (41 bzw. 19). Besonders bei längeren Bällen war Leipzig sehr ineffektiv (63 gegen 73 Prozent Quote).

 

Leipziger Torgefahr hier dargestellt als Nulllinie nach der vierten Minute.

 

7)      Madrid war nicht wirklich effizient, aber im Prinzip das ganze Spiel über Herr der Lage. 25 Flanken gegen 8 Leipziger Flanken, 8 gegen 2 Leipziger Ecken, 21 gegen 10 Leipziger Tacklings. Es gab fast keine Metrik, in der Atlético nicht klar besser war. Torschüsse, Ballbesitz, Passquote. Die Leipziger Harmlosigkeit wird auch schön von den geblockten Pässen untermalt. Während Madrid im ganzen Defensivdrittel nur einen Leipziger Pass blocken musste, blockte RBL neun Pässe Madrids im eigenen Strafraum und gut 15 im eigenen Defensivdrittel.

8)      Im Fokus steht bei Leipzig natürlich Xavi Simons und auch wenn man im Spiel immer wieder seine Klasse aufblitzen sieht, muss der Schlüsselspieler auch wieder liefern. Nur ein Tor in den letzten 10 Bundesligaspielen und keine Torbeteiligung in den letzten vier Champions League Spielen sind vor allem eines – ineffizient.

9)      Vom Schlüsselspieler zum Schlüsselelement eines jeden Fußballteams: Dem Trainerteam. Ich hatte es schon in der Saisonbilanz geschrieben, aber der Eindruck hat sich seitdem leider nur weiter verfestigt. Es fehlt an einer Idee. Wo ist das Konzept? Läuferisch dauernd unterlegen und im Zentrum selten wirklich bissig. Offensive Abläufe und gute Passstafetten – ein großes Nichts. Standards? Defensiv wie offensiv problematisch. Mit so einem Kader musst du mehr Meter aufs Feld bringen!

 

Im zweiten Durchgang reichte Atletico eine überschaubare Leistung.

 

Problematisch ist nicht, in Madrid zu verlieren, sondern das spielerisch ohne Konzept und kämpferisch ohne Messer zwischen den Zähnen zu tun. Wieder war Leipzig läuferisch unterlegen, wieder fehlte es an taktischen Mitteln – einem echten Spielkonzept. Ohne das frühe Tor bzw. den Konter wäre Leipzig über die restlichen 90 Minuten (zählt man die Nachspielzeiten mit) mit 0,25 xG aus diesem Spiel gegangen und vier abgeschlossenen Pässen in den Strafraum. Das ist ideen- und konzeptlos! In der Liga hat man nun St. Pauli, Augsburg, Heidenheim und Mainz. Sollte es da nicht annähernd die volle Punktzahl und vor allem eine taktische Steigerung geben, sollte man sich ernsthaft Gedanken machen…

 

Das wird auch gegen Juve ein ganz dickes Brett...

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLUEFAFotMobfbref

 

Statistik
Atlético Madrid: Oblak – Le Normand, Giménez, Reinildo – Llorente, Koke (C), Riquelme (63. Lino) – de Paul (63. Gallagher), Correa (66. Molina) – Griezmann (90.+2 Witsel), Álvarez (63. Sørloth)
Bank: Musso, Gomis – Azpilicueta, Sörloth, Lenglet, Galán, Simeone, Serrano
RB Leipzig: Gulácsi – Henrichs (70. Geertruida), Orbán (C), Castello Jr., Raum – Haidara, Vermeeren (60. Seiwald) – Nusa (46. Baumgartner), Xavi (83. Elmas) – Šeško (70. Poulsen), Openda
Bank: Vandevoordt – Bitshiabu, Klostermann, Silva, Kampl, Gebel
Schiedsrichter: Ivan Kružliak (Slowakei)
Tore: 0:1 Šeško (4.), 1:1 Griezmann (28.), 2:1 Giménez (90.)
Torschüsse: 21 / 7
Schüsse aufs Tor: 4 / 3
expected Goals: 1,75 / 0,71
Passquote: 86% / 84%
Zweikampfquote: 61% / 39%
Ballbesitz: 62% / 38%
Laufwerte: 118,5km / 117,2km
Fouls: 13 / 13
Ecken: 8 / 2
Abseits: 3 / 1
Gelbe Karten: de Paul (1), Gimenez (1), Le Normand (1) / Castello Jr. (1), Baumgartner (1), Henrichs (1), Openda (1)
Zuschauer: 57.856

Rumpelstilzchen