Siege werden am besten dreckig serviert...
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Die Konkurrenz hatte gepatzt und so öffnete sich – ganz im Mintzlaff-Sprech – eine Lücke, die es zu nutzen galt. Aus der oberen Tabellenhälfte hatten vor und auch noch nach dem Leipziger Spiel lediglich Union und Freiburg gewonnen, so dass RBL Raumgewinne erzielen konnte. Mit Vermeeren, Nusa und Klostermann rotierte Rose etwas, wobei Frank Schmidt auf der Gegenseite gleich auf sechs Positionen tauschte.

Derzeit fest im Sattel: Gulácsi.
Dreisatz des Spiels
Bis zur Führung durch Openda bzw. auch noch kurz danach, fehlte es RBL vielleicht an Durchschlagskraft, aber defensiv ließen unsere Leipziger wenig zu. In der Schlussphase rutschte der Rose-Elf jedoch das Herz ganz tief in die Hose und es gab einige Chancen für die Gastgeber, die jedoch schließlich am überragenden Gulácsi scheiterten, der aktuell zurecht der notenbeste Leipziger ist. In Sachen Chancenverteilung wäre ein Unentschieden vielleicht gerechter gewesen, so zahlte das Spiel auf die derzeitige Leipziger Überperformance ein.

Nusa war gegen Heidenheim umtriebiger als Xavi.
Aufgefallen
1) 17 Bundesligaspiele ungeschlagen und 400 Minuten ohne Gegentor. Eine beeindruckende Bilanz, die nicht zuletzt mit Gulácsi in Verbindung steht, der aktuell der notenbeste Leipziger ist (Sofascore). Vor seiner Rückkehr in den Kasten fast schon totgesagt, erlebt der Ungar gerade seinen zweiten Frühling und kratzt einige schwer haltbare Dinger raus. So auch gegen Heidenheim, wo Pieringer und Beck besonders im zweiten Durchgang an im verzweifelten. Totgesagt leben also wirklich länger und Vandevoort muss sich wohl noch etwas gedulden – freiwillig wird Pete seinen Platz nicht räumen. Währenddessen zeigt Blaswichs Formkurve in Salzburg weiter nach unten. Wer hätte das vor gut einem Jahr gedacht…
Ein Sieg, den man sich nach einer kämpferischen und abgezockten Leistung verdient hat.
— Niklas (@gNiklas43) October 6, 2024
In vielen Punkten gibt es, aber trotzdem weiter viel Luft nach oben.
Nusa und Vermeeren konnten ihren Startelf mit guten Leistungen rechtfertigen.
Mein MotM: Gulacsi. #FCHRBL #RBLeipzig https://t.co/vzJlMxe932
Mit der Leipziger Luft nach oben sind Bergbesteigungen möglich...
2) Mit dieser starken Serie kommt aber auch ein großes „ABER“. Denn Leipzig hat diese Saison punkte- und gegentortechnisch stark überperformt. 7,4 Gegentore weniger und 5,7 Punkte mehr als zu erwarten stehen bei understat auf dem Konto. Das hat gemessen an der noch jungen Saison fast schon unioneske Züge. Wir erinnern uns an den Hauptstadtklub, der 22/23 fast 20 Punkte über der Erwartung lag und danach schon etwas eingeknickt ist. Solche statistischen Ausreißer haben die Angewohnheit, nicht nachhaltig zu sein, weshalb aktuell trotz des Tabellenplatzes einige Kritik geübt wird. Zumal es in der Königsklasse auch nicht ganz „rosig“ aussieht.
Falls jemand fragt ☝🏻(Wenn auch nur für kurz) #fchrbl #rbl pic.twitter.com/P1xH3yH5eD
— GordonShumway™ (@bumbumbastisch) October 6, 2024
Wie RBL aktuell so weit oben stehen kann, ist nicht so richtig erklärbar.
3) Weniger Schüsse aufs Tor und weniger Schüsse im Strafraum als Heidenheim sowie eine relativ ausgeglichene Torschussbilanz und xG-Wertung zeigen, dass der Leipziger Sieg vielleicht nicht komplett unverdient war, aber auch weit weg von souverän. Diese verlorengegangene Souveränität muss Leipzig in den kommenden Wochen wiederfinden. Ein Schlüsselspieler dabei ist Xavi, der diese Spielzeit zu oft unter seinen Möglichkeiten bleibt und auch gegen Heidenheim abseits seiner Topchance im ersten Durchgang kaum in Erscheinung trat. Hinter den Spitzen machte Nusa – mit Abzügen in der Zweikampfführung – das bessere Spiel. Grundsätzlich hat Rose hier seit dem Abgang von Olmo noch keine echte Struktur gefunden. Erschwerend wirkt auch der Ausfall Schlagers, der in seiner besten Form neben Haidara gesetzt wäre. Seiwald und Vermeeren wirken noch zu unstet.
Péter Gulácsi = Eine Festung im Leipziger Tor 🚧
— RBoligei (@BoligeiR) October 6, 2024
Nach seinem Kreuzbandriss stand er in der Bundesliga mittlerweile 19x im Leipziger Tor und verlor dabei kein einziges Spiel.
Insbesondere glänzt er mit 10 Spielen ohne Gegentreffer und war auch in Heidenheim ein starker Rückhalt. pic.twitter.com/U4CPmwHprf
Mauerbau mal anders.
4) Nach Pete waren wahrscheinlich Haidara im Zentrum und Openda im Sturm die beiden besten Leipziger. Openda hatte abseits der Xavi (42.) Chance, die er vorbereitete, drei der fünf besten Leipziger Möglichkeiten auf dem Fuß und führte zudem die meisten Zweikämpfe (7/17) sowie Dribbings (2/5). Nicht wirklich auszeichnen konnten sich Vermeeren (nur 25% Zweikampfquote), der angeschlagen ausgewechselte Raum (schlechte Quote bei Flanken und langen Bällen) sowie fast alle Einwechselspieler. Besonders Poulsen bringt momentan kaum noch seine Meter aufs Feld – 30% Passquote sind einfach zu wenig, wenn das Spiel auf Messers Schneide steht.

Zuletzt gab es nicht so oft Daumen hoch bei Xavi.
5) Auffällig auch – wie schon in Spielen zuvor – dass Leipzig sehr oft über Fernschüsse zum Abschluss kommt. Das ist auch ein Grund, warum die xG Differenz oft sehr niedrig ist, weil viele der Leipziger Abschlüsse aus der zweiten Reihe abgegeben werden, was nur selten zum Erfolg führt. Gegen Heidenheim gingen 70% der kürzesten zehn Abschlüsse auf das Konto der Gastgeber, während die Rose-Elf 60% der weitesten zehn Torschüsse verbuchte.
5) Ein weiterer Kritikpunkt bleibt der fehlerbehaftete Spielaufbau. Heidenheim kam war auf deutlich geringere Spielanteile, aber hatte bei langen und mittleren Pässen die deutlich besseren Quoten (86,7% und 53,9 % gegenüber Leipzigs 79,6% und 47,5%). Mit solchen Werten ist kein Staat zu machen, wie es so schön heißt, weil zu viele Angriffe im Nirvana versanden. Zudem gab es einige Ballverluste, die aus Zweikämpfen, Tacklings bzw. verlorenen Dribblings resultierten, so dass an einen stabilen Spielaufbau kaum zu denken war.
+++ PERSONAL-INFO +++
— RB Leipzig (@RBLeipzig) October 8, 2024
David #Raum hat am Sonntag im Spiel beim @FCH1846 eine Sprunggelenksverletzung erlitten und ist bereits vom @DFB_Team abgereist. Der Verteidiger wird nun für eine genaue Diagnose eingehend untersucht.
Gute Besserung, Raumi! pic.twitter.com/Z1BYBX4NN7
Und schwups steht RBL ohne Linksverteidiger da!
6) Während das Spiel vom Verlauf her nicht wirklich überraschen konnte, kommen derzeit die größten Nachrichten abseits des Platzes zustande. Klopp – einst die Gallionsfigur der kultigen Traditionalisten – wird Global Head of Soccer bei Red Bull und soll seine Expertise bei Spielphilosophie, Trainerentwicklung und Networking einbringen. Ein Wechsel, der von Mintzlaff als „stärkste Verpflichtung“ der Fußballgeschichte Red Bulls angekündigt wird, was bei der schwammigen Tätigkeitsbeschreibung zumindest noch abgewartet werden sollte. In manchen Foren und Bienenstöcken tobt jetzt natürlich der furor teutonicus – aber was juckt es die Eiche, wenn das Borstenvieh sich an ihr wetzt…
7) Weniger gute Nachrichten gibt es von der Nationalelf bzw. Leipzigs Außenverteidigern. Raum muss operiert werden und fällt bis zum Jahresende aus, gut, dass die Kaderplanung keinerlei linksfüßigen Ersatz auf Außen vorgesehen hatte, nicht mal eine Alibilösung wie Lenz. Da zusätzlich auch Henrichs von der Nationalelf abreisen musste, ist eine funktionierende Viererkette für Rose jetzt eine fast schon unlösbare Aufgabe, es wird wohl auf Klostermann oder Geetruida hinauslaufen. An dieser Stelle erstmal gute Besserung an Raum und Henrichs.
Jurgen Klopp on his Insta account. 📲🆕 pic.twitter.com/NLORGAC2MV
— Fabrizio Romano (@FabrizioRomano) October 9, 2024
Willkommen bei Red Bull Kloppo!
Fazit
Leipzig ist jetzt punktgleich mit dem Tabellenführer aus München, wobei der Serienmeister ein etwas schwereres Programm hatte. Gemessen an den erwartbaren Punkten und Gegentoren ist Leipzig der größte Überperformer der Liga und genau hier muss der Blick auch hingerichtet werden. Solche statistischen Ausreißer sind nämlich im Normalfall nicht von Dauer und auch nicht nachhaltig. Dennoch geben die reinen tabellarischen Zahlen Rose erstmal recht: 17 Spiele in der Liga ungeschlagen und 400 Minuten ohne Gegentor sind Leipziger Rekord in Liga 1.
Mit Mainz (einem der Angstgegner der letzten Jahre), Freiburg und Dortmund kommen jetzt in der Liga schwerere Kaliber auf Leipzig zu. In der Champions League könnte RBL nach dem Liverpool Kick schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Das aktuelle Zwischenfazit muss also nicht zwingend halten, sofern keine echte Leistungssteigerung erfolgt und es Rose gelingt die Ausfälle zu kompensieren.

Matchwinner unter sich.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
1. FC Heidenheim: Müller – Föhrenbach, Mainka (C), Gimber, Busch – Schöppner, Maloney (67. Conteh) – Traore (67. Beck), Wanner (83. Schimmer) – Pieringer (83. Breunig), Kaumfann (67. Scienza)
Bank: Eichus – Siersleben, Kerber, Theuerkauf
RB Leipzig: Gulácsi - Raum (69. Geertruida), Castello Jr., Orbán (C), Klostermann - Vermeeren (69. Seiwald), Haidara (83. Henrichs) - Xavi (76. Baumgartner), Nusa - Šeško (76. Poulsen), Openda
Bank: Vandevoordt – Bitshiabu, Elmas, Silva
Schiedsrichter: Sascha Stegemann (Niederkassel)
Tore: 0:1 Openda (59.)
Torschüsse: 14 / 13
Schüsse aufs Tor: 4 / 2
expected Goals: 1,08 / 1,82
Passquote: 73% / 79%
Zweikampfquote: 51% / 49%
Ballbesitz: 45% / 55%
Laufstrecke: 117,3km / 117,64km
Sprints: 237 / 242
Fouls: 12 / 13
Ecken: 3 / 2
Abseits: 1 / 2
Gelbe Karten: Föhrenbach, Schimmer / Xavi, Klostermann
Zuschauer: 15.000
Rumpelstilzchen
dann kommt man trockenen Fußes rüber bzw baut RB dann sicher eine Schnellfahrstraße für die Spieler zur direkten Anbindung der Parkplätze unter dem Stadion