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Team Glas halbvoll oder Team Glas halbleer? Ein erstes Zwischenfazit!

Team Glas halbvoll oder Team Glas halbleer? Ein erstes Zwischenfazit!

Ein kleines Zwischenfazit nach sechs Bundesliga- und zwei Champions-League Spielen sowie einem DFB-Pokalspiel in der noch jungen Saison 2024/25. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber manchmal fehlte nur wenig, um das Maximum herauszuholen. Eine Gegenüberstellung von „Team Glas halbvoll“ und „Team Glas halbleer“, und welche Aussagekraft die aktuellen Ergebnisse in der noch jungen Saison besitzen.

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Team Glas Halbvoll

Es ist der 24. Februar 2024. Ein sonniger und relativ milder Tag ging zu Ende in München. An dem Tag, an den RB Leipzig zum letzten Mal ein Bundesligaspiel verlor. Es war eine bittere 1:2 Niederlage, denn Harry Kane hatte erst in der Nachspielzeit den Siegtreffer für die Bayern erzielt. Davor hatten unsere Leipziger Rasenballer schon gegen Union Berlin und M’gladbach jeweils mit 2:0 gewonnen und in Augsburg Remis erspielt. Seit der unnötigen Niederlage in München hat RB Leipzig bis heute kein weiteres Bundesligaspiel mehr verloren. Saisonübergreifend ist RB nun seit 17 Bundesligapartien ungeschlagen (laufender Vereinsrekord) und holte dabei 11 Siege und 6 Remis bei einem Torverhältnis von 37:11. Vor allem die nur durchschnittlich 0,65 Gegentreffer pro Spiel sprechen Bände.

Was ist passiert im Leipziger Bullenstahl, dass man aus den letzten 21 Bundesligaspielen nur das besagte Spiel im Februar in München spät verlor und seither den besten Punkteschnitt von Ø2,3 über einen so langen Zeitraum erzielen konnte? Hat sich vieles zum Positiven gewendet? Haben sich die Einzelspieler sowie das Team insgesamt und der Trainerstab weiterentwickelt? Sind noch höhere Ziele möglich? Oder hatte Marco Rose und sein Team einfach nur viel Glück?

Da stehen sie nun, die Roten Bullen, punktgleich mit Bayern München an der Tabellenspitze der Bundesliga auf Platz 2 und haben nebenbei die vorher Unschlagbaren aus Leverkusen sogar mit 3:2 besiegt. Punktetechnisch ist es das Beste, was RB seit Langem in der Bundesliga herausgeholt hat. Auch zu Hause blieb man in den letzten 10 Bundesligaspielen ungeschlagen und spielte dabei acht Mal zu Null - eine unglaubliche Serie. Es ist weniger das Offensivtrio um Xavi, Openda & Sesko, welches stets für Tore sorgt, sondern viel mehr sind es zumindest in der Bundesliga die wenigen Gegentreffer, die herausstechen.


RB Leipzig mit Trainer Marco Rose auf Rekordjagd – Herzlichen Glückwunsch.


Gleichermaßen muss man Marco Rose und seinem Trainerteam Respekt zollen, was sie mangels Saisonvorbereitung bisher aus dem Profiteam herausgeholt haben. Schließlich waren die meisten der Profis im Sommer bei der Europameisterschaft dabei und hatten anschließend einen verlängerten Urlaub, so dass für einige Akteure es gleich nahtlos unter Wettkampfbedingungen in die neue Saison weiterging. Ein konditionelles Training über einen längeren Zeitraum sowie ein Einstudieren taktischer Grundzüge im gesamten Team war kaum gegeben. Vielmehr musste die Zeit mit Nachwuchsspielern überbrückt sowie ein Dani Olmo ersetzt werden, der nach Barcelona wechselte und auch der Abgang von Mohamed Simakan kompensiert werden. Folgerichtig setzt Marco Rose weiter auf sein bewährtes 4:2:2:2 Spielformat, um taktische Gewohnheit schnell voranzustellen.

Aus benannten Gründen war die 1. DFB-Pokalrunde beim Außenseiter aus Essen zwar etwas holprig, aber am Ende setzte man sich klar mit 4:1 durch. Dabei konnten auch Sesko, Openda und Xavi ihre ersten Saisontore beisteuern. Ganz anders zeigt sich hingegen das Niveau in der Champions League, indem wir wohl das Team sind, welches die schwersten Gegner zugelost bekamen. Gleich sechs Gegner aus den Top 5-Ligen Europas, die auch momentan auf aller höchstem Niveau agieren.

Mit Inter Mailand ist der italienische Meister einer der namenhaften Gegner, aber auch der FC Liverpool, aktuell Tabellenführer der englischen Premier League. Ebenso Atletico Madrid, die ebenfalls noch ungeschlagen sind in der spanischen La Liga nach neun Ligaspielen und schließlich gesellt sich noch Sporting Lissabon hinzu, der portugiesische Meister, die bisher alle acht Saisonspiele gewonnen haben. Fehlen darf natürlich nicht die „Alte Dame“ Juventus Turin, die wettbewerbsübergreifend noch ungeschlagen in dieser Saison sowie Tabellendritter in der italienischen Liga sind. Aston Villa ist Tabellenfünfter in England, hat die Bayern geschlagen und insgesamt auch nur eine Saisonniederlage. Auswärts muss unser Team zu Celtic Glasgow, dem schottischen Meister, der bisher auch alle seine sieben Ligaspiele erfolgreich bestreiten konnte. Unser Auswärtsgegner Sturm Graz ist Tabellenführer in Österreich und hat zuletzt Salzburg filetiert in der Liga. Da kommen Auswärtsspiele auf unsere Jungs zu, die man auch erst einmal gewinnen muss, um im großen Konzert mitmischen zu können.

Es ist zumindest kein Wunder, dass das Team um Marco Rose auch das eine oder andere Spiel verliert und ebenso Lehrgeld zahlt gegen die ganz großen Teams Europas. Schließlich wurden die zwei bisherigen Spiele nur knapp verloren. Keineswegs zeigte man sich deutlich unterlegen, eher war man sehr nah dran in beiden Spielen zu punkten. Dass es noch nicht zu den ganz Großen in Europa reicht, hat vielerlei Gründe. Einerseits geht RB Leipzig stets seiner Philosophie nach, junge, talentierte Spieler relativ preisgünstig zu verpflichten oder auszuleihen und sie natürlich weiterzuentwickeln, was Zeit braucht. Andererseits hat man dadurch die Gewissheit, dass diese Spieler noch Fehler machen werden in ihrem Prozess, sie noch keine fertigen und erfahrenen Spieler auf Europas Topniveau sind. Wenn weiterhin Jahr für Jahr Leistungsträger abgegeben werden wie ein Dani Olmo oder auch ein Mohamed Simakan, dann hat das Trainerteam um Marco Rose nicht mehr viel Spielraum, auf höchsten Niveau flexibel reagieren zu können.


Péter Gulácsi zeigt sich auch in dieser Saisonphase in Höchstform.


Schön auch zu sehen, wie einige Akteure schon so früh in der Saison in Höchstform agieren. Ob aktuell ein Péter Gulácsi, Castello Lukeba, David Raum, Benjamin Šeško, Amadou Haidara oder ein Loïs Openda. Sie alle konnte Marco Rose zu Höchstform bringen und weiterentwickeln. Nicht zu vergessen Xaver Schlager. Sie alle mussten mehr oder weniger die Lücke schließen, die einst Leistungsträger wie Christopher Nkunku, Dominik Szoboszlai, Konrad Laimer, Josko Gvardiol, Emil Forsberg, Marcel Halstenberg oder ein Dani Olmo sowie ein Mohamed Simakan ausfüllten. Zu guter Letzt nicht zu vergessen sind auch die Verletzungsausfälle/Sperren zwischendurch von Willi Orban, Dani Olmo, Xaver Schlager und auch diverser Neuzugänge wie aktuell Assan Ouédraogo (18 Jahre) und nun David Raum. Schließlich machen auch schon Arthur Vermeeren (19) und Antonio Nusa (19) eine gute Figur auf dem Platz.

Alles Spieler, die nun weiter unter Marco Roses Anweisung bei RB Leipzig agier(t)en und darüber hinaus Umstände vorherrschen, die es dem Trainerteam bisher nicht wirklich leicht machten, das Optimum aus dem Spielerkader herauszuholen oder um eine noch bessere Punkteausbeute erzielen zu können. Schließlich hatte man nicht nur eine schwierige Saisonvorbereitung aufgrund mangels der verfügbaren Profis durch die Fußball-EM, sondern spielt auch während der Saison weiter in englischen Wochen mit vielen Reisen zwischendurch und kaum vorhandenen Trainingstagen/Wochen. Kritisch sind auch die Länderspielpausen zu betrachten, indem für die 16 bis 19 RB-Profis, die vom Verband einberufen werden, weitere zusätzliche Spiele in Form englischer Wochen bedeuten. Oft bleiben nur noch Regenerationsphasen, taktische Besprechungen und die versuchte Umsetzung auf dem Platz übrig.

So gesehen befinden wir uns auf einem guten und erklärbaren Weg, der zwar nie das Optimum erreichen wird, aber stets eine Herausforderung darstellt, mit den verfügbaren Kader und Voraussetzungen, bestmögliche Ergebnisse zu erreichen. Auch wenn die Spiele in der Champions League bisher verloren gingen, stimmen ansonsten die Ergebnisse. Dies hat sich das Profiteam von Spiel zu Spiel hart erarbeitet und ist auch ein Verdienst vom Trainerteam um Marco Rose. Wer hier eine noch bessere und schönere Spielweise fordert, warum wurde dann Julian Nagelsmann abgegeben, der nun Nationaltrainer Deutschlands ist und wer war dafür verantwortlich im RB-Imperium? Demut tut manchmal gut, zumal jedes Jahr aufs Neue die internationalen Plätze erreicht wurden (Champions League).

 

Team Glas Halbleer

Kurios: Parallel zur Tabellenplatzierung in der Bundesliga (Platz 2 punktgleich hinter Bayern München) und zu den rekordverdächtigen Zahlen ungeschlagener Spiele, der besten Defensive (die wenigsten Gegentreffer) und fünf von sechs Bundesligaspielen zu Null, werden die Stimmen bei nicht wenigen RB Fans immer lauter, dass die Zeit von Trainer Marco Rose langsam, aber sicher, ablaufen wird. Zudem will die Chefetage neuerdings näher an den Trainingsplätzen rutschen, um die Einheiten mit kritischen Augen besser verfolgen zu können. Alarmstimmung am Cottaweg? Warum?


Erfolgreicher Ballbesitzfußball unter Marco Rose? Die Hoffnung stirbt zuletzt.


Doch scheint eine flexible und gekonnt sichere Spielanlage manchmal kaum vorhanden zu sein. Insbesondere gegen tiefstehende Gegner scheint das Trainerteam um Marco Rose keine ausreichenden taktischen und spielerischen Mittel den eigenen Spielern vermitteln zu können, weil augenscheinlich im eigenen Ballbesitz kaum Lösungen gezeigt werden. Es fehlt demnach auch die taktische Variabilität, auf bestimmte gegnerische taktische Voraussetzungen das eigene Team von Beginn an des Spiels richtig einzustellen und auch während des Spiels taktisch reagieren und schneller das Team umstellen zu können. Im Wesentlichen wird meistens am 4-2-2-2 System festgehalten, indem aber insbesondere unsere vier Offensivspieler um Openda, Sesko, Xavi & Co. sich stets bis zu zwei Gegenspieler gegenüberstehen und einfach kein Raum vorhanden ist, sich torgefährlich entfalten zu können.

Der Rose-Fußball ist einfach nicht dafür gedacht, groß in Ballbesitz zu spielen. Dies offenbart sich in der eigenen Trägheit unseres Team, welches den Ball und sich selbst im eigenen Ballbesitz nur sehr langsam positionell verschiebt und dabei viel zu selten das Tempo vertikal in die Spitze sucht. Wenn doch, dann sind unsere Offensivakteure stets in Unterzahl und sofort unter Gegnerdruck bzw. verlieren öfters den Ball, so dass die wenigen Angriffsbemühungen mehrfach misslingen. Ein Spiel über die Außen wird dabei wenig fokussiert. Alias Domenico Tedesco, der einst diesen Spielstil bei RB kreierte und somit für mehr Ballbesitz sorgte. Dies ist erstmal nicht schlecht vom Ansatz her, weil der Gegner dabei nicht in Ballbesitz ist. Aber das Manko zeigte sich schon damals in dieser Form, sich mangels Einfallsreichtum, eigene Chancen erarbeiten zu können.

Das schwierige Vorhaben hatte einst auch Julian Nagelsmann aufgegriffen, RB Leipzig von einer laufstarken sowie kämpferisch, schnellen Umschaltmannschaft weiter zu einem Topteam zu entwickeln, dem es auch gelingt, spielerische Lösungen gegen tiefstehende Gegner zu finden. Paradox klingen doch die Forderungen von Oliver Mintzlaff, um Titel mitzuspielen, wenn man den noch jungen, aber talentiertesten und begehrtesten Trainer Europas damals Richtung München ziehen gelassen hat. Was folgte, waren Jesse Marsch und Domenico Tedesco vor Marco Rose sowie jede Menge Spielerabgänge- sowie Zugänge, so dass im sportlichen Bereich keine Ruhe einkehren konnte. Nicht zu vergessen die Position des Sportdirektors und das Karussell in der Führungsetage.


Mintzlaff: Mit „Wir waren noch nie da, wenn sich eine Lücke bot“ meint er aber auch sich selbst, da er die sportliche Lage mitverschuldet hatte.

 

Und auch das stimmt: Dass sich unsere Rasenballer punktgleich hinter Bayern München an der Tabellenspitze wiederfinden, ist bisher mit viel Glück verbunden gewesen oder mit dem Unvermögen der anderen Teams zu erklären, die gegen uns Punkte liegen gelassen haben. So hätten Union Berlin, St. Pauli oder Heidenheim mit einer besseren Chancenverwertung mehr Punkte gegen uns holen können. Parallel haben wir ebenso in der Offensive bisher überperformt, sozusagen aus wenigen Offensivchancen und kaum aussichtsreichen Torschusspositionen Treffer erzielt. Darin sind wir aktuell auch europäische Spitze (xPTS), welche sich im Verhältnis von Torgefährlichkeit xG und erwartbare Gegentore (xGA) zeigt. Hier befindet sich RB Leipzig momentan auf Platz 8 (xPTS) in der Bundesliga, bei zu erwartenden eigenen Treffern Platz 9 und bei zu erwartbaren Gegentreffern ebenso Platz 9.


RBL hat statistisch und spielerisch bisher wenig überzeugt.

 

Das zeigt aber auch die Klasse einiger Leistungsträger in den Reihen von RB Leipzig. In der Offensive sticht insbesondere Loïs Openda hervor. Aber auch Benjamin Sesko trägt mit seiner Torgefahr dazu bei, dass „vorn“ immer das eine oder andere Tore gelingen kann, auch wenn der Gegner mal „mauert“ oder einfach stärker ist. In der Defensive können wir uns bei Péter Gulácsi bedanken, der fünf von sieben gegnerischen Großchancen vereitelte (71,4% / Ligainsider) und damit sich aktuell als bester Keeper in der Bundesliga beweisen konnte. Darüber hinaus zeigten bisher Castello Lukeba sowie David Raum im Defensivbereich enorme Stärken, so dass auch viele gefährliche Situationen noch im letzten Moment geklärt wurden. Nicht zuletzt haben auch Willi Orban und Benjamin Henrichs mit knapp 73% eine enorme Zweikampfquote vorzuweisen (Platz 3+4 in der Bundesliga).


Viel Spielglück bisher für RBL in der Bundesliga.

 

Leider zeigt sich auch unsere Schwäche in der Laufarbeit. Meistens sind wir Topteams mit ähnlich hohen Spielanteilen läuferisch unterlegen, was sich im langsam vorgetragenen Ballbesitzfußball widerspiegelt. Ein Bayern München oder Bayer 04 Leverkusen zeigt viel höheren Laufaufwand im eigenen Ballbesitz, als es RB Leipzig offenbart. So laufen die Bayern pro Spiel 6 Kilometer mehr und das trotz noch höheren Ballbesitzanteilen. Das heißt, dass sich die Spieler viel mehr bewegen in Form von Freilaufen, Anbieten, Hinterlaufen, sich kreuzen und zudem längere Strecken rennen mit viel Tempo. So hat der ballführende Spieler stets eine oder gleich mehrere Optionen, das eigene Spiel zu gestalten.

Die Trägheit unserer Spieler im Ballbesitz gegen tiefstehende Gegner ist jedoch unsere größte Achillesferse. Taktisch bedingt ist das unter Marco Rose kaum möglich bzw. es wird nicht vermittelt oder von den Spielern nicht umgesetzt. Zwar hat Marco Rose teilweise schon unter einer 3er- bzw. 5er-Kette im Defensivbereich spielen lassen, so dass die Flügel besser besetzt werden können fürs Aufbauspiel. Aber läuferisch war das stets zu wenig. Dass aber unsere Spieler mehr laufen können, zeigt sich, wenn der Gegner mitspielt und uns Räume lässt, diese zu erlaufen und zu erspielen. Jedoch offenbart sich unser Manko auch in der Statistik bei den intensiven Läufen. Hier liegen die Jungs von Marco Rose derzeit auf Platz 14, während Teams wie Bayern (3.), Leverkusen (7.) und Dortmund (8.) viel mehr in die Laufarbeit investieren. Jetzt ist das Team um Marco Rose mehr denn je gefordert, hier unseren Spielern Lösungen anzubieten, diese zu trainieren und im Spiel umzusetzen. Gelingt dies nicht, werden immer wieder unnütz Punkte verloren und die etwaigen Pflichtspiele gegen Teams der unteren Tabellenhälfte den einen und anderen Augenschmerz bereiten.

Darüber hinaus gibt es die Thematik des Verteidigens gegnerischer Standards und die Umsetzung bei eigenen Standardsituationen wie Freistöße aus guten Positionen sowie Eckbällen, Einwürfen und Elfmetern. Auch das haftet am Trainerteam um Marco Rose, dies zu optimieren, da bisher keine Verbesserung im Spiel zu erkennen ist. Oft hat ein David Raum an der Seitenlinie den Ball in der Hand gehabt, setzt zum wiederholten Male zum Einwurf an, muss ihn aber abbrechen, weil sich kein oder kaum ein Spieler zwingend freiläuft bzw. angeboten hat. Andererseits offenbaren sich die selbst vorgetragenen Eckbälle oft als langsame Bogenlampen in den Himmel, so dass selbst die Eckstöße von Lionel Voufack in der U19 für viel mehr Gefahr sorgen. Dass die Eckstöße oft kurz ausgeführt werden und anschließend langsam hinten herum gespielt wird, bringt den einen oder anderen Fan schon zur Weißglut. Alternativ offenbart sich das Manko Standards besser zu nutzen auch bei Freistößen ins aussichtreicher Position. Früher gab es einen Christopher Nkunku oder ein Dominik Szoboszlai bzw. Emil Forsberg, die scharf aus der zweiten Reihe mal abgezogen haben, über die Mauer ins Dreiangel lupften oder sicher waren bei Elfmetern, den Ball platziert in eine Torecke zu befördern. All das wirkt unter Marco Roses aktuellen Spielern noch sehr überschaubar und sollte größtmöglich auch unter Belastung trainiert werden.


Auch um den knappen Sieg in Heidenheim musste man bis zum Abpfiff zittern.

 

Andersherum verhält es sich im Verteidigen gegnerischer Standards. Kaum ein Spieler wie Willi Orban kann Flugkurven der hereingetretenen Bälle so gut berechnen, wie er. Dabei wird oft nur ballorientiert im (Straf-)Raum gestanden und sein Gegenspieler aus den Augen verloren. Anschließend wird sich gar nicht oder kaum zum nähernden Ball bewegt und parallel dabei zu passiv im Zweikampf agiert. Auch die fehlende Orientierung im Raum und im Anschluss auf den zweiten Ball birgt noch zu viel Gefahrenpotenzial. Hier haben und hatten wir das Glück, dass die gegnerischen Teams, die sich bietenden Torchancen nicht besser ausgenutzt haben.

Zu guter Letzt sollte man auch das Wechselverhalten von Marco Rose betrachten. Oft wird sehr spät eingewechselt, obwohl das Team sich schon lange die Zähne ausgebissen hatte. Und dann ist es größtenteils auch positionsbezogen, so dass keine taktische Reaktion bzw. Veränderung erkennbar wurde. Manchmal funktioniert es, aber oft eben nicht.


So kann man es auch zusammenfassen, in einer lustigen Art und Weise.

 

Fazit

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber auch die Erwartungshaltung scheint von Jahr zu Jahr zu steigen oder sehr hochzubleiben, obwohl die Grundvoraussetzungen weniger Gute sind im Vergleich zu anderen Top-Vereinen. Das erkennt man schließlich in den Champions-League Spielen, wenn einfach noch die Erfahrung bei den jungen Spielern fehlt und diese auch zu viele Fehler begehen. Das ist halt das Los, welches RB in seiner Philosophie gewollt gezogen hat, junge talentierte Spieler zu verpflichten, jedoch noch nicht im Kern auf höchsten Niveau fertig zu sein.

Alternativ steht noch die Frage im Raum, wie man gegen tiefstehende Gegner (zumeist Teams der unteren Tabellenhälfte) noch besser oder gewinnbringender agieren kann, um die Punkteausbeute in der Bundesliga noch höher schrauben zu können. Hier steht Marco Rose unter Druck, unter Ballbesitzfußball mehr spielerische Lösungen dem Team einzuhauchen, wenngleich Trainingseinheiten aufgrund der vielen englischen Wochen kaum vorhanden sind. Es ist zumindest die dritte Saison unter Marco Rose bei RB Leipzig und wenn am Ende dieser Saison immer noch kein Fortschritte erkennbar sind im eigenen Ballbesitz, dann kann das auch schnell schief gehen, wenn die Stürmer nicht überperformen.

Anderseits entwickelt sich bei einigen Spielern auch immer mehr ein Disput zur Leistungsfähigkeit im Verein und zu den Nationalmannschaften. In den Nationalteams werden die Spieler größtmöglich auf der Lieblingsposition eingesetzt, in der sie am besten glänzen können, demnach ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten gewinnbringend einzusetzen wissen. So spielt Christoph Baumgartner oft als hängende Spitze mittig vor dem Tor, erzielt viele Tore und bereitet ebenso viele vor. Gleichermaßen liegt Xavi Simons diese Position. Oft wird dort mit nur einer zentralen Spitze gespielt und dahinter mit drei sehr offensiven Mittelfeldspielern, während bei RB die beiden Offensivspieler auch sehr viel Defensivarbeit übernehmen müssen. Eine Raute und die damit verbundenen spielerischen Vorzüge sind in den Nationalteams viel mehr zu beobachten als unter Marco Rose.


Im Nationalteam top – bei RB eher unter den Erwartungen.

 

Letztendlich war die Saisonvorbereitung keine Einfache, da auch hier sehr viele Nationalspieler bzw. Leistungsträger aufgrund der EM fehlten oder erst sehr spät dazu gestoßen sind. Verletzungen und Spielerverkäufe sind natürlich auch negative Einflussfaktoren, die dem Trainerteam wenig Spielraum lassen, Verbesserungen schneller greifbarer zu machen. In der Champions League werden zeitnah weiter hochkarätige Gegner auf uns warten und demnach liegen auch weiter Niederlagen oder Punktverluste in Europas höchster Spielklasse in der Luft. In dieser Hinsicht sollten wir Fans weiterhin Ruhe bewahren und Demut zeigen auf diesem Niveau. Schließlich sind wir aber auch ein Team, dass man erst einmal besiegen muss. Wir sind stets ein unbequemer Gegner für jedes Team. So können wir mittels unserer Möglichkeiten favorisierten Teams alles abverlangen und das Spiel offen halten, andererseits aber auch weniger überzeugen gegen Teams mit weniger Qualitäten, die uns anderweitig fordern und wir hierfür keine Lösungen parat haben.

Alles in Allem sind wir wohl stehengeblieben. Es reicht von Saison zu Saison maximal für einen Champions-League Platz, auch für ein Ausrufezeichen in dem einen oder anderen Topspiel, aber im Laufe der Saisons konnte eine gewisse Stabilität noch nicht hochgehalten werden. Die bisherige Punkteausbeute bei einem relativ leichten Auftaktprogramm in der Bundesliga sollte keineswegs über die weiterhin vorherrschenden Mängel hinweg täuschen. Aber man kann auf sie gut aufbauen. Hoffen wir, dass das Team um Marco Rose Schlüsse daraus ziehen kann und noch weitere Entwicklung des Teams möglich ist. Beim nächsten Spiel beim Angstgegner aus Mainz werden wir weitersehen.

RBoligei