Punktlos die Vierte! RBL verliert mit 1:3 im Celtic-Park.
Ausgangslage:
Ein schwacher Auftritt in Dortmund inkl. verdienter 1:2 Niederlage, sowie null Punkte nach drei Spielen in der Champions League. Es war Druck auf dem Kessel und man erwartete eine Leipziger Mannschaft, die wütend und auf Wiedergutmachung aus war. Noch dazu schickte Cheftrainer Marco Rose die vermeintlich beste Mannschaft auf den Rasen.
Die gastgebenden Schotten – trainiert von Brendan Rodgers - traten unter besseren Voraussetzungen an. Zwar kassierte man in Dortmund eine heftige 1:7 Klatsche und zerfiel dort komplett in sämtliche Einzelteile, dennoch holte man bereits vier Punkte nach drei Spielen und hatte sich somit eine ordentliche Ausgangslage geschaffen. In der Liga war man punktgleich mit Aberdeen ungeschlagener Tabellenführer und rollte über eben jene zuletzt im Pokal 6:0 drüber. Zudem ist der Celtic-Park mit seiner stimmgewaltigen Kulisse immer eine Festung.

Ratlos in Glasgow – Rose fehlt ein Konzept!
Von Beginn an im CL-Modus:
Dieser Satz ist in dieser Saison kein Qualitätsmerkmal. Celtic spielte von Beginn an mutig und zeigte sich wild entschlossen, einmal mehr die Festung Celtic-Park entschlossen zu verteidigen. Vor allem einer in grün-weiß hatte richtig Bock, Nicolas Kühn. Wer diesen Namen noch kennt, hat RBs teilweise ernüchternde Grottenkicks gegen u.a. Sandhausen, den Aufstieg in Liga eins und vor allem Ken Gipson, Davie Selke, Atinç Nukan und Nils Quaschner, sowie Achim Beierlorzer als Co-Trainer erlebt. Good old Zweitliga-Zeiten. Damals war der Junge in Leipzig der heiße Scheiß und die wohl größte Hoffnung auf ein Eigengewächs, dass den Sprung in die erste Elf schafft. Später dann aussortiert wegen zu geringer taktischer Disziplin und zu viel Bock auf Zocken und Ballbesitz. Nunja, denkt euch euren Teil bitte selbst. Weiter im Text, ich schweife ab.
Celtic war von Beginn an da und heiß wie Frittenfett und zusammen mit den stimmgewaltigen Fans wurde schnell klar welch unangenehme Aufgabe das werden könnte, wenn die Leipziger Mannschaft ähnlich fahrig, passiv, ideenlos und mutlos auftrat, wie schon einige Male auswärts diese Saison. Die von Marco Rose zitierte „Traute“ brauchte es auch in diesem Spiel. Davon war vor allem in der ersten viertel Stunde nicht viel zu sehen. Stattdessen wurde man das Gefühl nicht los, die Elf auf dem Rasen musste sich der Lautstärke und der aggressiven Spielweise erst anpassen. Die Mannschaft kam mit der eigenen (früheren) DNA überhaupt nicht zurecht.
Wenn man sowieso nicht mehr daznt und stattdessen einfach arbeiten geht, dann geht's eigentlich. #celrbl
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) November 5, 2024
Der pure Selbstschutz...
Wiederentdeckte Stärken und alte Schwächen:
Mit der ersten Chance für RB nach ca. 18 Minuten fand man dann doch besser ins Spiel und es begann die stärkste Phase im ganzen Leipziger Spiel. Nach drei gefährlicheren Annäherungen erzielte RB die Führung. Ausgerechnet nach einer Ecke, die bisher wahrlich nicht zu den Stärken in dieser Saison zählten. Eine gut getretene Kampl-Ecke wurde von Carter-Vickers unfreiwillig verlängert und am zweiten Pfosten nickte Christoph Baumgartner dankend zum 1:0 aus Leipziger Sicht ein. Es folgten noch acht wirklich grundsolide Leipziger Minuten bevor das Spiel altbekannte Schwächen hervorrief. Gerade als RB es geschafft hatte, die Heimkulisse ein bisschen runterzukühlen und das Spiel auf seine Seite zu ziehen, ließ man die Riesenchance zum 0:2 liegen. Keine Frage, der Abschluss von Antonio Nusa muss in dieser Situation zumindest aufs Tor. Aber auch das zählt zum Lernprozess eines 19-jährigen. Wo die Leipziger Mannschaft allerdings anscheinend einen Kreis als Lernkurve hat, wurde vier Minuten später deutlich. Nicolas Kühn bekommt den Ball nach einem schönen Zuspiel von Ex-Augsburger Arne Engels, zieht nach innen und schlenzt den Ball ins Tor. Zwei Fakten machten diesen Gegentreffer besonders bitter. Zum einen gab man in der Mixed-Zone zu, dass genau bekannt war, was Kühn macht, zweitens war die Verteidigungsaktion von Henrichs und Bitshiabu nicht CL-würdig und eher Geleitschutz als alles andere. Die Folge: Statt dem 2:0 und noch mehr Ruhe im Spiel und im Stadion zu haben, stand es jetzt 1:1 mit einem wieder angezündeten Stadion und einer Celtic-Mannschaft, die nun absolut da war und Leipzigern, die nicht mehr reinkamen. Mal wieder schaffte es die Mannschaft auf internationalem Niveau nicht, eine Führung zu verwalten und souverän aufzutreten. Mit dem 1:1 verlor RB komplett den Faden und fand danach auch nicht mehr ins Spiel rein.

Baumgartners Tor reichte hinten und vorne nicht.
Konsequenz schlägt Leichtsinn:
Celtic spielte jetzt Minute zu Minute besser und drehte immer mehr auf. Bis auf einen Entlastungsangriff mit Abschluss nach Eckball bekam RB keinen Fuß mehr in die Tür. Stattdessen bekam Celtic mehrere gute Abschlussmöglichkeiten. Quasi mit dem Halbzeitpfiff belohnte Celtic sich dafür mit dem verdienten 2:1. Aber auch dies ging zu 100% auf die Leipziger Defensive, die nicht entschlossen genug klärte und sich stattdessen - nahe des eigenen Sechzehners - herauskombinieren wollte. Der daraus (wie meist) resultierende Ballverlust flog der RB-Defensive postwendend um die Ohren und erneut war es Nicolas Kühn, der am Ende den Ball in die Maschen drosch. Allerdings auch hier wieder mit freundlicher Unterstützung von Benjamin Henrichs, welcher an diesem Abend wirklich keinen Stich gegen den quirligen Kühn sah und auch in dieser Situation zu spät kam.
Nicolas Kühn, remember the name! 🇩🇪
— DW Sports (@dw_sports) November 5, 2024
Played for Ajax U19, Bayern U23 and in Germany's second division.
Tonight, he just scored a brace within 11 minutes against his childhood club RB Leipzig in the Champions League ✨#CelticLeipzig #CELRBL pic.twitter.com/V3iHymbofX
Kühn wollte es RBL scheinbar zeigen...
Mehr Risiko, kein Ertrag:
Mit Beginn der zweiten Halbzeit sah man direkt, dass die Leipziger höher pressten und damit anfangs auch Celtic ein wenig mehr stressten. Es gab mehr Fehler im Aufbauspiel der Schotten. Doch so richtig Kapital daraus schlagen konnte man nicht. Im Gegenteil: nachdem die Schotten diese ersten Stressmomente überstanden, waren sie wieder voll da. Zwar war auch RB wieder etwas besser drin, doch insgesamt waren die Möglichkeiten die man hatte, bis auf wenige Ausnahmen, nicht wirklich zwingend. Mal köpfte Orban in Schmeichels Arme, mal prüfte Šeško den Celtic-Keeper mit einem Schlenzer.
Das Déjà-vu-Erlebnis:
In der 71. Minute dann die beste Leipziger Chance im zweiten Durchgang. Christoph Baumgartner (bester Leipziger an diesem Abend) stand noch tollem Pass von Elmas frei vor dem Kasten und kam zum Abschluss. Schmeichel parierte diesen Abschluss wiederum stark. Und wie beim 1:1 kam direkt nach der Riesenchance für RB das Tor für Celtic. Wie ich schon sagte, Lernkurve Kreis halt. Celtic spielte diesen Angriff brutal stark aus und die Hereingabe von Johnston wurde von Gulacsi – dem besten Leipziger der letzten Wochen – unglücklich in die Mitte gelenkt, so dass Hatate nur noch einschieben musste. 3:1, Deckel drauf. Der KO-Schlag.
Wenn man es nicht besser wüsste, würde man meinen #RBLeipzig spielt seine erste #ChampionsLeague-Saison. Agiert größtenteils kopflos, mutlos und planlos. Selbst eine Führung gegen Atleti, Juve u. Celtic kannst du nicht zu deinem Vorteil nutzen. Spielkontrolle Fehlanzeige. #CELRBL pic.twitter.com/VzOVJhfRYu
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) November 5, 2024
Leipzig als Bauer in der Königsklasse.
Die letzten Minuten:
Von diesem Gegentreffer erholten die Leipziger sich nicht mehr. Es gab ein paar zarte offensive Annäherungen, letztlich blieb dann der Kopfball vom eingewechselten Assan Ouédraogo das einzige, was noch ein wenig im Hinterkopf blieb. Celtic spielte es klasse herunter. Eine Mannschaft, die insgesamt so viel wert ist wie unsere beiden Top-Stürmer, dominierte uns komplett weg und spielte uns vor sich her. Eine wirklich erschreckende Erkenntnis. Umso glücklicher war man als Fan, als der Schlusspfiff nach insgesamt 96 Minuten kam.

Nusa gewann noch die meisten Duelle (6).
Erkenntnisse:
Nach dem Spiel brachte es Christoph Baumgartner im DAZN-Interview auf den Punkt. Die Leipziger Mängelliste ist lang. Sehr lang. Zu unsauber, zu ungenau im Passspiel sei das Leipziger Spiel gewesen, noch dazu habe man die Bälle zu oft hergeschenkt und war gegen den Ball nicht intensiv und aggressiv genug. Marco Rose sprach davon, dass man es im Moment nicht schaffe, „auf unser Level zu kommen“. Doch was nun? Die letzten beiden Spiele mit quasi ähnlichem Spielverlauf geben Anlass zur Sorge. RB wirkte wie ein angeschlagener Boxer, dem es im Moment nur darum geht, irgendwie in die nächste Pause zu kommen. Die vom Trainer in Dortmund zitierte Traute sieht man im Moment wenig. Allerdings kommt da auch von der Bank viel zu wenig von. Ja, in Dortmund stellte man früh um und bewies somit auch Anpassungsfähigkeit im Spiel. Vor allem aber positionsgetreue Wechsel und wenig Mut in Sachen Ingame-Coaching beim Rückstand zeigen, dass die von der Mannschaft gewünschte Risikobereitschaft nicht von außen vorgelebt wird. Das hat dann auch nichts mit dem kleinen Kader zu tun. Dieser ist zwar ohne Frage gerade angesichts der Ausfälle ein Problem (wer hätte das eigentlich ahnen können? *Ironie off*), dennoch liegen die Probleme gerade in ganz anderen Segmenten und diese gilt es schleunigst in den Griff zu kriegen. Eine weitere Niederlage im Heimspiel gegen Gladbach könnte für eine sehr raue Stimmung in der Länderspielpause sorgen.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – UEFA – FotMob – fbref
Statistik
Celtic Glasgow: Schmeichel – Taylor (68. Valle), Carter-Vickers (74. Scales), Trusty, Johnston – McGregor (C), Engels (68. Bernardo), Hatate – Kühn (74. Yang), Maeda, Furuhashi (82. Idah)
Bank: Sinisalo – Nawrocki, Ralston, Welsh, Forrest, McCowan, Palma
RB Leipzig: Gulácsi – Geertruida, Orbán (C), Bitshiabu, Henrichs – Kampl, Haidara (76. Seiwald) – Nusa (68. Elmas), Baumgartner (76. Ouedraogo) – Šeško (68. Poulsen), Openda (82. Silva)
Bank: Vandevoordt – Klostermann, Gebel, Vermeeren
Schiedsrichter: Benoît Bastien (Frankreich)
Tore: 0:1 Baumgartner (23.), 1:1 Kühn (35.), 2:1 Kühn (45.+1), 3:1 Hatate (72.)
Torschüsse: 17 / 10
Schüsse aufs Tor: 5 / 3
expected Goals: 1,79 / 1,28
Passquote: 91% / 87%
Zweikampfquote: 63% / 37%
Ballbesitz: 60% / 40%
Laufwerte: 121,6km / 117,6km
Fouls: 7 / 13
Ecken: 7 / 8
Abseits: 2 / 1
Gelbe Karten: – / Šeško (1)
Zuschauer: 57.551 (ca. 1.000 Leipziger)
Der_wahre_Fan
Das dachte ich mir letztens auch, als ich den Preis vom neuen Trikot gesehen habe - 150 € und dann noch für ein paar Euro den Namen von so einer Eintagsfliege drauf. Im Leben nicht.