Der Donner kommt zum Blitz – RB Leipzig verpflichtet Rômulo Cardoso
Der Weg nach Leipzig
Rômulo Cardoso, der am 8. Februar 2002 in Marialva geboren wurde, lernte in seiner Kindheit hauptsächlich auf den Kleinfeldplätzen Brasiliens das Fußballspielen und wechselte erst im Alter von 16 Jahren in die Fußballakademie von Athletico Paranaense. Dort durchlief er drei Jahre lang die Nachwuchsmannschaften, bevor er am 16. November 2021 sein Debüt für die Profimannschaft feiern durfte. Sein erstes Tor für die Profis erzielte er dann zwei Monate später, im Januar 2023. Insgesamt absolvierte Rômulo für Athletico Paranaense 81 Spiele, in denen er zehn Tore erzielte und fünf Tore vorbereitete.
81 Spiele wirken zwar sehr viel, aber Rômulo war bei weitem kein Stammspieler, weshalb er auch Anfang 2024 seine Heimat verließ und in die Süper Lig zu Göztepe wechselte. Bei Göztepe konnte er direkt Akzente setzen und in der Rückrunde in 13 Spielen 8 Scorerpunkte erzielen. In der abgelaufenen Saison übertraf er diese Leistung mit 27 Scorerpunkten (17 Tore und 10 Vorlagen) in 33 Spielen.
Das Spielerprofil
Nach dem Abgang von Šeško wurde wieder ein großer und physisch stabiler Wandstürmer gesucht, der den Counterpart zum eher kleinen und wuseligen Stürmertyp, den Openda verkörpert, bildet und Ole Werner die Möglichkeit gibt, je nach Gegner oder Situation mit dem einen oder dem anderen Stürmer zu agieren.
Mit Rômulo hat man jetzt aber nicht nur einen reinen Wandstürmer (193 cm, 85kg) gefunden, sondern einen dieser großen, modernen Neuner, die neben ihrer Größe und Physis auch eine starke Technik mitbringen und die stets das Auge für ihre Mitspieler haben.
#Rômulo #RBLeipzig https://t.co/g3towVDvsP pic.twitter.com/xtjbY6S3JX
— Niklas (@gNiklas43) August 13, 2025
Das Spielverständnis ist wohl Rômulos größte Stärke. Das zeigt sich unter anderem daran, dass er weiß, wie er gewonnene lange Bälle verteilen muss, um seine Mitspieler in gute Ausgangspositionen zu bringen, oder daran, wie er erkennt, wann er sich in den Raum hinter der gegnerischen Abwehr fallen lassen kann, um im Spielaufbau zu helfen oder Lücken für seine Mitspieler zu kreieren. Darüber hinaus lässt auch seine Vorlagenstärke (0,17 erwartete Assists pro 90 Minuten) auf ein hohes Spielverständnis schließen.
Im Abschluss hat Rômulo zwar gute Instinkte, wo er im Strafraum hinlaufen oder wo er stehen muss, allerdings noch Probleme mit der Verwertung seiner Chancen. Das zeigt sich unter anderem darin, dass er pro Schuss in der letzten Saison nur einen Wert von 0,14 npxG (Erwartete Tore ohne Elfmeter) hatte, was ein unterdurchschnittlicher Wert in der Süper Lig war.
Eine weitere Schwäche von ihm ist zudem das Kopfballspiel. Trotz seiner physischen Voraussetzungen gewinnt er nicht einmal 30 % seiner Luftduelle, was im Vergleich zu anderen Stürmern in der türkischen Liga eine sehr unterdurchschnittliche Quote war. Hier muss er sich dringend verbessern, denn sonst wird es schwer, sich als „Wandstürmer Plus“ dauerhaft durchzusetzen.
Während der Abschluss im oder um den Strafraum noch ausbaufähig ist, ist eine von RBs größten Schwächen – die Standards – bei ihm eine große Stärke. In seinen eineinhalb Jahren bei Göztepe schoss er mehrere Freistöße sehenswert ins gegnerische Tor.
🚀 Göztepe, Rômulo Cardoso'nun 50. dakikada attığı muazzam frikik golüyle Bucaspor 1928 karşısında 3-0 öne geçti. #ZTK pic.twitter.com/mxfTxBmKyi
— A Spor (@aspor) December 19, 2024
Gegen den Ball verfügt Rômulo über ein gutes Verständnis und eine hohe Bereitschaft. Er weiß, wie er Gegner mit einer guten Aggressivität und passenden Laufwinkeln anlaufen muss. Zudem scheut er sich auch insgesamt nicht, sich in das Verteidigen einzuschalten (3,76 defensive Aktionen pro 90 Minuten).
Der Ausblick
Mit einer Ablöse von 25 Millionen Euro ist Rômulo angesichts des überhitzten Stürmermarktes vermutlich ein paar Millionen zu teuer. Vom Profil her passt er jedoch perfekt als Šeško-Ersatz ins Leipziger Spiel. Ob er sich – im Gegensatz zu zum Beispiel Sørloth, der in Leipzig scheiterte – durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.
Entscheidend wird sein, ob er in den ersten Spielen ins Rollen kommt, mit Toren und Vorlagen Selbstvertrauen tankt und sich in den genannten Problemzonen stetig verbessert. Gelingt ihm das, ist es durchaus denkbar, dass er Openda bis Saisonende als Stürmer Nummer eins ablöst und sich zu einem weiteren attraktiven Stürmer-Asset entwickelt, bei dem die Premier-League-Vereine Schlange stehen.
gNiklas