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Des einen Glück ist des anderen Pech

Des einen Glück ist des anderen Pech

Am fünften Spieltag gewann RBL zum fünften Mal in Wolfsburg und ließ dabei fünf Großchancen zu. Im 26. Duell zwischen Wölfen und Bullen erzielte Neuzugang Bakayoko das entscheidende Tor. Dass es keinen weiteren Treffer gab, lag eher am Wolfsburger Unvermögen und am starken Peter Gulacsi als an der defensiven Finesse der Rasenballer.

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Während bei RBL mal wieder die Verletzungsseuche wie eine mittelalterliche Plage die Reihen lichtet (Nedeljković und Finkgräfe sind die aktuellen Opfer), kann Ole Werner mit drei Siegen in Folge auf einen soliden Saisonstart zurückblicken, der das Debakel in München schon fast vergessen macht – aber eben auch nur fast, wie sich gegen Wolfsburg erneut zeigen sollte.

Auf dem Platz gab es keine Veränderung gegenüber dem Sieg gegen Köln. Diomande und Bakayoko sollten gemeinsam mit Rômulo das Rudel zersprengen. Wolfsburg hatte zuvor immerhin zehn Heimspiele in Folge nicht gewonnen – was nach einer machbaren Aufgabe klang. RBL blieb unverändert gegenüber des Sieges zuhause gegen den 1.FC Köln.  Auf der Bank rückte für den verletzten Nedeljkovič Lukas Klostermann zurück in den Kader. Bedeutete auch: Timo Werner war ebenfalls wieder in 20er-Aufgebot und konnte sich Hoffnungen auf Einsatzminuten machen. 

 

Bakayoko scheint angekommen zu sein.

 

Dreisatz des Spiels

Erneut eine frühe Führung und ein Spiel ohne Gegentor. Was sich auf dem Papier sehr gut liest, sah auf dem Platz weniger solide aus. Trotz eines verschossenen Elfmeters von Baumgartner hatte Wolfsburg einen vergleichbaren exptected Goals-Wert und durfte sich ärgern, nicht mindestens einen Punkt mitgenommen zu haben. Wenn Ole Werner gegen den BVB kein FC-Bayern-Revival erleben will, sollte die Defensivarbeit diese Woche im Vordergrund stehen. Offensiv wirkt Leipzig dagegen durchdachter als letzte Saison, doch auch hier ist die Ausbeute mangelhaft: Nur sieben Tore stehen zu Buche – und das gegen eher machbare Gegner. Dennoch gibt es hier viele positive Ansätze. Leipzig hatte viele weitere hochkarätige Chancen (Abseitstor Rômulo, 6.Minute, Bakayoko. 25., 34. Minute, Ouedraogo, 48. Minute, Lattenkracher Bakayoko, 49. Minute, Raum, 60. Minute. Banzuzi, 65.Minute). Bei den ganzen Chancen auch des VfL Wolfsburg auf der Gegenseite, sollte man zum einen nochmal deutlich an den defensiven Abläufen feilen und zum anderen evtl. gegen den BVB darüber nachdenken, das System umzustellen und noch mehr auf körperliche Robustheit zu achten, denn vor allem in Halbzeit zwei ließ man deutlich zu viel zu.

 

Puh! Viele Leipziger dürften nach dem Abpfiff Arnolds Gesicht gemacht haben.

 

Champagner statt Bier – die RBL-Fans

Ein voller Gästeblock in Wolfsburg bei der kürzesten Anreise der Bundesligasaison, der auch stimmungsmäßig gut unterwegs war. Deswegen unterstützte auch Bullis Bande das Team in der Autostadt. Es bleibt das Gefühl, dass da gerade wieder was zusammen entstehen kann, weil auch das Team mehr als Team auftritt und die Spiele durch die offensive Spielweise mehr Spaß machen. Man merkt ganz eindeutig, die Fans honorieren eine mutige und attraktive Spielweise und vor allem das Einbringen der Basics wie Einsatz, Leidenschaft, Wille und Leidensbereitschaft auf den Rasen. Da steht ein Team auf dem Platz und keine Ansammlung von Individualisten und das merkt man. 

Übrigens: Während der Gästeblock für das Pokalspiel in Cottbus schon ausverkauft ist, gibt es noch bis morgen Abend Tickets für den Gästeblock in Dortmund! Fürs nächste Heimspiel gegen den HSV gibt es aktuell auch nur noch einige wenige Tickets!

 

Mannschaft und Fans zusammen nach dem Spiel.

 

Aufgefallen

1 – Eine wacklige Basis

Die großen Fragen sind bei Leipzig immer noch die gleichen wie letzte Saison. Besonders im Fokus steht die Defensivarbeit – auch, weil das eine Gegentor seit dem Bayernspiel stark über immer wieder vorhandene Schwächen hinwegtäuscht. Über 50 Schüsse hat die Leipziger Hintermannschaft in den vier Siegen zugelassen, das wird nicht ewig gut gehen. Zudem hatte Wolfsburg auch sehr viele tornahe Abschlüsse 13 der 15 tornähsten Abschlüsse gingen auf das Konto der Gastgeber. Neben der Viererkette mit zwei offensiven Außen steht auch das defensive Mittelfeld hier im Fokus – aber dazu später mehr. Grundsätzlich wird Leipzig zu oft in Eins-gegen-eins-Situationen gezwungen. Wenn die individuelle Qualität des Gegners groß genug ist, führt das zwangsläufig zu Gegentreffern. Der BVB wird hier ein Prüfstein sein. Insgesamt hat RBL aktuell den vierthöchsten xGA-Wert – das sollte zu denken geben.

 

2 – Die Ausbeute stimmt noch nicht

So viel Dusel die Leipziger Hintermannschaft hat, so viel Pech hat die Offensive. Das sieht oft gut aus, aber am Ende stehen nur sieben Tore zu Buche – beim zweithöchsten xG-Wert der Liga. Das ist einfach zu wenig Zählbares. Nur fünf Teams haben weniger Treffer erzielt, aber sicherlich nicht die finanziellen Möglichkeiten oder den entsprechenden Einsatz wie die Rasenballer. Es ist ein schmaler Grat, bei dem aus Pech schnell Unvermögen wird. Noch überwiegen aber die guten Ansätze – gerade bei den Neuzugängen.

 

Der ewige Frahn...

 

3 – Die ungeklärte Frage im Zentrum

Das Fehlen von Xaver Schlager scheint besonders ins Kontor zu schlagen. Seiwald und Ouédraogo wirken noch nicht gut abgestimmt und sind oft bei Gefahr zu weit weg vom Schuss, um gerade die Lücken zu schließen, die durch die exponierten offensiven Außen entstehen. Dazu kommen zu viele Fehler im Spielaufbau. Der oft für seine Mentalität gelobte Raum hatte mit 31 Ballverlusten den Topwert des Spiels – mehr als doppelt so viele wie der nächste Leipziger. Zu riskant, bei dieser offensiven Herangehensweise. Eine Kombination aus Seiwald und Banzuzi als Doppelsechs könnte gegen Dortmund zumindest mehr Zweikampfstärke auf der Sechs einbringen. 

 

Auch bei dem leichten Handspiel von Ouédraogo hatte Leipzig Glück.

 

4 – Starke Neuzugänge

Gut im Spiel waren mal wieder die Neuzugänge. Bakayoko sicherlich der Man of the Match: mit seinem Tor, dem herausgeholten Elfer, der zweitgrößten Chance (24.) und dem Lattentreffer (48.). Daneben glänzte auch Diomande mit den meisten Dribblings (5) und einigen guten Abschlüssen. Banzuzi kam in der zweiten Hälfte und stabilisierte die Abwehr deutlich, nur einmal wurde es danach nochmal richtig gefährlich. Rômulo leitete das Tor ein, sonst war es aber nicht das Spiel des Brasilianers. Auch Harder blieb eher blass.

 

5 – Elfmeterexperimente

Etwas unverständlich, warum ausgerechnet Baumgartner seinen ersten Bundesliga-Elfer treten sollte. Sein letzter Elfmetertreffer in einem Pflichtspiel war 2017 in der U19-EM-Qualifikation. Da muss es doch bessere Lösungen und sicherere Schützen geben. Für Experimente war der Spielverlauf wahrlich nicht gemacht.

 

Für die Größe des Umbruchs steht Leipzig eigentlich ganz gut da.

 

6 – Jede Statistik hat ihre Untertöne

Das elfte sieglose Heimspiel der Wolfsburger. Seit Januar ohne Sieg in der eigenen Arena – das ist schon ein dickes Brett. Aber ganz so einfach ist es dann auch nicht: Es gab immerhin sieben Unentschieden, und kein Team gewann in Wolfsburg in diesem Zeitraum mit mehr als einem Tor Unterschied. Auch Leverkusen blieb zuletzt dort ohne Torerfolg.

 

7 – Quo vadis Timo?

Nach unserem Pro & Contra nun der erste Einsatz von Timo Werner. Sein Kurzeinsatz diente natürlich nur dazu, Zeit von der Uhr zu nehmen: drei Ballberührungen, ein Pass bzw. eine erfolgreiche Flanke. Sicherlich wird er weiterhin hinter Rômulo und Harder einsortiert werden, aber immerhin muss er nicht komplett auf der Tribüne versauern. Im Endeffekt ist die Situation dennoch für alle Beteiligten unbefriedigend. Werner sollte sich bis zur Winterpause überlegen, ob und wie er seine Karriere fortsetzen möchte.

 

8 – Schiedsrichterglück bei Handspiel von Ouédraogo

Zur Geschichte des Spiels gehört auch, dass es schon für weniger klare Handspiele als das heute von Assan Ouédraogo Elfmeter gegeben hat. Ja, er berührt den Ball nur leicht, aber er verbreitert die Körperfläche, weshalb ein Elfmeter wohl von den meisten Schiedsrichtern gegeben würde. 

 

Party like Lukeba!

 

Fazit

Wie viel Mehl willst du haben? RB Leipzig: JA! Dieser Sieg wurde gesponsert von Tyche (gern nachschlagen). Natürlich kann nicht jedes Spiel ein Durchmarsch sein, aber die Abwehrprobleme der letzten Saison sind noch nicht Geschichte. Das hat auch dieser Kick mit über 20 Wolfsburger Abschlüssen erneut unter Beweis gestellt. Aber ein Sieg in Wolfsburg ist auch kein Selbstläufer. Zwar sind die Wölfe nun elf Heimspiele ohne Erfolg, doch sie verloren dabei wie gesagt nie höher als mit einem Tor Differenz. Bei nur vier Schüssen aufs Tor fehlte es den Gastgebern diesmal jedoch an Zielwasser.

Gegen den BVB wird es vor der anstehenden Länderspielpause ganz schwer. Auch die Borussia ist gut gestartet und wird die Löcher in der luftigen Leipziger Leichtgewichtsabwehr viel besser nutzen als jeder wuchtige Wolfsburger Wind.

 

Gute Stimmung im Leipziger Block.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Spiel
VfL Wolfsburg vs. RB Leipzig
Ergebnis
0:1 (0:1)
Aufstellung VfL Wolfsburg
Grabara - Fischer (91. Zehnter), Jenz, Koulierakis, Mæhle - Arnold (C), Svanberg (69. Eriksen), Souza (91. Majer) - Wind (69. Pejčinović), Amoura, Wimmer (46. Daghim)
Ersatzbank VfL Wolfsburg
Müller – Kumbedi, Dárdai, Gerhardt
Aufstellung RB Leipzig
Gulácsi - Baku, Orbán, Lukeba, Raum (C) - Ouédraogo (63. Banzuzi), Seiwald, Baumgartner (93. Werner) - Bakayoko (93. Kampl), Rômulo (79. Harder), Diomande (79. Nusa)
Ersatzbank RB Leipzig
Vandevoordt – Bitshiabu, Klostermann, Maksimović
Torschützen
0:1 Bakayoko (8.)
Torschüsse
22 / 20
Schüsse aufs Tor
4 / 6
Expected Goals (xG)
2,60 / 2,61
Ballbesitz
51% / 49%
Passquote
83% / 83%
Zweikampfquote
54% / 46%
Laufstrecke (km)
119,77 / 116,59
Ecken
6 / 11
Fouls
7 / 9
Abseits
0 / 5
Gelbe Karten
Arnold, Koulierakis / Orbán, Diomande
Gelb-Rot
keine
Rote Karten
keine
Schiedsrichter
Dr. Robin Braun (Wuppertal)
Spielort
Volkswagen Arena
Zuschauer
23.236