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Die Rückkehr des Yussuf Poulsen - Mit Tränen in den Augen zum Arbeitssieg

Die Rückkehr des Yussuf Poulsen - Mit Tränen in den Augen zum Arbeitssieg

Was war da in der Red Bull Arena eigentlich Rahmen- und Hauptprogramm, als der HSV in Leipzig gastierte? Die Erinnerungen an das zwar wilde und für den neutralen Fan spannende Spiel werden wohl schnell verblassen. So denkwürdig war die Leistungen der Leipziger Bullen beim 2:1 Sieg nicht. Unvergessen wird der Nachmittag dennoch bleiben, weil der Kapitän des Gegners an diesem Tag die größte Rolle spielen sollte.

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Nach dem guten Spiel beim bisher starken BVB, das auswärts 1:1 endete, ergoss die Leipziger Bullen-Filiale wieder unzählige Stammkräfte in die nächste unbeliebte Länderspielpause. Dort zeigten fast alle Spieler, ob etablierte Nationalspieler, neu im Herrenbereich oder in den Jugendauswahlen, warum RB aktuell national ganz oben mitspielt. Absolute Glanzleistungen von Nusa, Diomande und Assan Ouédraogo übertünchten regelrecht die Tatsache, dass man da nicht wirklich dem sächsischen Lieblingsteam zuschauen durfte, sondern etwas fremdgehen musste.    

Doch nach der internationalen Gala stand erneut der ab und zu auch mal trübe Bundesligaalltag an. Mit dem Aufsteiger aus dem Norden meldete sich ein Team in der Messestadt an, dass dreimal zuvor ungeschlagen blieb und besonders am Spieltag zuvor das europäisch spielende Mainz mit 4:0 regelrecht abgefrühstückt hatte. Wie die Leipziger waren auch die Hamburger bisher defensiv sehr stabil. Ohne die Bayernspiele kassierte Leipzig vor der Partie nur 2 Gegentreffer und der HSV mit 3 einen mehr. Vorne sah es bei beiden Teams bislang etwas mauer aus. Der HSV erzielte seine 6 Ligatore in nur 2 von 6 Spielen - gegen Mainz 4 inklusive. Was nach Adam Ries bedeutet, dass die Hanseaten in 6 Partien viermal torlos blieben. Die Rasenballer trafen nur am ersten Spieltag nicht, weil da ein irregulärer Treffer gegen die Bayern regelwidrig zurückgenommen wurde. Ansonsten mussten die gegnerischen Hüter immer hinter sich greifen, auch wenn RB meist eher eng als souverän gewann. Auf einen Kantersieg der Leipziger sollte man also rein statistisch nicht hoffen.        

Aber nicht nur die Vorfreude auf das nächste Punktspiel sollte die Woche vor dem Match prägen. Voll im Fokus stand die Tatsache, dass der diese Saison zum HSV gewechselte Leipziger Poulsen endlich würdig verabschiedet werden kann. 12 Jahre Leipzig, über 450 Spiele für die Bullen, von der 3. Liga bis zur Champions League - Yussuf Poulsen prägte Leipzig, Leipzig prägte Poulsen - Die Bühne war gerichtet für einen würdigen Abschied.  


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Seiwald einer der Bausteine des Sieges.


Dreisatz des Spiels

Das Spiel wirkte lange ausgeglichen. Leipzig kam erst spät in der ersten Halbzeit zum 1:0 Treffer. Dennoch war RB in vielen Statistiken bis zum Halbzeitpfiff das bessere Team. Der HSV versuchte viel, Leipzig war aber gefährlicher. Nach dem Wiederanpfiff erzielten die dennoch mutig spielenden Hamburger schnell den Ausgleich. Auch, weil Baku an diesem Tag auf seiner rechten Seite selten erster Sieger war und der in diesem Spiel starke Seiwald ohne Absicht einen wahrscheinlich eher ungefährlichen Schuss für Gulácsi unhaltbar abfälschte. Das 1:1 konterten die Bullen dann sofort und stellten nach einem schönen Zusammenspiel mit Doppelpassstafette zwischen Baumgartner und Romulo den alten Abstand wieder her. Bei dem es auch bleib, obwohl der Gegner Leipzig danach sehr lange in die eigene Hälfte drängte und die Bullen sich kaum noch selbst mit gut ausgespielten Kontern befreien konnten, was der Trainer präzise in der nachträglichen Pressekonferenz bemängelte. Auch die frisch eingewechselten Spieler setzten offensiv keine Fußnote mehr. Dafür kämpfte jeder fleißig mit, das knappe Ergebnis über die Zeit zu bringen. Gut war das Spiel in der zweiten Halbzeit wahrlich nicht. Müdigkeit kam bei einigen auf. Man konnte erkennen, dass die Länderspielpause für viele Stammkräfte keine echte Ruhephase war. So fuhr man einen nicht unbedingt verdienten Sieg ein, der aber ganz klar erkämpft wurde. Etwas, was den diesjährigen Kader aktuell immer wieder ausmacht. 


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Erneut erzielte Baumgartner das erste Tor. Das dritte mal in 7 Spielen.


Aufgefallen

1)     Alter und Müdigkeit – Die Kritik an Werner, die ihm aus Bremen nachhallt, ebbte beim Blick auf die bisherige Saison schnell ab. Doch schaut man etwas feiner rein, kommen einige Probleme, die immer wieder auftauchen, doch nicht von ungefähr. Trotz der Leistungssprünge von Ouédraogo und anderer junger Spieler, setzt Werner vornehmlich auf viele ältere Spieler. Ohne die Verletzung von Schlager würden auf allen Positionen nur die Spieler mit der größten Erfahrung im Stamm auflaufen. Ab Minute 60 fehlt dann aber oft die Spritzigkeit, obwohl das Spiel meist weiter kräftezehrend bleibt, da die Entscheidung nicht gelingt. Ohne internationalen Wettbewerb kann man diese oft aufkommende Müdigkeit noch gut auffangen. Sollte RB nächste Saison wieder in drei Wettbewerben spielen, wird die dann noch ältere Stammelf den vielen englischen Wochen nicht gewachsen sein. Bleiben die Spiele aber diese Saison weiterhin so knapp, bleibt auch die Spielzeit der Talente rar, die dann aber ohne die notwendige Spielerfahrung kaum Soforthilfen sein werden. Probleme, die der Trainer und die weiteren Verantwortlichen unbedingt auf dem Schirm behalten sollten. 

  

2)     Baumgartner und Romulo – Die beiden heimlichen Topspieler der bisherigen Saison. Stehen die Außenbahnspieler eher im Rampenlicht, erarbeiten der Österreicher und der Brasilianer Woche für Woche die Siege für Leipzig. Dabei sammeln beide nicht nur Fleißpunkte, sondern auch Scorer. Wodurch sie nun das interne Teamranking klar anführen und mit insgesamt 10 Torbeteiligungen (Quelle Kicker) in der Liga so viele Scorer haben, wie das Team insgesamt an Ligatoren geschossen hat. Das ist auch taktisch begründet. Ein häufiges Spiel über die Außen zieht den Gegner raus. Der Neuner und die Achter werden dann gern mal etwas vernachlässigt, was Baumgartner und Romulo in den wenigen Situationen, die über sie ausgespielt werden, gut zu nutzen wissen.     


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Helden der Arbeit


3)     Der Trainer hat, nüchtern wie wir ihn kennen, alle Probleme, Phasen und guten Aktionen, die es im Spiel gegen den HSV gab, in der PK nach dem Spiel auf den Punkt gebracht. Die Medienrunde hätte danach tatsächlich beendet werden können. Mehr musste sportlich nicht mehr gesagt werden. Interessant wird, wie gut die Analyse in die folgende Trainingswoche einfließt. Bisher folgte nach jedem schwachen Spiel ein stärkeres, wie die Siege gegen Heidenheim, Köln und das starke Remis beim BVB. Geht das so weiter?  



Klarheit bzw. Butter bei die Fische.


4)     Die Leistung in Vergleich zur Vorsaison 2024/25 rutschte man auch sehr gut in die Saison rein. Am 7. Spieltag stand das Roseteam ebenfalls auf Platz 2 hinter den Bayern, gegen die man aber damals noch nicht gespielt hatte. Aufgrund der zweiten Halbzeit gegen die Hanseaten könnte man subjektiv sogar Parallelen ziehen und meinen, dass der Fall damals auch erst später kam und einige aktuelle Spielphasen ähnliches erwarten lassen. Ob dem so ist, lässt sich natürlich nicht vorhersagen. Doch große Unterschiede legen nahe, dass solche Vergleiche in diesem Jahr unangebracht sind. Die Offensive wurde komplett ausgetauscht. Selbst die Achter Baumgartner, Baunzuzi, Ouédraogo und Schlager spielten in der letzten Spielzeit aus unterschiedlichen Gründen keine oder nur sehr kleine Rollen. Leipzig hat einen neuen Trainer, spielt ein neues System und benötigt nach einem doch schon einschneidenden Kaderumbau weiterhin Zeit zur Entwicklung. Denkt man dies immer mit, sollte klar sein, dass nicht nur die ersten 8 Pflichtspiele, sondern die gesamte Saison Teil der Entwicklung sein wird. Die nun sehr gute Platzierung ist weiterhin nur eine Momentaufnahme und bisher mehr als die Zielvorgabe.


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Im Team wachsen.


Der Yussi

Die wohl beste Choreo der bisherigen Saison war dem Nicht(mehr)spieler der Saison gewidmet. Selbst 8.000 Hamburger Fans reisten deshalb nach Leipzig, um dieser besonderen Ehrung eines der größten Leipziger Legenden beizuwohnen. Vor dem Spiel wurde Poulsen offiziell auf dem Rasen durch Team, Fans und Verantwortliche verabschiedet. Dabei öffnete Oliver Mintzlaff die Tür sehr weit für eine zukünftige Rückkehr. Sicher nicht mehr auf dem Rasen, aber irgendwo wird man den Leipziger Jungen mit dänischem Akzent schon unterbringen können. Was sehr schade war, dass bei der Verabschiedung von Yussi nach dem Spiel kaum noch Fans im Stadion waren, auch weil die Kommunikation hierzu nicht klar war und es ewig gedauert hat, bis Yussi kam. 


Vielen Dank.


Stimmung im Stadion

7 Jahre war der HSV in Liga 2 und man hat gestern sowohl in der Stadt als auch im Stadion gemerkt, was für Bock die HSV-Fans hatten. Das dürfte der beste Auswärtssupport seit Jahren gewesen sein, Hut ab und Respekt dafür!

Bei uns war das gestern stimmungsmäßig absolut dünn. Natürlich kann die Liedauswahl besser werden und auch die ein oder andere Ansage des Capos ist zu hinterfragen, am Ende ist ja aber jeder im Stadion mitverantwortlich für die Unterstützung des Teams. 


Kritik der aktiven Fanszene am Vorgehen von RB Leipzig nach Pyroaktionen gegen Bremen und Berlin



Zum Thema Pyrotechnik hat RB Leipzig seit Jahren eine klare Haltung. Fans, die darauf Bock haben, gehen in Leipzig und Umland meist zu anderen Vereinen, was natürlich Einfluss auf Stimmung und Auswärtsfahrerzahlen hat. Am Plakat "Wir sind die Fans, die ihr nicht wollt" ist ja definitiv was dran, wenn selbst Fansticker nach jedem Spiel im Stadion entfernt werden, damit alles clean aussieht. Vermutlich wird der Kampf zwischen aktiver Fanszene und dem Vorgehen von RB Leipzig weitergehen, wenn denn nicht auch andere Fans den Weg der Red Aces in die Auflösung gehen.


Fazit und Ausblick

Wie bereits oben erwähnt, gab es Gründe, die für die spielerisch schlechtere zweite Halbzeit sprechen. Zusammengefasst gab es wenig Vorbereitung für das Spiel. Fast alle Stammspieler kamen erst zur Wochenmitte nach Leipzig zurück. Inhalte konnte man in der kurzen Zeit nicht viel vermitteln. Für die Stammspieler gab es zudem wenig Regeneration und der HSV spielt momentan mit Rückenwind aus einer guten Defensive heraus. Dennoch erkämpfte RB erneut den Sieg und kann wieder aus einer schwächeren Phase lernen.

Vor dem Auswärtsspiel gegen Augsburg steht nun zum Glück eine gesamte Trainingswoche an. Genug Zeit für Werner und Co., das Team auf ein bisher schwaches Augsburg einzustellen und mit der Rückkehr von Schlager stehen auch weitere gute Optionen im Kader zur Verfügung. Ein Sieg beim FCA ist realistisch. Eine Punkteteilung wäre aber beim aktuellen Tabellenstand auch kein Beinbruch. 

Aktuell liegt das Team von Werner bei einem sehr guten Punkteschnitt. Die zwei Spiele mit Punktverlust gab es erwartbar gegen die aktuell sehr stabilen Bayern und Dortmund. Mit Bayer, Frankfurt und den Stuttgartern folgen noch drei echte Topteams. Aus den restlichen 7 Spielen, 10 stehen in der Hinrunde noch an, benötigt RB für ein gutes Abschneiden in der Hinrunde nur noch 5 Siege oder 14 Punkte, um mit 30 Punkten die notwendige Halbzeitbilanz einzusammeln. 

Eine stabile Ausgangssituation, um auch in Augsburg mit breiter Brust auf den Rasen zu gehen.  


KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Spiel
RB Leipzig vs. Hamburger SV
Ergebnis
2:1 (1:0)
Aufstellung RB Leipzig
Gulácsi - R. Baku, Orban, Lukeba, Raum (C) - Seiwald, Ouedraogo (61. Diomande), Baumgartner (78. Schlager) - Bakayoko (61. Banzuzi), Romulo (91. Harder), Nusa (90. Klostermann)
Ersatzbank RB Leipzig
Vandevoordt - Bitshiabu, Maksimovic, Gomis
Aufstellung Hamburger SV
Heuer Fernandes - Capaldo (91. Ramos), L. Vuskovic, Elfadli - Mikelbrencis (84. Baldé), Lokonga (76. Pherai), Remberg, Muheim - Philippe (90. Glatzel), Königsdörffer (76. Poulsen), Dompé
Ersatzbank Hamburger SV
Peretz - Torunarigha, Meffert, Rössing-Lelesiit
Torschützen
1:0 Baumgartner (45.), 1:1 Lokonga (48.), 2:1 Baumgartner (50.)
Torschüsse
10 / 15
Schüsse aufs Tor
4 / 3
Expected Goals (xG)
1,16 / 1,29
Ballbesitz
47% / 53%
Passquote
84% / 86%
Zweikampfquote
43% / 57%
Laufstrecke (km)
119,21 / 120,51
Ecken
3 / 5
Fouls
12 / 13
Abseits
0 / 1
Gelbe Karten
Baumgartner, Diomande / Capaldo
Schiedsrichter
Tobias Welz (Wiesbaden)
Spielort
Red Bull Arena Leipzig
Zuschauer
47.800