Ouédraogo sch(l)ießt das Tor zum Sieg auf
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Eine relativ erfolgreiche Länderspielpause hat die Ernüchterung über die Niederlage in Hoffenheim etwas gemildert. Für Ouédraogo gab es den ersten Treffer und einige Rasenballer qualifizierten sich direkt für die WM – wobei besonders Nachbarland Österreich unter Altmeister Rangnick für Furore sorgte.
Zurück in der Bundesliga galt es vor den schweren Heimspielen gegen die Verfolger aus Frankfurt, Leverkusen und Freiburg nochmal vorzulegen und die Pleite gegen die TSG auszuwetzen. Gegen seinen Ex-Klub musste Ole Werner auf Rômulo verzichten, den Brasilianer ersetzte Harder, zudem kehrte Lukeba in die Startelf zurück.

Wenn du in deinem 350. Pflichtspiel eine weiße Weste behältst.
Dreisatz des Spiels
Wenn der gegnerische Keeper der beste Mann auf dem Platz ist, hast du als Mannschaft schon mal einiges richtig gemacht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Versäumnisse oder anders gesagt Potenziale, die es noch zu heben gilt. Bremen hätte den ineffizienten Leipzigern beinahe mit einem knappen Abseitstor die Tour vermasselt, was zeigt, dass das Spiel auch einen weniger erfreulichen Verlauf hätte nehmen können. Am Ende war es sicherlich besser als vieles, was es in der letzten Rückrunde zu ertragen galt, aber eben auch ein Sieg, den sich RBL lange Zeit etwas schwer machte.

Wenn selbst deine Teamkollegen deinen Schuss nicht fassen können.
Aufgefallen
1 – In 45 Minuten mehr Schüsse aufs Tor als gegen die TSG in 90 Minuten
Die erste Hälfte stand mal wieder unter dem Motto – wir schießen den Keeper des Gegners berühmt. Am Ende erhielt Backhaus beim Portal Sofascore die Fabelnote 10.0. Leipzig ließ jedenfalls zu viel Chancen liegen. Auch wenn lediglich die Szene von Baumgartner, als er nach einer Halbfeldflanke frei vor Backhaus zum Abschluss kam, als Großchance zu werten war, so hätte RBL aus der Gesamtheit der Szenen mehr machen müssen. 14 Flanken, 8 Ecken und 13 Torschüsse – davon 7 im Strafraum – müssen einfach auch mal für eine Führung reichen… Man meinte, das Fehlen von Rômulo zu erkennen. Aber auch mit dem Brasilianer ist RBL derzeit vor dem Tor nicht kaltschnäuzig genug.
Ich war heute gespannt, wie sich Harder macht. Aber man sieht natürlich, wie unfassbar wichtig Rômulo für unser Spiel ist. Ein wirklich einmaliger Stürmertyp, der im Moment kaum (trotz der kurzen Zeit bei uns) wegzudenken ist. Die Fußstapfen sind für den 🇩🇰noch zu groß. #RBLSVW
— Justgroovy (@justgroovy20th) November 23, 2025
Harder hatte durch seine geringe Spielpraxis und andere Grundausrichtung einen schweren Stand.
2 – Zwei verschiedene 2/3
Konnte RBL die Bremer im ersten Durchgang noch vom eigenen Strafraum fernhalten, so begannen die Leipziger die zweite Hälfte zu schläfrig – die Folge 1:5 Torschüsse in den ersten, gut 15 Minuten nach Wiederanpfiff. Letztlich vielleicht auch wenig verwunderlich, hat doch Werder 2/3 der Tore in der zweiten Halbzeit erzielt. Auch nach dem Tor von Ouédraogo ließ RBL die Zügel zu locker und gab bis zum 2:0 keinen weiteren Torschuss ab. Diese zwei Phasen waren die schwächsten der Leipziger, aber anders als in der letzten Saison führten sie nicht zum kompletten Spielbruch. Nach dem Trainerwechsel kann sich Leipzig in fast jeder Phase auch wieder steigern und auch gegen Bremen kontrollierte man gut 2/3 der Spielzeit.
3 – Darf es etwas weniger sein?
Zudem muss man konstatieren, dass die Anzahl von zugelassenen Torschüssen im Saisonmittel noch deutlich zu hoch ist. Das liegt einerseits am Kaderumbruch und andererseits an der Umstellung auf die Viererkette, mit zwei recht offensiven Außen. Auch wenn viele Torschüsse des Gegners eher aus großer Entfernung abgegeben werden, so führen doch die stetig zweistelligen Zahlen (nur gegen Heidenheim war es einstellig) zu Platz 6 in der xGA Tabelle. Gerade im Hinblick auf die anstehenden Verfolgerduelle ein Problem, das das Trainerteam beschäftigen sollte.

13 Ecken sind ein Tor.
4 – Darf es etwas mehr sein?
Erstmals seit dem Heidenheim Spiel war Leipzig auch läuferisch auf Augenhöhe. Das ist einerseits erfreulich, schaut man auf das Spiel gegen Hoffenheim zurück, das RBL läuferisch mit einem Mann weniger bestritt. Andererseits aber auch erwartbar, denn nur noch Hamburg ist läuferisch fußlahmer unterwegs als Heidenheim, Leipzig und Bremen. Nachdem das Team letzte Saison quasi stetig übermüdet wirkte, ist es wohl noch ein langer Weg. Aber wenn selbst die Teams mit Doppelspielwochen mehr laufen, sollte dieser Bewegungsmangel noch mehr in den Fokus rücken.
5 – Die unglaubliche Unberechenbarkeit des Seins
Eine Statistik, bei der RBL definitiv auf dem richtigen Weg ist, ist die Torverteilung. Wenn die Stürmer mal nicht treffen, dann eben andere Kicker. Diesmal Shootingstar Ouédraogo, der einen quasi unhaltbaren Hammer in den Winkel drosch und Rückkehrer Schlager, der nach Vorlage seines Nationalmannschaftskollegen Baumgartner in bester Angreifermanier die Kugel per Drehschuss zum 2:0 versenkte. Diese Unberechenbarkeit ist eine der größten Leipziger Stärken. Aktuell hat RBL so viele verschiedene Scorer wie Pflichtspiele – ein toller Wert und die Spannung steigt, wer sich als nächster in diese Liste einträgt…
Puh, dieses Tor … 🤩😤#Ouédraogo 🤹♂️#RBLSVW @Bundesliga_DE pic.twitter.com/woIF45WjWP
— RB Leipzig (@RBLeipzig) November 23, 2025
Assan weiter auf Wolke 7.
6 – Einer für alle und alle für einen.
Bestes Beispiel, dass die Rasenballer derzeit wir die Musketiere zusammenstehen, war die Aktion von Diomande beim Stand von 0:0. Eine der vielen Leipziger Ecken verunglückte und Bremen konnte schnell umschalten. Diomande, sonst eher für die Offensive eingeteilt, war bei der Ecke zur Verteidigung eingeteilt – verschätzte sich erst ein wenig, holte dann aber dank seiner Geschwindigkeitsvorteile doch noch Stage ein. Die gelungene Abwehraktion wurde fast wie ein Tor gefeiert.

Leipziger Musketiere.
7 – Quersumme reicht auch
Kein großer Stimmungsboykott auf Leipziger Seite, nur wenige Minuten schwiegen die Fans des einzig wahren Rasenballsports, während in den meisten – wenn auch nicht allen – Stadien der deutschen Profiligen die ersten 12 Minuten der Support eingestellt wurde, reichte es in Leipzig maximal zur Quersumme. Auf X war zu lesen, dass es eine Absprache gab, wobei man die Validität einer solchen grundsätzlich in Zweifel ziehen kann – zu heterogen ist Leipzigs Fanszene. Zudem haben dem Vernehmen nach auch keine Leipziger am letzten Wochenende an der Demonstration teilgenommen, die über den Innenstadtring zog und von einigen Fanszenen der Bundesrepublik ausgerufen wurde. Als Paria muss man sich mit denen, die einem diesen Stempel aufgedrückt haben, nun auch nicht wirklich gemein machen. Insofern insgesamt wenig verwunderlich, dass ein Stimmungsboykott in weiten Teilen des Blocks auf wenig Gegenliebe stieß. Ein Block, der in letzter Zeit auch durchaus mit eigenen Befindlichkeiten zu kämpfen hat.
Sie legen nochmal nach. 12 Minuten Stimmungsboykott beider Fanszenen. #RBLSVW https://t.co/eyIXXchKsJ pic.twitter.com/Oj2WDxyovo
— RB-Fans.de (@rb_fans) November 23, 2025
Am Ende hat es nicht ganz gereicht.
8 – Sektion Ornithologie
Damit nicht nur die Bild über den folgenden Gegenstand berichtet – O-Ton Werner – thematisieren wir das auch mal – natürlich mit einem zielführenden Vorschlag. Leipzig hat ein Problem in Form von Columba livia arenaria – der gemeinen Stadiontaube. In Schwärmen fallen sie während des Spiels über das Feld und belästigen arglose Fußballspieler. Was auch immer die Leipziger Rasenpfleger auf das Grün kippen – die Tauben stehen drauf. Für jedes Problem gibt es natürlich auch Lösungen – wir haben schon einen wunderschönen Stadionturm – da könnte doch ein Falkenpaar einziehen und so eine natürliche Lösung herbeiführen.
So wann wird Taubsi neues zweites Maskottchen? 😁 @RBLeipzig #RBLSVW pic.twitter.com/5z6WldDe8B
— ❤️🤍Moritz🐂⚽️ (@Moritz180) November 23, 2025
Taubenballsport Leipzig.
9 – Das ist die Reklamation
Die Bremer Einlaufmusik sollte demnächst von „Wir sind Helden“ gestellt werden. Alles vom Debütalbum „Die Reklamation“ würde super passen. Es ist zu vermuten, dass heute einige Bremer am Schultergelenk behandelt werden müssen – Nachwirkungen vom intensiven Gebrauch des Reklamierarms. In manchen Szenen war es so extrem, dass die Hanseaten fast vergaßen, weiterzuspielen. Einige Bremer konnten gar beidhändig reklamieren – gekonnt…
Die Pressekonferenz nach dem Heimsieg gegen Bremen.
Fazit
Ein verdienter Sieg gegen Werners Ex, der vielleicht ein Tor zu niedrig ausgefallen ist. Die Tore entschädigten letztlich für eine erste Halbzeit, in der sich RBL nicht für den Aufwand belohnte. Hier waren die Chancen klarer, aber es brauchte einen Fernschuss, um den Bann zu brechen.
Schon am Freitag geht es bei den Gladbachern weiter, die sich mit dem dritten Sieg in Folge vom letzten Platz fast schon ins Mittelfeld zurückgekämpft haben. Als einzige Mannschaft sind die Borussen in den letzten drei Spielen ohne Punktverlust und haben mit 10:1 Toren auch die beste Tordifferenz – dieser Umstand sollte Warnung genug sein. Zudem konnte RBL nur eines der letzten fünf Spiele in Gladbach gewinnen – Raum für Verbesserungen…
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref