Ein Held verlässt die Messestadt – wir bedanken uns bei Kevin Kampl
Die Jugend und die Anfänge
Als kleiner blonder Junge, mit gerade einmal sieben Jahren, wechselte der in Solingen geborene Kevin Kampl nach Leverkusen, wo er seine gesamte Jugend verbringen sollte. Natürlich war klar, dass er talentiert war, doch es brauchte am Ende einen großen Namen, um ihm den Weg ins Profigeschäft zu ebnen. Es war eine Länderspielpause, bei welcher Kevin als Aufstockung zum Training der ersten Mannschaft geladen wurde. Wie wir unseren Kevko kennen, gab er damals mehr als 100%. Sein damaliger Trainer: kein Geringerer als Jupp Heynckes. Am Ende der Trainingstage nahm in Heynckes metaphorisch unter den Arm und schleppte ihn zu Rudi Völler. Er sollte seinen ersten Profivertrag unterzeichnen.
Doch bis er in der ersten Mannschaft der Werkself wirklich
ankommen sollte, brauchte es noch viele Jahre und einige Stationen.
Nach einer Leihe nach Fürth und seinem ersten Einsatz für die erste Mannschaft Leverkusens
in der Europa League gegen Metalist Charkiw, entschied sich Kampl den Schritt für mehr Spielzeit in die dritte Liga zu gehen.
Im Sommer 2011 wechselte er für eine Saison nach Osnabrück, die gerade in die dritte Bundesliga abgestiegen waren. Er stand bei 35 Partien auf dem Platz und erzielte sieben Scorer in der Saison. Der Kicker kürte ihn als besten Osnabrücker Spieler der Saison.

Die Jugend bei Bayer, die Erfolge bei RB Leipzig.
2 Monate, die seine Karriere verändern sollten
Im Sommer 2012 wechselte er per Ausstiegsklausel zum VfR Aalen.
Ein Verein, bei dem er Spielzeit in Liga 2 sammeln wollte. Nach nur drei
Zweiligaspielen, einem Pokalspiel und dem Umzug mit Freundin nach Aalen, welche
kurz darauf dort eine Ausbildung anfangen sollte, erhielt Kampl den ersten
Anruf aus dem Red Bull-Kosmos und sein ehemaliger Trainer bei Leverkusen Roger
Schmidt sagte ihm, dass sie ihn nach Salzburg holen wollten. Kampl gehört damit
zu den wenigen, die innerhalb einer Transferperiode zweimal gewechselt sind.
Doch auch die Aalener sollten nicht allzu traurig mit dem Transfer gewesen
sein. So brachte Kampl, der für 250.000 € gekommen war, dank Ausstiegsklausel
einen Transfererlös von 3 Millionen Euro.
Daraufhin folgten zweieinhalb Jahre Salzburg, ein halbes Jahr Borussia Dortmund und weitere zwei Jahre Leverkusen, bevor Kevin Kampl in Leipzig sein fußballerisches Zuhause finden sollte.
Kevin Kampl endlich bei RB
Als Kampl im Sommer 2017 in die Messestadt wechselte, war dies fast ein Novum für den jungen Bundesligaverein. Mit seinen fast 27 Jahren gehörte er bei den Neuzugängen bereits zu dem alten Eisen (oder eher alten Aluminium?). Eine Diskussion, die auch unter den Fans geführt wurde, doch die Entscheidung Kevko nach Leipzig zu holen, sollte sich als Glücksgriff erweisen.
Es sollten 8 Jahre des Erfolgs folgen. Kevko gewann zweimal den DFB-Pokal und einmal den DFL-Supercup. Er verbrachte 283 Spiele auf dem Feld, schoss dabei 10 Tore und bereitete 23 weitere vor. Seine vielen Drehungen und seine Läufe mit dem Ball bleiben unvergessen. Und auch wenn sich ein Mancher über die Vertikalität seines Spiels echauffieren wollte, so brachte Kampl der Mannschaft Ruhe und hatte aber auch gleichzeitig ein gutes Gespür für Räume und den Spielaufbau. Zu seinen Mitspielern im Mittelfeld gehörten Sabitzer, Laimer, Schlager, Haidara. Der Name Kampl kann ohne schlechtes Gewissen in einer Liste mit Forsberg und Poulsen genannt werden. 8 Jahre hat er RB seinen Stempel aufgedrückt, doch nicht nur auf dem Platz, gehörte er zu den Besten.
Wenn ein Spieler RB Leipzig über Jahre hinweg geprägt hat, dann gehört Kevin Kampl definitiv dazu. ❤️⚽️
— RBLeipzig.Fans (@RBLFankurve) December 19, 2025
Seit 2017 war er ein fester Bestandteil unseres Vereins – nicht laut, nicht immer im Rampenlicht, aber immer da, wenn man ihn gebraucht hat 🔴⚪. Kampl stand für Einsatz, Ruhe… pic.twitter.com/dUEHyJN2PU
Einer der großen Namen des Vereins – Kevin Kampl.
Kevin Kampl in vier Abschnitten
Der Kapitän, der kein Kapitän war – Wenn man einen Kevin Kampl in der Mannschaft hat, dann ist es egal, wer die Kapitänsbinde trägt. Kevko ging immer als Vorbild voran. Für junge Spieler, aber auch als Stütze für die Erfahrenen. Er stellte sich selbst niemals vor die Mannschaft und war trotzdem jemand, der voranging. Wenn nicht alle Superhelden ein Cape tragen, so brauchen auch nicht alle Kapitäne eine Binde.
Das Feierbiest –
Sonnenbrille, Bier in der Hand und eine Stimme, die noch irgendwo im Klub
wiederzufinden ist. Am Morgen nach dem zweiten Pokalgewinn wurde er per Telefon
aus dem (schon wieder) feiernden Mannschaftsbus in den Doppelpass
hinzugeschaltet. Die Nüchternheit ist hier auf jeden Fall zu hinterfragen. „Du
wärst jetzt wohl lieber bei uns“, konterte er auf Mario Baslers Fragen, welcher
dies ohne nachzudenken bejahte. Aber auch bei der Feier in der Leipziger
Innenstadt kam man nicht um Kevko herum. Wie er die Feierorgie samt Reden vom
Mannschaftsbus überstanden hat, bleibt wohl sein persönliches Geheimnis.
Doch auch abseits der Pokalsiege war Kampl häufig als DJ bei den Leipziger
Partys zu finden. David Raum bezeichnete ihn als absolut verrückten Typen.
Der Feierboss – Kevin Kampl in seinem Element.
Das K in Kampl steht für Kontrovers – Das Bild, wie Kevko nach dem Pokalsieg eine Dose Red Bull in den Pokal schüttete, wird wohl immer mit ihm in Erinnerung gebracht werden. Jetzt als Meme unter zahlreichen Anti-RB-Posts zu finden, zeigt es gleichzeitig ziemlich gut, wie Kampl mit dem Gerede um RB Leipzig (und Red Bull Salzburg) umgegangen ist. „Scheißegal, was die anderen zu uns sagen. Scheißegal, was die anderen von uns halten. Wir sind ein Team!“, skandierte Kampl nach dem Pokalsieg 2022 in einem Berliner Club. Für Kampl war es etwas Besonderes, unseren Verein aufzubauen, eine eigene Tradition und Geschichte zu schreiben und den ersten großen Titel zu gewinnen.
Spätestens seit diesem Bild ist Kevin Kampl Klublegende, Fußballgott und Head of Global Red Bull in einer Person! pic.twitter.com/ey41yzZzQl
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) October 30, 2024
Von den eigenen Fans geliebt, von anderen Fans gab es sogar Morddrohungen.
Ein Vollblutprofi, gerade im hohen Fußballeralter – Kevin Kampl war immer bereit. Egal, ob er als Stammspieler jedes Spiel auf dem Platz stand. Aber auch in Zeiten, in denen er durch sein Alter und die Konkurrenz innerhalb der Mannschaft um seinen Platz kämpfen musste. Auf und neben dem Platz hat er sich immer vorbildlich benommen. Keine schlechten Wörter über die Trainer, keine Wechselgedanken, wenn die Spielzeit weniger wurde. Auf und neben dem Platz war er ein Kämpfer, aber auch jemand, der seinen Platz im Verein gefunden hat.
Danke, Kevko! Abschied nach achteinhalb gemeinsamen Jahren ...🥺#RBLeipzig und Kevin #Kampl haben sich im beiderseitigen Einvernehmen auf eine vorzeitige Vertragsauflösung zum 31. Januar 2026 geeinigt. Der 35-Jährige hatte den Wunsch aus familiären Gründen geäußert, RB Leipzig… pic.twitter.com/jWD6shmd9q
— RB Leipzig (@RBLeipzig) January 3, 2026
Die offizielle Verkündung. Kevin Kampl und RB Leipzig finden wohl die beste Lösung für die momentane Situation.
Ein Abschied mit traurigem Hintergrund
Auch wenn es in den letzten Wochen immer mal wieder Gerüchte um ein Vertragsende gab, so kam es nun doch überraschend und schnell. Mit seinem Abschiedspost erklärte Kampl den traurigen Hintergrund. Ob er seine Fußballschuhe komplett an den Nagel hängt, bleibt jedoch noch offen.
„Der Verlust meines Bruders hat mir gezeigt, wie wertvoll Zeit ist. […] Ich
gehe nach Hause, um Zeit mit meinem kranken Vater zu verbringen. Zeit, die
nicht zurückkommt“, schreibt er den Fans. Sein Bruder war kurz vor dem
Pokalspiel gegen Cottbus unerwartet und viel zu früh verstorben. Kampl ging
offen und emotional damit um. Er postete ein Video, wie er beim Abschiedsspiel für
ihn in der 1. Hobbyliga Solingens beim TM Anestis 1878 eingewechselt wurde und
sogar per Nachschuss nach einem Elfmeter traf.
Dass er jetzt diesen Schritt geht, passt zu Kevin Kampl. Er hat sich nie in den
Vordergrund gestellt. War immer für seine Mitspieler da und hat diese besser
gemacht. Jetzt will er für seine Familie da sein, Zeit mit ihnen verbringen.
Die Mannschaft und die Familie, Zusammenhalt und Miteinander war ihm immer wichtiger
als Prestige oder Erfolg. Ein selbstloser Kämpfer.
Wenn wir von Helden aus der Messestadt sprechen, so sprechen wir von dir.
Danke, Kevin. Danke, für die großartigen Erinnerungen mit dir. Danke für deinen
Kampfgeist. Danke, dass du Teil unseres Vereins warst.
Wir wünschen dir ganz viel Kraft und hoffen, dass wir dich irgendwann wieder
mit einer Funktion bei RB Leipzig sehen werden.
Einmal Leipzig, immer Leipzig!
Quellen: Bild, Transfermarkt.de, Kicker
Alex Hell