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Urs Fischer gewinnt erneut 2:1 gegen erfahrungsresistente Leipziger

Urs Fischer gewinnt erneut 2:1 gegen erfahrungsresistente Leipziger

Mainz erwies sich einmal mehr als das Leipziger Kryptonit. Dem Team von Ole Werner gelang es erneut nicht, gegen einen tiefstehenden Gegner echte Torgefahr zu entwickeln. So endet die wetterbedingte Englische Woche mit einer Niederlage, die nach dem mageren Remis bei St. Pauli doppelt schwer wiegt.

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Wiedergutmachung war das Schlagwort nach dem Hamburger Unentschieden, doch die Realität hieß erneut: Mainz 05. Der Karnevalsclub war in den letzten Jahren der personifizierte Albtraum für RB Leipzig und raubte den Sachsen bereits im letzten Jahr den sicher geglaubten Europapokalplatz. Dass nun ausgerechnet Urs Fischer auf der Mainzer Bank sitzt, macht die Aufgabe für Leipzig nicht leichter, der Coach, der mit Union Berlin zum Seriensieger gegen die Roten Bullen avancierte.

Bisher musste sich Mainz unter Fischer erst einmal geschlagen geben. Die Mainzer präsentierten sich zuletzt als verschworene Einheit – eine Tugend, die man bei den Leipzigern zuletzt schmerzlich vermisste oder nur in lichten Momenten wie in Heidenheim aufblitzen sah. Der Tabellenstand war vor diesem Samstagnachmittag Makulatur. Im Zentrum stand das psychologische Duell: Kann Leipzig das Mainzer Bollwerk und seinen personifizierten Angstgegner Urs Fischer endlich knacken?


Harder für Baumi, der nach 5 Gelben von der Tribüne zuschauen musste.


Dreisatz des Spiels

Nein, konnte Leipzig nicht.

Fischer untermauerte seinen Ruf als RBL-Experte und entführte mit den 05ern erneut drei Punkte aus Leipzig. Eine biedere Niederlage für die Bullen, an der auch der üblich äußerst schlechte Schiedsrichter Daniel Schlager (seines Zeichens häufig bei den Spielen gegen Union zugegen) seinen Teil beitrug, in dem er kurz vorm Halbzeitpfiff nach einem Foul an Kapitän David Raum für den Gegner auf den Strafstoßpunkt zeigte.

Wie so oft in dieser Saison und auch übergreifend in der gesamten Liga meldetet sich der VAR trotz klarer Fehlentscheidung nicht. Amiri verwandelte den geschenkten Elfer und glich somit die Leipziger Führung zum 1:1 aus. Für die Rasenballer hatte zuvor Harder nach einer schönen Flanke von Nusa mit dem Kopf eingenetzt. Mit dem Remis ging es dann auch in die Pause, die eine erneut sehr zähe und chancenarme Leipziger Halbzeit beendete.

Die folgenden 45 Minuten starteten deutlich attraktiver, nur nicht für die Hausherren. Der Neumainzer Silas tanzte unzählige Leipziger bis in den Strafraum aus und hatte dann aus 5 Metern Entfernung genug Kraft, um auch Gulácsi zu überwinden. Danach machte Fischers Team hinten zu, Leipzig hingegen fiel zwar einiges ein, war aber wie so oft in den letzten Wochen unglücklich vor dem Tor. Deshalb gelang es erneut nicht, einen Rückstand zu drehen, oder überhaupt nach einem Rückstand zu punkten.

 

Keine Kraft für englische Wochen.


Aufgefallen

1 – David Raum und die Binde

Werner wollte Raum mit der Kapitänsbinde stärken. Eine Idee, die zwar an einzelnen Spieltagen Früchte trug, sich über die gesamte Saison gesehen jedoch fast schon als Fehlentscheidung erweist. Nachweislich fallen die meisten Gegentore über die Seite von David, was ihn häufig zur tragischen Figur bei Niederlagen und Punktverlusten macht. Es ist daher kein Zufall, dass gegnerische Teams ihr Offensivspiel vordergründig über seine Abwehrseite aufziehen. Statistisch gesehen ist David Raum der Verteidiger mit der höchsten Fehlerquote bei Leipziger Gegentoren. Diese Fehlerquote wirkt sich spürbar verunsichernd auf das gesamte Mannschaftsgefüge aus und lässt Werners Entscheidung aktuell schlecht aussehen.

 

Die Unbeständigkeit könnte längerfristig andauern.  

 

2 – Wenn du nur eine Stammelf hast...

...dann kannst du Spiele nicht über Wechsel entscheiden. Werner gewährte den zahlreichen Nachwuchstalenten zwar regelmäßig Spielanteile, doch ein nachhaltiger Lerneffekt blieb dabei zumeist aus, weil überwiegend nur Ergebnisse verwaltet wurden. Der Ausfall von Ouédraogo wirkt wie ein Katalysator für den spielerischen Rückschritt: Das Mittelfeld agiert seither zwar wild, aber ohne jede Überraschungsmomente. Lukebas Ausfall offenbart zudem erneut, dass hinter Orbán und Lukeba nur noch Unsicherheit und womöglich auch fehlende Klasse auf der Bank wartet. Klostermann und Bitshiabu verkörpern derzeit den Niedergang einer Abwehrformation, die noch vor kurzem als das Nonplusultra im deutschen Fußball galt. Man muss sich fragen, ob Werners Zögerlichkeit bei taktischen Wagnissen oder die Limitierung der Nachwuchskräfte das Problem ist – denn jede verletzungsbedingte Rotation schwächt das Team aktuell spürbar, statt neue Energie freizusetzen.  


3 – Die da oben

Im Kampf um die europäischen Plätze lässt Leipzig dieses Mal deutlich früher Federn als in der Vorsaison. Einzig die mangelnde Konstanz der Verfolger hält die Hoffnung auf Platz sechs noch deutlich am Leben – denn hinter der Spitzengruppe fehlt es der Konkurrenz schlicht an Stabilität, um RBL aktuell gefährlich zu werden. Davor rennen die Teams jedoch weg und mit Stuttgart und Leverkusen drängen zwei starke Teams noch darauf, mit dem zwanzigsten Spiel an den Bullen vorbeizuziehen. Falls die Königsklasse das heimliche Saisonziel ist, drohen nach den jüngsten Rückschlägen neue Diskussionen. Dabei müssten sich die Bosse an die eigene Nase fassen: Sie waren es, die Werner die Verantwortung für den jüngsten Kader der Bundesliga übertragen haben.

 

4 – Taktische Flexibilität?

Die Partie gegen Mainz legte erneut taktische Defizite offen, die seit dem Ausfall von Ouédraogo nicht mehr kompensiert werden können. Trainer Ole Werner ist es bislang nicht gelungen, diesen Verlust durch neue Ansätze aufzufangen. Stattdessen verfallen jene Akteure, die bereits die schlechte Vorsaison prägten, in alte Fehlermuster. Wenn man aber an Klopps taktischer 433-Vorgabe strikt festhalten will, muss Sportdirektor Schäfer bis Montag personell nachbessern. Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob ein selbsternanntes Top-Team es sich leisten kann, ohne funktionierenden Plan B zu agieren.


Ein Talent soll ja noch einfliegen. Könnte aber nicht reichen. 

 

5 – Seiwald 

Je stärker sich Werner dem 4-3-3 annähert und Seiwald deshalb höher positioniert als in der Hinrunde, desto deutlicher treten die alten Defizite zutage. War Seiwald als "heimlicher dritter Innenverteidiger" in der Hinrunde noch der Garant für knappe Siege, wirkt seine höhere Rolle nun wie ein riskantes defensives Experiment. Zwar soll dieser Ansatz vermutlich den Ouédraogo-Ausfall kompensieren, doch angesichts der defensiven Instabilität der Außenverteidiger erscheint diese taktische Umstellung langfristig nicht tragfähig. Seiwald muss ganz klar zurück in die Libero-Rolle. 


6 – Zu lieb, zu harmlos

Obwohl die Mainzer spielerisch klar unterlegen waren, sicherten sie sich Leipzigs verlorene Punkte durch Effizienz und Beharrlichkeit. Mit lediglich 30 % Ballbesitz und einer Passquote von 69 % gewinnt man normalerweise keine Spiele – Mainz jedoch zog Leipzig durch die Bissigkeit und Zweikampfhärte den Zahn, die man von Fischers Teams kennt. Wenn die taktischen Mittel fehlen, muss man den Kampf des Gegners annehmen: So hätte Orbán Silas mit einem taktischen Foul stoppen müssen. Stattdessen verfiel Leipzig in alte Muster und agierte bei körperlicher Gegenwehr zu zögerlich. Die nötige Leipziger Galligkeit lässt das Team derzeit vermissen.

 

Fazit

Da die internen Zielsetzungen nicht öffentlich sind, bleibt Raum für Spekulationen: Sollten Durststrecken wie die aktuelle einkalkuliert sein, dürfte Werners Position auch bei einem sechsten Tabellenplatz zum Saisonende sicher sein. Marcel Schäfers Strategie zielt ohnehin eher auf eine langfristige Kaderentwicklung ab 2028 ab als auf eine sofortige Rückkehr in die Champions League – ein Kurs, der sich bereits in der angepassten Gehaltsstruktur widerspiegelt. Ob RB Leipzig angesichts der eigenen Vereinshistorie jedoch die nötige Geduld aufbringt, bleibt abzuwarten. Für die Stabilität des jungen Kaders wäre Kontinuität allerdings ratsam.


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Die Pressekonferenz nach dem Spiel.

 

Spiel
RB Leipzig vs. 1. FSV Mainz 05
Ergebnis
1:2 (1:1)
Aufstellung RB Leipzig
Gulácsi - Baku (59. Henrichs), Orbán, Bitshiabu (59. Banzuzi), Raum (C) - Seiwald (86. Bakayoko), Schlager, Rômulo (72. Gomis) - Diomande, Harder, Nusa
Ersatzbank RB Leipzig
Vandevoordt – Finkgräfe, Klostermann, Nedeljković, Maksimović
Aufstellung 1. FSV Mainz 05
Batz - Posch, Bell, Potulski - da Costa, Kai. Sano, Widmer (82. Mwene), Amiri (72. Maloney), J.-S. Lee - Hollerbach (14. Silas [82. Nebel]), P. Tietz (82. Weiper)
Ersatzbank 1. FSV Mainz 05
Rieß – Böving, Gleiber, Nordin
Torschützen
1:0 Harder (40.), 1:1 Amiri (45.+6) FE, 1:2 Silas (49.)
Torschüsse
15 / 11
Schüsse aufs Tor
4 / 4
Expected Goals (xG)
2,09 / 2,58
Ballbesitz
70% / 30%
Passquote
87% / 69%
Zweikampfquote
50% / 49%
Laufstrecke (km)
122,15 / 127,47
Ecken
5 / 4
Fouls
4 / 13
Abseits
2 / 2
Gelbe Karten
– / Bell, Potulski, Weiper
Schiedsrichter
Daniel Schlager (Gernsbach)
Spielort
Red Bull Arena Leipzig
Zuschauer
35.487