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Den Wolf nicht umgestoßen!

Den Wolf nicht umgestoßen!

Ein herber Rückschlag im Kampf um die Königsklasse, die nach dem Pokalaus gegen die Bayern von Mintzlaff nochmal als Saisonziel bestätigt wurde. Das 2:2 Unentschieden gegen die Wölfe war offensiv zwar mächtig Pech, defensiv aber auch etwas hausgemacht. Zwar gelang es RBL erstmals in dieser Bundesligasaison nach Rückstand nicht zu verlieren, die fünf Punkte Leipzig in den letzten vier Wochen gegen vier Teams aus der Abstiegszone geholt hat, werden dadurch aber nicht erträglicher.

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Nach zwei Heimpleiten und dem Pokalaus in München war die Vorgabe gegen die Wölfe klar – ein Sieg musste her, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Zumal die Gäste mit drei Pleiten im Gepäck anreisten und somit neben Heidenheim das schlechteste Team der letzten Wochen waren.

Durch die Sperre von Raum und das Pokalspiel am Mittwoch rotierte Werner mehr als gewöhnlich. Lukeba blieb leicht angeschlagen auf der Bank, für ihn spielte erneut Seiwald in der Innenverteidigung, Finkgräfe und Henrichs bildeten die AV und Harder ersetzte Rômulo.

 

Vor dem Spiel galt: Cui honorem, honorem – Werners Abschied.

 

Dreisatz des Spiels

Über weite Strecken dominierte Leipzig das Spiel und kam am Ende auf über 2,5 xG. Leider verpasste die Wernerelf aber das Spiel mit den Chancen der ersten Halbzeit zu entscheiden und wurde durch die erste echte Wolfsburger Möglichkeit hart bestraft. Bei 10 zu 3 Schüssen aufs Tor darf man mit einem 2:2 unzufrieden sein. Für die Optimisten bleibt der erste Punkt nach (sogar zweifachen) Rückstand in dieser Saison und ein offensiv über weite Strecken überlegener Auftritt. Die Pessimisten werden auf die verlorenen Punkte sowie die einfachen Wolfsburger Tore verweisen.

 

Auch beim VAR hatte Leipzig gestern Pech.

 

Aufgefallen

1 – Eine folgenreiche Umstellung

Obwohl Seiwalds starke Saisonleistungen die Entscheidung für ihn als linken Innenverteidiger rechtfertigen sollten, erwies sich dieses Experiment – wie bereits in der Vorsaison – als Fehlgriff. Dass Trainer Werner ihn ausgerechnet gegen Wolfsburg neben dem Debütanten Finkgräfe aufbot, war ein unnötiges Risiko. Seiwald agierte defensiv zu oft wie ein Sechser: Vor dem 0:1 rückte er nach außen, statt Finkgräfe abzusichern, während Schlager defensiv aushelfen musste. Was auch wie eine taktische Vorgabe aussah. Diese taktischen Experimente Werners in der Defensive haben letztlich wichtige Punkte gekostet.

 

2 – Gruda ist angekommen

Gruda mischt die Offensive auf – und gehört heute zu den wenigen, die sich positiv hervorgetan haben, auch wenn sein Ballverlust zum zwischenzeitlichen 1:2 führt.
In Halbzeit 1 wirbelte er abwechselnd mit Diamonde auf der rechten Außenbahn. Besonders im späteren Spielverlauf mischte er sich dann deutlich stärker in das Zentrum ein. Sein wichtiges Tor zum Ausgleich war nicht nur sehenswert, sondern zeigt auch, was für ein feines Füßchen er für die Rückrunde mitbringt.
Sein Partner im offensiven Mittelfeld Christoph Baumgartner erinnerte in diesem Spiel an den Ideenlosen Baumgartner der Vorsaison. Hat er mit Gruda seinen neuen Xavi gefunden?

 

Gruda krönte seine gute Leistung (meiste Torschüsse, meiste Zweikämpfe) mit dem späten Ausgleich.

 

3 – Leipziger Freigiebigkeit

Leipzigs Chancenverwertung entwickelt sich zum chronischen Problem. Die Statistik von 20 Schüssen und vier Großchancen (2,69 xGoals) spricht eigentlich für einen klaren Heimsieg, doch die mangelnde Qualität im Abschluss verhinderte diesen erneut. Dass der gegnerische Torwart zum Helden geschossen wurde, weckt böse Erinnerungen an die Spiele gegen Hoffenheim und Leverkusen. Am Ende steht ein Zitterpunkt, der in keinem Verhältnis zum betriebenen Aufwand steht. Dazu passt, dass Leipzig das einzige Topteam ist, das deutlich weniger Tore geschossen hat, als es xG herausspielen konnte.

 

Harder (2) und Rômulo (1) vergaben jeweils Großchancen.

 

4 – Hausgemachte Kaderprobleme

Wenn hinter Willi Orbán und Castello Lukeba mittlerweile Nici Seiwald der dritte Innenverteidiger ist, muss auch die Kaderplanung für diese Saison in der Abwehr hinterfragt werden. Hier keinen Spieler im Winter zumindest zu leihen, ist wenig nachvollziehbar. Klostermann steht bereits seit dem Sommer auf dem Abstellgleis und Bitshiabu hat sich leider nicht zu der Alternative entwickelt, wie man es sich erhofft hat. Wie die Qualität in der Abwehr mit dem nun von Oliver Mintzlaff formulierten Ziel Champions League zusammenpasst, erschließt sich nicht.

 

In der aktuellen Krise sicherlich eines der besseren Spiele und der niedrigste gegnerische xG Wert seit Freiburg.

 

5 – Führungsspieler mit Wechselabsicht

Xaver Schlager, der im Sommer auf eigenen Wunsch den Verein ablösefrei verlässt, war heute Kapitän. Es ist völlig richtig bis zum Saisonende auf Xaver als wichtigen Spieler zu setzen, aber ihn nach der Sperre von David Raum zum Kapitän von RB Leipzig zu ernennen, erstaunt dann schon. Péter Gulácsi und Willi Orbán standen auch auf dem Platz und wären logische Alternativen gewesen. Auch ein Christoph Baumgartner, der hoffentlich in der Zukunft noch mehr Verantwortung übernehmen kann, hätte man die Kapitänsbinde geben können.
Vielleicht zeigt die Wahl des Kapitäns aber auch, dass im Sommer ein besonderer Fokus auf neuen Führungsspielern liegen muss.

 

6 – Wundertüte RBL

Leipzigs größtes Problem ist die fehlende Konstanz. Seit Anfang November sind keine zwei Ligaspiele in Folge mehr gewonnen worden. Zudem ist die Werner-Elf mit dem Unentschieden nur knapp einem neuen Negativrekord entgangen, denn noch nie hat RBL drei Heimspiele in Folge verloren. Das bleibt vorerst so, aber der gute Saisonstart, von dem das Team immer noch zehrt und während dessen RBL zu Hause eine sichere Bank war (sieben Heimsiege in Folge) ist mittlerweile nur noch schemenhaft in Erinnerung.

 

Die Punkte werden RBL am Ende wohl genau so fehlen, wie seinerzeit beim 2:2 gegen Wolfsburg 2.

 

7 – Laufleistung

Ein kurzer Blick auf die Laufleistung zeig, dass Leipzig sich zwar steigern konnte und mit fast 123 km die zweitbeste Saisonleistung hinlegte, der Abstand zu Wolfsburg war aber dennoch leicht höher (3,4) als schon in der Hinrunde (3,2). Es bleibt also weiterhin dabei, dass RBL nur gegen Frankfurt substanziell mehr gelaufen ist als der Gegner.

 

Werner war bezüglich der Einstellung der Mannschaft zufrieden.

 

Fazit

Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Ein wenig zu martialisch, aber verlorenen Punkte gegen Wolfsburg, während alle anderen ihre Hausaufgaben souverän erledigten, dürften sich noch rächen. Auch der Druck auf Mannschaft und Trainerteam wächst, nicht zuletzt, nachdem Mintzlaff die Königsklasse als Ziel ausgerufen hat.

Die schweren Spiele kommen ja nun erst noch. Gegen die Mannschaft der Stunde – den BVB – ist die Erwartungshaltung entsprechend niedrig und auch gegen die bald kommenden Teams aus Hoffenheim und Stuttgart dürfte es mit dieser ausufernden Ineffizienz schwer werden.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Spiel
RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg
Ergebnis
2:2 (0:0)
Aufstellung RB Leipzig
Gulácsi (29. Vandevoordt) - Henrichs (62. Baku), Orbán, Seiwald (82. Lukeba), Finkgräfe - Gruda, Schlager (C), Baumgartner - Diomande, Harder (62. Romulo), Nusa (82. Bakayoko)
Ersatzbank RB Leipzig
Bitshiabu, Gomis, Maksimović, Banzuzi
Aufstellung VfL Wolfsburg
Grabara - Kumbedi, Vavro, Jenz, Belocian - Eriksen, Arnold (C) - Daghim (90.+5 Adjetey), Majer (84. Koulierakis), Shiogai (60. Svanberg) - Amoura (84. Pejčinović)
Ersatzbank VfL Wolfsburg
Müller – Bürger, Hensel, Gerhardt, Souza
Torschützen
0:1 Amoura (52.), 1:1 Diomande (70.), 1:2 Svanberg (78.), 2:2 Gruda (89.)
Torschüsse
20 / 10
Schüsse aufs Tor
10 / 3
Expected Goals (xG)
2,51 / 0,69
Ballbesitz
68% / 32%
Passquote
87% / 77%
Zweikampfquote
59% / 41%
Laufstrecke (km)
122,86 / 126,23
Ecken
6 / 2
Fouls
6 / 10
Abseits
0 / 0
Gelbe Karten
Schlager / Kumbedi, Müller
Schiedsrichter
Dr. Matthias Jöllenbeck (Müllheim)
Spielort
Red Bull Arena Leipzig
Zuschauer
35.757