Naivitätssport Leipzig – RBL lässt sich spät auskontern
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Gegen das formstärkste Team der Liga in der derzeitigen Ergebniskrise anzutreten, war sicherlich kein Zuckerschlecken. Auch wenn Kovac einige Ausfälle in der Defensive verkraften musste und zudem mit der Doppelbelastung zu kämpfen hatte, fehlte es RBL auf der anderen Seite zuletzt an überzeugenden Auftritten. Wenn man schon den Wolf nicht umstoßen konnte, dann vielleicht die Biene? Immerhin ging es immer noch um den 100. Bundesligaheimsieg.
Für den notwendigen Dreier, nachdem Leverkusen und Hoffenheim Punkte gelassen hatten, setzte Werner erstmals auf Gruda auf der Außenbahn – Nusa blieb vorerst draußen. Zudem startete Lukeba wieder im Abwehrzentrum.

Baumgartners dritter Doppelpack reichte am Ende nicht aus.
Dreisatz des Spiels
Es wäre eine schöne Geschichte gewesen: den ersten und den 100. Bundesligaheimsieg gegen den BVB einzufahren. Aber während die Kovac-Elf am Ende ein Messer zwischen den Zähnen hatte und die Einwechselspieler Tor bzw. Vorlage erzielten, war bei RBL maximal ein goldener Löffel zwischen den Beißerchen. Dabei hatte alles so gut angefangen. Die 2:0 Pausenführung durch Baumgartner war verdient, der BVB nach dem Champions League Spiel und durch die Ausfälle angeknockt aber dann kam die zweite Hälfte, in der erste Rômulo unglücklich in den eigenen Kasten köpfte, dann Baku und Diomande das 3:1 verpassten und RBL am Ende irgendwo auch verdientermaßen für diese Nachlässigkeit bestraft wurde.

Tolle Choreo vor dem Spiel.
Aufgefallen
1 – Tore wie aus dem Lehrbuch
Ole Werner hat die Woche genutzt, um die defensiven Schwachstellen der Dortmunder zu analysieren. Das Mittel seiner Wahl: bewusstes Überlagern der Außen.
Vor dem 1:0 verlagerte man das Spiel auf rechts, bevor der lange Ball auf Diamonde kam, der für Baumgartner auflegte.
Beim 2:0 ein ähnliches Bild, nur diesmal wurde gezielt die linke Seite überlagert. Raum und Diamonde schaffen zu zweit viel Platz gegen Ryerson und Baumgartner ist erneut der Nutznießer.

Auch Nusa hatte von der Bank nur wenig Impakt.
2 – „Gruda, schlag den Ball lang“
Brajan Gruda wirkt, als wäre er schon die gesamte Saison in der Mannschaft gewesen. Mit seiner Dribbelstärke und seinem Ballgefühl verschafft er sich die Räume, sorgt aber auch mit langen Diagonalpässen für die Breite im Spiel. Auch heute war er wieder als Hybridspieler irgendwo zwischen 8 und 10 tätig und füllt die Ouédraogo-Rolle hervorragend aus. Mal wieder bewies Schäfer hier ein gutes Händchen auf der Zugangsseite. Wir hoffen auf eine langfristige Zusammenarbeit.
3 – Loddas Liebling
„Diamonde, jemand, der vom Ball geliebt wird. Er tut ihm nicht weh, er tut ihm gut“, sagte Lothar Matthäus bei Sky nicht etwa nach einer seiner vielen Offensivaktionen, sondern nach einer Ballabschirmung und einem anschließend rausgeholten Freistoß vor der eigenen Torauslinie. Yan Diamonde war heute wieder auf allen Orten des Platzes zu finden. Mit 32 Sprints (offensiv und defensiv), einer Passquote von 94% und eine Dribblingerfolgsquote von 75% setzt er bei dem Spiel des Flügelspielers mal wieder neue Maßstäbe. Er ist nicht nur individuell auf einem anderen Level, sondern zerreißt sich auch für seine Mannschaft. Ein Spieler, der sich nicht über das Team stellt. Wir müssen die Zeit mit ihm genießen!
„Alte Stadt, neuer Stolz“ - das passt gegen den börsennotierten Traditionsverein… 😎 #RBLBVB @RBLeipzig @rb_fans pic.twitter.com/Om8Q9zyzfs
— André Böhmer (@aboeLE17) February 21, 2026
Die Choreo in bewegten Bildern.
4 – Kein Spiel für Stürmer
Auf beiden Seiten sahen die klassischen Stürmer in diesem Spiel nicht gut aus. Guirassy ging nach 72 Minuten mit gerade einmal 23 Ballkontakten vom Platz und auch Rômulo blieb erneut blass. Man kann ihm den Willen nicht absprechen. Immer wieder holt er sich im Mittelfeld die Bälle ab, sorgt mit seinen Laufwegen für Gefahr und Platz für die Mitspieler. Doch dann wirkt er immer wieder wie ein Kane, der das Toreschießen vergessen hat. Seit nun 6 Ligaspielen ist er ohne Treffer. Ein torgefährlicher Stürmer fehlt der Mannschaft, besonders in solchen Spielen. So toll die Saison von Baumi ist, zeigt es aber auch die Schwäche in der vordersten Reihe auf.
5 – Zu viel Teenegruppe
RB macht gegen Dortmund über einen langen Zeitraum das Spiel. Auch ein Großteil der Zahlen spricht dafür. 13:11 Torschüsse, eine Passquote von 83% (Dortmund nur von 76%), 64% erfolgreiche Dribblings und ein Ballbesitzplus von 55%.
Doch erneut kann die Mannschaft von Ole Werner sich wieder nicht belohnen. Am Ende fehlt die Kaltschnäuzigkeit, um das 2:0 über die Zeit zu bringen oder sogar nachzulegen. Während Dortmund mit Long John Fabio Silva und gewetzten Säbel die entscheidenden Minuten dominiert, taumeln Milchbubi Harder und Co ohne Verstand durch das Mittelfeld und erzeugen alles, außer offensiver Gefahr.
Kimi ist bei jedem Heimspiel von @RBLeipzig im Stadion, sein Kinderzimmer ist eine Schatzkammer an Fan-Utensilien. Doch das Leben des 16-Jährigen ist eingeschränkt, er ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Sein großer Wunsch: ein Assistenzhund.https://t.co/anVJDYDjw4
— LVZ Sport (@LVZSport) February 21, 2026
Unterstützt Kimi!
6 – Kein Impakt von der Bank
Seit Wochen zieht es sich durch, dass Ole Werner keinen Impakt von der Bank bringen kann. Besonders offensiv kommt keine Gefahr (nehmen wir mal Nusa heraus). Sollte es eigentlich für die offensiven Einwechselspieler gegen eine müde Abwehr leichter sein, Chancen zu kreieren, kommt bei uns eher eine schlechte Entscheidungsfindung und Unsicherheit auf den Platz. Harder, Gomis, Bakayoko. Große Namen, kleine Wirkung. Besonders bei solchen Spielen wünscht man sich einen Yussi Poulsen oder Emil Forsberg zurück, die abgeklärt das Spiel herunterspielen. Stattdessen schafft man es bei eigener Führung in der Nachspielzeit in einen Konter zu laufen. Puh.
7 – Zonk statt Joker
Wenn es wirklich irgendwo extrem sichtbar klemmt, dann ist es am Spielende bzw. beim Impakt (s.o.), den Werner mit seinen Wechseln aufs Spiel hat. Nur aus weniger als 3% seiner Wechsel resultieren Torbeteiligungen. Zum Vergleich, bei Kompany (25%) oder Kovac (17%) ist diese Statistik ganz anders. Selbst gegen den BVB, als Nusa von der Bank kam, war das nicht besser. Dies korreliert mit der Torausbeute in der letzten Viertelstunde (inklusive Nachspielzeit). Leipzig ist hier das schlechteste Team der Liga – das muss man sich in Anbetracht der fehlenden Doppelbelastung und des jungen Kaders erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Auch gegen den BVB agierte RBL am Ende zu unkonzentriert und spielte die möglichen Konter deutlich schlechter aus, als die Gegner. Dazu passt auch, dass die Werner-Elf zwei Drittel der Gegentore in Halbzeit 2 kassierte und das viertschlechteste Team ist, wenn man die Gegentore in der Nachspielzeit betrachtet.
Diese Forderung nach einer Entlassung von Ole Werner kann ich übrigens null nachvollziehen. Klar macht er Fehler und die Mannschaft hat ihre Themen, aber nach den letzten Jahren sehe ich jetzt endlich mal wieder eine Spielanlage, die mir Hoffnung macht. #RBLBVB #RBLeipzig https://t.co/pVT8lAtxZP
— Niklas (@gNiklas43) February 21, 2026
Die Hoffnung stirbt zuletzt...
8 – Gefährliche Tendenzen
In den letzten 11 Spielen kommt Leipzig lediglich auf 15 Punkte. Rose hatte vor seiner Entlassung nur 12 Punkte aus 11 Spielen, wobei – wenn man die letzte Niederlage am 27. Spieltag herausrechnet –zwischen Spieltag 16 und 26 auch genau 15 Punkte erspielt wurden. Sicherlich sieht das Spiel aktuell ansehnlicher aus. Aber wenn man in diesem quasi mittleren Saisondrittel in der Formtabelle hinter dem nächsten Gegner und Aufsteiger HSV steht, dann müssen sich Mannschaft und Trainerteam unangenehme Fragen gefallen lassen.
9 – My home isn’t my castle anymore
Die Heimstärke der Hinrunde ist mittlerweile einer veritablen Heimkrise gewichen. Zwei Punkte aus vier Heimspielen, das ist Negativrekord für RBL in der Bundesliga bzw. in Ligaspielen überhaupt. Nur fünf Punkte aus den letzten sechs Heimspielen ist zudem so schlecht wie damals als RBL während Corona sechs Heimspiele in Folge nicht gewinnen konnte (fünf Unentschieden). Es kommen nun noch fünf Heimspiele, von denen RBL mindestens vier gewinnen sollte. Wie wahrscheinlich das ist, kann man sich bei den letzten Ergebnissen selbst ausrechnen…
Ganz ehrlich Ole Werner: Du beklagst dich über mangelnde Cleverness und über zu wenig Impuls von der Bank.
— Flo (@Der_wahre_Fan_) February 21, 2026
Du bist derjenige, der die Jungs einstellt und die Wechsel macht! Das hat auch nichts mit dem Alter der Mannschaft zu tun, sondern mit deinem Coaching. Es nervt. #RBLBVB
Die Frage bleibt, sind die Spieler so schlecht oder wird aus ihnen nicht das Optimum herausgeholt.
10 – Laufleistung – Leipzigs Murmeltiertag
Obwohl der BVB gerade in der Zwischenrunde der Königsklasse um den Einzug in die nächste Runde kämpft, blieb der Abstand, den beide Teams in Sachsen Laufleistung hatten identisch mit der Hinrunde. Auch damals waren es gut 4 km. Wie RBL quasi jedes Spiel weniger läuft als der Gegner und das mit einem jungen Team ohne Doppelbelastung, bleibt das große Mysterium dieser Saison.
Die PK nach dem späten Punktverlust.
Fazit
Was soll man da noch schreiben...? Der Ausgleich in der Nachspielzeit wie eine Backpfeife mit ordentlich Schmackes. Dabei hatte RBL das Spiel bis in die Schlussphase gut im Griff. Die verpassten Chancen sollten sich bitter rächen und während die ersatzgeschwächten und doppelbelasteten Dortmunder nachlegten und zum fünften Mal in der Nachspielzeit trafen, blieb RBL mal wieder in der Schlussphase ohne Torerfolg und ist hier mittlerweile das schlechteste Team der Liga. Insofern gilt, was im Podcast anklang und auch nach dem Wolfsburg Punktverluste geschrieben wurde: irgendwann wird Pech zu Unvermögen.

Da hatte Rômulo noch gut lachen...
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