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Leipziger Glücksbullen

Leipziger Glücksbullen

Im fünften Anlauf erringen die Leipziger endlich den 100. Bundesligaheimsieg. Das Glück des Tüchtigen, das RBL in den vergangenen Wochen nicht unbedingt hold war, wurde beim 2:1 über Augsburg ordentlich strapaziert. Ein gehaltener Elfmeter von Vandevoordt, der Pfosten und ein Eigentor in der Nachspielzeit waren nötig, um die drei Punkte einzuheimsen.
Maarten Vandevoordt
Spieler im Fokus

Maarten Vandevoordt

#26
Statistiken der Bundesliga Saison
12 Spiele
1.051' Minuten
0 Tore
0 Vorlagen

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Mit einem Sieg nach Rückstand und einer besonders defensiv sehr guten Leistung im Gepäck kehrte die Werner-Elf gestärkt aus Hamburg zurück, die Hanseaten waren dahin in der Rückrunde ungeschlagen und auch der kommende Gegner aus Augsburg war in selbiger mit 16 Punkten gleichauf mit dem BVB und den Bayern. Ein dickes Brett, dass es gegen die Elf von Ex-RBL-Nachwuchsleiter Baum zu bohren galt, wenngleich Leipzig daheim in der Liga noch ungeschlagen gegen den FCA war und die letzten 18 Spiele gegen die bayrischen Schwaben nicht verloren hatte.

Werner setzte im Heimspiel erwartungsgemäß auf die Elf wie gegen den HSV. Während Baum auf Claude-Maurice und damit auf den Überflieger des Jahres 2026 (8 Scorer) verzichten musste.

 

Emotionale Schlussminuten.

 

Dreisatz des Spiels

"Zufrieden mit dem Ergebnis, aber nicht zufrieden mit der Leistung" – so fasste es Werner nach dem Spiel zusammen. Die Rasenballer hatten gegen Augsburg viel Glück: mit dem späten Siegtreffer durch ein Eigentor, mit dem gehaltenen Elfer, einem starken Vandevoordt und dem Abschlusspech bzw. der Konterschwäche des FCA. Glück, das man sich in den Spielen davor ein Stück weit verdient hatte – aber eines, das man nicht überstrapazieren sollte.

Die Lehren, die die Mannschaft ziehen sollte, sind klar: besseres Defensivverhalten und klarere Offensivabläufe. Das zweite gedrehte Spiel und der zweite Ligasieg in Folge (letzteres erstmals seit Anfang November) setzen hoffentlich die nötigen Körner für die Crunchtime frei.

 

Werners Zusammenfassung nach dem Spiel.

 

Team Glas Halbvoll

Da ich lesen durfte, dass wir hier oft zu kritisch unterwegs sind, gibt es eine neue Kategorie, um zentral die guten Neuigkeiten bezüglich des Spiels zusammenzufassen.

Gegen den FCA holte RBL nicht nur den 100. Bundesliga-Heimsieg, sondern auch den siebten Heimsieg gegen Augsburg in Folge. Dazu wurde zum zweiten Mal hintereinander ein Rückstand gedreht – alle Punkte nach Rückstand (7) wurden in der Rückrunde erzielt. Das Team bringt also die nötige Mentalität für den Endspurt mit.

In allen Ligaspielen des Jahres 2026 konnte RBL über 2 xG erspielen (10) – das sind jetzt schon fast so viele wie im gesamten Kalenderjahr 2025 (11). Mit 47 Punkten spielt Leipzig seine viertbeste Bundesligasaison. Nur Nagelsmann (50, 54) und Hasenhüttl (49) erspielten bis zum 25. Spieltag mehr Punkte.

Gulácsi-Nachfolger Vandevoordt machte ein Bombenspiel, parierte vier Schüsse und erzielte bei Sofascore (8,3) die beste Note eines Leipziger Keepers in der laufenden Saison. Diomande ist weiter von einem anderen Stern – die Leipziger Lebensversicherung mit seinem siebten Scorer im neuen Jahr und gemäß Sofascore mit dem zweitbesten Saisonspiel (9,3 –gegen die SGE 10).

 

Diomande überragte mal wieder.

 

Aufgefallen

1 – Leipziger Glücksbullen

Bedingt durch den Elfmeter und gute Konterchancen (5 vergebene Großchancen) erspielte der FCA 3,67 xG – der zweithöchste Wert für einen Leipziger Gegner (nur die Bayern hatten zum Rückrundenauftakt mehr). Das ist natürlich extrem gefährlich und konterkariert etwas die soliden Spiele wie gegen den HSV (eine Halbzeit nichts zugelassen), Wolfsburg (viel Glück beim Gegner) oder Freiburg (fast nichts zugelassen).

Hier fehlte es dem Team an der nötigen Konzentration und einer besseren defensiven Organisation bei Kontern. Auch ein Foulspiel könnte häufiger in Erwägung gezogen werden, denn nur wenige Teams foulen seltener als RBL.

Die Kombination aus Ballverlust, Durchbruch auf der Außenbahn, Pass in den Rückraum und Abschluss ist fast schon so typisch für RBL, dass es schwerfällt, derartige gegnerische Angriffe in der Erinnerung auseinanderzuhalten. Bei den Augsburger Chancen war es eher wahrscheinlich, dass RBL sich einen weiteren Konter fängt, als dass am Ende ein Eigentor fällt.

Insofern stand das Spiel scheinbar im Zeichen der Glücksbullen – ein OFC, der seit Regionalligazeiten besteht.

 

Wenn du es kommen siehst, aber nicht verhindern kannst.

 

2 – Leipziger Pechvögel

Auch wenn der FCA sicherlich mehr Pech in diesem Spiel hatte als Leipzig, so war Lukebas Pfostentreffer das 14. Aluminium für RBL in dieser Spielzeit. Hochgerechnet auf 34 Spieltage wären es 19 Pfostentreffer – kein Team hätte gemäß bundesliga.de seit 2020/21 mehr Aluminiumtreffer verzeichnet. Leipzigs Höchstwert in dieser Zeit lag bei 16. Insofern: ein wenig mehr Zielwasser in die Kicker schütten, dann wird das schon.

 

100 Bundesliga Heimsiege!

 

3 – Saisonvergleich

Wenn man die Arbeit Werners einordnen will, hilft auch ein Blick über den Tellerrand der Saison hinaus. Sicherlich ist nicht alles Gold, was aktuell glänzt, aber man darf auch nicht den Fehler der Fußballtraditionalisten machen und in ein „Früher war alles besser“-Mantra verfallen.

Mit 47 Punkten am 25. Spieltag war Leipzig nur in drei Spielzeiten besser unterwegs (Nagelsmann und Hasenhüttl). Nur 20/21 und 15/16 gab es mehr Siege. Nur viermal erzielte RBL bis zu diesem Zeitpunkt mehr Tore (2× Rose, Tedesco und Nagelsmann).

Das sind sehr gute Zahlen für ein Umbruchjahr und relativieren den fünften Platz, da die Konkurrenz recht stark ist. Oft hätten 47 Punkte zu einem Rang unter den Top 3 gereicht.

Was allerdings auffällt, ist die relativ schwache Abwehr. Das liegt natürlich zum einen an den beiden Klatschen gegen die Bayern, zum anderen aber an den im ersten Abschnitt skizzierten Problemen und der sehr offensiven Viererkette. Mit 34 Gegentoren liegt man hier gleichauf mit Hasenhüttls zweiter Saison, und nur letzte Saison sowie 17/18 war die Tordifferenz zu diesem Zeitpunkt schlechter. Seit den Defensivstrategen Nagelsmann und Rangnick steigt der Wert der Gegentore kontinuierlich an.

 

Nusa ist längerer Zeit in der Formkrise.

 

4 – Mintzlaffs Ansprache

War im letzten Sommer die Ansage von Mintzlaff, dass gezielt nicht die Königsklasse als Ziel ausgegeben wird, so hat sich der Wind in der Rückrunde gedreht. Ob nun bedingt durch den Tabellenplatz oder die insgesamt hohen Kaderaufwände, sei dahingestellt. Jedenfalls war er nach dem Spiel erneut in der Kabine und bestärkte laut LVZ das Saisonziel Champions League.

Ob das Team – gemessen an den wechselhaften Leistungen – überhaupt bereit für eine solche Aufgabe und die Doppelbelastung wäre, darf leicht bezweifelt werden. Andererseits ist die CL finanziell und als Verhandlungsargument sehr wichtig.

Schon jetzt wird an Diomande gebaggert, und ohne den Überflieger von der Elfenbeinküste würden wir diese Saison ganz woanders stehen. Um das im Umbruch befindliche Team im Sommer zusammenzuhalten, dürfte daher die Königsklasse ein nicht zu unterschätzender Faktor sein.

 

Es hätte zur Halbzeit auch leicht 0:2 stehen können...

 

5 – Vandevoordt ist angekommen

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass der gehaltene Elfer eine wichtige Zäsur für Vandevoordt sein könnte. Das letzte Mal, dass ein RBL-Keeper einen Elfer parierte, war übrigens auch gegen den FCA (09/2024).

Dass er Gulácsi nächste Saison ersetzen wird, galt ja als beschlossene Sache, aber bisher fehlten die herausragenden Spiele bzw. hatte er immer ein wenig Pech. Gegen den FCA war das ein blitzsauberer Kick, bei dem er sich mit Diomande die Auszeichnung „Spieler des Spiels“ teilen könnte.

In Genk hatte er bereits mehrere Spielzeiten großen Einfluss auf Spielausgänge und hielt pro Saison 10–15-mal die Null. Mit der nötigen Spielpraxis scheint das nun auch hier möglich, nachdem Maarten fast zwei Jahre in Wartestellung war.

 

Einzelapplaus für Vandevoordt.

 

6 – Abgefallen

Während Diomande und Vandevoordt ein gutes Spiel machten, blieben andere unter ihren Möglichkeiten. Bei Nusa ist das Formtief noch nicht überwunden. Er kam zwar auf gute Zweikampfwerte, brachte aber nur 13 Pässe zu seinen Mitspielern (65 % – schlechteste Passquote).

Gruda (20 % Zweikampfquote) und Baumgartner (zweitschlechteste Passquote, nur 22 % Zweikampfquote) sorgten dafür, dass offensiv fast alles auf Diomande ruhte.

Rômulo zeigte solide Ansätze, vergab aber seine 15. Großchance in dieser Saison. Defensiv war es besonders Bakus Abwehrseite, die zu offen war.

 

7 – Laufwerte & Ergebnisvergleich

Zwar war RBL läuferisch etwas schlechter als Augsburg, aber am Ende war der Unterschied mit etwas unter 2 km marginal. Dazu passt die Korrelation zwischen den Leipziger Laufwerten und den Ergebnissen.

Gegen den HSV war Leipzig erst zum zweiten Mal in dieser Saison laufstärker als der Gegner – beide Spiele wurden gewonnen. Der Kick gegen den FCA fällt in die zweite Kategorie: Spiele mit unter 3 km Abstand. Auch hier hat RBL gut abgeschnitten und bisher nur eine Niederlage auf dem Konto (Leverkusen).

Lief man aber deutlich weniger als der Gegner (+3 km), dann wurden nur 3 von 12 Spielen gewonnen. Insofern heißt es gerade im Hinblick auf die Spiele gegen Stuttgart und die laufstarken Hoffenheimer, an der aktuellen Entwicklung dranzubleiben.

 

Gegen den FCA (und eigentlich gegen jeden) ist jeder Sieg erstmal recht.

 

8 – Stadionflucht

Es gab ja auch früher schon enge Spiele, und wer erinnert sich nicht gerne zurück an das Coltortitor – auch das ein glücklicher Sieg in einer, sagen wir es mal, ausbaufähigen ersten Saison in Liga 2. Damals hieß es:

Das Stadion schreit, es bebt, wildfremde Menschen liegen sich in den Armen, wer jetzt käme, würde meinen, hier wurde gerade ein Pokalsieg oder die Meisterschaft besiegelt. Es tobt und schreit, bis der Schiedsrichter bei Wiederanpfiff die Partie beendet, es tobt und schreit weiter, bis die Mannschaft in allen Ecken des Stadions gewesen ist. Coltorti wird auf Händen getragen. Nicht gegen Lotte, nicht gegen Saarbrücken, nicht mal gegen Wolfsburg oder im Pokal gegen Aue oder Chemnitz gab es so einen kollektiven Gefühlsausbruch.

Damals wäre es niemandem in den Sinn gekommen, nach dem glücklichen späten Siegtreffer fluchtartig aus dem Stadion zu stürmen. Gegen Augsburg leerte sich die Schüssel aber wie, wenn jemand hungrig seine Ramen ausschlürft.

Hier wäre besonders abseits des Fanblocks etwas mehr Durchhaltevermögen angebracht, um dem Team Respekt zu zollen. Ob dieser Fluchtinstinkt daran liegt, dass das Team zu unstet spielt oder einigen die emotionale Bindung fehlt, kann man diskutieren.

Nach so einem Spiel darf aber kurz die Kritik schweigen und der Moment des Sieges gemeinsam genossen werden.

 

25 Mio? SO aufreitzend spielt er nun auch wieder nicht...

 

9 – Schlager-Nachfolger

Am Sonntag nach dem Spiel verstärkten sich die Gerüchte, dass RBL sich mit Reitz handelseinig sei. Nun gilt es, mit Gladbach die Ablöse zu verhandeln, denn die fixe Summe von über 20 Millionen dürfte für RBL zu hoch sein.

Der defensive Mittelfeldspieler gilt als läuferisch stark und verfügt über ein gutes Stellungsspiel sowie solide Zweikampfwerte. Sicherlich nicht unbedingt der schillernde Königstransfer, aber wie bspw. Schlager, Seiwald und vor ihnen Laimer ein wichtiges Arbeitstier im Zentrum.

Mit 23 Jahren noch entwicklungsfähig, aber auch schon mit einiger Erfahrung. Ob er jetzt mehr Potenzial als bspw. Banzuzi hat, darüber kann man streiten.

 

Sieg in der Nachspielzeit – kennen wir.

 

Fazit

Gegen den FCA – besonders in dieser Phase – nimmt man natürlich auch einen dreckigen Sieg mit. Das Tor nach Raumflanke in der Nachspielzeit setzt hoffentlich die Kräfte und Moral frei, die bis zum HSV-Kick fehlten.

Die Punkte nach Rückstand sind enorm wichtig, aber besser wäre es natürlich, wenn RBL selbst in Führung ginge. Insofern gibt es trotz des Sieges Anlass zur Kritik – zu lasch und ungenau die Herangehensweise der Rasenballer.

Mit den Spielen gegen Stuttgart und Hoffenheim stehen nun zwei Sechs-Punkte-Spiele an. Wobei RBL in Schwaben den Vorteil hat, dass der VfB das Achtelfinale der Europa League vor der Brust hat. Noch hat die Werner-Elf die Qualifikation für die Königsklasse in der eigenen Hand.


Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

Ihr habt nun nach langer Zeit wieder die Möglichkeit, auf unserer Seite (mobile Ansicht) an Abstimmungen teilzunehmen. Passend dazu haben wir eine Umfrage zum Spieler des Spiels gegen den FCA geschaltet.

Wenn unser Spendenaufruf gut läuft, soll die Seite mit externer Unterstützung zur neuen Saison eine Auffrischungskur erfahren.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Spiel
RB Leipzig vs. FC Augsburg
Ergebnis
2:1 (0:1)
Aufstellung RB Leipzig
Vandevoordt - Baku (74. Henrichs), Orbán, Lukeba, Raum (C) - Gruda (61. Banzuzi), Seiwald, Baumgartner - Diomande (90.+4 Gomis), Rômulo (74. Harder), Nusa (61. Bakayoko)
Ersatzbank RB Leipzig
Zingerle – Bitshiabu, Finkgräfe, Maksimović
Aufstellung FC Augsburg
Dahmen - Chaves, Schlotterbeck (C), Banks (85. Schnitzer) - Fellhauer (72. Wolf), Massengo, Jakic (77. Rexhbecaj), Giannoulis - Rieder, Ribeiro (85. Gregoritsch), Kömür (46. Kade)
Ersatzbank FC Augsburg
Labrović – Pedersen, Gharbi
Torschützen
0:1 Fellhauer (39.), 1:1 Diomande (76.), 2:1 Chaves (90.+2) ET
Torschüsse
17 / 16
Schüsse aufs Tor
8 / 5
Expected Goals (xG)
2,19 / 3,67
Ballbesitz
61% / 39%
Passquote
86% / 77%
Zweikampfquote
52% / 48%
Laufstrecke (km)
119,57 / 121,43
Ecken
6 / 8
Fouls
8 / 9
Abseits
1 / 4
Gelbe Karten
– / Giannoulis, Banks
Schiedsrichter
Martin Petersen (Stuttgart)
Spielort
Red Bull Arena Leipzig
Zuschauer
41.563