Header Image
Leipzig überrollt und überholt Hoffenheim mit 5:0

Leipzig überrollt und überholt Hoffenheim mit 5:0

Es gibt sie, diese Abende, an denen dir einfach alles gelingt. Mit schönen Kombinationen und Toren aus dem Spiel heraus machte Leipzig schon zur Halbzeit alles klar. Am Ende traf sogar Einwechsler Henrichs erstmals seit zweieinhalb Jahren. Das Spiel gehörte jedoch Brajan Gruda, der mit drei Scorern überragte. Einziger Wermutstropfen blieb die Auswechslung von Diomande mit Schulterschmerzen.
Brajan Gruda
Spieler im Fokus

Brajan Gruda

#10
Team- und wettbewerbsübergreifende Statistiken
28 Spiele
1.411' Minuten
6 Tore
5 Vorlagen

Vor dem Spiel ist vor dem Spiel

Wie im Vorbericht geschrieben, war das Spiel gegen die TSG das Sechs-Punkte-Spiel schlechthin: entweder aufschließen oder auf sechs Punkte abfallen. Der Einsatz war entsprechend hoch, insbesondere nach der Niederlage in Stuttgart, da sich diese – wie Leverkusen nach dem Ausscheiden aus dem internationalen Wettbewerb – nun voll auf die Bundesliga konzentrieren können.

Leipzig hatte in der Bundesliga an einem Freitagabend noch kein Heimspiel verloren – zuletzt passierte dies in Liga 2 bei beiden Pleiten gegen Sandhausen. Damit die Serie hält, gab Werner Gruda und Schlager den Vorzug vor Nusa und Banzuzi, die gegen Stuttgart nicht überzeugten. Da sie damit nicht allein waren (bspw. Baumgartner und Rômulo), stand die Mannschaft nach dem offensiv mauen Auftritt in Schwaben in der Bringschuld. Bei der TSG sollte sich der Ausfall von Avdullahu als entscheidend erweisen.

 

Kollektive Freude mit Baumi.

 

Dreisatz des Spiels

Eine höllisch effiziente erste Hälfte, in der sich RBL nach ruhigem Beginn in einen Rausch spielte. Die Tore fielen überwiegend aus dem Spiel heraus – womit RBL nun ligaweit auf Platz 3 steht – und waren durchweg sehenswert.

Beim 1:0 muss besonders Seiwalds Einsatz im Vorfeld hervorgehoben werden, beim 2:0 waren es Raums Präzision und Baumgartners Wucht, beim 3:0 der geschickte Laufweg von Baumgartner und das Herausziehen durch Rômulo sowie die akkurate Flanke von Gruda. Der vierte Treffer wurde Diomande-typisch über außen vorbereitet, während Gruda von der TSG sträflich außer Acht gelassen wurde. Kurzum: ein fußballerisch sehr unterhaltsamer Abend – in Effizienz und Selbstbewusstsein ganz anders als zuletzt.

Mit einem 4:0 im Rücken ließ es sich erwartungsgemäß deutlich entspannter spielen. Zwar brachte Ilzer noch Kramarić, doch Leipzig spielte das defensiv – ähnlich wie gegen Freiburg – souverän herunter und setzte mit dem eingewechselten Henrichs 15 Minuten vor Schluss den Schlusspunkt. Zuvor ging die Werner-Elf etwas nachlässig mit den Konterchancen um, was angesichts des Spielstands jedoch kaum ins Gewicht fiel.

 

Henrichs mit seinem ersten Tor seit August 2023.

 

Team Glas Halbvoll

Wenn man einen direkten Konkurrenten mit 5:0 aus dem Stadion schießt und einem nahezu alles gelingt, ist das Glas mehr als gut gefüllt.

Gruda zeigte erstmals so richtig, warum Schäfer ihn im Winter als Ersatz für den verletzten Ouédraogo geholt hatte, und lobte den Verein nach dem Spiel überschwänglich – ein Kauf erscheint zumindest denkbar.

Baumgartner, zuletzt etwas in der Kritik, kam wie das gesamte Team wie Phönix aus der Asche des Stuttgart-Spiels und erzielte seinen wettbewerbsübergreifend sechsten Doppelpack. Mehr (9) gelangen ihm nur als 17-Jährigem in der U18 von St. Pölten (16/17), während er vor dieser Saison im Männerbereich bei zwei stand. Wann immer er traf, blieb RBL in dieser Saison ungeschlagen – lediglich gegen den BVB reichte es nicht zum Sieg.

Zudem gelangen Ole Werner zwei Scorer durch Einwechslungen – bislang eine der größten Schwachstellen. Damit stieg die Anzahl dieser Scorer um 50 %. Nach dem Spiel wurde auf den Rängen „Oh, wie ist das schön“ angestimmt, und in den Interviews war deutlich zu spüren, dass dieser Sieg als echter Brustlöser wirkte.

 

Inklusive Choreo.

 

Aufgefallen

1 – Champagner statt Bier – die Fans

Auch wenn die Arena für dieses Spitzenspiel nicht ausverkauft war, so war es stimmungstechnisch ein guter Abend. Das fing schon vor dem Spiel mit der Choreo der Unified Bulls zum Thema Vielfalt und Inklusion an und wurde mit den frühen Toren natürlich immer besser. Am Ende stimmte der Randbereich von Sektor A „Oh, wie ist das schön“ an, was von Sektor B dann übernommen wurde. Das gab es lange nicht mehr, und es zeigt die positive Entwicklung, was den Zusammenhalt der gesamten Stadionbesucher anbelangt. Neben der Auslastung muss aber leider die frühe Stadionflucht einiger erneut negativ erwähnt werden. Diesen wichtigen Sieg noch ein paar Minuten über das Spielende hinaus mit dem Team zu erleben, sollte letztlich dazugehören.

 

Blick in den Fanblock.

 

2 – Gruda göttlich

Der Abend gehörte Brajan Gruda, der nicht nur drei Scorer beisteuerte, sondern in nahezu allen Offensivkategorien vorne lag: wichtigste Pässe, Dribblings, Torschüsse und gewonnene Zweikämpfe.

In dieser Form genau das, was sich Leipzig von seiner Leihe erhofft hat – und womöglich ein Schlüsselfaktor im Saisonendspurt. Die Krönung seiner Leistung, die ihn verdient zum „Man of the Match“ machte, waren jedoch seine Aussagen nach dem Spiel: „geile Mannschaft, ein geiler Verein“.

Nicht ausgeschlossen, dass Leipzig im Sommer einen festen Transfer anstrebt. Vom Profil her bringt er alles mit, um perspektivisch in die großen Fußstapfen prägender RBL-Spieler zu treten.

 

Überflieger Gruda.

 

3 – Sorgen um Diomande

Obwohl Diomande in diesem Spiel nicht der herausragende Akteur war und sich früh mehrfach mit Schulterschmerzen plagte, waren einige seiner Aktionen entscheidend. Zum einen der Pass vor dem 1:0, den Seiwald so gekonnt weiterverarbeitete. Zuvor hatte Diomande aber – wie üblich – schon zwei Hoffenheimer gebunden, und genau diese Freiräume müssen genutzt werden, wenn der Gegner den besten Leipziger der Saison doppelt.

Zum anderen bereitete er das 4:0 gekonnt vor und erzielte das vermeintliche 5:0 vor der Pause. Nun gilt es zu hoffen, dass den Schulterschmerzen kein langfristiger Ausfall folgt, denn sein Fehlen könnte RBL nur schwer kompensieren.

 

Geht runter wie Öl.

 

4 – Die Pfeife des Spiels

Jablonski musste sich in seinem 28. Spiel mit Leipziger Beteiligung entscheiden: entweder die Leipziger Heimsiegesserie (3) oder die TSG-Siegesserie (3) fortsetzen. Es wurde der 19. Leipziger Sieg mit ihm an der Pfeife.

Dabei gab es drei kleine Aufreger: Erstens die Gelbe gegen Ex-RBLer Bernardo, nachdem er Gruda mit dem Fuß im Gesicht traf – da sind schon Spieler für weniger vom Platz geflogen.

Zweitens die Verteilung der Gelben Karten, die bei einer Foulbilanz von 8:16 merkwürdig schräg war – letztlich stoppte er mit seinen Pfiffen immerhin die übliche überharte Hoffenheimer Spielweise (erster der Foulstatistik).

Drittens der VAR-Einsatz beim aberkannten 5:0 von Diomande. Wenn Schlager aber im Abseits stand, war sein Einsatz regelwidrig und die Entscheidung korrekt.

 

Der Wendepunkt des Spiels.

 

5 – Pferdelungen

In letzter Zeit und auch im Vorbericht wurde auf die zu geringe Laufleistung unserer Rasenballer hingewiesen. Gegen die „Pferdelungen“ der Liga sollte es doppelt wichtig werden, hatte RBL doch kein Spiel mit mehr als 5 km Laufdifferenz gewonnen und die TSG im Hinspiel satte 11 km – also quasi den Gegenwert eines Spielers – erlaufen.

Den Kampf nahmen die Leipziger diesmal aber an und blieben bis zum Spielende nah an der TSG dran. Am Ende waren es etwas weniger als 3 km weniger als die TSG – bei solchen Werten konnte RBL 11 von 14 Spielen gewinnen.

Ausschlaggebend hierfür war sicher auch, dass der TSG mit dem Stamm-Sechser Avdullahu einer der laufstärksten Spieler und die defensive Schaltzentrale fehlte.

 

Aus dem Sieg gilt es einen Trend zu machen.

 

6 – Flankenduell

Neben dem läuferischen Aspekt war es auch ein Spiel der besten Flankengeber der Liga: Raum und Coufal. Wobei der Hoffenheimer die Nase leicht vorn hat – zumindest bei der reinen Anzahl. Auch in diesem Spiel schlug er zwei Flanken mehr, aber keine fand einen Mitspieler, während Raum zumindest zweimal erfolgreich flankte und auch ein Tor so vorbereitete.

Die sechste Vorlage des Kapitäns – von seiner Bestmarke in der Liga (13 – 21/22 mit der TSG) ist er aber noch etwas entfernt.

 

7 – Freutag

Es war Leipzigs höchster Sieg in einem Heimspiel an einem Freitagabend (zuvor 5:1 gegen Stuttgart 2023). Damit blieb RBL im zehnten Heimspiel der Bundesliga an einem Freitag ungeschlagen (8 Siege).

Seit Gründung gab es bei solchen Ansetzungen nur vier Niederlagen: 2013 im Pokal unter Zorniger gegen den FCA, 2011 in der Regionalliga unter Oral gegen Kiel sowie 2015 und 2016 gegen Sandhausen in Liga 2. Freitag ist also Freutag – zumindest in der RBA.

 

Wieder auf dem rechten Weg.

 

Fazit

Mit einem solchen Ausrufezeichen in die Länderspielpause zu gehen, dürfte für die kommenden Wochen Rückenwind geben. Ein hochverdienter Sieg, der vielleicht um ein bis zwei Tore zu hoch ausfiel und bei dem spätestens nach dem 4:0 alles entschieden war.

Was bleibt, ist eine sehr runde Leistung, die an Spiele wie Augsburg, Frankfurt und Freiburg zu Jahresbeginn erinnerte: offensiv effizient und defensiv stabil – nah am gewünschten Zielbild. Solche Auftritte gab es in dieser Saison also bereits, entscheidend wird nun sein, die nötige Konstanz zu entwickeln. Der April wird dabei zum Schlüsselmonat.

Alle Konkurrenten im Kampf um die Königsklasse sind inzwischen ohne Doppelbelastung. Vor dem schweren Auswärtsspiel in Frankfurt – wo Leipzig noch nie gewonnen hat – gilt es, die Pflichtaufgaben gegen Bremen und Gladbach zu erfüllen.

Bleiben Diomande fit, bestätigt Gruda seine Form und kehrt Ouédraogo zurück, kann man durchaus optimistisch auf den Saisonendspurt blicken.

 

Die PK nach dem Spiel.

 

Noch ein kleiner Hinweis in eigener Sache:

Wenn unser Spendenaufruf gut läuft, soll die Seite mit externer Unterstützung zur neuen Saison eine Auffrischungskur erfahren.

 

KickerWhoscoredSofacoreRBLBundesligaFotMobunderstatfbref

 

Team und Fans in Feierlaune.

 

Spiel
RB Leipzig vs. TSG 1899 Hoffenheim
Ergebnis
5:0 (4:0)
Aufstellung RB Leipzig
Vandevoordt - Baku (76. Henrichs), Orbán, Lukeba, Raum (82. Finkgräfe) - Schlager (66. Banzuzi), Seiwald, Baumgartner - Gruda, Rômulo (76. Harder), Diomande (66. Nusa)
Ersatzbank RB Leipzig
Zingerle – Bitshiabu, Gomis, Bakayoko
Aufstellung TSG 1899 Hoffenheim
Baumann (C) - Coufal, Hranac (46. Hajdari), Kabak, Bernardo (76. Damar) - Prass, Prömel, Burger - Lemperle (69. Moerstedt), Asllani (46. Kramarić), Touré (69. Campbell)
Ersatzbank TSG 1899 Hoffenheim
Philipp – Lässig, Akpoguma, Bebou
Aufstellungsgrafik
Aufstellung
Torschützen
1:0 Gruda (17.), 2:0 Baumgartner (21.), 3:0 Baumgarter (30.), 4:0 Gruda (44.), 5:0 Henrichs (78.)
Torschüsse
14 / 8
Schüsse aufs Tor
9 / 2
Expected Goals (xG)
2,91 / 0,52
Ballbesitz
50% / 50%
Passquote
84% / 82%
Zweikampfquote
55% / 45%
Laufstrecke (km)
124,08 / 126,86
Ecken
1 / 3
Fouls
8 / 16
Abseits
5 / 1
Gelbe Karten
Orbán / Bernardo
Schiedsrichter
Sven Jablonski (Bremen)
Spielort
Red Bull Arena Leipzig
Zuschauer
40.980