2:1-Sieg in Bremen, Platz 3 und auf Kurs, aber...
Antonio Nusa
Team- und wettbewerbsübergreifende StatistikenVor dem Spiel ist vor dem Spiel
Viele Schlagzeilen sind in aller Munde: „Ole Werner und seine Rückkehr an die Weser“ – oder auch: „Zwei formstarke Teams, die jeweils drei Siege aus den letzten 4 Spielen einfahren konnten, treffen aufeinander und müssen weiterhin punkten, wenn sie ihre Saisonziele erreichen wollen.“ Unterschiedlicher können aber die Voraussetzungen nicht sein. Werder Bremens Experiment, nach der Entlassung in der letzten Saison von Ole Werner und mit der Verpflichtung von Horst Steffen, missglückte, so dass nun Neu-Trainer Daniel Thioune den Klassenerhalt erreichen soll. Zumindest punktetechnisch konnte man sich mit drei Siegen aus vier Spielen zuletzt etwas Luft im Abstiegskampf verschaffen, liegt aber dennoch nur vier Punkte vor einem Relegationsplatz. „Zusammenzuhalten, zusammenzustehen und auch den Widrigkeiten trotzen“ lautet seine Devise und ähnelt in der Sache auch die von Ole Werner. Bremens Spiele waren zuletzt allesamt „dreckig“ und nicht gerade schön anzusehen, und darauf sollte sich auch unser Team dieses Mal einzustellen wissen.
Zudem konnten unsere Rasenballer die letzten zwei Begegnungen in Bremen nicht gewinnen. Der letzte Sieg war im Jahre 2022. Dieses Mal wäre eine Spielweise auf Sieg und ein Auswärtsdreier eigentlich Pflicht, wenn man doch noch das hochgesteckte Ziel „Champions League Qualifikation“ erreichen will. Ein Remis wäre zwar kein Beinbruch, aber in Anbetracht der verbliebenen Auswärtsspiele in Frankfurt (noch nie gewonnen), beim Mitkonkurrenten Bayer Leverkusen und beim heimstarken SC Freiburg, sollte der Fokus ganz klar auf einen Auswärtsdreier liegen.
Nach dem berauschenden Fußballfest gegen Hoffenheim, hatten beide Mannschaften gleichermaßen mit Spielerabtretungen für die Länderspielpause zu kämpfen. Ausgerechnet Brajan Gruda, der gegen Hoffenheim so brillierte und in Top-Form war, muss auf Leipziger Seite verletzungsbedingt passen. Fraglich war, ob Antonio Nusa oder gar Assan Ouédraogo schon ein Startelfkandidat wären, um diese Lücke zu schließen. Bremens Heimschwäche vermag uns insgesamt in die Karten spielen.
Vor heimischen Publikum war die Werder-Elf gezwungen, mutig mitzuspielen, offenbart dabei auch jederzeit Schwächen in der Rückwärtsbewegung und im Defensivverhalten. Das könnte unserem Offenspiel generell sehr gelegen kommen, zumal unsere dribbelstarken Spieler Räume hätten, auch mit ihrer Schnelligkeit zu glänzen. Hilfreich wäre natürlich ein Einsatz (nach seiner Blitzheilung) von Yan Diomande, der schon 17 Scorerpunkte für RB Leipzig erzielen konnte. Wichtig wäre nun nach der Länderspielpause, dass unser Team wie gegen Hoffenheim wieder mental auf der Höhe ist, gut vorbereitet ist und die volle Qualität sowie Leistung abrufen kann. Jedes Spiel ist ein Endspiel und sollte auch so angegangen werden. 1.600 Auswärtsfahrer unterstützten dabei unsere Spieler. Sicherlich hätten es etwas mehr sein können, aber aufgrund des Osterwochenendes eine vertretbare Zahl.

Schöne Choreo – 1.600 RB-Fans begleiteten unser Team und wurden mit einem Sieg belohnt.
Dreisatz des Spiels
Ein effizientes Leipzig holt erneut einen wichtigen Sieg. In einer entscheidenden Saisonphase punktet unser Team erneut, dieses Mal bei Werder Bremen. Antonio Nusa wechselte in die Startelf für den verletzten Gruda und machte in diesem Spiel seine Sache gut. Mit seinem Tor zum 1:0 schoss er unsere Rasenballer auf die Siegerstraße, welche sich insgesamt keineswegs mit Ruhm bekleckerten. Man merkte unseren Schützlingen die Einsätze unter der Woche in ihren Nationalmannschaften an. Gegen einen stärkeren Gegner wären hier wohl Punkte liegengeblieben. Aber Werder Bremen war offensiv zu schwach und knüpfte auch in diesem Match an ihrer Heimschwäche nahtlos an.
Insgesamt zwei Schüsse auf das Bremer Tor reichten unser Team am Ende, um zwei Tore zu erzielen und drei Punkte zu holen. Die letzten 25 Minuten der ersten Hälfte waren besonders gefährlich, oder besser formuliert: schlecht. Die Tore fielen aber zum richtigen Zeitpunkt des Spiels, und in Hälfte Zwei waren die Bremer bis auf die Schlussphase, komplett harmlos geblieben. Es war kein sehenswertes und nennenswertes Spiel. Am Ende zählen hier nur die drei Punkte, die unser Team auf Kurs hält. Mit der Hoffenheim-Niederlage hat sich der Vorsprung auf Platz 5 schon auf drei Zähler vergrößert. Die Hoffnung auf einer erneuten Champions-League-Qualifikation war noch nie so groß seit dem 17. Spieltag.
Kein überragendes, aber ein effizientes Spiel von #RBLeipzig: aus wenigen Chancen viel gemacht. So holt man bei der Rückkehr von Ole #Werner am Osterdeich zu Ostern 3️⃣ wichtige Punkte gegen Bremen im Kampf um die Champions League. 🥚🐰 #svwRBL pic.twitter.com/go72As1AKW
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) April 4, 2026
1) Antonio Nusa – Unser wohl bester Spieler an diesem Tag. Mit 73% gewonnenen Zweikämpfen und 67% gewonnener Dribblings war er besonders in diesem Spiel präsent auf dem Platz und nutzte seine Chance, sich wieder für einen Startelfeinsatz zu empfehlen. Er machte das Fehlen von Gruda mehr als wett und wurde zum Matchwinner mit seinem wichtigen 1:0-Treffer. Es war sein 50. Bundesligaspiel für RB Leipzig und wir können insgesamt zufrieden sein, ihn in unseren Reihen zu haben. Gerade in dieser Saisonphase ist es wichtig zu sehen, dass das Fehlen eines Leistungsträgers wie Gruda auch aufgefangen werden kann.
2) Nicolas Seiwald – Auch einer der Gewinner unter Ole Werner. Es war sicherlich nicht sein bestes Spiel in dieser Saison, aber seine Leistung ist größtenteils fehlerfrei, er gehörte in dieser Partie zu den Besseren und sein Einsatz ist sehr flexibel. So gesehen musste er auf die Innenverteidigerposition wechseln nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Castello Lukeba und machte seine Sache solide.
1️⃣0️⃣0️⃣. 𝑹𝑩𝑳-𝑺𝑷𝑰𝑬𝑳 🔴⚪️
— RB Leipzig (@RBLeipzig) April 4, 2026
Glückwunsch, Nici! 👏 #SVWRBL #Bundesliga #Seiwald pic.twitter.com/9hFJ2PyrOp
3) Kein gutes Spiel, aber wichtige 3 Punkte – Es war insgesamt eines unserer schlechteren Spiele in dieser Saison, in der aber der Gegner nicht die nötige Qualität besaß, mehr Ertrag daraus erzielen zu können. Zwar muss man auch erst einmal dieses Spiel gewinnen, aber die Leistung unserer Rasenballer war keineswegs eines Champions League-Teams würdig. Gerade in Halbzeit Eins verlor man die Spielkontrolle nach der 1:0 Führung und geriet bis zum Halbzeitpfiff gehörig unter Druck. Während beim Hoffenheimspiel sich unser Team noch in einen Rausch spielte und 124 Kilometer lief, war in dieser Partie die Handbremse eher angezogen und unser Team tat nur das Nötigste. Man merkte auch die schweren Beine einiger Nationalspieler an. Hätte man die wenigen Chancen vor dem Bremer Tor nicht so effizient genutzt und der Gegner wäre besser gewesen, stünde am Ende nicht der Erfolg da.
Bemerkenswert war auch der Totalausfall von Yan Diomande. Einerseits hat Bremen ihn taktisch gut aus dem Spiel genommen, andererseits gelangen ihm individuell auch keine seiner besonderen Momente, die er bisher in jedem Spiel zeigen konnte. Nur 25% gewonnene Zweikämpfe und die vergebene Großchance auf das 3:0 mündeten schließlich in seiner Auswechslung. Parallel war auch von Christoph Baumgartner wenig zu sehen – kein Torschuss. Umso wichtiger war es in dieser Partie, dass auch wieder ein Rômulo Cardoso zum Torerfolg kam und auch noch ein Tor vorbereitete.
4) Wir bleiben auf Champions League-Kurs – Besonders erwähnenswert ist die Punkteausbeute aus den letzten Spielen und damit wieder die Rückkehr zum internationalen Fußball in der nächsten Saison. Aus den letzten 10 Bundesligaspielen holte das Team von Ole Werner einen Schnitt von 2,0 Punkten, aus den letzten 5 Spielen sogar 4 Siege. Hier zeigt sich, dass unser Team mental auf der Höhe ist und nicht wie in der letzten Saison auseinanderfiel. Durch die Niederlage von Hoffenheim zuhause gegen Mainz ist der Vorsprung auf 3 Punkte auf Platz 5 angewachsen und man hat es selbst in der Hand, den Fokus hochzuhalten sowie im nächsten Spiel gegen Mönchengladbach nachzulegen. Lange Zeit sah es nach dem 17. Spieltag und der Ergebniskrise aus, als würden unsere Rasenballer nicht die nötige Qualität besitzen und wieder den guten Hinrundenstart verspielen.
Aber das Team hat sich erholt, herausgekämpft aus der Ergebniskrise und ist jedes Spiel wie ein Endspiel angegangen - hat sich Punkt um Punkt und Sieg und Sieg erarbeitet. Das Team wirkt gefestigt und gewappnet für den harten Saisonendspurt, indem andere Teams wie Hoffenheim oder teils Leverkusen aktuell mehr Federn lassen. Auch Stuttgart hat ein schweres Restprogramm und zog gegen Dortmund den Kürzeren.

Das Momentum auf seiner Seite – Jubel um den Auswärtssieg.
5) Die Verlierer – Bei Bitshiabu und Bakayoko scheint es wohl kein Happyend zu geben nach der Saison. Während ein Innenverteidiger wie Lukeba verletzungsbedingt den Platz verlassen muss, wird eher Nicolas Seiwald das Vertrauen geschenkt als ein El Chadaille Bitshiabu, dessen Spielanlage wohl noch zu unsicher bzw. fehlerbehaftet ist. Ähnlich ergeht es Johan Bakayoko, der nun sogar hinter Tidiam Gomis und Conrad Harder die letzte Wahl wurde im offensiven Mannschaftsteil. Bakayoko kommt nur auf 60 Minuten Spielzeit seit Mitte Dezember, während Bitshiabu die letzten acht Spiele nur noch zusah.
6) Fehlende Kaderbreite – Auf vielen Positionen scheint es noch keinen adäquaten Ersatz zu geben für den aktuellen Startelfkandidaten. So u.a. in der Innenverteidigung für Willi Orbán oder Castello Lukeba. Letzterer hat sich hoffentlich nicht schwerwiegender verletzt, während Willi Orbán mit 4 gelben Karten nah an einer Gelbsperre steht. Ein Duett von Seiwald und Bitshiabu auf der Zielgeraden gegen Leverkusen oder in Frankfurt sowie Freiburg, wäre eher ungeeignet und ein herber qualitativer Verlust.
Auch auf den Außenverteidigerpositionen steht für Ridle Baku und David Raum kein richtiger Zweikampf um die Startelfposition an, auch wenn Benjamin Henrichs wieder genesen ist. Dieses Spiel lässt sich weiter führen auf alle anderen Positionen, so dass in Anbetracht der internationalen Spiele in der nächsten Saison und der anstehenden Mehrfachbelastung einiges passieren muss in Sachen Kaderbreite und Neuverpflichtungen, die qualitativ auch noch ins Team passen müssen.

Wenn die Konkurrenten verlieren, schmeckt der Sieg gleich noch viel besser.
7) Kuriosum im Gästeblock – Wir verfolgen RB Leipzig seit 2009, aber dass die aktive Fanszene schon vor Abpfiff den Block verlässt, weil sie zum Zug muss, gab es so auch noch nie. Über hämische Kommentare anderer Fans braucht sich da niemand zu wundern. Gut, dass der Rest geblieben ist und dann andere Fans den Support übernahmen, so dass unser Team bis zum Schluss unterstützt und auch nach dem Spiel der Sieg gefeiert wurde. Ob auswärts oder zu Hause, wir bleiben beim Team bis die Jungs nach dem Spiel in der Kabine sind.
Fazit und Ausblick
Die Konkurrenz patzt und wir gewinnen. Es klingt paradox, aber die letzten beiden Spieltage sind wir die Gewinner, überholen den VfB Stuttgart sowie die TSG Hoffenheim, und springen sogar auf Platz 3 der Bundesligatabelle. Das ist sozusagen das Maximum, was Ole Werner aus seinem Team in dieser Saison herausholen kann, während der FC Bayern und Borussia Dortmund punktetechnisch eine überragende Saison spielen. Auch der Punkteschnitt unserer Rasenballer von 2,0 aus den letzten 10 Bundesligaspielen bringt eine gewisse Sicherheit mit sich. Während der VfB Stuttgart noch ein schweres Restprogramm zu absolvieren hat, kann unser Team schon am kommenden Spieltag zuhause gegen Mönchengladbach nachlegen, die nur 2 der letzten 10 Spiele gewinnen konnten und auf Platz 13 sogar mehr Tuchfüllung zum Abstiegskampf haben.
Es sind nur noch 6 Spiele bis zum Saisonende und unser Team könnte sich sogar eine Niederlage mehr erlauben als die TSG Hoffenheim, da der Vorsprung zu Platz 5 drei Punkte beträgt, bei einem besseren Torverhältnis. Kaum jemand hätte noch nach der Heimniederlage gegen Mainz im Januar und dem Remis gegen Wolfsburg im Februar daran gedacht, dass hier noch eine große Hoffnung auf eine Champions League-Qualifikation besteht. Aber nun ist sie da, die große Chance, erneut diesen Traum wahr werden zu lassen. Die aktuelle Konstellation, dass wir auf Platz 3 liegen, sollte Motivation genug sein, sich für die letzten Wochen zu zerreißen.
Auch wenn die Spiele dreckig sind und es auch kein gutes Spiel wird wie in Bremen, zählen jetzt nur noch die Ergebnisse und die erreichten Punkte. Der BVB macht es unter Niko Kovac vor. RB-Fans, kommt ins Stadion und unterstützt unser Team dabei, erst recht zu den letzten drei Heimspielen. Gemeinsam sind wir stark und können mit unserem Team eine erfolgreiche Saison erreichen.

Rasenball auf Platz 3 - Angepinnt an der Umkleidekabine = Motivation pur!
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