Header Image
Martín Demichelis – The next one!

Martín Demichelis – The next one!

Es ist nur noch eine Frage von wenigen Tagen – RB Leipzig bekommt einen neuen Cheftrainer. Mit Martín Gastón Demichelis kommt nicht nur Bundesligaerfahrung auf dem Feld, sondern auch ein internationaler Trainer mit einem großen Namen als Spieler in die Messestadt. Doch spielt der Verein hier vielleicht etwas zu sehr mit dem argentinischen Feuer? Wir nehmen unseren vermeintlich neuen Cheftrainer unter die Lupe.

Hier würde ein Spenden-Widget von GoFundMe geladen werden. Das lädt Inhalte eines externen Anbieters inklusive dessen Cookies.

Martín Gastón Demichelis
Trainer im Fokus

Martín Gastón Demichelis

Noch keine Pflichtspiele als Trainer bei RB Leipzig

Malaga, Espanyol Barcelona, Manchester City, Atlético Madrid und der FC Bayern. Dies sind nicht die Stationen, die Demichelis als Cheftrainer bereits begleitet hat, sondern seine Stationen als Spieler. Bekannt wird er den meisten aus der Bundesliga sein, als er mit der Nummer 6 auf dem Rücken 174 Spiele für den FC Bayern absolvierte. Er war bekannt für seine Zweikampfstärke, aber auch seine Spielstärke, welche er sowohl als Innenverteidiger, aber auch im zentralen Mittelfeld einzusetzen wusste. Seine größten Erfolge als Spieler:

  • Champions League-Finalist mit Bayern 2010
  • WM-Finalist mit Argentinien gegen Deutschland 2014
  • Copa América Finalist 2015
  • Englischer Meister, Deutscher Meister, Argentinischer Meister


Bild zu Artikel

Titel mit City.


Als Spieler bis heute geprägt hat ihn seine Zeit bei den Bayern, wie man auch an diversen Fotos und Videos zu den Bayern auf seinem Instagram-Profil sieht. Da muss man sich nichts vormachen, Sollte "Micho" (Sein Spitzname) erfolgreich in Leipzig sein und Bayern sucht einen Trainer, wird der Weg sehr kurz sein. 


Interview bei den Bayern.


In jedem Fall ist er ein Trainer, der seinen Spielern nicht nur in der Theorie das Spiel mit dem Ball darlegen kann, sondern wohl auch mal selbst zum runden Leder greift. Ein perfect fit für RB Leipzig?


Werners Abgang – ein einseitiges Match

Ole Werner galt noch zu Beginn der letzten Saison als Wunschlösung von Jürgen Klopp. Wie kommt es nun dazu, dass gerade eben dieser nun der größte Verfechter eines Trainerwechsels war?

Grund für den Bruch zwischen Klopp und Werner scheint nach unterschiedlichen Medienberichten die Auffassung der Spielweise zu sein. Jürgen Klopp, der selbst als Trainer eine klare pressingorientierte Spielphilosophie lebte, hatte sich mit Ole Werner genau einen solchen Trainer nach Leipzig holen wollen. Er wollte das permanente Pressing und hohe Intensität in den Red Bull Kosmos zurückholen. Werner hingegen wollte flexibler in die neue Saison gehen, konnte sich sogar vorstellen auch mit einer Dreierkette spielen zu lassen. Für Klopp und die Verantwortlichen geht es hier um eine Grundsatzdebatte, die keine großen Diskussionen zulässt. Und wenn das Pferd nicht springt, wie es springen soll, muss sich der Reiter um eine Lösung kümmern. Für Jürgen Klopp scheint diese Lösung die Entlassung Werners und Martín Demichelis als argentinisches Vollblut zu sein.


Sein erster Superclásico war ein denkwürdiges Spiel. 


Der Spielstil von Martín Demichelis

Dass Martin Demichelis ein großes Erbe antreten kann, hat er in der Vergangenheit bereits bewiesen. Zur Saison 22/23 gab Demichelis sein Debüt als Profitrainer bei seinem Jugendverein River Plate (Argentinischer Rekordmeister) und beerbte Marcelo Gallardo, der bei River Plate bereits bewiesen hatte, Titel zu gewinnen. Während seiner Zeit bei River Plate entwickelte er seine Spielidee parallel mit dem Verein weiter und strukturierte Teile des Spiels des argentinischen Meisters um. Dabei setzte er auf Ballbesitzfußball, aber immer mit dem Fokus, dem eigenen Gegner zu Ballverlusten zu zwingen und schnell umschalten zu können. Seine favorisierte Aufstellung war dabei ein 4-2-3-1, dieses passte er aber je nach Gegner an. Wenn er in Spielen einen zweiten Stürmer brauchte, so brachte er gelegentlich auch diesen. An der Grundidee änderte sich jedoch nichts.

Wichtig war dabei das Mittelfeldzentrum, welches beim eigenen Ballbesitz hier den Gegner binden sollte, um Platz für die Flügelspieler zu schaffen. Dabei versuchte man häufig den Gegner auf eine Seite zu ziehen, um mit wenigen präzisen Pässen den Flügelspieler oder Außenverteidiger auf der anderen Seite zu schicken.

Den Spielaufbau gegen einen hoch pressenden Gegner versuchte Demichelis abwechslungsreich über 6er und Innenverteidiger zu gestalten. Dabei sollte der 6er mit seinen Läufen Gegenspieler binden und Räume schaffen, in die der Innenverteidiger selbstständig reindribbeln konnte oder welche von einem Halbraumspieler besetzt werden konnten.
Der grundsätzliche Spielaufbau gelang River Plate auf dem Papier, jedoch gab es im Gesamtkonstrukt häufig Probleme, da nicht jeder Spieler genau die Läufe machte, welche zum Erarbeiten von Chancen und Torerfolge nötig waren. Dadurch war das Spiel in solchen Situationen zu statisch.

Die Außenverteidiger stehen bei Demichelis häufig sehr offensiv. Durch den Spielaufbau über IV und 6er werden immer wieder Räume geschaffen, welche die Außenverteidiger erlaufen können. Sicherlich etwas, dass für unsere Außenverteidiger Raum und Baku passend zu sein scheint.

Ohne Ball setzt Demichelis auf ein extremes Pressing, um möglichst in der gegnerischen Hälfte Bälle zu gewinnen und direkt umzuschalten. Häufig nutze er hierfür ein 4-1-4-1 oder auch ein 4-1-3-2, wobei er dies auch flexibel nach dem Gegner anpasste. Die Grundidee ist dabei, die Räume des Gegners so kleinzuhalten, dass man einen Ballverlust erzwingt. Dabei geht die 11 unter Demichelis das Risiko ein, dass man in anderen Bereichen auf dem Feld in Unterzahl steht. Der PPDA-Wert (Passes per Defensive Action) von River Plate lag unter Martín Demichelis bei starken 8,85, der Gegner konnte also keine 9 Pässe spielen bevor River wieder den Ball gewinnen konnte. Die diesjährigen Pressingmaschinen der Bundesliga, die TSG Hoffenheim (9,04) und der FCBayern (9,71), agierten auf einem ähnlichen Niveau. Da River Plate unter Demichelis zudem aus einem sehr kontrollierten Spielaufbau heraus agierte, kamen seine Gegner meist auf einen passiven PPDA-Wert von über 14. Beim mexikanischen Spitzenklub CF Monterrey ließ er es später etwas defensiver angehen: Der PPDA von 11 gleicht hier eher den Werten des BVB oder des VfB Stuttgart aus der Saison 25/26. Liegt damit aber immer noch deutlich höher als der von Werner (12,73). Bei Mallorca sank der PPDA unter seiner Regie schließlich so weit, dass das Team im ligaweiten Vergleich mit seinem PDDA in der Kategorie drittbestes Team war. Ob erfolgreich oder nicht, das Motto "Intensity is our identity" wird wieder umgesetzt werden. Inwiefern das Team damit die Dreifachbelastung durchhalten kann und insgesamt erfolgreich ist, werden wir sehen.


Bayern-Connection?


Die großen Probleme des Martín Demichelis

Hier muss man die Abstimmung zwischen den einzelnen Ketten nennen. Zu häufig kam es zu Unstimmigkeiten zwischen den einzelnen Reihen beim Spielaufbau, wodurch gefährliche Ballverluste entstanden, welche der erfolgsorientierten Mannschaft um die Ohren flogen.

Auch die hochstehenden Außenverteidiger sorgten immer wieder für Herzrasen der argentinischen Fans. Sei es bei individuellen Problemen bei der Ballannahme oder bei fehlenden Passoptionen in der Mitte, waren gerade die Außen ein häufiges Pressingopfer und aus der eigentlichen offensiven Idee wurde ein defensives Fiasko. Für dieses Spiel braucht Demichelis nicht nur eine Geschlossenheit zwischen den Ketten, sondern auch individuell starke Außenverteidiger und Flügel, die sich auch mal gegen ein/zwei Gegner durchsetzen können.

Demichelis stellt innerhalb einer Saison immer wieder seine Mannschaft neu ein und versucht so auf die entstandenen Probleme zu reagieren. Was jedoch gleichbleibend in der Vergangenheit war, dass die Flügel (Flügelspieler und hoch schiebende Außenverteidiger) eine besondere Rolle im Offensivspiel hatten und dadurch eine höhere Abhängigkeit von deren Leistung entstand. Dies ist gerade ein Problem, welches RB unter Werner auch immer wieder hatte. Ohne die individuelle Leistung von Diamonde, Nusa oder Baumgartner, wäre der Weg in die Königsklasse deutlich schwieriger geworden.

Auch im Gegenpressing gelang es Demichelis bislang häufig nicht, die einzelnen Ketten aufeinander abzustimmen, wodurch immer wieder die hohe Pressinglinie durchbrochen werden konnte, was schnell zu gefährlichen Situationen in der eigenen Hälfte führte.

Von außen schwer zu beurteilen, aber es wird ihm ebenfalls nachgesagt, dass er mit starken Persönlichkeiten im Kader aneinandergeraten kann und dann das Klima mit dem Team kippen kann. Auch gegenüber Medienvertreter wird es wohl weniger kuschlig im Vergleich zu Werner oder Rose zugehen, wenn man diesen Ausschnitt der Pressekonferenz sieht. 


Micho kann auch zum grantelnden Gaucho werden...


Die Stationen mit Höhen und Tiefen

Seine ersten Schritte als Trainer machte Demichelis beim FC Malaga, damals noch als Co-Trainer von Jose Miguel Gonzáles. Über die U19 und die zweite Mannschaft vom FC Bayern kam Demichelis zu seiner ersten Station als Profitrainer bei seinem Jugendverein River Plate. Das große Erbe, welches er antrat, konnte er zwar in seinem ersten Jahr mit der Meisterschaft feiern. Ein Jahr später trennte man sich jedoch wieder voneinander. Der Grund dafür war der große Erfolgsdruck, welche von Vereins- und Fanseiten auf Demichelis einwirkte.
2026 kam er 12 Spieltage vor Schluss dann zu seiner letzten Stelle beim abstiegsbedrohten RCD Mallorca. Trotz guter Ergebnisse (Punkteschnitt von 1,5) und einer Verlängerung seines Kontrakts stieg man in die zweite spanische Liga ab.

Betrachtet man die Stationen, so fällt direkt auf, dass es kaum ein langfristiges Zusammenarbeiten war und er zwar viele Ansätze zeigte, diese jedoch nicht langfristig von Erfolg waren. Besonders die Zeit bei River Plate verdeutlicht dies. Eben dieses passt auch zu den Problemen, mit welchen seine Mannschaften zu kämpfen hatten. Gute Ansätze, nur bedingter Erfolg.


Mehr Pressing dürfte garantiert sein.


Ein würdiger Nachfolger?

Der Bruch mit Werner begründete sich primär auf die unterschiedlichen Vorstellungen der Spielphilosophie. Hier scheint Demichelis genau das zu sein, was sich Klopp und im Allgemeinen der Red Bull Kosmos vorstellt. Hohes Pressing, intensives Spiel mit und gegen den Ball. Zudem passt seine Arbeit auch zu den Anforderungen des RB-Kaders. Mit Baku und Raum hat man genau die Außenverteidiger, die offensiv nötige Impulse setzen können. Über die Flügelspieler mit Diamonde, Nusa und auch einem Bakayoko muss man gar nicht sprechen. Bei RB wird er zudem einen deutlich stärkeren Kader zur Verfügung haben, welcher die ganzen individuellen Fehler minimieren wird und besser zu seinem Spielstil passen könnte. Ein großer Kritikpunkt an Werner war auch, dass er die Mannschaft zu wenig auf die Gegner einstellen würde. Hier scheint Demichelis deutlich flexibler zu sein.

Doch auch in seinem Spielansatz birgt sich die große Gefahr. Raum und Baku sind beide nicht für ihre Defensivkünste bekannt und eben diese Außenverteidiger waren im Spielaufbau von Demichelis häufig ein Problem. Ebenso konnte er seine Idee zu selten auf die gesamte Mannschaft übertragen. Die Abstimmungen zwischen den einzelnen Reihen fehlte, wodurch die Mannschaft defensiv instabil wurde. Hier bleibt zu hinterfragen, ob er dies in Leipzig besser hinbekommen kann. Zudem wird er ab Tag eins an liefern müssen. Er übernimmt hier kein Team im Umbau, sondern eine Mannschaft, die in der letzten Saison zusammengefunden hat und auf die nächste Stufe gehoben werden soll. Was passiert, wenn es in den ersten Spielen nicht gut läuft? Demichelis wird sich mit Werner messen lassen müssen und auch die Verantwortlichen werden im medialen Fokus stehen. Mit dem Leipziger Danny Röhl wurde bereits ein potenzieller Nachfolger in Salzburg als Chef-Trainer installiert. 

Am Ende war Ole Werner eine sichere Bank, um die Mindestziele des Vereins zu erreichen. Mit Demichelis geht die Führungsetage eine Wette ein, die zu maximalem Erfolg führen kann, aber am Ende auch eben eine Wette ist. Man kann den Verein für seinen Umgang mit Werner kritisieren und definitiv auch mit Skepsis an den neuen Cheftrainer herangehen. Gleichzeitig muss man manchmal aber auch genau diese Wetten eingehen, um den nächsten Schritt zu machen.

Wir wünschen Martín Demichelis maximalen Erfolg!


Alex Hell

Quellen: 
Kicker, Transfermarkt.de, Spielverlagerung.de, Bild, fußballtraining.de