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Standesgemäßer Sieg vor dem Traininglager

Standesgemäßer Sieg vor dem Traininglager

Gastautor Tobias Vettermann fasst das 4:0-Testspiel von RB Leipzig gegen den SC Verl zusammen und gibt einen Überblick über die aktuellen Kaderfragen, das bevorstehende Trainingslager in Saalfelden und die Erwartungen an die neue Saison unter Trainer Martín Demichelis.

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Das Testspiel gegen Verl

Am heutigen Samstagmittag standen sich auf dem Trainingsplatz am Cottaweg der immer noch recht große Kader von RasenBallsport Leipzig und der motivierte Drittligist SC Verl gegenüber, für letzteren war es der finale Test vor dem Pflichtspielauftakt. Nach den letzten zwei Testspielen gegen Berlin und Ingolstadt, welche zwar siegreich gestaltet werden konnten, jedoch hinter den Erwartungen vieler Fans zurückblieben, war die Demichelis-Elf heute sichtlich motiviert, den trotz unterirdischer Wetterverhältnisse zahlreich angereisten Leipzig-Fans das Wochenende mit ein wenig Fußball-Magie zu versüßen.

Mit fünf Wechseln im Gegensatz zur letzten Startaufstellung rotierte der argentinische Cheftrainer, wie in einer Vorbereitung typisch, ordentlich durch und setzte damit wieder auf die Mischung zwischen jungen Wilden und erfahrener Routine. Der SC Verl trat unter anderem mit Leipzig-Leihgabe Timo Schlieck und dem wuseligen 10er Bilal Yalçınkaya nahezu in Bestbesetzung auf.

Das über 2 × 60 Minuten angesetzte Spiel startete sehr munter und angriffslustig mit Chancen auf beiden Seiten. RB Leipzig war hier von Beginn an die Mannschaft, welche immer wieder über die Außenverteidiger Lukas Klostermann links und Kapitän Benjamin Henrichs rechts anlief und die schnellen Flügel Samba Konaté links und Johan Bakayoko bediente, um permanente Gefahr auszustrahlen. Diese führte zwar auch zu diversen Großchancen durch Rômulo (18.), Maksimović (24.), Bakayoko (5., 37.) und Vermeeren (51.), brachte aber leider nicht den erwünschten Torerfolg mit sich.

Aber auch der SC Verl hatte in den ersten 60 Minuten mehr als nur ein Bein im Spiel. Durch schöne Kombinationen aus dem Halbfeld, welche zumeist auf ihrem Power-10er Yalçınkaya endeten, brachte das Team von Orest Shala die Innenverteidigung der Roten Bullen, bestehend aus Neuzugang Maxime Estève und Castello Lukeba, nicht nur einmal in ernsthafte Bedrängnis. Auch die 6er-/8er-Position der Leipziger um Vermeeren, Maksimović und WM-Fahrer Assan Ouédraogo war des Öfteren gefordert, gefährliche Aufbauspiele der Verler im Keim zu ersticken.



Nach dem ersten Hydration-Break kippte das Spiel dann aber merkbar immer wieder in die Richtung der Hausherren, wurde aber damit leider ärmer an Höhepunkten. Nach gespielten 60 Minuten, als alle schon mit dem Kopf in der Pause waren, schlug Maksimović die letzte Aktion der ersten Hälfte, eine Ecke in den Strafraum, welche in erster Instanz zwar geklärt werden konnte. Der zweite Ball landete über Umwege erneut beim jungen Serben, welcher wiederum eine Flanke in den Strafraum schlug. Diese landete mit Umwegen auf dem Schlappen von Lukas Klostermann, welcher unbedrängt ins kurze Eck einschieben konnte. Mit dem Halbzeitpfiff ging RB Leipzig also mit 1:0 in Führung und das ging zu dem Zeitpunkt dann doch mehr als in Ordnung.

Die Halbzeitpause nutzte Demichelis, um das Personal auf dem Feld einmal komplett auszutauschen. Mit u. a. Nicolas Seiwald und Ridle Baku fanden auch sehr routinierte Spieler den Weg aufs Grün, welches durch gießenden Regen bewässert wurde. Und die hinzukommende Routine machte sich auch sehr zügig bemerkbar.

Bereits nach 11 Minuten im zweiten Durchgang war Nationalspieler Ridle Baku nach einem schönen Kombinationsspiel im Zentrum über Harder und Gruda zur Stelle und netzte zum zweiten Mal ein. Bereits eine knappe Viertelstunde später war es nach einer guten individuellen Eroberung der Niederländer Ezechiel Banzuzi, welcher dem jungen Hüter Timo Schlieck zum 3:0 keine Chance ließ und die Entscheidung erzielte. In der Folge plätscherte im wahrsten Sinne des Wortes das Spiel ein wenig vor sich hin mit mehreren Halbchancen auf beiden Seiten.

Den Schlusspunkt setzte die neue Nummer 9, der Däne Conrad Harder, welcher in der letzten Aktion des Spiels einen Kann-Elfmeter in die Ecke setzte. Der Endstand eines besonders in den Mitten der beiden Halbzeiten wirklich unterhaltsamen Spiels war also 4:0 für den Champions-League-Teilnehmer aus Leipzig.


Wie geht es weiter?

Direkt im Anschluss an das Testspiel machte sich die Mannschaft um Coach Demichelis auf den Weg ins österreichische Saalfelden, wo bis zum Freitag kommende Woche das Trainingslager der Roten Bullen stattfinden wird. Für Schaulustige wird es am Sonntag und am Dienstag ein öffentliches Training geben, bevor es dann direkt ins Vereinigte Königreich geht, um ein Testspiel gegen den Schwesterverein aus dem Red-Bull-Imperium Leeds United zu bestreiten. Es folgen die entscheidenden Wochen in der Vorbereitung, weitere Kaderentscheidungen werden getroffen, Rollen festgelegt und Pläne geschmiedet. Verkleinert sich der Kader noch? Was ist mit weiteren Neuzugängen? „Spätestens zum letzten Test vor dem ersten Pflichtspiel, welcher beim Deutschen Rekordmeister in der bayerischen Landeshauptstadt stattfinden wird, sollen alle Kaderfragen geklärt sein“, so der Geschäftsführer Sport Marcel Schäfer gegenüber der Süddeutschen Zeitung.


Micho sah einen guten Test.

Micho sah einen guten Test.


Was wird im Kader noch passieren?

Die beiden heißesten Abgangskandidaten sind, wie aus mehreren Medien bekannt, Torwart-Veteran Péter Gulácsi und Shootingstar Yan Diomande, beide werden nicht mit ins Trainingslager reisen. Der bekannte Transferschnüffler Fabrizio Romano vermeldete in beiden Fällen sein berühmtes „Here we go“, was als nahezu sichere Bestätigung zu werten ist. Beide Transfers sollen zeitnah über die Bühne gehen.

Weitere Kandidaten für einen Abgang sind einerseits Dauerleihgabe Eljif Elmas, welcher seit seiner Rückkehr nach wie vor nicht überzeugen konnte, sowie die beiden französischen Innenverteidiger Castello Lukeba und Chad Bitshiabu, welche ein Einverständnis zum Wechsel seitens des Vereins haben. Bei den beiden Innenverteidigern Lutsharel Geertruida und Willi Orban standen die Zeichen zuletzt auf Abschied, hier sprach Marcel Schäfer aufgrund der angespannten Verletzungssituation auf dieser Position ein Wechselverbot aus, welches wohl immer noch Bestand hat.

Im Bezug auf Zugänge hat Marcel Schäfer mit seinem Team ja bereits sehr gute Arbeit geleistet. Mit Rocco Reitz, Maxime Estève und Ota Yamamoto wurden bereits drei vielversprechende Spieler verpflichtet, Koné war ja bereits seit dem Winter fix. Aktuell wird, sofern man den Medien glauben mag, mit N Fisnik Asllani aus Hoffenheim an einem weiteren vielversprechenden Transfer gearbeitet. Asllani hat in seinem Vertrag eine Klausel, welche Marcel Schäfer und sein Team noch bis zum 01.09. ziehen kann. Auch der ehemalige Leipziger Ørjan Nyland steht im wahrscheinlichen Fall des Gulácsi-Wechsels als Free Agent in den Startlöchern, um an seine alte Wirkungsstätte zurückzukehren.


Harder haderte lang, traf aber mit dem Schlusspfiff per Elfer.

Harder haderte lang, traf aber mit dem Schlusspfiff per Elfer.


Was können die Fans in der neuen Saison erwarten?

Nach einem Jahr Zwangspause ist man wieder für das internationale Geschäft qualifiziert. Man hat besonders ab dem Spielende des 33. Spieltages der letzten Saison gesehen, was da für ein Stein von sämtlichen Herzen gefallen ist. Aber es ist ein Glück und ein Risiko zugleich. Natürlich motiviert die Champions League als Wettbewerb jeden Spieler ungemein und man geht mit einem anderen Selbstverständnis und einer anderen Mentalität in die Spiele und ja, man war in der letzten Saison nah am Punkterekord.

Aber Vorsicht: Es gab letztes Jahr nur wenige englische Wochen, deutlich weniger individuelle Belastung, weshalb ein noch befreiteres Aufspielen möglich war, das wird nun etwas anders werden. Auch die Tatsache, dass sich das Demichelis-System erst einspielen muss und noch einige Veränderungen im Kader zu erwarten sind, werden logischerweise ein wenig „wackelige Beine“ zur Folge haben. Man muss mit der Mannschaft auf jeden Fall Geduld haben, es kann und wird nicht alles von Anfang an auf Champions-League-Sieger-Niveau funktionieren, das ist absolut normal. Anhand der spielerischen Fähigkeiten individuell und dem herausragend guten Teamgefüge ist aber eine erfolgreiche Saison sehr realistisch. Darauf können wir uns sicher alle freuen.



Fazit und Ausblick

Spielerisch hat die Mannschaft heute gezeigt, dass sie zwar immer noch einiges an Entwicklung vor sich hat und dass sich auch im Selbstverständnis vieler Spieler etwas ändern muss, der Weg und die Entwicklung sind aber deutlich positiv und man hatte nie einen Zweifel, welche Mannschaft als Sieger vom Platz gehen wird. In Saalfelden wird das Team hart und zielgerichtet arbeiten, um gegen Leeds das erste Mal in Vollbesetzung zu zeigen, was in ihnen steckt. Für die Champions League ist ein breiter Kader notwendig, deshalb ist jeder Spieler wichtig, das hat Demichelis von Anfang an betont. Wir können mit Vorfreude auf ein großes und entscheidendes Jahr der Vereinsgeschichte blicken.

Auf dass die Mannschaft das erreicht, was sie sich vorstellt, eines bleibt sicher … wir Fans sind und bleiben ein entscheidender Teil des Erfolgs und werden wie immer Heim und Auswärts alles geben.


Für die Stadt, für den Verein, für RasenBall.

Einmal Leipzig, immer Leipzig.

Spiel
RB Leipzig vs. SC Verl
Ergebnis
4:0 (1:0)
Aufstellung RB Leipzig
Vandevoordt (61. Zingerle) - Henrichs (61. Baku), Esteve (61. Geertruida), Lukeba (46. Bitshiabu), Klostermann (61. Masanka-Bungi) - Vermeeren (61. Seiwald) - Maksimovic (61. Gruda), Ouedraogo (61. Banzuzi) - Bakayoko (61. Gomis), Romulo (61. Harder), Konaté (39. Thomas/85. Sani)
Ersatzbank RB Leipzig
N/A
Aufstellung SC Verl
N/A
Ersatzbank SC Verl
N/A
Torschützen
1:0 Klostermann (60.), 2:0 Baku (83.), 3:0 Banzuzi (88.), 4:0 Harder (120.+1) FE
Torschüsse
0 / 0
Schüsse aufs Tor
N/A
Expected Goals (xG)
N/A
Ballbesitz
N/A
Passquote
N/A
Zweikampfquote
N/A
Laufstrecke (km)
N/A
Ecken
0 / 0
Fouls
0 / 0
Abseits
0 / 0
Schiedsrichter
Michael Näther (Neschwitz)
Spielort
RBL-Trainingszentrum am Cottaweg
Zuschauer
0