Sechs Tage ganz nah dran
Inhalt
- Tor
- Maarten Vandevoordt – 4/5
- Ørjan Nyland – 4/5
- Leopold Zingerle – 3/5
- János Kányai und Elian Hähner – außer Wertung
- Abwehr
- Willi Orbán – außer Wertung
- Lukas Klostermann – außer Wertung
- Maxime Estève – 5/5
- Castello Lukeba – 4/5
- El Chadaille Bitshiabu – 3/5
- Abdoul Koné – außer Wertung
- Lutsharel Geertruida – 4/5
- Benjamin Henrichs – 3/5
- Ridle Baku – 4,5/5
- David Raum – 4/5
- Max Finkgräfe – 4/5
- Joyeux Masanka Bungi – 4/5
- Defensives und zentrales Mittelfeld
- Nicolas Seiwald – 5/5
- Arthur Vermeeren – 4/5
- Ezechiel Banzuzi – 4/5
- Assan Ouédraogo – 4,5/5
- Rocco Reitz – 3,5/5
- Benno Kaltefleiter – 4/5
- Offensives Mittelfeld
- Christoph Baumgartner – außer Wertung
- Eljif Elmas – 3/5
- Andrija Maksimović – 3,5/5
- Brajan Gruda – 5/5
- Viggo Gebel – 4/5
- Sturm und offensive Außenbahnen
- Antonio Nusa – außer Wertung
- Johan Bakayoko – 4/5
- Tidiam Gomis – 4/5
- Rômulo – 3/5
- Conrad Harder – 4/5
- Ayodele Thomas – 3/5
- Suleman Sani – 3,5/5
- Samba Konaté – 4/5
- Was bleibt?
Das Trainingslager ist vorbei. Für mich gab es sechs Tage Saalfelden, fast jede Einheit am Platz, Trainingsspiele, Gespräche und viele kleine Szenen, die in keinem Liveticker auftauchen. Zeit, die Eindrücke zu sortieren und jeden Spieler einmal einzeln anzuschauen.
Wobei ich mich schon gefragt habe: Wer bin ich eigentlich, hier Noten zu verteilen? Ich bin eher Stammtisch-Trainer, kenne weder alle Vorgaben noch interne Leistungsdaten und sehe vom Rand immer nur einen Ausschnitt. Zwei Menschen können dieselbe Einheit verfolgen und am Ende zu völlig unterschiedlichen Urteilen kommen. Das ist beim Fußball eher die Regel als die Ausnahme. Trotzdem wollte ich meine Beobachtungen nicht bei „gut“, „auffällig“ oder „eher schwierig“ stehen lassen. Die Skala von eins bis fünf hilft mir, das Gesehene für mich einzuordnen. Mehr nicht. Sie ist kein endgültiges Urteil über Qualität, Charakter oder Karriere. Ein Nachwuchsspieler mit einer Vier ist selbstverständlich nicht automatisch weiter als ein gestandener Profi mit einer Drei. Bewertet wird der jeweilige Eindruck innerhalb der eigenen Rolle und des aktuellen Entwicklungsstands. Einige Spieler waren verletzt, andere stiegen erst spät ein. Dort wäre eine Note schlicht unseriös gewesen. Und natürlich bleibt ein Trainingslager ein geschützter Raum. Pflichtspiele, Ergebnisdruck und eine volle Bundesliga-Arena lassen sich nicht simulieren.
Ein Dank geht noch einmal an RB Leipzig. Dass ich als Vertreter für RB-Fans.de bei nahezu jeder Einheit dabei sein konnte und über alle Abläufe und Planänderungen proaktiv informiert wurde, ist nicht selbstverständlich. Es war nicht das erste Trainingslager, das ich begleiten durfte. Gerade deshalb fällt auf, wie der Verein auch in diesem Bereich Schritte macht: professioneller im Auftritt, verbindlicher im Umgang und offener in der Kommunikation.
Genug der Vorrede. Rein ins persönliche Saalfelden-Zeugnis.
Zur Einordnung: 5/5 = herausragender Trainingslager-Eindruck, 4/5 = stark, 3/5 = solide oder mit klaren Fragezeichen. Zwischennoten sind möglich. „Außer Wertung“ bedeutet: Für eine faire sportliche Note gab es zu wenig belastbare Eindrücke.
Tor
Maarten Vandevoordt – 4/5
Nach dem Abgang von Péter Gulácsi war Maarten Vandevoordt in Saalfelden zunächst die unangefochtene Nummer eins. Mit der Rückkehr von Ørjan Nyland ist wieder echter Konkurrenzdruck da. An der Hierarchie dürfte das vorerst wenig ändern.
Vandevoordt wirkte solide und unaufgeregt. In den Trainingsspielen gab er Kommandos, organisierte seine Vorderleute und zeigte erneut seine größte Stärke: das Spiel mit dem Ball. Ruhig im Aufbau, sauber in der Spieleröffnung und auch unter Druck selten hektisch. Spektakulär musste er nicht werden. Er strahlte eher aus, dass er bereit ist, die neue Verantwortung anzunehmen.
Ausblick: Klare Nummer eins.
Ørjan Nyland – 4/5
Kaum zurück, war Ørjan Nyland sofort wieder mittendrin. Er kannte die Mannschaft, sprach die Spieler mit Namen an und wirkte nicht wie ein Neuzugang, sondern wie jemand, der seinen Platz in dieser Gruppe längst gefunden hat.
In den Trainingsspielen war er permanent zu hören. Mehr und lauter als Vandevoordt, ständig am Dirigieren, immer mit Energie. Sportlich ist seine Rolle zunächst klar: Nummer zwei. Seine Ausstrahlung ist trotzdem die eines Stammtorhüters. Nach Gulácsis Abgang könnte er zu einer Art grauer Eminenz werden – als erfahrener Rückhalt, wichtiger Faktor für die Kabine und ernsthafte Absicherung.
Ausblick: Klare Nummer zwei mit Nummer-eins-Ausstrahlung.
Leopold Zingerle – 3/5
Leopold Zingerle präsentierte sich gewohnt professionell. Er kennt seine Rolle als Nummer drei, akzeptiert sie und vermittelt trotzdem nie den Eindruck, nur mitzulaufen.
Wenn er gebraucht wird, ist er da. Große Schlagzeilen entstehen daraus nicht. Für eine funktionierende Torwartgruppe sind Spieler mit genau dieser Haltung dennoch wichtig.
Ausblick: Verlässliche Nummer drei.
János Kányai und Elian Hähner – außer Wertung
Für János Kányai und Elian Hähner ging es weniger um eine unmittelbare sportliche Bewertung als um das Kennenlernen des Profialltags. Beide durften mit den etablierten Torhütern arbeiten und erleben, was rund um eine Bundesligamannschaft dazugehört.
Dazu zählen eben nicht nur Training und Kabine. Medien, Zuschauer, Autogramme und dauerhafte öffentliche Aufmerksamkeit sind Teil dieses Umfelds. Für beide war Saalfelden vor allem eine wertvolle Erfahrung.
Ausblick: Weitere Entwicklung im Nachwuchsbereich.

Abwehr
Willi Orbán – außer Wertung
Bei Willi Orbán fällt mir die Objektivität schwer. Zu sehr steht er für eine Leipziger Ära, die ich mit diesem Verein verbinde – für einen Kern, der über Jahre mit RB gewachsen ist. In Saalfelden war Orbán allerdings fast ausschließlich individuell unterwegs. Eine faire sportliche Note wäre deshalb Unsinn.
Was bleibt, ist ein Gefühl: Nach dem Abgang von Péter Gulácsi ist von der alten Achse kaum noch etwas übrig. Eine sportliche Epoche geht tatsächlich zu Ende. Marcel Schäfer betonte während unserer Medienrunde trotzdem Orbáns Bedeutung für Mannschaft und Kabine. Gleichzeitig halten sich die Gerüchte um seine Zukunft.
Ausblick: Wichtiger Führungsspieler; ein später Wechsel bleibt dennoch möglich.
Lukas Klostermann – außer Wertung
Auch Lukas Klostermann war kaum im Mannschaftstraining zu sehen. Eine Trainingslagernote wäre daher nicht fair. Ähnlich wie Orbán steht er für eine Leipziger Generation, die den Verein über viele Jahre geprägt hat.
Sportlich ist seine Lage allerdings klarer. Die Einsatzzeiten wurden weniger, auf keiner seiner Positionen reichte es zuletzt noch dauerhaft für die erste Elf. Als Backup war er meist solide und durch seine Vielseitigkeit weiterhin wertvoll. Für einen erfahrenen Spieler aus der alten Garde dürfte diese Rolle sportlich und wirtschaftlich auf Dauer aber zu klein sein.
Ausblick: Wechselkandidat, sofern ein passender Abnehmer gefunden wird.
Maxime Estève – 5/5
Maxime Estève ist für mich einer der großen Gewinner dieses Trainingslagers. Natürlich fehlt der Nachweis im Pflichtspiel. Der erste Eindruck fällt trotzdem außergewöhnlich stark aus.
Estève besitzt eine natürliche Präsenz, ist bereits sichtbar in die Gruppe integriert und übernimmt Verantwortung. In den Spielformen gab er viele Kommandos, dirigierte Mitspieler und ließ seine Erfahrung erkennen. Durch die Verletzung von Orbán und Koné wurde er als Linksbeiner bisher auf der rechten Seite der Innenverteidigung eingesetzt. Auch dort wirkte er sicher, konzentriert und nahezu fehlerfrei.
Für ein endgültiges Transferurteil ist es zu früh. Nach Saalfelden spricht aber einiges dafür, dass RB nicht nur einen neuen Stammspieler, sondern einen künftigen Führungsspieler verpflichtet hat.
Ausblick: Erste Elf; möglicher neuer Abwehrchef.
Castello Lukeba – 4/5
Castello Lukeba ist Teil der auffallend großen und sehr präsenten französischsprachigen Gruppe. Die Spieler suchen häufig die Nähe zueinander und verbringen viel Zeit gemeinsam. Das ist zunächst weder positiv noch negativ. Auffällig ist es trotzdem.
Sportlich bleibt Lukeba einer der stärksten Verteidiger im Kader. Auch in den Trainingsspielen bestach er durch seine Eleganz am Ball, seine Ruhe im Aufbau und die Fähigkeit, Drucksituationen spielerisch aufzulösen. Bei ihm sieht manches selbstverständlich aus, das bei anderen Innenverteidigern nach schwerer Arbeit aussieht.
Ausblick: Klare Stammkraft, sofern kein wirklich überzeugendes Angebot eingeht.
El Chadaille Bitshiabu – 3/5
El Chadaille Bitshiabu bleibt der sanfte, noch immer unvollendete Riese. Vielleicht manchmal sogar etwas zu sanft für einen Innenverteidiger mit diesen körperlichen Voraussetzungen.
Gerade in Trainingsspielen zeigt er regelmäßig, was eigentlich in ihm steckt. Dann löst er sich mit erstaunlich sauberen Dribblings aus engen Situationen oder überspielt mit seinem linken Fuß mehrere Linien. Dieser Eröffnungsfuß ist eine Waffe. Technisch, körperlich und vom Profil her hätte Bitshiabu beinahe alles.
Das bekannte Problem: Auf starke Szenen folgen weiterhin Momente, die kaum zu erklären sind. Diese Fehler verhindern bis heute, dass aus seinem großen Potenzial eine verlässliche Stammkraft wird.
Ausblick: Der Durchbruch muss jetzt kommen; andernfalls ist ein Wechsel realistisch.
Abdoul Koné – außer Wertung
Für Abdoul Koné war dieses Trainingslager sportlich nicht zu bewerten. Seine Verletzung ließ keine belastbaren Eindrücke im Mannschaftstraining oder in den Spielformen zu. Besonders bitter, weil er zu den Spielern gehörte, auf die ich in Saalfelden besonders gespannt war.
Abseits des Platzes hinterließ er einen sympathischen Eindruck. Offen, freundlich und jemand, der konsequent grüßt – unabhängig davon, wer ihm begegnet. Eine kleine Beobachtung, die selbstverständlich sein sollte, es aber nicht immer ist.
Ausblick: Rehabilitation und behutsamer Aufbau.
Lutsharel Geertruida – 4/5
„Lutsha, Lutsha ...“ Kaum ein Feldspieler wurde von Martín Demichelis so häufig angesprochen. Immer wieder gab es Korrekturen, Hinweise und taktische Anweisungen. Das muss keineswegs negativ sein. Es zeigt vor allem, dass der Trainer intensiv mit ihm arbeitet und ihm innerhalb seiner Idee vielleicht eine wichtige Funktion zutraut.
Geertruida selbst machte einen professionellen Eindruck. Engagiert, aufnahmefähig und mit guter Ausstrahlung. Trotzdem blieb bei mir ein persönlicher Eindruck hängen: Er wirkte nicht immer so unbeschwert wie einige seiner Mitspieler. Mehr lässt sich daraus von außen nicht seriös ableiten.
Ausblick: Sportlich klarer Profikaderspieler; bei einem guten Markt aber realistischer Wechselkandidat.
Benjamin Henrichs – 3/5
Benjamin Henrichs ist für mich einer der wichtigsten Verbindungsspieler dieser Mannschaft – und das nicht nur auf dem Platz. In Saalfelden hatte ich immer wieder den Eindruck, dass er zwischen der großen französischsprachigen Gruppe und dem übrigen Kader vermittelt. Er sucht den Austausch mit allen und bewegt sich selbstverständlich zwischen den verschiedenen Grüppchen.
Sportlich arbeitete Henrichs konzentriert und gewohnt professionell. Nicht spektakulär, aber solide. Die entscheidende Frage ist, wie gut sein Profil langfristig in das Spiel von Demichelis passt. Gleichzeitig zeigt sein Beispiel, dass sich der Wert eines Spielers nicht allein an Minuten oder Torbeteiligungen messen lässt.
Ausblick: Wichtiger Verbindungsspieler; sportliche Rolle unter Demichelis noch offen.
Ridle Baku – 4,5/5
Ridle Baku gehörte zu den auffälligsten Spielern des Trainingslagers. Körperlich wirkt er in einer beeindruckenden Verfassung: kraftvoll, mit niedrigem Schwerpunkt und einer Dynamik, die in nahezu jeder Einheit sichtbar wurde.
Egal ob Vollsprint nach vorne oder sofortiges Umschalten zurück – Baku schien kaum an Intensität zu verlieren. Eine kleine Maschine. Gerade in den Übungen, in denen Gegenpressing, Laufbereitschaft und permanente Richtungswechsel gefragt waren, kam ihm dieses Profil entgegen.
Ausblick: Sehr gute Voraussetzungen für eine wichtige Rolle im System von Demichelis.
David Raum – 4/5
David Raum kam nach seiner späten WM-Rückkehr in Saalfelden behutsam rein. Er war in jeder Einheit präsent, arbeitete mit hoher Intensität und war auch in den Trainingsspielen voll eingebunden.
Dabei zeigte er sich gewohnt emotional, forderte Mitspieler, diskutierte Situationen und ließ deutlich erkennen, wenn ihm etwas nicht gefiel. Das gehört zu ihm. Als Kapitän der vergangenen Saison übernahm Raum auch im Trainingslager Verantwortung.
Spannend bleibt sein weiterer Weg. Er kann weiterhin eines der Gesichter dieser Mannschaft sein. Ebenso wäre nachvollziehbar, wenn er im letzten Drittel seiner Karriere noch einmal seinen Traum von der Premier League verfolgen möchte.
Ausblick: Klare Stammkraft und Führungsspieler; bei einem außergewöhnlichen Angebot bleibt vieles denkbar.
Max Finkgräfe – 4/5
Max Finkgräfe gehörte für mich zu den positiven Überraschungen. Vor allem körperlich machte er einen deutlich austrainierteren Eindruck, als ich ihn in Erinnerung hatte. Vielleicht hat er noch einmal zugelegt. Vielleicht wirkt es vor Ort einfach anders. Auffällig war es in jedem Fall.
Auch innerhalb der Mannschaft trat Finkgräfe selbstbewusst auf. Er sprach viel, suchte die Kommunikation und ließ sich nicht unterbuttern. Er vermittelte nie den Eindruck, sich dauerhaft mit einer Ergänzungsrolle zufriedengeben zu wollen. Ein guter Bursche, der seinen Platz aktiv einfordert.
Ausblick: Ernsthafter Herausforderer mit Ambitionen auf mehr.
Joyeux Masanka Bungi – 4/5
Joyeux Masanka Bungi gehört zu den Nachwuchsspielern, die neugierig gemacht haben. Er bringt auf der linken Abwehrseite körperlich, athletisch und fußballerisch vielversprechende Voraussetzungen mit.
Der Schritt in den Profifußball ist noch groß. In Saalfelden ließ er aber erkennen, warum er bereits in diesem Umfeld trainieren darf. Für seine Entwicklung ist regelmäßige Spielpraxis nun wichtiger als ein dauerhafter Platz auf der Profibank.
Ausblick: U19 und U21 Talent Series; mittelfristig Kandidat für die erste Mannschaft.

Defensives und zentrales Mittelfeld
Nicolas Seiwald – 5/5
Nicolas Seiwald hinterlässt inzwischen beinahe unabhängig von der Trainingsform einen starken Eindruck. Ob Trainingsspiel, Positionsübung oder Umschaltform: Er wirkt routiniert, klar und verlässlich.
Seiwald hat sich in den vergangenen Jahren stetig nach vorne entwickelt. Er ist ein zentraler Teil des Maschinenraums und besetzt eine der wichtigsten Positionen der Mannschaft. Ein Lautsprecher ist er weiterhin nicht. Er führt nicht über große Gesten. Trotzdem war spürbar, dass ihm die Gruppe Respekt entgegenbringt. Seine Autorität entsteht über Leistung, Konstanz und Verlässlichkeit.
Ausblick: Schlüsselspieler im Maschinenraum.
Arthur Vermeeren – 4/5
Ach Arthur. Kaum ein Spieler macht es mir so schwer wie Arthur Vermeeren. Ich mag seinen Spielertyp unheimlich. Für mich bringt er fast alles mit, um auf der Sechs zu glänzen.
Sein erster Kontakt ist hervorragend, er bewahrt unter Druck Ruhe und findet im Passspiel gute Lösungen. Gerade mit dem Ball sieht vieles leicht und selbstverständlich aus. Und doch bleibt derselbe Eindruck: Vermeeren ist präsenter geworden, sucht häufiger den Ball und wirkt selbstbewusster. Trotzdem fehlt noch der letzte Schritt.
Die Sechs ist mehr als eine spielerische Position. Sie verlangt Orientierung, Kommunikation und die Fähigkeit, eine Mannschaft zu lenken. Genau dort liegt seine größte Baustelle.
Ausblick: Herausforderer mit großem Potenzial; je nach Planung und Markt auch Leihe oder Verkauf denkbar.
Ezechiel Banzuzi – 4/5
Bei Ezechiel Banzuzi könnte ich manchmal verzweifeln. Nicht, weil er zu wenig mitbringt – sondern weil er eigentlich fast alles besitzt. Seine Mischung aus Größe, Physis, Dynamik, Technik und Geschwindigkeit ist außergewöhnlich. Spieler mit diesem Profil findet man nicht an jeder Ecke.
Gerade deshalb fallen die Momente umso mehr auf, in denen er sich selbst aus dem Rhythmus bringt. Unter Gegnerdruck verspringt plötzlich der erste Kontakt, er zögert einen Moment zu lange oder bleibt nach einer misslungenen Aktion stehen, weil er sich über sich selbst ärgert.
Wenn er diese Brüche aus seinem Spiel bekommt, nach Fehlern schneller wieder in die nächste Aktion findet und dauerhaft fokussiert bleibt, kann aus ihm ein besonderer Box-to-Box-Spieler werden. Dieses Profil sollte man sich bewahren.
Ausblick: Weiter mit ihm arbeiten; mittelfristig ist deutlich mehr als eine Ergänzungsrolle möglich.
Assan Ouédraogo – 4,5/5
Bis zu seiner Schulterverletzung kurz vor dem Ende der Mittwochseinheit gehörte Assan Ouédraogo für mich zu den stärksten Spielern des Trainingslagers.
Er bringt die Physis mit, besitzt die Technik für enge Räume und versteht das Spiel. Ouédraogo kann sich unter Druck behaupten, Dynamik entwickeln und Situationen spielerisch lösen. Er ist längst kein Talent mehr, bei dem nur einzelne Ansätze sichtbar werden. Bleibt er gesund, kann er dieser Mannschaft sofort helfen.
Und genau dort liegt das große Fragezeichen. Nicht seine Qualität entscheidet darüber, wie weit er kommt, sondern die Frage, ob sein Körper ihm endlich eine längere, störungsfreie Phase erlaubt.
Ausblick: Bei Fitness möglicher Leistungsträger.
Rocco Reitz – 3,5/5
Rocco Reitz startete nach seinem schweren Infekt zunächst im Aufbautraining. Am Mittwoch und Donnerstag konnte er bereits wieder vollständig mit der Mannschaft arbeiten.
Zu Beginn wirkte er verständlicherweise noch zurückhaltend. Mit jeder Einheit ließ er häufiger erkennen, was ihn auszeichnet: Intensität, Präsenz im Zentrum und die Bereitschaft, sich in Situationen einzuschalten. Spannend wird, wann er wieder bei hundert Prozent ankommt und wie schnell er nach seinem Wechsel seinen Platz in der neuen Mannschaft findet.
Ausblick: Rotation mit Chancen auf mehr; zunächst vollständig fit werden und ankommen.
Benno Kaltefleiter – 4/5
Für Benno Kaltefleiter ist jede Einheit bei den Profis wertvoll. In Saalfelden zeigte er, dass er auf diesem Niveau bereits mithalten kann und sich nicht verstecken muss.
Er arbeitet engagiert, bietet sich an und sammelt wichtige Erfahrungen gegen körperlich und spielerisch weiter entwickelte Gegenspieler. Für einen dauerhaften Platz bei den Profis ist es noch zu früh. Der Übergang in den Männerfußball muss Schritt für Schritt erfolgen. Auch seine Berater waren zum Ende des Trainingslagers vor Ort. Ob das über einen gewöhnlichen Besuch hinausging, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Ausblick: U19 und U21 Talent Series; mittelfristig Kandidat für den Profikader.
Offensives Mittelfeld
Christoph Baumgartner – außer Wertung
Christoph Baumgartner befindet sich nach seiner schweren Verletzung weiterhin im Aufbautraining. Eine sportliche Bewertung des Trainingslagers wäre weder möglich noch fair.
Er wird der Mannschaft noch einige Zeit fehlen. Im Moment zählt allein, dass er die Rehabilitation ohne Rückschläge durchläuft und vollständig belastbar zurückkehrt.
Ausblick: Rehabilitation und langfristiger Wiederaufbau.
Eljif Elmas – 3/5
Eljif Elmas verhielt sich in Saalfelden absolut professionell. Er trainierte jede Einheit engagiert mit, ließ sich nichts anmerken und bot sich dem Trainer an. Demichelis honorierte das und gab ihm viele Minuten in den Spielformen.
An meiner grundsätzlichen Einschätzung ändert das wenig. Die Verbindung zwischen Elmas und RB Leipzig ist ein Missverständnis geblieben. Zu selten war erkennbar, welche Rolle er dauerhaft einnehmen soll und auf welcher Position seine Qualitäten am besten zur Geltung kommen. Für beide Seiten wäre eine saubere Trennung vermutlich die beste Lösung. Eine weitere Leihe halte ich nicht für zielführend.
Ausblick: Klarer Kandidat für einen dauerhaften Wechsel.
Andrija Maksimović – 3,5/5
„Maksi, Maksi ...“ Neben Geertruida gehörte Andrija Maksimović zu den Spielern, deren Namen Demichelis besonders häufig über den Trainingsplatz rief. Der Trainer gibt ihm viele Hinweise und arbeitet sichtbar mit ihm. Zumindest entsteht nicht der Eindruck, dass Maksimović bereits abgeschrieben wäre.
Am Ball kann er außergewöhnlich viel. Er besitzt eine gute Übersicht, erkennt Situationen früh und findet Lösungen, die andere nicht sehen. Gleichzeitig bleibt er körperlich unterlegen und in seinem Auftreten eher zurückhaltend. An seiner Einstellung liegt es nicht. Er arbeitet hart, trainiert viel und absolviert Extraschichten im Fitnessbereich.
Eine weitere Saison ohne dauerhafte Spielpraxis darf es eigentlich nicht geben.
Ausblick: Gezielte Leihe (ggf. Salzburg?) mit klarer Rolle, wenn dort echte Spielzeit wartet.
Brajan Gruda – 5/5
Brajan Gruda ist einer der absoluten Gewinner des Trainingslagers. Er ist präsent, fordert den Ball, spricht viel und übernimmt Verantwortung. Dabei wirkt er dynamisch, spritzig und längst nicht mehr wie ein Spieler, der erst seinen Platz in der Mannschaft suchen muss.
Gruda ist sichtbar integriert und bringt seine Qualität konstant auf den Platz. Er strahlt aus, dass er mehr sein möchte als eine Ergänzung. Er fordert eine Rolle ein – durch Leistung, Kommunikation und Präsenz.
Umso wichtiger war es, ihn dauerhaft an RB zu binden. Nach dem Wechsel von Yan Diomande zu Real Madrid wächst seine Bedeutung noch einmal. Gruda muss Diomande nicht kopieren. RB wird seinen Mut, seine Kreativität und seine Dynamik aber umso dringender benötigen.
Ausblick: Enge Rotation bis erste Elf; möglicher Durchbruchspieler der Saison.
Viggo Gebel – 4/5
Viggo Gebel hat mich überrascht. Vor allem körperlich scheint er nach seinem Kreuzbandriss im Rahmen seiner Möglichkeiten noch einmal eine Schippe draufgelegt zu haben. Das war notwendig und könnte für seine Entwicklung ein wichtiger Schritt sein.
Im Kreis der Profis wirkt Gebel zunehmend weniger wie ein Jugendspieler, der nur einmal hineinschnuppern darf. Er zeigt häufiger, dass mit ihm perspektivisch zu rechnen sein könnte. Noch fehlen ihm Konstanz und Erfahrung für eine dauerhafte Profirole.
Ausblick: U19 und U21 Talent Series; perspektivisch auch eine Leihe möglich.

Sturm und offensive Außenbahnen
Antonio Nusa – außer Wertung
Antonio Nusa reiste erst spät ins Trainingslager nach. Für einen seriösen Eindruck waren die gemeinsamen Einheiten deshalb zu wenige.
An seiner grundsätzlichen Bedeutung ändert das nichts. Nach Diomandés Abgang wäre es für RB schwer zu verkraften, auch Nusa noch zu verlieren. Ein Verkauf sollte nur bei einem außergewöhnlichen Angebot überhaupt zum Thema werden.
Ohnehin habe ich das Gefühl, dass wir den besten Antonio Nusa in Leipzig noch nicht gesehen haben. Seine Dynamik, sein Dribbling und seine Fähigkeit, Spiele zu öffnen, sind bekannt. Was fehlt, ist die dauerhafte Konstanz.
Ausblick: Möglicher Schlüsselspieler; Verkauf nur bei einem absoluten Topangebot.
Johan Bakayoko – 4/5
Johan Bakayoko gehört zur großen französischsprachigen Gruppe und ist abseits des Platzes einer ihrer lautesten Vertreter. Er redet viel, lacht viel und ist kaum zu überhören.
Auch im Training zeigte er sich präsent und engagiert. Seine fußballerische Qualität steht grundsätzlich außer Frage. In der vergangenen Saison erreichte er allerdings nicht mehr durchgehend das Niveau früherer Jahre in Eindhoven.
Nach Diomandés Abgang wächst auch seine Verantwortung. RB braucht Spieler, die im letzten Drittel Unterschiede machen. Bakayoko bringt dafür die Voraussetzungen mit. Er muss aber wieder näher an seine Spitzenform herankommen.
Ausblick: Wichtige Offensivoption; in dieser Saison deutlich stärker gefordert.
Tidiam Gomis – 4/5
Die Zeit ist reif für Tidiam Gomis. Er kann nicht dauerhaft der Rohdiamant bleiben, bei dem man nur darüber spricht, was irgendwann möglich sein könnte.
In Saalfelden war zu sehen, dass er den nächsten Schritt machen will. Gomis arbeitete engagiert, konnte im Kreis der Profis mehr als mithalten und brachte seine Qualitäten regelmäßig ein. Er besitzt Technik und Geschwindigkeit für die Außenbahn und hat auch körperlich zugelegt. Damit kann er sich inzwischen besser in robusten Situationen behaupten.
Jetzt braucht er Vertrauen, Spielzeit und die Gelegenheit, Fehler machen zu dürfen.
Ausblick: Echte Chance auf den Durchbruch; ohne Minuten wäre eine Leihe sinnvoller als ein weiteres verlorenes Jahr.
Rômulo – 3/5
Rômulo machte im Training solide seinen Job. Er arbeitete mit, erfüllte seine Aufgaben und fiel sportlich weder deutlich ab noch besonders heraus.
Abseits des Platzes wirkte er auf mich allerdings häufiger etwas verloren. Er stand öfter allein, machte sein eigenes Ding und schien innerhalb der Gruppe noch nicht so selbstverständlich angekommen zu sein wie andere. Das ist eine Beobachtung, kein Urteil über seinen Charakter.
Grundsätzlich ist mir ein stiller Spieler, der auf dem Platz liefert, lieber als der nächste Haudrauf oder Bling-Bling-Stürmer, der vor allem sich selbst inszeniert. Trotzdem dürfte bei Rômulo inzwischen mehr kommen – insbesondere dann, wenn mit Fisnik Asllani weitere Konkurrenz vor der Tür steht.
Ausblick: Profikader und Konkurrenz um die erste Elf; muss aus der soliden Rolle herauswachsen.
Conrad Harder – 4/5
Conrad Harder ist ein Exzentriker. Laut, präsent und in jeder Einheit mit einer Energie unterwegs, die kaum zu übersehen ist. Er rennt, arbeitet und wirft sich in Trainingsformen, als ginge es bereits um drei Punkte. Ein Trainingsweltmeister – im besten Sinne.
Physisch ist Harder ein Kraftpaket. Er sucht die Duelle, will jede Aktion gewinnen und besitzt mit seinem linken Fuß eine beeindruckende Abschlusswucht. Abschlussstärke hat er damit allerdings noch nicht bewiesen.
Im Pflichtspiel konnte er seine Trainingsleistungen bislang nicht dauerhaft bestätigen. Zudem bleibt offen, wie gut ein körperlich starker Stoßstürmer in die Vorstellungen von Demichelis passt.
Ausblick: Spezielle Option; abhängig von der Stürmeridee des Trainers sind auch Leihe oder Verkauf möglich.
Ayodele Thomas – 3/5
„Dele, Dele ...“ Auch Ayodele Thomas gehörte zu den Spielern, deren Name häufig über den Trainingsplatz gerufen wurde. Die Trainer gaben ihm viele Hinweise und arbeiteten sichtbar mit ihm.
Seine Anlagen blitzen immer wieder auf. Er bringt Tempo, Dynamik und fußballerisches Potenzial mit. Gleichzeitig hatte ich noch nicht den Eindruck, dass er im Kreis der Profis bereits vollständig angekommen ist. Für eine feste Rolle dürfte es zunächst schwierig werden – es sei denn, Thomas macht in kurzer Zeit einen außergewöhnlichen Entwicklungssprung.
Ausblick: U21 Talent Series oder Leihe.
Suleman Sani – 3,5/5
Suleman Sani kam leider mit einer längeren Verletzung nach Leipzig und musste zunächst viel Zeit aufholen. Umso erfreulicher ist, dass er inzwischen konstant im Mannschaftstraining steht.
Sein Profil ist schnell erkennbar. Sani besitzt einen niedrigen Schwerpunkt, einen explosiven Antritt und viel Geschwindigkeit. Trotz seiner 1,75 Meter macht er für sein Alter einen stabilen Eindruck und lässt sich nicht einfach wegdrücken.
Jetzt geht es darum, gesund zu bleiben, innerhalb der Mannschaft anzukommen und seine Anlagen dauerhaft zu bestätigen.
Ausblick: Erweiterter Profikader oder Leihe – abhängig von der realistischen Aussicht auf Spielzeit.
Samba Konaté – 4/5
Bei Samba Konaté muss man sich immer wieder vor Augen führen, wie jung er noch ist. Im Februar erst 17 Jahre geworden und bereits rund 1,90 Meter groß.
Umso wichtiger ist, dass er schon jetzt mit den Profis trainieren und sich an deren Tempo, Intensität und körperliche Anforderungen gewöhnen kann. In Saalfelden war zu erahnen, was hier heranwachsen könnte.
Für eine dauerhafte Rolle bei den Profis ist es noch zu früh. Sein Weg sollte zunächst über regelmäßige Spielpraxis in der U19, der Youth League und später der U21 Talent Series führen.
Ausblick: Behutsam entwickeln und punktuell bei den Profis einbinden.

Was bleibt?
Maxime Estève, Nicolas Seiwald und Brajan Gruda waren für mich die deutlichsten Gewinner dieser sechs Tage. Ridle Baku wirkte wie ein Spieler, dessen Profil sehr gut zu den Anforderungen des neuen Trainers passen könnte. Assan Ouédraogo zeigte bis zu seiner Verletzung, welche Bedeutung er bei einem endlich einmal störungsfreien Saisonverlauf bekommen kann.
Dahinter gibt es viele offene Geschichten. Arthur Vermeeren besitzt fast alles, muss aber präsenter werden. Ezechiel Banzuzi bringt ein seltenes Profil mit, muss aber seine Konzentrationsschwankungen und den Umgang mit eigenen Fehlern verbessern. Tidiam Gomis steht an dem Punkt, an dem Talent allein nicht mehr reicht. Und bei Elmas, Geertruida, Bitshiabu, Klostermann oder Harder wird sich zeigen, ob ihre Zukunft noch in Leipzig liegt. Die 36 Teilnehmer von Saalfelden sind ohnehin nicht mit einem 36 Spieler großen Profikader gleichzusetzen. Mehrere Nachwuchsspieler sollen lernen, Spielpraxis sammeln und schrittweise an den Männerfußball herangeführt werden. Andere benötigen eine Leihe. Bei einigen wäre eine dauerhafte Trennung wahrscheinlich sinnvoller.
Das Trainingslager hat viele Eindrücke geliefert. Antworten auf alle Fragen konnte es nicht geben. Dafür beginnen jetzt die nächsten Testspiele, die letzten Wochen des Transferfensters und irgendwann die Pflichtspiele. Und dann zählt nicht mehr, wer in Saalfelden gut aussah.