0:2! Leipzig bleibt auswärts sieglos!
David Raum
Statistiken der Liga Saison 2026/2027Inhalt
Vor dem Spiel
RB Leipzig gelang letzte Woche der vermeintliche Befreiungsschlag nach dem 5:0-Heimsieg gegen den HSV. Doch leider gab es auch schlechte Neuigkeiten, denn das Leipziger Lazarett wurde erneut größer. Neben Baumgartner und Ouédraogo, die langfristig ausfallen, fehlte nun auch noch Lukeba im Aufgebot. Dementsprechend musste Demichelis reagieren. Vier Wechsel gab es gegenüber dem 5:0 gegen den HSV: Henrichs, Lukeba, Ouédraogo und Gomis wurden durch Baku, Estève, Nkunku und Rômulo ersetzt.
Bei Leverkusen war der Saisonstart vor allem durch das 2:3 in Elversberg nicht optimal. Danach fing sich das Team von Trainer Carles Martínez Novell aber mit einem klaren 4:0 gegen Union, einem 2:2 bei den bisher starken Augsburgern und einem 2:0-Auftaktsieg in der Europa League gegen Celje. Auch Leverkusen rotierte und nahm fünf Veränderungen gegenüber dem Europa-League-Spiel vor. Quansah, Miguel Gutiérrez, Fernández, Maza und Moreira kamen für Vázquez, Andrich, Badé, Tillman und Terrier in die Startelf.
Vor dem Spiel machte man sich angesichts der hohen individuellen Qualität aufseiten der Leverkusener durchaus Sorgen. Gleichzeitig wusste man, dass weiterhin vieles möglich ist, wenn Leipzig ins Rollen kommt. Schließlich hatte auch die Werkself in der Defensive bereits Probleme aufgezeigt. Die Ausgangslage war also durchaus offen.

Auch der Kapitän ist in der Kritik.
Die beste erste Hälfte der Saison?
Auf dem Rasen entwickelte sich dann zunächst ein völlig anderes Spiel, als man es vielleicht erwartet hatte. Beide Mannschaften waren offensiv nicht wirklich gut, was allerdings auch damit zusammenhing, dass sie ordentlich verteidigten. Leipzig stand kompakter als zuletzt und vor allem die Abstände im Pressing wirkten deutlich besser. Dadurch konnte man Leverkusen immer wieder den Raum nehmen und selbst einige vielversprechende Aktionen entwickeln. Es war keine spektakuläre erste Halbzeit, aber angesichts der Qualität des Gegners und der jüngsten Auswärtsauftritte durchaus die beste Hälfte der Saison.
Leipzig kam zu Abschlüssen durch Banzuzi und Rômulo, dazu erzielte Nkunku in der 34. Minute ein schönes Tor, das wegen einer knappen Abseitsstellung allerdings nicht zählte. Die Partie war bis dahin keineswegs einseitig, auch wenn beiden Teams die ganz große offensive Durchschlagskraft fehlte. Leider wurde der ordentliche Auftritt durch zwei Faktoren massiv getrübt.
Erstens verletzte sich Gruda in der 26. Minute und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Gomis. Gerade Gruda ist aktuell einer der wenigen Leipziger Spieler, die zwischen den Linien Verbindungen herstellen, mit dem Ball in Richtung Strafraum ziehen und dadurch zusätzliche Boxeintritte ermöglichen. Sein Ausfall kostete deshalb nicht nur individuelle Qualität, sondern auch offensive Struktur.
Zweitens kassierte man mit der ersten wirklich gefährlichen Leverkusener Chance das 0:1. Bei einer Flanke von Miguel Gutiérrez verschätzte sich Estève komplett, sodass Patrik Schick zum Abschluss kam und in der 44. Minute sehenswert traf. Das war gut gemacht vom Leverkusener Stürmer, aus Leipziger Sicht aber natürlich äußerst ärgerlich. Bis dahin hatte RB den Gegner weitgehend im Griff. Kurz vor der Pause kam Gomis noch zu einem Kopfball, der allerdings ungefährlich blieb. Danach ging es mit dem 0:1 in die Kabinen.
Zwei Mannschaften, die Topteams sein wollen und sich auf mäßigem Niveau mit vielen Fehlern neutralisieren. Einmal von ganz vorn bis ganz hinten keinen Druck auf den Ball gekriegt, einmal beim Abseits Pech gehabt. Das ist der Unterschied. #b04rbl #relive #halbzeit
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) September 20, 2026
Ganz schwache zweite Halbzeit
Und hier kommen wir zu dem Grund, warum man dieses Spiel verloren hat. Wenn man 0:1 zurückliegt, aber an sich gar kein schlechtes Spiel gemacht hat, ist es für viele zurecht schwer nachvollziehbar, dass darauf quasi keine Reaktion mehr kommt. Im Gegenteil: Man wurde in der zweiten Halbzeit das Gefühl nicht los, dass sich die Mannschaft ein wenig ihrem Schicksal ergibt.
Leverkusen wurde zunehmend spielbestimmender und kam nun deutlich häufiger in gefährliche Abschlusspositionen. In der 57. Minute fiel dann das 2:0. Nach einer nicht sauber geklärten Situation kam erneut Miguel Gutiérrez zum Abschluss und nutzte den Leipziger Fehler. Spätestens danach verlor RB den Zugriff auf die Partie.
Ein Blick auf die Statistik unterstreicht den Eindruck: Leverkusen kam insgesamt auf 18 Abschlüsse und 2,27 xG, Leipzig auf zwölf Schüsse und 0,97 xG. Noch deutlicher war der Unterschied bei den Ballkontakten im gegnerischen Strafraum: 31 für Leverkusen standen gerade einmal 14 für RB gegenüber. Die Werkself musste nach dem zweiten Treffer dabei nicht einmal dauerhaft einen Gang hochschalten, um das Spiel zu kontrollieren. Weitere Möglichkeiten ergaben sich trotzdem.
Leipzig wechselte mit Seiwald, Maksimović, Konaté und Henrichs noch einmal nach, doch der große Impuls blieb aus. Der Anschlusstreffer lag nicht wirklich in der Luft. Genau das ist der Punkt, der schwerer wiegt als die Niederlage an sich: Nach einer ordentlichen ersten Hälfte hatte man noch 45 Minuten Zeit, auf den Rückstand zu reagieren. Stattdessen wurde der Auftritt zunehmend ideenlos und passiv.
Wir sind einfach keine Spitzenmannschaft mehr. Dieser Verein wurde zu Tode optimiert. 🙄 #B04RBL
— Justgroovy (@justgroovy20th) September 20, 2026
Aufgefallen
Verletzungsmisere: Injury is our Identity?
Die Verletzungssituation ist mittlerweile echt ein Problem in unserer Mannschaft. Mit Baumgartner, Ouédraogo, Reitz und nun Gruda fehlen inzwischen vier Spieler aus dem zentralen beziehungsweise offensiven Mittelfeld. Dazu kam in Leverkusen der Ausfall von Lukeba. Gerade bei Gruda zeigt sich, wie schwer diese Ausfälle wiegen. Er ist einer der wenigen Spieler, die aktuell Verbindungen schaffen und für mehr Dynamik im letzten Drittel sorgen können. Gomis bringt andere Qualitäten mit, konnte diese Rolle diesmal aber nicht adäquat ersetzen.
Vielleicht sollten wir unseren Slogan mittlerweile in „Injury is our Identity“ umbenennen. Aber ob Galgenhumor wirklich angebracht ist...? Sportlich darf die Verletzungsmisere aber keine dauerhafte Erklärung für fehlende offensive Automatismen sein. Dass ausgerechnet mehrere wichtige Spieler aus dem Zentrum betroffen sind, macht die Situation dennoch kompliziert.
Auswärtsschwäche: Here we go again
Drei Auswärtsspiele, drei Niederlagen: Bremen 1:3, Como 1:4, Leverkusen 0:2. Neun Gegentore, zwei eigene Treffer. Seit Mai ist RB in der Liga auswärts sieglos. Die krassen Unterschiede machen Sorgen: Während zuhause gegen Gladbach und den HSV acht Tore erzielt und kein Gegentreffer kassiert wurde, gelingt auf fremdem Platz weder in der Bundesliga noch in der Champions League etwas Zählbares.
Das ist mehr als eine kleine Momentaufnahme, schon die letzten zwei Auswärtsspiele letzte Spielzeit wurden verloren. Gerade deshalb muss die Frage erlaubt sein, warum die Mannschaft auswärts ihre Intensität, Aggressivität und offensive Durchschlagskraft so regelmäßig verliert. In Leverkusen war das Muster erneut zu erkennen: Nach dem Rückstand fehlte die Energie, um die Partie noch einmal in eine andere Richtung zu lenken.
Guido in der @LVZ zu Demichelis:
— Niklas (@gNiklas43) September 20, 2026
„Aus, Ende, vorbei. Und schrecklich viel Zeit zum Nachdenken. Auch zum Handeln an neuralgischer Stelle? Oliver Mintzlaff und Marcel Schäfer saßen in Leverkusen nebeneinander.“ #RBLeipzig
Wo ist das alte RB geblieben?
Wenn man RB Leipzig lange als Fan verfolgt, hat man den Eindruck, dass das gnadenlose Anrennen, Kämpfen und um jeden Preis gewinnen wollen über die letzten Jahre etwas verflogen ist. Unabhängig vom jeweiligen Spielermaterial waren Akteure wie Kaiser, Keïta, Nkunku, Olmo oder Diomande zeitweise absolute Zugpferde, die eine Partie nach vorne treiben konnten.
Davon ist aktuell wenig zu sehen. Das liegt sicherlich auch an den Verletzungen, der neuen Mannschaft und den fehlenden Automatismen. Trotzdem wirkt das Leipziger Spiel schon viel zu lange uninspiriert in seiner Grundidee – gerade in den Momenten, in denen eine Partie nicht nach Plan läuft. Das betrifft nicht nur einzelne Spieler, sondern die Mannschaft als Ganzes.
In Leverkusen war die erste Halbzeit durchaus ein Schritt in die richtige Richtung. Die Abstände im Pressing waren besser, defensiv stand man kompakter und Leverkusen wurde zunächst nur wenig angeboten. Aber nach dem 0:1 hätte man erwarten können, dass Leipzig noch einmal einen Gang hochschaltet. Stattdessen wirkte die Mannschaft zunehmend passiv. Genau hier müssen Demichelis und sein Trainerteam ansetzen.
Oktober wird zum Belastungstest
Und dann ist da noch der Spielplan: Frankfurt, Eindhoven, Bayern, Real Madrid, Elversberg, Essen und Schalke. Das ist ein hartes Programm, das Leipzig im Oktober sehr schnell unter erheblichen Ergebnisdruck setzen kann. Noch ist nichts entschieden, und nach der Länderspielpause können mit Baumgartner, Gruda und Reitz weitere Optionen zurückkehren. Trotzdem machen die Kombination aus Verletzungsproblemen, fehlender Auswärtsstabilität und dem anspruchsvollen Programm die kommenden Wochen zu einem echten Belastungstest.

Gruda verpasst die Länderspielpause.
Fazit
RB Leipzig lässt nach einer durchaus ordentlichen ersten Halbzeit völlig verdient die drei Punkte in Leverkusen und bestätigt seine Auswärtsschwäche erneut. Die Niederlage ist angesichts der zweiten Hälfte nachvollziehbar, doch der Auftritt war nicht über die gesamten 90 Minuten ein Totalausfall. Gerade das macht die fehlende Reaktion nach dem Rückstand so ärgerlich.
Die Länderspielpause kommt deshalb zur richtigen Zeit. Demichelis und sein Trainerteam müssen nicht nur hoffen, dass verletzte Spieler zurückkehren, sondern auch Antworten auf die grundsätzlichen Probleme finden. Dass eine neu zusammengestellte Mannschaft Zeit benötigt, ist nachvollziehbar. "Wir müssen noch lernen" darf allerdings nicht zur dauerhaften Erklärung für dieselben Muster werden.
Bremen, Como und Leverkusen: neun Gegentore, zwei eigene Treffer und null Punkte. Wenn zuhause vieles funktioniert (allerdings gegen Abstiegskandidaten), auswärts aber regelmäßig die Antworten fehlen, reicht das auf Dauer nicht für die eigenen Ansprüche. Es bleibt Druck auf dem Kessel.
Um Spielernoten abzugeben, melde dich bitte zuerst im Forum an.
- Trainer
-
Martín Gastón DemichelisNicht bewertet Schnitt: 4,17 (6 Stimmen) Saisonschnitt: 2,63 - Tor
-
Maarten VandevoordtNicht bewertet Schnitt: 2,86 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,06 - Abwehr
-
Ridle BakuNicht bewertet Schnitt: 3,21 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,65 -
Willi OrbánNicht bewertet Schnitt: 3,00 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,51 -
Maxime EstèveNicht bewertet Schnitt: 3,43 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 3,08 -
David RaumNicht bewertet Schnitt: 4,71 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 3,36 - Mittelfeld
-
Ezechiel BanzuziNicht bewertet Schnitt: 2,79 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,69 -
Neil Yoni El AynaouiNicht bewertet Schnitt: 2,50 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,64 -
Brajan GrudaNicht bewertet Schnitt: 2,50 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,08 -
Christopher NkunkuNicht bewertet Schnitt: 2,93 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,48 -
Antonio NusaNicht bewertet Schnitt: 2,57 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,01 - Sturm
-
RômuloNicht bewertet Schnitt: 3,29 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,53 - Einwechselspieler
-
Tidiam GomisNicht bewertet Schnitt: 3,79 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 3,06 -
Nicolas SeiwaldNicht bewertet Schnitt: 4,14 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 3,17 -
Andrija MaksimovićNicht bewertet Schnitt: 3,21 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 2,60 -
Benjamin HenrichsNicht bewertet Schnitt: 4,14 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 3,32 -
Samba KonatéNicht bewertet Schnitt: 3,57 (7 Stimmen) Saisonschnitt: 3,70