NÄCHSTE BEGEGNUNG

CL Gruppe 3. Spieltag
Mittwoch, 04.11.2020, 21:00 Uhr
Ort: Red Bull Arena Leipzig
RB Leipzig
Paris Saint-Germain
Spielplan RB Leipzig

1. LIGA QUICKTABELLE

1
Bayern München
15
2
Borussia Dortmund
15
3
RB Leipzig
13
4
Bor.Mönchengladbach
11
5
FC Augsburg
10
6
VfB Stuttgart
9
7
Bayer 04 Leverkusen
9
8
SV Werder Bremen
9
9
Eintracht Frankfurt
9
10
1899 Hoffenheim
7
11
VfL Wolfsburg
7
12
1. FC Union Berlin
6
13
SC Freiburg
6
14
Arminia Bielefeld
4
15
Hertha BSC
3
16
1. FC Köln
2
17
FC Schalke 04
2
18
1. FSV Mainz 05
0

RB-FANS.DE TWITTER

Twitter RBL

RB LEIPZIG FANCLUBS

Offizieller Fanclub

RB-Fans.de

 
RB Leipzig Liveticker Tippspiel Spielplan Apps Fanchat

„T(H)ORESOHN – DER KÖNIG DES NORDENS“

Titelbild
Medien DiskussionBilderVideoAudioDiskussion

Leipzig - (22.09.2020) Wie soeben offiziell verkündet worden ist, wechselt der 24-jährige Norweger Alexander Sørloth vom türkischen Erstligisten Trabzonspor nach Leipzig zu unserem geliebten RasenBallsport. Laut diversen Medienberichten wird von einer Ablösesumme von 22 Mio. € (inklusive erfolgsabhängiger Boni plus einer 20-prozentigen Weiterverkaufsklausel für Trabzonspor) ausgegangen.

Transfergaga

Herrje, was war das für eine Zeit? Kennt jemand den Superlativ von Transfersaga? Ich kann es euch sagen: Transfergaga. Dachte ich bisher, dass ich im Laufe der Verpflichtungen von Schick, Bruma und Lookman alles gesehen und erlebt habe, als ich mich fast täglich durch die Untiefen der italienischen, türkischen bzw. britischen Medien kämpfte und sämtliche Gefühlsregungen beim Lesen von sinnvollen aber auch viel sinnlosen und natürlich immer „seriösen“ Wasserstandsmeldungen durchlief, wurde ich nun eines Besseren belehrt.

Das wochenlange Tauziehen um Alexander Sørloth (gesprochen: Sörloth) setzte dem Ganzen bei weitem die Krone auf. Die „Krone“ hat an der Stelle schon fast einen Hauch von Ironie, wenn man bedenkt, dass der 24-jährige Norweger von seinen wirklich enthusiastischen, türkischen Fans nach seinen großartigen Leistungen bei Trabzonspor in der Türkei, angelehnt an seine nordische Herkunft, Optik und natürlich die Fantasy-Saga: „Das Lied von Eis und Feuer“ (verfilmt als Game of Thrones), „King of the North“ (König des Nordens) getauft worden ist.



Vertragswerk aus der Hölle

Angestachelt von einem Vertragskonstrukt, das die Welt noch nicht gesehen hat, kursierten fast stündlich in unzähligen türkischen Medien vermeintlich neue Informationen. Neue Klauseln, Angebote und Kaufsummen hier, zurückgezogene Offerten und Rücktritte vom Rücktritt da. Jeder glaubte irgendwas zu wissen und sah sich genötigt, es auch zu veröffentlichen. Frei nach dem Motto: „Nichts Genaues weiß man nicht.“

Kurzer Exkurs auf eigene Gefahr: Also Sørloth war eigentlich bis 2022 noch Spieler des englischen Premier League Clubs Crystal Palace. Dieser hat ihn im Sommer 2019 für zwei Jahre zum türkischen Erstligisten Trabzonspor verliehen. Gleichzeitig haben sie dem international gesperrten und chronisch verschuldeten Verein eine Kaufoption über 6 Mio. Euro eingeräumt, die im zweiten Jahr verpflichtend geworden wäre, wenn der Spieler mindestens 50% der Spiele gemacht hätte. So weit, so gut. Nun haben sie sich aber auch selber eine Rückkaufoption i.H.v. 9 Mio. Euro in den Vertrag geschrieben, wenn die zuvor genannte Option vom türkischen Klub eingelöst wird. Dafür hätten die Engländer, ihn aber auch nicht vorfristig zurückholen können, solange diese nicht eingelöst wird. Mit der Folge, dass binnen der zwei Vertragsjahre beide Vereine den Spieler nicht ohne Zustimmung des jeweils anderen Vereins verkaufen konnten, wenn ein Dritter (also bspw. RB Leipzig) kaufen möchte. Verstanden? Nein? Nicht schlimm. Einfach recherchieren. Die unzähligen türkischen Quellen wissen sowieso alles und können es ganz sicher und mit einer Stimme sprechend, „erklären“.

Ich weiß nicht welcher Verein oder Berater sich dieses Konstrukt ausgedacht hat. Aber wahrscheinlich hat derjenige auch versucht, Passierschein A38 aus dem „Haus das Verrückte macht“ aus „Asterix erobert Rom“ zu holen. Völlig gaga. Jedenfalls habe ich meinen Meistertransfer sprichwörtlich gefunden. Nun kann mich medial und transfertechnisch nichts mehr schocken oder überraschen.


Odin und der König des Nordens

Tja, und nun kamen Oliver Mintzlaff und Markus Krösche todesmutig wie Wikinger daher, um den König des Nordens aus dieser Vertragshölle zu befreien. Odin sei Dank, haben sie es geschafft. Und sie haben sich m.E. prächtig geschlagen. Walhalla muss also warten.

Apropos Odin. Wenn ich mir seinen Sohn, Thor, aus der nordischen Mythologie hätten vorstellen müssen, dann wäre Alexander Sørloth ihm optisch und physisch ganz sicher sehr nahegekommen. OK, eine nordische Gottheit ist jetzt vielleicht etwas übertrieben. Ein aus einer nordischen Saga entsprungener Kämpfer, meinetwegen König, hingegen nicht.

 

 *Bildquelle inkl. Artikelbild: Ragnar Advertising

Was für ein Kerl! Ein Mann wie ein Baum. Kantiges, maskulines Gesicht, „schrankgrößenhafte“ 1.94 m und 90 kg schwer. Er beschreibt sich selbst als: „Big, strong and fast“ (groß, stark und schnell). Was hier an Größe, Robustheit, Kraft, purer Athletik, Willen und Mentalität, gepaart in einem seltenen Mix aus Geschwindigkeit und Agilität über die Nordsee zu uns herüber gesegelt, ist schon ziemlich beeindruckend. Ein Spielertyp, wie ihn Julian Nagelsmann lieben sollte. Aber schauen wir uns ihn nachfolgend einmal genauer an.


Mehr auf Kufen, statt mit den Hufen

Alexander Sørloth, am 5. Dezember 1995 geboren, wuchs mit seinen zwei Schwestern im bescheidenen Haus seiner Eltern im beschaulichen und ruhigen Dalen Hageby in Trondheim auf. Schon früh hatte er großes Interesse am Sport. Im Alter von 6 Jahren fing er neben Fußball gleichzeitig an Handball und Eisschnelllauf zu trainieren.

 

Quelle

 

Dabei zeigte er vor allem in den Sprintdisziplinen im Eisschnelllaufen großes Talent und war sogar teilweise im Kader des Jugend-Nationalteams von Norwegen. Im Alter von 13 Jahren fing er aber an zu wachsen, sodass die physischen Voraussetzungen für die Sprintdistanzen nicht mehr gegeben waren, weil er schlichtweg zu groß wurde. Deswegen konzentrierte er sich fortan auf den Fußball und wechselte zur Freude seines Vaters, kein geringerer als Rosenborg-Legende Gøran Sørloth, von seinem Jugendverein Strindheim alsbald zum norwegischen Erstligisten Rosenborg Trondheim.


Wie der Vater, so der Sohne

Ende der 1980er Jahre galt Gøran als einer der gefährlichsten Stürmer im norwegischen Fußball. In der Zeit von 1985 bis 1993 bestritt er 174 Spiele für Rosenborg und erzielte beeindruckende 74 Tore. Darüber hinaus schoss er weitere 15 in 55 Länderspielen für Norwegen. Das können (und waren es auch) schon ziemlich große Fußstapfen für einen heranwachsenden Burschen sein, der natürlich immer und wenn auch nur indirekt damit konfrontiert wird. Nachfolgend mal ein Bild aus seiner aktiven Zeit. Ein Schelm, wer hier gewisse Ähnlichkeiten zu einem mindestens genauso legendären Sport-Chefredakteur der LVZ (übrigens gleiches Namenskürzel: GS) erkennt.

 

Foto: Bjørn-schulde Holmberg

 

Dabei sind Vater und Sohn zumindest optisch überhaupt nicht zu vergleichen. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man nicht vermuten, dass die beiden Vater und Sohn sind. Alexander war schon sehr zeitig einen Kopf größer als sein Vater und sieht ihm überhaupt nicht ähnlich.

 

Quelle

 

Aber mit Ausnahme ihres unterschiedlichen Aussehens gibt es wenig, was die beiden trennt. Beide haben einen ähnlich ausgeprägten Siegesinstinkt und sportlichen Ehrgeiz. Aber das Wichtigste ist: sie lieben und leben den Fußball leidenschaftlich. Um mehr vom Charakter und der Mentalität des Sohnes zu erfahren, lohnt sich der Blick auf seinen Vater, der ihn in jeglicher Hinsicht prägte und ihn zum Nacheifern inspirierte.


Auf in die Wälder und Felder

Gøran Sørloth ist ein stets gut gelaunter, positiver und bodenständiger Mensch, der sich nach seiner Karriere mehr um seine Familie und Kinder kümmern wollte und in eher normalen Jobs arbeitete, statt direkt im Anschluss als Fußballmanager irgendwo weiterzumachen. Er ist immer mit einem Lächeln anzutreffen und sagt so Dinge wie:

„Ich bin der Ansicht, dass es wichtig ist, dass Kinder so früh wie möglich auf und neben dem Fußballplatz die richtigen Einstellungen bekommen. Oft genug geht es ihnen heute viel zu sehr ums Geld, Selbstsucht und Zynismus. Mein Wunsch ist es, Fußballfreude zu vermitteln. Nur durch echte Freude und Begeisterung entstehen diese. Wir sollten uns auch ein bisschen mehr von Facebook und anderen sozialen Medien losreißen und lieber einen Ausflug miteinander machen. Ein Anruf bei jemandem, den Sie kennen, ist besser als ein "Gefällt mir" im Profil. Zudem ist gemeinnützige Arbeit eine unglaublich gute Möglichkeit, sich besser kennenzulernen.“ [Quelle]

 

Quelle

 

Von sich selber sagt er, dass er viel Glück im Leben hatte und viele Erfahrungen sammeln konnte. Daher ist es ihm wichtig, dass auch andere, insbesondere seine Kinder davon partizipieren können, wenn denn seine Hilfe benötigt wird. Es geht darum, „positiv zu sein“. Nicht zuletzt hält er es für wichtig, dass junge Menschen sich in verschiedenen Sportarten ausprobieren und aktiv sind. Sie sollten in den Wäldern und auf den Feldern spielen, anstatt mit ihren Handys und Tablets dazusitzen. [Quelle]


Hungrig bleiben

Seinem Sohn, an den er immer geglaubt hat und sichtlich stolz ist, hat er genau diese Werte vermittelt. Er hat ihn stets unterstützt und das Gefühl gegeben, dass er alle Voraussetzungen hat, um gut zu sein. Aber auch gesagt, dass harte Arbeit und Ehrgeiz der Schlüssel sind, um erfolgreich zu werden und man selbst seinen Hunger nach Erfolg und den Willen zum Training niemals verlieren sollte. Dabei hat er hat ihm aber immer auch die Freiheit gelassen, für sich selbst zu entscheiden, wie weit er gehen will.

„Mein Vater hat mich immer dazu gebracht, hohe Anforderungen an mich selbst zu stellen. Wenn ich Hilfe bei etwas brauche, frage ich. Bisher habe ich immer viele gute Tipps bekommen und das weiß ich wirklich zu schätzen. Ohne ihn hätte ich nicht geschafft, was ich bisher erreicht habe. Er hat mich nie unter Druck gesetzt, sondern mich eher hungrig gemacht, etwas von dem zu erleben, woran er beteiligt war.“ [Quelle]

Und obwohl er überhaupt nicht will, dass man ihn mit seinem Vater vergleicht, wollte er immer ein besserer Stürmer werden. Ich denke, man erkennt hier sehr gut, unter welchen Umständen Alexander Sørloth aufgewachsen ist, was ihn geprägt hat, was für ein Mensch er ist und welche Mentalität er an den Tag legt. Am besten beschreibt es seine langjährige Freundin Selnes, die ihren Freund als einen positiven Typ beschreibt, der gut nach vorne schauen kann:

„Alex ist sehr konzentriert und hatte immer große Ambitionen, es noch besser zu machen, unabhängig davon, ob es gut läuft oder nicht. Das erste, was er bspw. sagte, als ich ihn einmal nach einem Länderspiel traf, war: "Es hätten drei Tore sein sollen, Dad hat zwei gegen sie erzielt!" [Quelle]


 

Foto: Nina Eirin Rangøy, VG

 

Wie eine Achterbahn

In der letzten Saison hat Sørloth in der Türkei bei Trabzonspor eine herausragende Serie gespielt. Er begann jedes Pflichtspiel in der Startelf, hat nie pausiert und erzielte über alle Wettbewerbe hinweg 33 Tore und 11 Vorlagen. Damit sammelte er beeindruckende 44 Scorerpunkte (wenn auch in einer weitaus schwächeren Liga im Vergleich zur Bundesliga) und damit lediglich 3 Punkte weniger als Timo Werner in seiner letzten Saison bei uns. Es ist also kein Wunder, dass RB Leipzig auf ihn aufmerksam geworden ist, als es nach den Abgängen von Timo und insbesondere Patrik Schick darum ging, die entstandenen Lücken zu schließen. Aber trotz der letztjährigen Erfolge mutet seine gesamte Karriere bisher eher wie der oben skizzierte Transferprozess an. Wie in einer Achterbahn gab es ständige Hoch und Tiefs.

Nachdem Sørloth mit 15 Jahren seine Entwicklung beim größten norwegischen Klub: Rosenborg in Trondheim in den Jugendmannschaften fortsetzte, gab er zwei Jahre später mit 17 sein erstes Profidebüt. Als Einwechselspieler in einem Europa League-Qualifikationsspiel gegen den nordirischen Fußballklub Crusaders brauchte er nur 12 Minuten, um sein erstes Tor beim 7:2 Sieg zu erzielen.

2 x Tief

Leider schaffte er es jedoch nie, ein weiteres Tor für Trondheim zu erzielen. Letztendlich spielte er dort auch nur 191 weitere Minuten, bevor er an den Mitkonkurrenten Bodø / Glimt ausgeliehen wurde und erstmalig mit 19 Jahren das elterliche Haus verließ.

1 x Hoch

Hier zeigte er erstmals, dass er enormes Talent mitbringt und im Profi-Dasein angekommen war. In 26 Spielen der ersten norwegischen Liga in der 2015ner Saison erzielte er 13 Tore und 5 Vorlagen.

2 x Tief

Noch im Selben Jahr packte er seine Koffer und wechselte für 750.000 Euro in die erste holländische Liga zum FC Groningen. Vielversprechend startete er auch dort und erzielte bei seinem Eredivisie-Debüt gegen Utrecht ein Tor. Leider reichte es für den Rest der Saison nur noch für ein weiteres Tor bei lediglich 13 Einsätzen. Auch in der darauffolgenden Saison 2016/17 kämpfte Sørloth um seine Form und sammelte in 24 Spielen nur 3 Tore und 3 Vorlagen.

1 x Hoch

Nach diesen zwei eher enttäuschenden, aber auch lehrreichen Jahren, wechselte er für 450.000 Euro zum dänischen Erstligisten FC Midtjylland. In Dänemark kehrte er zu seiner Topform zurück und erzielte über alle Wettkämpfe hinweg erstaunliche 15 Tore und 9 Vorlagen in 26 Spielen. Er hatte damit großen Anteil am Gewinn des (für den Verein) zweiten Superliga-Titels. Es dauerte nicht lange, bis auch ein Verein aus den Top-5-Ligen Europas auf sein Talent aufmerksam wurde.

Am 31. Januar 2018 zahlte Crystal Palace aus der Premier League sagenhafte 9 Millionen Pfund für den damals 22-jährigen Spieler aus der ersten dänischen Liga. Unabhängig von der (zu diesem Zeitpunkt) völlig abwegigen Summe verwundert dieser Schritt schon sehr, wenn man bedenkt, dass es dieser 22-jährige bis hierher lediglich geschafft hatte, in zwei Saisons in einer (und ohne despektierlich sein zu wollen) weitaus schwächeren norwegischen und dänischen ersten Profiliga Erfolge zu erringen. Klar, wir reden hier über eine Menge Geld, das verdient werden kann. Aber es geht ja auch immer irgendwie um eine sinnvolle Entwicklung des Spielers. Ich persönlich zweifele hier aber schon ein wenig an seinen Beratern.

2 x Tief

Dennoch fand Sørloths Premier League-Debüt schon 10 Tage später auf dem linken Flügel in Abwesenheit von Wilfried Zaha im Spiel gegen Everton (1:3 Niederlage) statt. Aber es kam, wie es kommen musste. Der Norweger machte über 1,5 Saisons hinweg insgesamt nur 26 Spiele in der ersten englischen Liga, davon lediglich 14 von Anfang an und erzielte keine Tore und keinen Assist. Schnell galt er als Transferflop.

Nachdem Sørloth mit der Verpflichtung von Michy Batshuayi aus Chelsea weitere Konkurrenz im Team bekam, wurde er vom englischen Klub an KAA Gent im Wintertransferfenster 2018/19 in die erste belgische Liga ausgeliehen. Auch hier war er nicht in der Lage sein volles Potenzial auszuschöpfen. Er spielte nur 9 von 22 Spielen und erzielte lediglich 5 Tore und 3 Vorlagen. Enttäuscht und entwicklungstechnisch keinen Schritt weiter kehrte er nach London zurück.


Durchbruch am Schwarzen Meer

Es lag auf der Hand, dass Sørloth erneut ausgeliehen werden würde. Diesmal, wie bereits erwähnt, wechselte er für zwei (geplante) Spielzeiten in die Türkei zum Süper-Lig-Klub Trabzonspor. Diese Entscheidung war zu Beginn sicherlich auch ein gewisses Wagnis bzw. Experiment. Aber letztendlich war genau dieser Schritt eine Offenbarung seines fußballerischen Könnens und seiner Stärken, der ihm auch seinen o.g. Spitznamen: „König des Nordens“ einbrachte.

 

 

Mit Sørloth an der Spitze schrammte Trabzonspor am Ende nur denkbar knapp an seinem ersten Meistertitel seit 1984 vorbei. Lediglich vier Punkte trennten sie vom Sieger aus Başakşehir. Dennoch gelang es der Mannschaft mit dem Gewinn des türkischen Pokals, auch einen verdienten Titel zu holen. 33 Tore und 11 Assists sind schon ein Statement. Aber wie gelang ihm dieser Leistungssprung mit doch schon 24 Jahren? Was für ein Spielertyp ist er? Worin liegen seine Stärken und Schwächen?


Der heißeste Shyce aus dem kalten Norden

Als Sørloth vor ca. 2 Wochen mit der norwegischen Nationalmannschaft gegen Nordirland spielte und zusammen mit dem Ex-Salzburger und jetzigem Dortmunder Wunderkind Erling Braut Haaland als Doppelsturmspitze in der Startaufstellung stand, schrieb ich bei Twitter:



Herausragende 90 Spielminuten später, einem 1:5 Sieg und jeweils 2 Toren von beiden Mittelstürmern wussten auch die Nordiren, was gemeint war. Natürlich ist es „nur“ Nordirland gewesen. Aber auch in diesem Spiel sah man, was diesen Spielertyp auszeichnet.

 

© imago images

 

Dass es RB Leipzig im letzten Winter nicht geschafft hat, den Ex-Salzburger Haaland von einem Wechsel in die Messestadt zu überzeugen, war sicherlich einer der größten Transferniederlagen (nach dem Verlust des herausragenden 17-jährigen Innenverteidigertalents Kouassi von PSG, der zu den Bayern ging). Haaland schießt trotz seines noch jungen Alters seit ca. 1,5 Jahren bei fast jedem Spiel alles kurz und klein und bricht sämtliche Torrekorde.

Mit ca. 1.94-1,95m hat er gewaltige Ausmaße, ein unfassbares Tempo im Antritt und im höchstem Geschwindigkeitsbereich, einen knallharten, präzisen linken Fuß, einen Torinstinkt, der seinesgleichen sucht und insbesondere einen unbändigen Willen immer und überall Tore zu erzielen, zu spielen und gewinnen zu wollen. Seine aktuelle Form, gepaart mit diesem wirklich seltenen Mix aus Übergröße (selbst für einen großen Mittelstürmer), Athletik, Tempo, linkem Fuß, Torriecher und insbesondere dieser Galligkeit machen ihn derzeitig zu einem der gefährlichsten und effektivsten Stürmer Europas.


Wandelnde Dampflok

Ja, es gibt viele große Mittelstürmer. Nur dieser Spielertyp, angereichert mit den zuvor angedeuteten, besonderen körperlichen, fußballerischen und mentalen Fähigkeiten, ist tatsächlich sehr rar auf dem Spielermarkt. Aber nun nehme man einen Haaland, genauso groß, mit einem sehr starken linken Fuß, ähnlichem Zug zum Tor und exzellentem Abschluss. Macht ihn etwas älter, nicht ganz so unfassbar schnell und dynamisch, dafür aber noch mal ein wenig physisch stärker, robuster, wuchtiger, athletischer, zweikampf- und kopfballstärker und man bekomme einen Alexander Sørloth. Erst einmal unabhängig von seinen fußballerischen Fähigkeiten kommt er schon aufgrund seiner Physis dampflokartig daher. „Big, strong and fast“ beschreibt es sehr gut.

 

 

Für jeden Innenverteidiger der Welt ist so jemand, schon alleine seiner Abmaße wegen, unangenehm zu bespielen. Seine Einstellung und Mentalität sind Weltklasse. Alex ist abseits des Platzes (meinem Eindruck nach) ein intelligenter, aufgeräumter, charakterstarker und positiver Mensch. Auf dem Platz beweist er einen unbändigen Siegeswillen, gibt alles und haut insbesondere körperlich alles rein, was er hat. Er kann laut sein, lässt sich nichts gefallen, nimmt Stimmungen auf dem Platz auf, läuft heiß und kann Spieler und Zuschauer mitreißen. Er ist einer, der, wenn er mit Bierbechern beworfen wird, diese auch schon mal auffängt und vor den gegnerischen „Fans“ einfach mal daran nippt (tatsächlich geschehen). Ich mag ja solche Mentalitätsspieler, die es, wenn wir ehrlich sind, bei RB Leipzig kaum gibt.


Spielstil und -position

Als hochgewachsener Stürmer wurde der Norweger natürlich als sogenannter Wand- bzw. Zielspieler für hohe Bälle in einem 4-2-3-1 bei Trabzonspor im Sturmzentrum eingesetzt. Durch seine unbändige Physis zog er dort meist mehrere Spieler auf sich und schaffte dadurch Räume für andere. Je nach Spielsituation agierte er dabei aber auch oft als zweiter Stürmer neben Caleb Ekuban, der häufig, vom linken Flügel kommend, in die Mitte zog. Die ganze Saison über wurde Sørloth dabei aber immer wieder auch herausragend vom ausgezeichnet aufgelegten Argentinier José Sosa aus der Spielmacherposition in Szene gesetzt.

Gerade auf der großen Wand-/Mittelstürmerposition haben wir nach dem Weggang von Patrik Schick eigentlich nur noch Yussi Poulsen mit 1.93m. Alle anderen offensiven Kräfte erreichen kaum die 1.80m. Viel zu wenig Quantität auf dieser Position und insbesondere viel zu wenig für die Erwartungen unseres Trainers, der bei einer langen Saison oder nach einem möglichen Ausfall von Poulsen zwingend Alternativen benötigt, weil er sonst sofort auf diese taktische Variabilität verzichten müsste. Und gerade Nagelsmann liebt diese Art von großem, robustem, torgefährlichem Mittelstürmertyp:

„Das Spiel wird immer schneller und körperlich wuchtiger. Du brauchst gewisse physische Voraussetzungen, damit kann man auch mal gegen talentiertere Gegner ankommen und gut dagegenhalten. Körperliche Präsenz und Wucht ist auf vielen Positionen vonnöten und hilfreich.“ [Quelle]

Schauen wir uns daher erst einmal wieder die wichtigsten, statistischen Werte (sofascore, kicker) und Heat-Maps (wyscout.com) von Sørloth im Vergleich zu Schick in ihren jeweiligen Ligen (natürlich immer auch unter der Berücksichtigung der Qualitätsunterschiede) über die Saison hinweg an. Zur besseren Vergleichbarkeit habe ich diese Werte natürlich wieder auf 90 Minuten hochgerechnet, obwohl beide natürlich nicht alle ihrer Spiele über die komplette Spielzeit bestritten haben.

 

 

Gerade Schick hatte bei weitem nicht so viele Minuten (59.) pro Spiel wie der Norweger (88.), weil er u.a. immer auch mal wieder mit kleinen verletzungstechnischen Problemen zu kämpfen hatte. Einer der größten Vorzüge von Sørloth ist es dagegen, dass er bisherig eher nicht anfällig für Verletzungen war. Ähnlich wie Werner, der bei uns fast jedes Spiel bestreiten konnte, stand er in der Liga letzte Saison bei jedem Spiel auf dem Platz. Von wettbewerbsübergreifenden 51 Pflichtspielen bestritt er 49. Ein irrer Wert.

 

transfermarkt

 

Wenn man die wichtigsten Werte miteinander vergleicht, könnte man sagen: „Brüder im Geiste“. Natürlich sind in der Spielweise gewissen Ähnlichkeiten zu erkennen. Dennoch gibt es aber auch einige wesentliche Unterschiede. Alex ist, im Vergleich zu Schick, einige Zentimeter größer. Zudem kommt er viel massiger, robuster, physisch stärker, athletischer und insbesondere schneller daher. Er ist durch sein Tempo immer wieder auch ein wichtiger Faktor bei Umschaltsituationen.

Weiterhin hat Sørloth einen viel größeren Bewegungsradius. Situativ besetzt er auch immer mal wieder die Flügel bzw. weicht dahin aus. Vorrangig ist er aber in der roten Zone unterwegs und ist in der Luft eine Waffe. Er arbeitet gut im gegnerischen Pressing und insbesondere auch nach hinten mit. Er macht wie Poulsen die „dreckige Arbeit“. Bei Schick hingegen, war das in der Vergangenheit immer wieder ein großer Kritikpunkt von Nagelsmann.


T(h)oresohn

Am Wichtigsten ist aber der ausgezeichnete Torriecher und die Galligkeit des Norwegers Tore erzielen zu wollen: „Jedes Mal, wenn ich auf das Feld gehe, habe ich den unbändigen Willen, dass ich ein Tor erzielen möchte.“ Man merkt es ihm an, und es gelang ihm in der Türkei außergewöhnlich gut.

 

transfermarkt

 

Ähnlich wie bei Timo Werner liegen seine Qualitäten im Zug zum Tor, instinktiven Torabschlussverhalten und im Aufbrechen gegnerischer Abwehrketten, bei dem er auch nie den Blick für besser platzierte Mitspieler verliert. Mit seinen 24 Toren war er Torschützenkönig der Liga. Dabei war er auch besonders effektiv, denn statistisch gesehen, hatte er nur Chancen für 19,5 Tore (expected Goals = zu erwartende Tore).

 

wyscout

 

Zu seinen 24 Toren in der Liga legte er 9 Assist auf. Damit war er rechnerisch alle 91 Minuten also 1-mal pro Spiel an einem Tor beteiligt und damit bester Scorer der Liga. Zur besseren Einordnung findet ihr nachfolgend auch mal einen ligaübergreifenden Vergleich mit bekannten Größen.

 

 

Immer am Rande des Abseits, tief in der gegnerischen Hälfte, clever zwischen den Verteidigern in den Halbräumen agierend, gelang es ihm, wie keinem zweiten der Liga, freie Räume in der Abwehrkette durch schnelles Umschalten mithilfe seiner Gedankenschnelligkeit und seinem Tempo eiskalt zu nutzen. Es sieht nicht schnell aus. Aber sein Schritt ist raumgreifend. Und als ehemaliger Sprinter im Eisschnelllauf, weiß er wie es geht und hat trotz seiner Größe die Anlagen dazu.

Er liest das Spiel sehr gut und ist immer wieder in der Lage, Passwege vorauszuahnen. Damit ist er meist schon dadurch einen Schritt schneller als die Verteidiger, die dann oft nur noch hinterherschauen können. Sein linker Fuß ist eine Waffe. Er verfügt über einen harten, wie auch platzierten, präzisen Schuss. 55% aller Schüsse gingen aufs Tor. Ein sehr starker Wert. Er war damit viertbester Spieler der Liga. Ob nun per Fernschuss oder im Strafraum, sieht Alex seine Chance, fackelt er nicht lange und zieht ab. Nur 4 Spieler haben in der Liga häufiger aufs Tor geschossen. Sein rechter Fuß ist dagegen eher ausbaufähig.

 

 

Eins gegen Eins

Trotz seiner Größe macht Sørloth viele Dribblings. Er gelangte damit sogar auf Platz vier der Liga.

Dabei wirkt er erstaunlich agil, beweglich und technisch nicht untalentiert. Oft versucht er im Umschaltspiel mit Ball am Fuß und seiner Geschwindigkeit einfach am Gegner vorbeizuziehen. Ist er einmal vorbei, ist es für den Gegner sehr schwer, ihn noch vom Ball zu trennen. Durch seinen massiven Körper und seine Größe schirmt er den Ball geschickt ab. Auch in Zweikämpfen ist er robust und stark. Oft genug prallen die Gegner einfach an ihm ab.

 

wyscout

 

Kopfballstärke

Eine Urgewalt ist er beim Kopfballspiel. Wird der Ball hoch in den Laufweg von Sørloth gespielt, ist er aufgrund seines außergewöhnlichen Körperbaus, seiner Sprungkraft und cleveren Laufwege zwischen den Verteidigern kaum im Strafraum zu verteidigen. In der Liga war er mit 6 Kopfballtoren am Ende führender.

Ganze 28-mal hat er zudem aufs Tor geköpft und war damit zweitbester der Liga. Damit ihr euch über das Gesagte und die herausgestellten Stärken und Fähigkeiten selbst eine Meinung bilden könnt, gibt es nachfolgend wieder ein Video-Tipp:



Fazit – Der Unvollendete

Endlich hat es geklappt einen weiteren, dringend notwendigen Stürmer zu verpflichten. Alexander Sørloth gehört definitiv zu den aufregendsten, norwegischen Spielern. Er ist ein großer, starker, athletischer, torgefährlicher und abschlussstarker Stürmer. Wie ein Haaland hat er außergewöhnliche Voraussetzungen, um im Fußball erfolgreich zu sein. Es gibt nicht viele Spielertypen mit diesem seltenen Mix aus körperlichen, charakterlichen und fußballerischen Fähigkeiten. Seine Mentalität, Leidenschaft und der unbedingte Siegeswille sind hervorragend. Er ist eine Waffe in der Luft, zudem schnell und agil. Ich freue mich sehr auf ihn und bin richtig heiß.

Und dennoch wirkte es bisher bei ihm so ein bisschen wie bei uns. Er hat Talent, ist noch relativ jung an Jahren, kann Außergewöhnliches leisten, aber für die großen Ligen bzw. gegen die großen Klubs fehlte immer irgendetwas. Sowohl in der ersten holländischen, belgischen und englischen Liga hat es nie so richtig gereicht. Danach wechselte er in eine schwächere dänische oder türkische Liga und brachte seine Leistungen. Man sah auch sehr gut, dass er seine Tore eben auch deswegen schießen konnte, weil teilweise haarsträubende Fehler der Gegner vorausgingen. Denn auch die Qualität der türkischen Liga ist, bei allem Respekt, weit weg von deutscher oder englischer. Nach dem Gesetz seiner bisherigen Serie hätte er jetzt wieder zwei schlechte Saisons.

Aber ich möchte jetzt hier kein Spielverderber sein bzw. schwarzmalen. Denn am Ende geht es um Qualität und Entwicklung. Auch ein Haaland benötigt eine spielstarke Mannschaft, die im taktischen Sinne auch auf ihn zugeschnitten ist, um ihn in gute Abschlusspositionen zu bringen, damit er funktioniert und brilliert. Qualität und insbesondere Torgefährlichkeit ist bei Sørloth und in unserer Mannschaft ohne Zweifel massig vorhanden. D.h., es liegt an ihm, seine Chancen zu nutzen und sich weiter mit der Mannschaft unter Nagelsmann zu entwickeln.

Mögliche Entwicklungen muss man bei einem Transfer, der immer eine Wette auf die Zukunft ist und bleibt, auch ein wenig unterstellen. Man muss die Phantasie haben, dass der Spieler funktioniert. Ich habe diese. Nagelsmann hat diese auch, sonst würde er ihn nicht verpflichten wollen. Auch wenn unter ihm die spielerische Komponente massiv zugenommen hat, gibt es immer noch die Philosophie des schnellen, pressing- und gegenpressing-orientierten, vertikalen Umschaltfußballs. Und in diese fügt sich Sørloth perfekt ein.

Aber seine Wucht und positive Aggressivität wird auch gebraucht, wenn gegen stark pressende Teams auch mal hohe, lange Bälle ein Mittel zum Zweck werden können oder einfach mal ein Brecher gebraucht wird, der das Team emotional mitreist oder dieses eine Gammel-Siegtor schießt. Diese Attribute hatten wir bisher nur bedingt in unserem Team. Auch wenn er körperlich ganz anders daherkommt, und es ggf. ein wenig komisch anmuten mag, hat Alexander Sørloth zu den typischen Merkmalen eines großen Mittelstürmers auch „wernerhafte“ Fähigkeiten und Tugenden.

Zudem muss er sich im Team wohlfühlen und das völlige Vertrauen des Trainers bekommen. Wenn das Umfeld stimmte, brachte er bisher immer seine Leistungen. Auch hier war/ist er Werner ähnlich. Genau hier habe ich die meisten Fragezeichen. Denn wie verkraftet der Spieler selbst, diese für alle Beteiligten unangenehme Transfersaga? Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas mental spurlos an einem selbst (und allen Beteiligten, die dieses ganze Chaos mitbekommen haben) vorübergeht. Zudem fehlen ihm mittlerweile einige Trainingswochen. Ich habe da so meine Zweifel. "Laute" Transfers haben bisher bei uns nie den erhofften Erfolg erzielt (siehe Bruma oder Lookman). Aber hoffen wir das Beste, dass er die Abgänge von Werner und Schick erstmals auch in einer der stärksten Ligen weltweit mit guten Leistungen und vielen Toren sowie Torvorlagen kompensieren kann. Unterstützen wir ihn dabei und heißen in unserer schönen, bunten Fußballwelt nun auch unseren ersten norwegischen Spieler in der Messestadt willkommen. Hjertelig velkommen til Leipzig, Alexander Sørloth.

Justgroovy


Permalink:
https://www.rb-fans.de/artikel/20200922-transfer-sorloth.html

  • 2020/21
  • Alexander Sørloth
  • King in the North
  • King of the North
  • König des Nordens
  • Königstransfer
  • RB Leipzig
  • Sørloth
  • Transfer

RB LEIPZIG FANFORUM

FORUM RB LEIPZIG

OFFIZIELLE RBL-WEBSITE

Offizielle RB Leipzig Website

RB-FANS.DE VOTING

Jetzt gehen die englischen Wochen richtig los, wie beurteilt ihr den Saisonstart?

Platz 1 in Liga und CL – Besser geht’s nicht!
Top, aber die schweren Gegner kommen noch.
Gut, aber gegen Bayer und Istanbul war es eher mau.
Bei dem Programm erwartbar.

RB-FANS.DE FACEBOOK