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29. Spieltag 1. Bundesliga
Freitag, 16.04.2021, 20:30 Uhr
Ort: Red Bull Arena Leipzig
RB Leipzig
TSG 1899 Hoffenheim
Spielplan RB Leipzig

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Leipzig - (07.04.2021) Wer etwas Blechernes zum Scheppern bringen möchte, muss es im Zweifelsfall auch treffen können. Wir nehmen die größte Problemstelle der aktuellen Saison des Rasenballsports unter die Lupe: die Torausbeute.

Die Saison strebt ihrem unvermeidlichen Ende entgegen. Die erneute Meisterschaft ist den Bayern kaum noch zu nehmen. Dass Leipzig nach dem verlorenen 6-Punkte-Spiel den FCB noch einholt, ist in etwa so wahrscheinlich wie das Herausfallen aus den Champions League Plätzen. Insofern geht es in der Bundesliga für RBL nur noch um Nuancen. Best of the Rest bzw. die Vizemeisterschaft, die echten Schlachten warten im Pokal. Dort könnte es zum Finale gegen den BVB kommen.

In diesem Sinne und in Vorbereitung auf den Sommer, könnte ein Blick auf die größte Baustelle der bisherigen Saison lohnen. Die Torausbeute.

 

Das Offensichtliche

Leipzig fehlt der Goalgetter. Diese gerne bemühte Erklärung, zuletzt vom Trainer selbst, liegt auf der Hand. Treffsichere Stürmer sind seit dem Abgang von Werner nicht vorhanden. Die Ursachen sind mannigfaltig. Die Neuzugänge brauchen unter Nagelsmann meist ungewöhnlich lange Eingewöhnungszeiten und spielen nur sporadisch.

Dazu lieferten die offiziellen Werner-Ersatz-Kicker nicht in der erhofften Form. Sørloth kam spät und passt dann doch weniger als geplant ins System Nagelsmann. Wie Werner braucht er eher die Wucht aus der Tiefe, als Zielspieler in der Spitze wird er zu selten eingesetzt, überhaupt mangelte es an Eingewöhnung. Der Zug ist noch nicht abgefahren, aber es deutet sich zumindest an, dass er die Leistungen aus der türkischen Liga nicht in der Bundesliga wiederholen kann. Auch für Hwang scheint dieser Ligasprung zu groß gewesen zu sein. Nicht der erste Salzburger mit Anpassungsprobleme, weswegen man auch bei Koita oder Daka vorsichtig sein sollte.

 

Nkunku ist Leipzig Bundesligatopgoalgetter.

 

Bleibt letztlich Poulsen, der in einem erwartbaren Rahmen performt. Sicherlich eher mit den spektakulären unmöglichen Schüssen und weniger mit den Großchancen, das muss man ihm etwas vorwerfen, aber insgesamt nah dran, an seinem (unterdurchschnittlichen xG). Ursache und Folge (siehe Alkohol bei den Simpsons) dieser Misere ist ein Spiel ohne echten Stürmer, in dem Forsberg oder Nkunku den falschen Neunerhasen geben. Zum einen gerechtfertigt, weil sie mehr spielerische Qualität mitbringen und so besser zu Nagelsmanns Spielidee passen und zudem auch aus ihren Chancen mehr machen als die fach(un)kundige Sturmkonkurrenz. Diese Herangehensweise behindert aber das Hereinwachsen der Stürmer, soweit das mit ihren Anlagen überhaupt möglich ist.

 

Weder erwartete noch unerwartete Tore

Kurz vorweg: was ist der xG-Wert? Der "expected Goals" Wert beschreibt die Qualität der Tormöglichkeit, die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Tor aus der Abschlusssituation entsteht. Zur Wertbildung werden u.a. Winkel, Position, Torschussgeschwindigkeit und vorhandene Gegenspieler herangezogen. Das hat natürlich auch seine Schwächen, die aber bei der vorliegenden Betrachtung über fast eine Saison und alle Ligaspieler hinweg ausgeglichen werden.

Die Konkurrenz für RBL, wenn es um Torschussverwertung geht, ist letztlich nicht das Nonplusultra der Liga mit FCB (ca. 20 Tore über dem erwarteten xG Wert) mit dem Überspieler Lewandowski (10 Tore über xG) sondern die direkte Konkurrenz um die Champions League Plätze. Leipzig ist der einzige Bundesliga Topklub, der weniger Treffer erzielt hat, als der xG-Wert erwarten ließe. Die Verfolger aus BVB und Co liegen jeweils gut 3-4 Tore (oder 2-3 - je nach Methode) über diesem Wert, Leipzig ca. 3-4 darunter. Und das obwohl nur die Bayern mehr Schüsse aufs Tor und nur FCB und BVB mehr Schüsse innerhalb des Strafraums abgegeben haben. Die grundsätzliche Qualität der Abschlüsse ist also gegeben

 

Quelle fbref.com: Nur vier Spieler gehen noch freigebiger mit ihren Chancen um als Olmo.

 

27 Spieler haben in der Bundesliga elfmeterbereinigt mehr als 5 xG angesammelt. Von RBL gehört lediglich Nkunku in diesen erlauchten Kreis. Dies ist an sich bereits für eine Spitzenmannschaft problematisch hinzu kommt allerdings, dass gerade die Spitzengruppe eine überdurchschnittlich Torausbeute aufweist. Ein Drittel der 27 Kicker hat 1,5 oder mehr Tore über seinem xG Wert erzielt. In diese Kategorie fallen bei RBL lediglich zwei Spieler. Orban und Forsberg, mit etwas Augen zu auch noch Mukiele, das sind die drei Kicker, die in der Verwertung in den Bundesliga Top 50 rangieren, leider mit Forsberg nur ein Offensivspieler. Nkunku liegt dagegen leicht unterhalb seines xG Wertes. Das gilt auch für Olmo (nur vier Bundesligaspieler machten weniger aus ihren Chancen), Haidara (Nr. 13 im Negativranking), Sørloth (Nr. 31), Kluivert (41) und Hwang (42) sowie Kampl (48).

 

Quelle fbref.com: Forsberg und Orban sind Leipzigs Überperformer, bei den anderen Teams sind es oft die Topscorer.

 

Andere Statistik: ähnliches Bild. 33 Bundesligaspieler haben 50% oder mehr ihrer Schüsse aufs Tor auch in selbigen untergebracht. Nur ein Leipziger ist unter ihnen (Orban). 102 Spieler haben 25% oder weniger ihrer Schüsse aufs Tor umgemünzt. Unter ihnen gibt es ganze acht Leipziger (Hwang, Olmo, Sørloth, Adams, Haidara, Sabitzer, Kluivert, Upamecano). Bayern hat zwar ähnlich viele, aber da macht Lewandowski alles wett, BVB, Wolfsburg und Frankfurt jeweils 4 oder 5. Alle eint aber, dass es meist doch etwas defensiver agierende Kicker sind, die dieses Problem haben und sie auf der anderen Seite mehr offensive Akteure haben, die unter den Top-33 sind.

 

 

Dieses Ungleichgewicht: treffsichere Abwehrspieler, viele abschlussschwache Offensivakteure konstituiert das Leipziger Dilemma. Der Rotebrauseblogger hatte gestern bereits darauf hingewiesen, dass die Torproblematik bereits hinter der ersten Offensivlinie, wenn sie denn auch mal spielt, beginnt. Hier kann man von Glück reden, dass die Defensive nicht nur in ihrer Kernkompetenz so gut agiert sondern auch das eine oder andere Tor erzielt.

 

Quelle fbref.com: Effizienz und Quote unterdurchschnittlich.

 

Auch andere Teams haben ein gewisses Gefälle im Kader, aber bei keiner Spitzenmannschaft ist dies so ausgeprägt bei den Offensivakteuren der Fall. Ein Teilaspekt dieses Problems kann auch die etwas höhere Schussdistanz sein. Nach Leverkusen und Wolfsburg hat RBL die dritthöchste mittlere Abschlussdistanz (ca. 15,3m), BVB, Bayern und besonders Frankfurt (ca. 1m weniger) sind näher am Ziel. Fazit: Bei Toren pro Schuss bzw. Toren pro Schuss aufs Tor liegt RBL in Sachen Effizienz hinter seinen Verfolgern. Nur die schwer gebeutelten Gladbacher liegen hier auf dem RBL Niveau. Ein Umstand, den es zu ändern gilt.


Fazit und Ausblick

Natürlich ist dies alles Jammern auf hohem Niveau. Die Saisonziele wurden erreicht bzw. übertroffen. Leipzig ist aktuell Zweiter, ist ins Champions League-Achtelfinale eingezogen und kann immer noch den DFB-Pokal gewinnen. Das alles mit finanziellen Mitteln, die immer noch deutlich unter denen des FCB und des BVB liegen und die sich auch nicht deutlich von denen Wolfsburgs oder Leverkusens unterscheiden. Trotzdem ist es natürlich immer wichtig, den Finger in die Wunde zu legen und an den eigenen Schwächen zu arbeiten.

Es stellen sich zwei Grundfragen. Erstens: was ist diese Saison noch nötig und möglich, um den Pokal zu gewinnen? Zweitens: Wie löst RBL dieses Problem im Sommer?

In der ersten Frage müssen RBL und Nagelsmann aus den letzten zwei Pleiten die entsprechenden Lehren ziehen. Dazu wäre vor dem etwaigen Finale noch eine Generalprobe in Dortmund zu absolvieren. Eine ähnliche Konstellation hatte Leipzig auch vor zwei Jahren, genützt hat es damals wenig. Von Nagelsmann darf man erwarten, dass er aus der langen Vorbereitung auf dieses Spiel die notwendigen Schlüsse zieht, wie er es seinerzeit auch in der Champions League gegen Atletico tat. Dennoch wird in letzter Konsequenz das hier thematisierte Problem eine gehörige Rolle spielen. Die Chancen müssen genutzt werden, so man zusätzlich die Nemesis Haaland an die Kette legen kann.

Zeitgleich muss es wohl mehr Torschusstraining geben, letztlich ist es zu einem großen Teil die Abschlussqualität, die RBL auf die Füße fällt und weniger die Chancengenerierung, auch wenn die in den Topspielen auch gerne problematisch war.

 

Forsberg liefert.

 

Im Vergleich zu dieser auf ein Spiel fokussierten Frage, ist die Problemlösung im Sommer schwerer. Mit Brobbey im Sturm und Szoboszlai als quasi Neuzugang im Mittelfeld sind bereits zwei Kicker da, die in ihren Ligen durchaus so etwas wie Treffsicherheit ausstrahlten. Für beide wird es aber ein großer Sprung. Brobbey verlässt die Komfortzone, wird mit der höheren Belastung und stärkeren Gegenspielern klarkommen müssen. Szoboszlai hat fast ein halbes Jahr aussetzen müssen, wird im offensiven Mittelfeld eine große Konkurrenz vorfinden und im zentralen Mittelfeld mit neuen Anforderungen, denen er auch in Österreich nur bedingt gewachsen war (Spiel gegen den Ball), zudem auch er mit einem Ligensprung.

 

Olmo mit Abschlusspech.

 

Nach den letzten Aussagen deutet viel darauf hin, dass man sich seitens RBL um einen weiteren Stürmer bemühen wird. Hwang könnte vielleicht gehen, was sich ja schon im Winter angedeutet hat und die Leihe von Kluivert wird wohl nicht verlängert. Für Sørloth wird sich wohl kein Käufer finden, sein Zug ist auch noch nicht komplett abgefahren, obschon ein Durchbruch mit jedem Spiel etwas unwahrscheinlicher wird. Das Gros der immer wieder diskutierten Namen ist im höchsten Grade unwahrscheinlich. Kalajdžić dementiert, zu teuer und zu ähnlich den vorhandenen großen Wandstürmern. Silva zu teuer und Frankfurt wird ihn wohl mit Champions League sowieso halten können. Abraham oder Thuram auch schwer vorstellbar. Eine gewisse Wahrscheinlichkeit hätten Hložek oder Daka, beide sind aber keine Spieler die risikoarm wären. Bei Daka könnte man auf die lange Latte von Salzburgern verweisen, die hier nicht durchstarteten. Hložek käme ebenfalls aus einer kleineren Liga und ist noch im Talentalter.

Ein wichtiger Punkt, den man bei etwaigen Sommerneuzugängen auch im Blick haben muss, ist, dass gerade die neueren Offensivspieler Sørloth, Olmo, Kluivert, Hwang eher zu den Unterperfromern gehören. Während Kicker, die schon länger im Kader sind nah an ihren erwartbaren Werten liegen (Nkunku, Sabitzer, Poulsen) oder überperformen (Orban, Mukiele, Forsberg).

Insofern ist auch Nagelsmann gefordert aus dem vorhandenen Sturmmaterial mehr herauszuholen als in dieser Saison. Es gilt die Anlaufphasen zu verkürzen, die Spieler besser nach ihren Möglichkeiten einzusetzen und mehr aus den Abschlüssen zu machen. Dies wird neben den Neuzugängen selbst nötig sein, um den nächsten Schritt zu machen und den, bei aller hier geäußerten Kritik, aktuell auch schon positiv hervorzuhebenden Prozess Richtung Spitzenmannschaft weiterzugehen.

Rumpelstilzchen


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