GULACSI – PFOSTEN – XAVI – SESKO > SIEG
Leipzig - (10.02.2025) Wichtige drei Punkte im Heimspiel und im Kampf um einen Champions League Platz. St. Pauli wie erwartet schwer zu bespielen, mit guter Defensivarbeit, die aber unsere Rasenballer mit individuell hoher Qualität auszuhebeln wusste. Das 10. Spiel zu Null in dieser Saison, ohne erneut spielerisch überzeugen zu können, was am Ende Péter Gulácsi nach Willi Orbans Platzverweis festhalten konnte.
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Die erste volle Trainingswoche am Cottaweg seit Langem stand an. Das Team um Marco Rose hatte endlich mal keine englische Woche vor der Nase und konnte mit dem Team „Grundlagen“ zusammen einstudieren. Er hob insbesondere die Offensivkräfte Xavi und Sesko hervor, die im Training ordentlich Gas gaben und sehr viel Spaß hatten. Schließlich wollte man bestmöglich gewappnet sein, die bis dato zweitbeste Abwehr der Liga irgendwie zu knacken, was in den letzten Spielen kaum noch gelang.
Nach der mageren Nullnummer bei Union Berlin und den Bundesliga-Samstagsspielen der Konkurrenz wusste man zumindest, woran man ist. Schließlich hatte Stuttgart am Samstag in Dortmund gewonnen und vorerst Platz Vier in der Tabelle zurückerobert. Unsere Rasenballer könnten mit einem Sieg vor heimischen Publikum wieder an den VfB vorbeiziehen und den vierten Champions League Platz einnehmen. Vor St. Paulis Tormaschine brauchte man keine allzu große Angst haben, die mit Bochum die schlechteste Offensive darstellen. Aber wir wissen ja, wie es in Bochum hätte laufen können. Drum sollte man das Heft des Handelns in die eigene Hand nehmen, stabil stehen und vorn endlich mal wieder zünden. Etwaige Punktverluste gegen Teams der unteren Tabellenhälfte sind nicht mehr vertretbar in Anbetracht der Saisonziele.
🎙️ Marco #Rose über die Offensiv-Power:
— RB Leipzig (@RBLeipzig) February 7, 2025
"Benjamin #Sesko, @LoisOpenda und @xavisimons geben ordentlich Gas im Training und haben einfach Spaß zusammen. Jetzt hatten wir auch eine Woche, wo die Jungs auch ihren Spaß haben konnten!
Der Mannschaft hat die volle Trainingswoche… pic.twitter.com/5IStEBTDMF
Dreisatz des Spiels
Individuelle Qualität, Glück und Ehrgeiz. Das zusammen reichte an diesem Sonntagabend gegen den FC St. Pauli, um mit einem Sieg für etwas Freude zu sorgen. Drei wichtige Punkte sind es im Kampf um die Champions League Plätze gewesen, die vorübergehend etwas Luft verschaffen. Stuttgart wird wohl bis zum Saisonende der größte Konkurrent bleiben. Trotzdem war es an diesem Abend wieder kein spielerischer Augenschmaus und das bleibt weiterhin die Achillesferse unter Marco Rose in dieser Saison. Eine fehlende Basis, die gegen Teams mit minderer Qualität noch reicht, aber gegen stärkere Gegner nicht mehr auszugleichen ist. Hierfür bedarf es einer Spielidee, die mehr Ideen im Aufbauspiel beinhaltet, mehr Laufarbeit ohne Ball, mehr Automatismen im Zusammenspiel, mehr kreative Spielgestaltung und Torabschlussaktionen, auch aus der zweiten Reihe.
Nach einer soliden ersten Halbzeit schien die zusammenhängende Trainingswoche Wirkung zu zeigen. Sesko und Xavi erzielten je ein Tor und bereiteten je eines vor. Hier funktionierte das viel vermisste Zusammenspiel beider Akteure sehr gut, aber wurde auch hervorragend durch die hohe Qualität beider Spieler umgesetzt sowie durch den Gegner mit viel Raum ermöglicht. Das 1:0 entsprang aus einem Konter, während beim 2:0 St. Pauli defensiv nicht kompakt stand und unsere Rasenballer dies gut auszunutzen wussten. So weit so gut und zufriedene Gesichter bei Spielern, Trainer und Fans bis zur Halbzeit. Aber leider und wie so oft konnte das Niveau nicht mehr gehalten werden. Schon in ersten 25 Minuten des zweitens Durchgangs war so gut wie keine Offensivaktion mehr erkennbar, bis schließlich Willi Orban als letzter Mann zu spät kam und beim Klären des Balles auch den Gegner traf. Fortan waren unsere Rasenballer in Unterzahl, wechselte man auf einigen Positionen und beteiligte sich insgesamt an einem wilden Spiel, in der dann wieder einige Umschaltmomente und Torchancen möglich waren. Dank Péter Gulácsi, der sich mit einigen Paraden auszeichnen konnte, blieb es bei null Gegentreffern. Alles in allem keine spielerische Augenweide, aber in der Gesamtheit des Spiels ein verdienter Sieg.
Engagement, Gulacsi und gelegentliche individuelle Klasse in der Offensive. Und dann hast du die Positivliste für den Tag quasi schon fertiggeschrieben. #rblfcsp
— rotebrauseblogger (@rotebrauseblog) February 9, 2025
Aufgefallen
1) 10. Bundesligaspiel zu Null – bedeutet fast jedes zweite Spiel ohne Gegentor. Eigentlich eine gute Quote nach 21 Bundesligaspielen in dieser Saison. Aber mit 29 Gegentreffern befindet man sich in dieser Kategorie auf Platz 7 in der BL-Tabelle, beim Zulassen gegnerischer Torschüsse und gegnerischer Torgefahr (xGA) sogar nur auf Platz 13 mit 1,9 erwartbaren Gegentoren. Gleichzeitig wiederholte man auch die zu-Null Spiele der Hinrunde, so dass Union Berlin und St. Pauli in beiden Bundesligaduellen gegen uns kein einziger Treffer gelang.
2) Péter Gulácsi – Einmal mehr ein Garant für die wenigen Gegentreffern und Punktgewinne in dieser Saison. Bei allen (10) zu-Null Spielen stand er zwischen den Pfosten. Seine Stärke ist unangefochten auf der Linie. Mit einer Glanzparade rettete er Lukebas misslungenen Abwehrversuch, lenkte den Ball an den Pfosten und ermöglichte somit erst den Konter zur 1:0 Führung. Aber auch als unser Team in Unterzahl spielte, war er nicht zu überwinden. Insgesamt haben wir ein Luxusproblem mit Maarten Vandevoordt und ihm auf der Torhüterposition, um das uns viele starke Vereine beneiden dürften.

3) Xavi und Sesko brillieren – Während Loïs Openda erstmal Vorlieb mit der Bank nehmen durfte, konnten Xavi und Sesko die Vorschusslorbeeren von Marco Rose bestätigen. Diesmal wussten sie nicht nur im Training zu überzeugen, sondern beide konnten auf dem Platz endlich wieder ihr Können unter Beweis stellen. Je ein Assist und ein Treffer stehen zu Buche, wobei beide Tore mit ihrer hohen individuellen Qualität umgesetzt wurden. Auch Loïs hatte nach seiner späten Einwechslung noch die eine oder andere Möglichkeit, aber er hat in der aktuellen Phase einfach auch die Seuche am Fuß. Seine hohe Trefferquote aus der letzten Saison fehlt auf alle Fälle in dieser.
4) Schlechte Zweikampfquote – Nur 40% gewonnene Zweikämpfe. Ja man wusste um der Stärke der Kiez-Kicker und um die gute Defensivarbeit. Aber an dieser Tugend sollte es eigentlich nicht scheitern. Mit insgesamt 49% Zweikampfquote offenbart man bisher den schlechtesten Wert in einer Saison in der RB-Bundesligahistorie, die sonst immer über 51% lag. So wurde schließlich auch Lutsharel Geertruida zur Pause ausgewechselt, der keinen einzigen Zweikampf auf seiner rechten Verteidigerseite gewinnen konnte nach seiner frühen gelben Karte und oft zu weit weg vom Mann stand.
5) Rote Karte für Willi Orban – schon seine zweite glatt-rote Karte in dieser Saison. Er ist somit gegen Augsburg gesperrt. Man darf gespannt sein, wie das Team um Marco Rose den Qualitätsverlust wettmachen will. Augenscheinlich dürfte Lukas Klostermann auf die Innenverteidigerposition rücken, aber auch El Chadaille Bitshiabu wäre eine Option. Trotzdem fehlt auch die Torgefahr von Willi Orban, der schon 5 Treffer in dieser Saison erzielen konnte. Und man sollte ausführlich analysieren, warum unser Kapitän nun öfter in solch einer prekären Spielsituation kommt.

6) Eigene Spielgestaltung? – leider weiterhin Fehlanzeige. Auch nach 21 Bundesligaspielen und 8 Champions League Partien in dieser Saison ist keine spielerische Finesse erkennbar. Eine Weiterentwicklung in dieser Hinsicht unter Marco Rose und seinem Trainerteam scheint kaum noch denkbar und dürfte spätestens am Saisonende zum ganz großen Thema werden. Von Spielwitz, munterem Wechselspiel auf den Positionen, Hinterlaufen, Kreuzen, Anbieten vieler Mitspieler und ein gemeinschaftliches Offensivpressing ist nichts mehr zu sehen. Vielmehr sind es einzelne Offensivaktionen mit individueller Qualität, die zu Toren führen oder wenn doch, dann kann man sie an einer Hand abzählen. In dieser Rubrik sind uns Teams wie Bayern, Leverkusen und Stuttgart voraus. Aber vor allem bei internationalen Spielen auf hohem Niveau und bei Spielen gegen tiefstehende Gegner offenbart sich immer wieder diese Schwäche.
7) Neue Torhymne – Mal wieder etwas Neues, was sich noch nicht so ganz gut anfühlt und auch amateurhaft umgesetzt wurde. Erstens gibt es durchweg auf den Social-Media-Kanälen fast nur negative Meinungen dazu und zweitens läuft die Musik noch während des Spiels, was ein Novum darstellt und unmissverständlich verändert werden muss. Zwar war die frühere Torhymne schon etwas abgenutzt, aber die aktuelle selbstkreierte Version von „Leipzig on fire“ wirkt eher unpassend. Falls man an dieser Version festhalten möchte, dann bitte gleich nach dem Torerfolg abspielen und nicht erst nach Tim Thoelkes Torschützenaufrufs. Zwar ist es auch ein Wunsch des Teams, das Lied als Torhymne hören zu wollen, aber schön wäre es, wenn hier die Fans einmal gefragt oder mit abgestimmt hätten dürfen.
Enjoy 🙈🙉🙊 #RBLFCSP #RBLSTP
— Bulls In Red-our RB Leipzig Podcast (@ourrbleipzigpod.bsky.social) 9. Februar 2025 um 23:19
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8) Stimmung mau – Nach dem Leverkusenspiel und der großartigen Stimmung, was teilweise dem Spielverlauf geschuldet war, war diesmal wieder Flaute auf den Rängen und im Fanblock angesagt. Auch die neuen Capos haben teilweise ihren Anteil daran, dass die Mitmachquote im Fanblock dieses Mal sehr gering war. Erstens waren sie sehr schlecht zu verstehen, zweitens wurde der Sprachgesang und die Liedauswahl bis zu zehn Minuten lang wiederholt (ein Dauersingsang, der sich automatisch abbaut), hinzu der Spielsituation nicht angepasst und sonst auch die Liedauswahl größtenteils nur für Szenekundige ausgewählt wurde. Kein „Wir sind Schweine…“, kein Wechselgesang im Stadion „Rasen – Ballsport…“, kein „Rot-Weiß sind unsere Farben…“, kein „Red-Bull mit Cola…“, kein „ob aus der Ferne oder daheim…“ usw. Eben, das, was die meisten Fans und Zuschauer kennen und lautstark mitmachen würden. Das mag vielleicht ein Kritikpunkt sein, sollte aber nicht ihr Bemühen schmälern, vor dessen ich absolute Hochachtung habe.
9) Erste Pyroaktion im Heimbereich – Ja, wer hätte das gedacht und viele waren etwas überrascht. Die Haltung von RB Leipzig und das harte Vorgehen gegen die verbotene Pyrotechnik in einem Stadion ist den meisten Fans und Zuschauern hinlänglich bekannt. Wohl angestachelt vom letzten Auswärtsspiel bei Union Berlin, in dem über 30 Fackeln im Leipziger Fanblock gezündet wurden, versuchten es diesmal zwei sehr junge Zuschauer, die für ihn liebgewonnene Pyroaktion auch im heimischen Stadion durchzuführen. Auch wenn es nur ein kleines Zündeln war, war für die beiden Fans anschließend der Abend schnell gelaufen und sie mussten das Stadion verlassen. Spannenderweise kam die Pyro nicht von der Szene.
Dokumentiert: Die erste Pyro-Fackel im Heimbereich bei einem Heimspiel von @RBLeipzig. #RBLFCSP pic.twitter.com/rTHAkZbrIF
— RB-Fans.de (@rb_fans) February 9, 2025
Fazit und Vorschau
Ein wichtiger Dreier und endlich der erste Erfolg im vierten Rückrundenspiel. Über 46.000 verkaufte Tickets (bei offiziell knapp über 40.000 Anwesenden) für ein Abendspiel am Sonntag. Eine relativ hohe Zuschaueranzahl gegen einen nicht ganz so qualitativ hochwertigen Gegner, auch denn die No-Show-Rate deutlich erkennbar war.
Mit dem 2:0 „Pflichtsieg“ sprangen unsere Rasenballer wieder auf den vierten Tabellenplatz und liegen weiterhin nur einen Punkt vor Stuttgart. Nun gilt es, ohne unseren Kapitän und Abwehrboss in Augsburg zu bestehen. Dies wiederum wird keine leichte Aufgabe werden, denn der FC Augsburg gehört zu den formstärksten Teams und hat keines seiner letzten fünf Bundesligaspiele verloren bei drei Siegen und zwei Remis. Stark präsentiert sich der FCA in der Kompaktheit und Stabilität. Nur zwei Gegentreffer in den letzten fünf Spielen sollten Vorwarnung genug sein.
Das Hinspiel lautete 3:0 für unsere Roten Bullen, die nun wiederum beweisen müssen, dass sie sich auch in der Offensive verbessern können und auch ohne unseren Kapitän Willi Orban erfolgreich sein können. Ein Auswärtssieg wäre der richtige Schritt in die richtige Richtung. Ein Remis hingegen schon wieder ein Rückschritt im Vergleich zur Hinrunde. Der Druck wird nicht kleiner und jedes Spiel ist nun ein Endspiel bis zum Saisonende. Die Daumen sind gedrückt.
Heimsieg 💪🏻💪🏻💪🏻 #RBLfcsp
— BrauseCrew Berlin (@brausecrew.bsky.social) 9. Februar 2025 um 19:25
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kicker - whoscored - sofascore - Sofacore - RB Leipzig - Bundesliga - fotmob - understat - fbref
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi – Geertruida (46. Seiwald), Orbán, Lukeba (83. Lukeba) - Baku,
Haidara, Kampl (73. Bitshiabu), Raum – Nusa (73. Baumgartner), Xavi – Šeško (73.
Openda)
Bank: Vandevoordt - Bitshiabu, Openda, Seiwald, Baumgartner, Klostermann,
Vermeeren, Nedeljkovic, Gomis
FC St. Pauli: Vasilj - Wahl, Smith, Nemeth (80. Ceesay) - Treu, Irvine, Sands, Van der Heyden (57.
Dzwigala) – Weißhaupt (80. Weißhaupt), Eggestein, Boukhalfa (57. Saad)
Schiedsrichter: Florian Badstübner
Tore: 1:0 Sesko (16.), 2:0 Simons (35.)
Torschüsse: 11 / 7
Schüsse aufs Tor: 6 / 4
expected Goals: 1,90 / 0,72
Passquote: 88% / 82%
Zweikampfquote: 40% / 60%
Ballbesitz: 56% / 44%
Laufstrecke: 114,28km / 120,95km
Sprints: 231 / 219
Fouls: 12 / 8
Ecken: 5 / 4
Abseits: 2 / 3
Gelbe Karten: Geertruida (1.), Kampl (66.) / Van der Heyden (11.), Dzwigala (58.)
Rote Karte: Willi Orban (69.)
Zuschauer: 46.021
RBoligei (BlueSky)
Permalink:
https://www.rb-fans.de/artikel/20250210-spielbericht-StPauli.html
- Benjamin Šeško
- FC St. Pauli
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- Heimspiel
- Péter Gulácsi
- Willi Orban
- Xavi Simons





























