VON SIEG ZU SIECH
Mönchengladbach - (30.03.2025) 11 Leipziger spielen 11 Halbzeiten und erzielen dabei 0 Tore. Was sich wie der Beginn einer Mathematikaufgabe aus der Grundschule liest, ist leider traurige Realität. Im Duell gegen die Verfolger aus Gladbach kam RB Leipzig nicht über eine verdiente 1:0-Niederlage hinaus. Noch mehr Unverständnis sorgte ein sehr bedenkliches Statement aus der Kurve und ein Vorfall am Fanzug.
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Länderspielpause – Zeit, um durchzuschnaufen oder auch mal zu überlegen, ob sich die Mannschaft aktuell noch in die richtige Richtung bewegt. Da die Analyse nach dem gewonnenen Spiel gegen den BVB jedoch vorschnell mit einem „Weiter so“ abgeschlossen wurde, konnte man am Cottaweg die Seele baumeln lassen... Läuft doch!
Gegen Gladbach musste Rose nicht nur auf Schlager verzichten, der sich beim ersten Kurzeinsatz in der Nationalmannschaft gleich erneut verletzte (eine tolle Idee, in dieser Situation sofort zu fahren), sondern auch die Alterspräsidenten Kampl und Gulácsi ersetzen, die mit einem Infekt ausfielen. Zudem ließ der Trainer – wohl als Vorgriff auf das Pokalspiel in Stuttgart – Topscorer Šeško zunächst auf der Bank.
Der Umstand, dass Baumgartner der beste Leipziger war, sollte einigen anderen zu denken geben.
Dreisatz des Spiels
Elf aufeinander folgende Halbzeiten auswärts ohne Treffer – es gibt wohl kaum eine bessere Statistik, um die Leipziger Harmlosigkeit zu untermauern. Zwar gab es auch in Gladbach 19 Torschüsse seitens RBL, diese summierten sich aber nicht mal auf einen xG, eine Chancenqualität mit der ein durchschnittlicher Bundesligakeeper kaum zu überwinden ist. Gladbach reichten wenige gute Szenen, um am Ende den verdienten Sieg davonzutragen, an Leipzig in der Tabelle vorbeizuziehen und damit einer der kleinen Serien zu beenden, die Leipzig früher einmal so stark gemacht haben. Denn zuvor kassierte RBL in den letzten vier Begegnungen mit den Borussen kein Gegentor. Somit stehen bereits neun Punkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde zu Buche, die Situation ist mehr als alarmierend.
Openda auf Werners Spuren.
Aufgefallen
1) Das Gegentor sinnbildlich für Leipziger Passivität und die schwachen Zweikampfwerte einiger Spieler. In der Situation war Leipzig in Überzahl, aber beide Verteidiger – Seiwald und Klostermann – waren nicht auf der Höhe und konnten die Abschlüsse nicht verhindern, der Rest schaute gelangweilt zu. Die Körperlosigkeit ist fast schon pathologisch. Auch bei anderen Kickern war dies statistisch gut nachweisbar. Baku gewann keines seiner sechs Duelle, Openda nur eines von sechs. Šeško trat in seinen 25 Einsatzminuten dagegen ganz anders auf – eine verschenkte Chance. Auch wenn Gladbach nur gleich viele Schüsse aufs Tor gelangen, so waren die, die nicht aufs Tor kamen, gefährlicher, was nicht zuletzt an der fehlenden Konsequenz der Leipziger Gegenspieler lag. Bestes Zeugnis dafür die drei Pfostenschüsse, beim letzten war es erneut Klostermann, der gegen Plea das Nachsehen hatte. Die lapidare Zusammenfassung von whoscored, die man wohl in 90% der Leipziger Rückrundenberichte findet, lautet: „commited a high number of individual errors“ – ja RBL spielt aktuell sehr fehlerbehaftet.
Ja ich weiß auch nicht mehr weiter.
— Mintzlaffs Souffleur (@jonas_stei) March 29, 2025
Ich halte nach wie vor viel von Rose, schätze den ehrlich kommunizierten Weg, ihn nicht freizustellen. Verstehe, dass keine langfristige Lösung auf dem Markt ist. Aber diese ideenlose Scheiße kann doch nicht der Anspruch sein. #rbleipzig
In der Fanszene macht sich Resignation breit.
2) Dieser Abwehrschwäche stand eine ausgeprägte offensive Harmlosigkeit und Ideenlosigkeit gegenüber, die dafür sorgte, dass Leipzig keine Großchance zustande brachte und trotz 19 Torschüssen nicht mal einen xG (understat) aufs Feld brachte. Die durchschnittliche Gefährlichkeit der Murmeln kann man sich so leicht ausrechnen. So etwas bringt keinen Bundesligakeeper in Normalform ins Schwitzen. Die beste Chance mit sagenhaften 0,15 xG hatte bezeichnenderweise kein Angreifer sondern Kapitän Orbán. Gepaart wird dies mit einem Openda, der völlig neben sich steht und nur in einer Statistik Bundesligaspitze ist: im Abseits stehen (23-mal ist Ligaspitze) – Timo lässt schön grüßen. Die lapidare Zusammenfassung von whoscored, die man wohl in 90% der Leipziger Rückrundenberichte findet, lautet: „were poor at finishing“ – ja RBL ist aktuell arm dran.
Miserable Saison unter Marco Rose #RBLeipzig Die Rückrunde schon 9 Punkte schlechter (12) im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt der Hinrunde (21). Gladbach mit 3x Pfosten und 1 Tor in Halbzeit 2 #BMGRBL Offensiv spielt #RBL weiterhin zu harmlos und zu langsam. Nur 7 Tore in den letzten 8 Spielen 📉
— RBoligei (@rboligei.bsky.social) 29. März 2025 um 17:40
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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
3) Diese zwei vernichtenden Zusammenfassungen der Rückrunde und auch weiter Teile der Hinrunde – erinnert sei an die November/Dezember Flaute – muss man ins Verhältnis mit Marktwerten und mutmaßlichen Gehältern setzen, die Spieler und Trainer hier beziehen. Leipzig steht hier immer noch auf Platz 3 der Tabelle, sowohl was Kaderwert als auch was die Gehälter anbelangt. Verwiesen sei an dieser Stelle auf den Bericht der seriösen L’Équipe, die Roses Salär knapp hinter dem von Alonso einordnete. Für einen Rückrundenpunkteschnitt von 1,2 ist das schon fürstlich.
Rose wie ihn Schäfer sieht und die Livebilder vom Satttel.
4) Neun Punkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt in der Hinrunde. Elf aufeinander folgende Auswärtshalbzeiten ohne eigenes Tor, sechs Punkte Rückstand auf Platz 3 und erstmals seit vier Spielen gegen Gladbach wieder ein Gegentor kassiert. Die Statistiken sprechen wahrlich nicht für Rose. Aber wer durch Tatenlosigkeit und Jobgarantie ein „weiter so“ als Maßgabe propagiert, der erntet eben auch eine Fortführung des aktuellen Trends und der führt Leipzig nicht in die Königsklasse, sondern ins Mittelfeld der Liga. Eine Jobgarantie, die Guido Schäfer mit den Worten zusammenfasste, dass Rose wie John Wayne fest im Sattel säße. Dabei ist eher die Frage, wie es um den Gaul unterhalb des Sattels bestellt ist. Der erhält nämlich seit geraumer Zeit keinen Zucker mehr…
Nichts Neues mehr hinzufügen. Alles, was die aktuelle Situation betrifft, wurde 100 Mal gesagt.
— Niklas (@gNiklas43) March 29, 2025
Zum Glück ist es bald vorbei.
Und dann geht es mit dem Unersetzlichen in die neue Saison und das Ziel Mittelfeld kann in Angriff genommen werden. #BMGRBL #RBLeipzig https://t.co/2StjbvANR1
Geschichte ist dazu verdammt, sich zu wiederholen.
5) Da hilft es auch wenig, wenn sich Marcel Schäfer nach dem Spiel hinstellt und quasi alles am Spiel bemängelt: den Fußball, die Leistung, das Ergebnis, die Passivität, alles sei zu wenig und man hätte nur reagiert. Ein Rundumschlag, der anderswo nach den letzten Monaten wohl ein Wirkungstreffer gewesen wäre, hier aber nur Schattenboxen ist. Wobei auch Marcel Schäfer mit der Kaderplanung – insbesondere auf der linken Abwehrseite – seinen Anteil an der Misere hat. Trainer wie auch Spieler kommen ein ums andere Mal zum gleichen Fazit: viel vorgenommen, Hausaufgaben machen, keine klaren Chancen, aufs nächste Spiel sind wir aber heiß. Das ist alles so redundant und formelhaft, dass es schon vor dem Anpfiff hätte geschrieben werden können.
Workout für #RBL Fans 2024/25
— Herr Hallmackenreuther 📯 (@Optihuber) March 29, 2025
Darf es noch ein leckerer "Rosé" sein?
Wenig Spielwitz, pelzige Passquote ... dafür bleibt aber der Geschmack der Ideenlosigkeit überraschend lange auf der Zunge.
Im Abgang torlos, beschwichtigend aber hoffnungsvoll.#bmgRBL pic.twitter.com/r9RVxQZTYP
Für einige bleibt nur noch der Alkohol.
6) Die Frage ist natürlich, ob RBL nun bis zum Saisonende – oder vielleicht gar darüber hinaus – einfach so dahinsiecht. Was ist der große Plan? Wäre es bei einem Punkteschnitt von 1,2 nicht eine Überlegung, einen Interimstrainer ranzulassen, um aus dem ewig gleichen Trott und der lame duck Falle herauszukommen? Selbst Heidinger von der U19 könnte wohl kaum noch weniger Punkte einfahren und die Spieler hätten keine Ausreden mehr. Ein Rangnick hätte diese Karte längst gezogen, einfach weil die Saisonziele über allem stehen müssen. Selbige sind massiv gefährdet, wenn nicht fast schon außer Sicht.
7) Darüber hinaus würde sich mit Roses Demission ein Kreis schließen. War doch sein erster Bundesligasieg mit RBL gegen den BVB und seine erste Bundesliganiederlage gegen Gladbach – auch damals aufeinanderfolgende Bundesligaspiele – wer plant sowas eigentlich? Nun könnten diese beiden Spiele also auch sein letzter Sieg und seine letzte Niederlage mit RBL werden. Ein Kreis, der sich nach 125 Spielen schließen könnte – das hört sich wie eine runde Sache an. Wer könnte da widerstehen?
Ich kann das alles nicht mehr…wir sind der Inbegriff von Harmlosigkeit. Da ist nichts mehr da, was halbwegs nach vernünftigen Fußball ausschaut…nicht mal mehr Basics. Nichts. Irre. Wir sind unendlich weit weg von allem. #BMGRBL
— Justgroovy (@justgroovy20th) March 29, 2025
Leipzig hat sich verirrt.
Fanzug organisiert vom Fanverband
Einige aus unserem Team waren im Fanzug dabei und hoben erneut die tolle Organisation hervor. Wenn man mit den Verantwortlichen spricht, dann merkt man sehr schnell, dass da extrem viel Arbeit dahinter steckt – von Fans für Fans im Ehrenamt. Man kann also nicht oft genug Danke sagen, was da auf die Beine gestellt wird, um anderen Fans ein tolles Gemeinschaftserlebnis in einem mal wieder ausverkauften Sonderzug zu ermöglichen. In diesem Sinne: DANKE!
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Buttersäure und Angriffe von Gladbacher Idioten
Auch bei Gladbach ist der Großteil der Fans natürlich vernünftig, aber ein relevanter Anteil von Idioten ist bekanntermaßen dort eben auch vorhanden. So wurde Buttersäure von Gladbacher Fans in den ersten beiden Wagen des Sonderzugs verteilt, weshalb diese gesperrt werden mussten. Auch Dinge sollen geklaut worden sein. Dazu gab es laut Augenzeugen mindestens Provokationen der Gladbacher Fans (der Vorwurf des Hitlergrußes steht im Raum) sowie Flaschenwürfe in Richtung Zug. Die Rolle der Polizei wurde hierbei von mehreren RB-Fans kritisch beschrieben, mindestens ein RB-Fan musste nach der Polizeimaßnahme ärztlich versorgt werden. Die eigentlichen Gladbacher Angreifer sollen während der Maßnahme weniger im Fokus gestanden haben. Hier wird es eine Aufarbeitung in den nächsten Tagen geben, inklusive Statement der Polizei.
Situation eskalierte komplett - Gladbacher zeigen Hitlergruss - unsere Fans werden massivst von der Polizei attackiert. RTW wird gerufen um durch Polizei Verletzten Fan zu behandeln.
— RB International (@Ravenhawk80) March 29, 2025
Einen Fanzug von friedlichen Fans zu attackieren, bleibt in jedem Fall verachtenswert. Dies an einem Spieltag unter dem Motto "TOGETHER! Stop Hate. Be a Team.” Man muss uns nicht mögen, aber sowas geht ganz unabhängig vom Fußball einfach nicht.
Banner im Fanblock
Es gibt den klaren Konsens unter den Fans von RB, dass Botschaften für die Grundwerte der Gesellschaft immer gern gesehen sind (siehe beispielsweise die Choreo zum letzten Heimspiel), aber politische Botschaften herauszuhalten sind. So wurden von der Fangruppe "Fraktion Red Pride" die Banner "There is no other land - von Gaza bis Westbank - Freiheit für alle Unterdrückten" hochgehalten. Mal ganz unabhängig von der Botschaft, was dies mit einem Fußballspiel von RB Leipzig zu tun hat, erschließt sich nicht wirklich. Solche brisanten und vielschichtigen Themen auf Bannern im Stadion abbilden zu wollen, kann in umfassender Form gar nicht gelingen. Die Diskussion zu den Bannern zeigt auch, warum man weiterhin dabei bleiben sollte, politische Botschaften zu konkreten Themen aus dem Stadion herauszuhalten, während Botschaften für die Grundwerte der Gesellschaft zu begrüßen sind.
Ein Xavi allein macht noch keinen Sommer...
Fazit
Mit dem Pokalspiel in Stuttgart treten nun zwei kranke Männer gegeneinander an (einer von der Pleiße und einer vom Neckar), denn auch der VfB krebst sich durch die Rückrunde. Ein möglicher Transfer von Hoeneß ist durch seine Verlängerung vom Tisch und war vielleicht auch nie wirklich der Plan – so Leipzig überhaupt einen hat.
Die Chance, dass RBL dort nach dem sehr überschaubaren Kick in Gladbach zwei überzeugende Halbzeiten hinlegt, ist mit gering noch höflich umschrieben. Die Aufstellung gestern und die Kommentare nach dem Spiel deuten jedoch darauf hin, dass Rose und das Team den Fokus auf den Pokal legen. Das ist löblich, in Anbetracht der Gelder, die bei der Königsklasse im Spiel sind und der Wirkung, die dies auf zukünftige Transfers hat, aber auch arg kurzsichtig.
Rose freut sich, dass es Gladbach gut geht.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
Borussia Mönchengladbach: Pereira Cardoso – Scally (71. Lainer), Itakura, Elvedi, Ullrich (64. Netz) – Reitz, Weigl (C), Honorat (64. Chiarodia), Plea (81. Neuhaus), Hack (81. Ngoumou) – Cvancara
Bank: Sippel – Friedrich, Stöger, Fukuda
RB Leipzig: Vandevoordt – Klostermann (83. Gomis), Orban (C), Bitshiabu – Baku (64. Nedeljkovic), Raum, Haidara (64. Šeško), Seiwald, Xavi – Baumgartner, Openda (83. Poulsen)
Bank: Zingerle – Geertruida, Vermeeren, Castello Jr.
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Hamburg)
Tore: 1:0 Plea (56.)
Torschüsse: 16 / 19
Schüsse aufs Tor: 3 / 3
expected Goals: 1,80 / 0,93
Passquote: 71% / 84%
Zweikampfquote: 40% / 60%
Ballbesitz: 49% / 51%
Laufstrecke: 113,46km / 116,23km
Sprints: 246 / 244
Fouls: 5 / 9
Ecken: 5 / 8
Abseits: 2 / 4
Gelbe Karten: Baku (3), Gomis (1) | Weigl, Cvancara
Zuschauer: 52.358
*xG, ausgeschrieben expected goals meint die Erwartbarkeit der abgegebenen Schüsse, den Weg ins gegnerische Tor zu finden, hierbei wird jeder Torschuss einzeln bewertet, die Wahrscheinlichkeit computergesteuert berechnet und anschließend addiert. Heraus kommt ein Gesamtwert, der dann den sogenannten xG-Wert anzeigt.
*xGA, ausgeschrieben expected goals against meint die Erwartbarkeit der abgegebenen Schüsse, den Weg ins eigene Tor zu finden, hierbei wird jeder Torschuss des Gegners einzeln bewertet, die Wahrscheinlichkeit computergesteuert berechnet und anschließend addiert. Heraus kommt ein Gesamtwert, der dann den sogenannten xGA-Wert anzeigt.
Rumpelstilzchen & Jupp
Permalink:
https://www.rb-fans.de/artikel/20250330-spielbericht-gladbach.html
- 2024/25
- Auswärtsniederlage
- Auswärtsspiel
- Borussia Mönchengladbach
- Guido Schäfer
- Marcel Schäfer
- Marco Rose
- Mönchengladbach
- Rückrunde
- Torlos
- Verfolgerduell





























