EIN TEAM, DAS IMMER NOCH KEINS IST!
Leipzig - (21.04.2025) Erhebliche Ausfälle, Unerfahrenheit und Verunsicherung prägten diese Saison. Das wurde auch gegen Kiel deutlich. Doch liegt dies auch an Unvermögen? Statistisch war man klar besser als Kiel. Doch warum das Remis zeitlich unpassend, aber dennoch nicht unerwartet darniederbrach, sollen die nächsten Abschnitte klären.
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Nach 2 gewonnenen Bundesligaspielen "drohte" dem aktuell erfolgreichen Interimschef Lőw mit dem nächsten Dreier im Spiel gegen Kiel ein positiver Rekord, den bisher nur Ex-RB-Trainer Nagelsmann mit 3 Startsiegen am Stück aufstellen konnte. Für das Projekt Dreifachsieg zum Einstand fehlten jedoch erneut Charakterspieler wie Orban, Schlager, Nusa, Kampl und Raum. Zudem durfte auch Mittelfeldmotor Xavi wegen der fünften gelben Karte nur Platz auf der Tribüne nehmen, die er sich noch die Woche zuvor gegen Wolfsburg bewusst oder unbewusst mit losem Mundwerk zuzog. Aufgrund des Ausfalls der Stammspieler und Routiniers stellte sich das Team erneut von allein auf. Nur der diese Saison bisher schwache Baumgartner rotierte für den fehlenden Xavi als offensiver Mittelfeldspieler ins Team.
Mit einer sehr unerfahrenen Startelf (23,9 Jahren im Schnitt) wollte man nun gegen den Letzten der Bundesligatabelle den Nagelsmann Rekord einstellen und hauptsächlich dem Ziel Europa einen Schritt näherkommen.
Unsere Start-11 vs. @Holstein_Kiel 📋#RBLKSV #Bundesliga pic.twitter.com/qvJvF3E9pp
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Baumgartner als neuer Motor in der Offensive.
Dreisatz des Spiels
Der teilweise nun sehr junge Kader, der bisher in der Saison nur von Krise zu Krise stolperte und sich so kaum entwickeln konnte, wurde nun im dritten Bundesligaspiel unter den Aushilfstrainern Lőw und Krawietz aufgrund typischer Mängel der vielen unreifen U23 Spielern und oben genannter fehlender Stammspieler hart geerdet. Zudem hat Mastermind Lőw klar unterschätzt, dass die Kieler Störche trotz der drohenden Abstiegssorgen nicht als Fallobst anreisen würden. Mit Ach und Krach holte man ein 1:1.
Trotz insgesamt der weit besseren Werte in fast allen Bereichen wie Zweikampf und Passquote gelang es den Leipzigern nie, dem KSV so richtig das eigene Spiel aufzudrücken. Den Holsteinern reichten in der ersten Hälfte kleine feine Nadelstiche und das strikte Festhalten an der eigenen Spielweise, um die Leipziger Defizite im Stellungsspiel, Absichern und Spielaufbau zu offenbaren und die Rasenballer schwer zu verunsichern. Zur zweiten Halbzeit reichte dem Gegner dann eine couragierte Abwehrschlacht, um mindestens einen Punkt im Abstiegskampf mitzunehmen, ein Punkt, der für die Bullen zu wenig war.
Das Spiel erinnerte stark an so viele Spiele in dieser Saison, in der formschwache Gegner aus der unteren Tabellenhälfte mit einfachem Fußball Punkte gegen RB Leipzig erobern konnten. Schaut man aber auf die aktuellen Ausfälle, war das erneute Aufbrechen der bekannten Probleme erwartbarer als sonst, wenn auch zur falschen Zeit.
Unentschieden gegen Kiel.#RBLKSV #Bundesliga pic.twitter.com/K8RP9SrWI0
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Dieses Unentschieden war sicher am wenigsten eingeplant.
Die Gründe
1) In der Startelf standen mit Nedeljkovic (19), Bitshiabu (19), Vermeeren (20), Sesko (21), Lukeba (22), Seiwald (23) sechs von zehn Feldspielern auf dem Platz, die klassisch als U23 Spieler gelten und außer den beiden ehemaligen RB Salzburg Spielern immer noch recht unerfahren sind und sich wie viele auch ältere Spieler im Kader in den letzten Monaten unter der Entwicklung bei Leipzig kaum verbessern konnten. Nur die Erhöhung von Spielzeit reicht noch nicht zur Reifung aus. Falsch angelernte Muster kann Lőw nicht innerhalb von wenigen Wochen beheben. Stehen dann auch noch ungelernte junge Spieler wie Lukeba auf falschen Positionen summieren sich dann auch schnell Defizite im Aufbau und Stellungsspiel. Wenn 60 Prozent der Mannschaft noch im Lernprozess stehen und Woche für Woche eher mit Verunsicherungen leben müssen, dann sieht ein Spiel schnell zerfahren und unsicher aus. Zudem standen mit Gulácsi, Šeško und Openda nur noch drei Spieler auf dem Feld, die über einen längeren Zeitraum bei RB als Stammkräfte anzusehen sind. Baku ist erst seit wenigen Monaten in Leipzig und Baumgartner nur noch vierte Wahl im offensiven Mittelfeld hinter Xavi, Nusa und Baku. Schaut man die Startelf gegen Kiel also analytisch und kontextbezogen an, dann ist ein Ergebnis wie das 1:1 erwartbarer als ein glanzvoller Sieg.
2) RB Leipzig macht tatsächlich immer deutlicher das durch, was Leverkusen noch vor der Übernahme Alonsos und den Zugängen erfahrener Leader durchleben musste. Es fehlt die notwendige Erfahrung und Klasse. Selbst 2017 in der Rückrunde war der damals auch junge Bullenkader immer noch ausgeglichener und talentierter gestaltet als aktuell und auch im Schnitt etwas älter. Nimmt man aus dem jetzigen Kader gegen Kiel allein die 3 Ü25 Spieler raus landet man bei einem Schnitt von nur 21. Solche Kader spielen für andere Bundesligisten zweite Wahl in der Regional- oder der 3. Liga. Auf der Bank saßen dazu noch mal 4 U18 Spieler. Lőw musste deshalb zur Halbzeit die wenig verbliebenen Erfahrung nachlegen, um noch Punkte zu retten. Tatsächlich waren es diese Spieler, obwohl diese selbst in Formtiefs stecken, die dem Leipziger Spiel wieder mehr Fahrt gaben. Der ein oder andere wurde wohl sogar zu spät gebracht, betrachtet man allein Poulsens Chance. Allein Jugend forscht wird also bei den gesteckten notwendigen Zielen zukünftig, aber auch kurzfristig nicht weiterhelfen.
3) Und genau deshalb ist es nicht hilfreich, dass Marcel Schäfer das Team nach dem Spiel zusammenstauchte. Es ist im Endspurt der völlig falsche Zeitpunkt, um junge Spieler, die aktuell gesund übrigbleiben, noch mehr zu verunsichern. Zudem basiert der unerfahrene und teilweise für den Stil nicht geeignete Kader auf dem, was sich der Club selbst vorschreibt und durch falsche Entscheidungen auf dem Transfermarkt und Gehaltssegment eingebrockt hat. Vier Endspiele stehen noch an. Mit immer noch Platz 4 hat man es weiterhin selbst in der Hand. Deshalb muss jeder Spieler weiterhin motiviert bleiben. Wer dann am Ende nicht mitziehen sollte, kann das im Sommer zu spüren bekommen. Mit dem zu langen Festhalten an Rose und den jetzigen zur falschen Zeit gesetzten Rundumschlägen zeigt Schäfer zum zweiten Mal kein gutes Händchen.
4) Aber die wohl wichtigste Nachricht nach dem Spiel reichte RB Leipzig selbst nach. Dem Leipziger Torwart geht es den Umständen entsprechend gut. Und auch wir wünschen Pete Gulácsi gute Besserung.
+++ Update Pete #Gulacsi +++
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Unsere Nummer 1 hat sich im Spiel vs. Kiel eine Gehirnerschütterung sowie eine Verletzung am rechten Ohr zugezogen.
Ihm geht es den Umständen entsprechend gut - er bleibt aber zur Beobachtung noch eine Nacht im Krankenhaus.
Gute Besserung, Pete 🙏 pic.twitter.com/4L9fZmD7Pz
Pressekonferenz
Der Spaß ist erstmal raus.
Fazit
Platz 4 wurde gehalten, mit den 2 fehlenden Punkten aber nicht gefestigt, da Konkurrenten siegen konnten. Das Spiel gegen Kiel macht zwar keine Hoffnung, dass sich RB nun in den folgenden 4 Partien bessern könnte. Bezogen auf die oben genannte Analyse gibt es jedoch Grund zum Optimismus. Spieler wie Orban, Raum, Xavi und Nusa kehren zurück. Orban und Raum wurden vorerst geschont, um für den Endspurt gegen stärkere Gegner fit zu sein. Nusa trainiert wieder mit. Xavi saß seine Sperre ab. Für die restlichen Spiele könnte also mindestens die beste Startelf ohne Schlager und Henrichs fit sein, wodurch Lőw nicht mehr hauptsächlich auf die leistungsschwankenden Jugendspieler zurückgreifen muss, was für die Spiele gegen Frankfurt, Bremen und Stuttgart ein Vorteil sein sollte, denn auch diese sind nicht Übermannschaften, zu den man sie als RB Fan schnell mal im Ärger nach den verpassten Punkten gegen Kiel erhebt. Zudem spricht für Leipzig, dass die Bullen trotz schlechter Punkteausbeute immer noch die drittwenigsten Niederlagen aller Bundesligateams einstecken musste und in der Rückrunde bisher weniger Spiele verlor als in der Hinrunde.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
RB Leipzig: Gulácsi (C, 67. Vandevoordt) – Nedeljković (46. Geertruida), Klostermann, Bitshiabu, Castello Jr. – Vermeeren (46. Haidara), Seiwald – Baku (90.+3 Gomis), Baumgartner – Openda (90.+3 Poulsen), Šeško
Bank: Norbye, Gebel, Voufack
Holstein Kiel: Dähne – Becker (C), Ivezic, Zec (66. Johansson) – Rosenboom (79. Porath), Gigovic, Remberg, Tolkin – Skrzybski (67. Knudsen) – Bernhardsson (87. Arp), Machino (79. Harres)
Bank: Weiner – Pichler, Geschwill, Schulz
Schiedsrichter: Dr. Felix Brych (München)
Tore: 0:1 Machino (44.), 1:1 Šeško (74.) FE
Torschüsse: 10 / 14
Schüsse aufs Tor: 4 / 3
expected Goals: 2,17 / 1,02
Passquote: 81% / 73%
Zweikampfquote: 57% / 43%
Ballbesitz: 61% / 39%
Laufstrecke: 119,8km / 122,87km
Sprints: 280 / 275
Fouls: 5 / 9
Ecken: 9 / 7
Abseits: 3 / 0
Gelbe Karten: Klostermann (3) / Rosenboom (3), Arp (5)
Zuschauer: 45.940
*xG, ausgeschrieben expected goals meint die Erwartbarkeit der abgegebenen Schüsse, den Weg ins gegnerische Tor zu finden, hierbei wird jeder Torschuss einzeln bewertet, die Wahrscheinlichkeit computergesteuert berechnet und anschließend addiert. Heraus kommt ein Gesamtwert, der dann den sogenannten xG-Wert anzeigt.
*xGA, ausgeschrieben expected goals against meint die Erwartbarkeit der abgegebenen Schüsse, den Weg ins eigene Tor zu finden, hierbei wird jeder Torschuss des Gegners einzeln bewertet, die Wahrscheinlichkeit computergesteuert berechnet und anschließend addiert. Heraus kommt ein Gesamtwert, der dann den sogenannten xGA-Wert anzeigt.
rolei79
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