PFLICHTSIEG UND COMEBACK – RB MÜHT SICH UND BLEIBT AUF KURS EUROPA
Leipzig - (25.01.2026) Eiseskälte beim Tabellenletzten FC Heidenheim. Es dauerte lange, ehe unser Team auf Betriebstemperatur war, aber dann fortan einen wichtigen Sieg einfahren konnte. Mit dem 3:0 Erfolg festigte man die eigenen Ambitionen, nächstes Jahr wieder international spielen zu können. Benjamin Henrichs feierte nach 400 Tagen sein Comeback und könnte in Anbetracht der Verletzungsmisere im Laufe der Saison ein wichtiger Faktor werden.
Vor dem Spiel ist vor dem Spiel
Auf geht’s zur englischen Woche mit dem Auftakt in Heidenheim. Der Gastgeber hatte sich 8 Punkte aus den letzten 7 Bundesligapartien erspielt und sich auf einen Relegationsplatz vorgekämpft. Bis auf das Spiel gegen die Bayern waren alle Partien sehr umkämpft und mit knappem Ausgang. Im gleichen Zeitraum hatte Ole Werner mit seinem Team nur 2 Zähler mehr herausgeholt. Zuletzt gab es 3 Niederlagen aus den letzten 4 Spielen bzw. 4 Niederlagen in den letzten 8 Spielen. Das bedeutet einen Punkteschnitt von nur 1,25. Es wird höchste Eisenbahn, wenn man wieder den internationalen Wettbewerb erreichen will, effizienter und fehlerfreier aufzutreten.
Allein 11 Gegentreffer in den letzten 4 Bundesligaspielen offenbaren in der Rückwärtsbewegung noch größere Defizite, während in der Offensive, wie zuletzt gegen Bayern München, die sich bietenden Chancen nicht effektiv genutzt werden konnten. Nun beginnt eine Reihe von Spielen, die in der Hinrunde allesamt gewonnen wurden, außer die Partie in Dortmund, die mit einem Remis endete. 22 Punkte von möglichen 24 katapultierte damals unser Team auf Platz 2. Zusätzlich kommt noch das Nachholspiel gegen St. Pauli am kommenden Dienstag hinzu. Allesamt Pflichtsiege könnte man meinen, aber diese eindrucksvolle Serie der Hinrunde wird trotzdem schwer zu wiederholen sein.
Nicht förderlich sind dabei die Hiobsbotschaften vom „Rehaballsport“ Leipzig. Eine Verletztenmeldung jagt die andere, und das, obwohl wir keine englischen Wochen haben wie in den Jahren zuvor. Assan Ouédraogo hat wohl einen Glaskörper und fällt wieder monatelang aus und neuerdings gesellt sich Castello Lukeba hinzu. In Anbetracht dessen, dass weiterhin Johan Bakayoko fehlt, Xaver Schlager ebenfalls sehr verletzungsanfällig ist und Christoph Baumgartner kurz vor einer Gelbsperre steht, sind es nicht die besten Voraussetzungen, das spielerische Niveau höher zu schrauben sowie erfolgreicher zu werden als zuletzt. Da die anderen Reservespieler sich bisher nicht gerade mit Top-Leistungen empfehlen, durfte man gespannt sein, wie die Partie beim abstiegsbedrohten FC Heidenheim ausgehen würde.
🔴 Noch ist offen, ob RB Leipzig auf den langen Ausfall von Assan Ouedraogo reagiert (Ende März/Anfang April). Ein weiterer Wintertransfer war weder geplant noch wäre er budgetiert. Leipzig berät sich intern. Mehrere Spieler werden auch deshalb aktiv platziert & angeboten -… pic.twitter.com/3zcsn0Jx48
— Philipp Hinze (@philipphinze24) January 21, 2026
Dreisatz des Spiels
Lange Zeit sah es so aus, als würde unser Teammotor den eisigen Temperaturen Tribut zollen müssen, ehe Ridle Baku mit einem Kunstschuss den Startknopf fand und fortan acht Minuten reichten, um das Spiel endgültig zu entscheiden. Nach guten Spielbeginn und die Möglichkeit, schnell ein Tor vorzulegen, trug man im Laufe der ersten Halbzeit die Angriffe zu langsam vor, so dass Gastgeber Heidenheim stets gut sortiert und hinter dem Ball stand. Einzig die Dribblings von Yan Diomande brachten uns zum gegnerischen Sechszehner etwas näher. Während offensiv sowie spielerisch etwas gelang, war Heidenheim zum Ende der ersten Spielhälfte sogar gefährlicher mittels Konter und Standards. Dementsprechend war RB gefordert in Halbzeit Zwei und die Kabinenansprache von Ole Werner scheint Früchte getragen zu haben.
Während im Durchgang Eins ein (strittiger) Handelfmeter nicht für uns gegeben wurde, brachte schließlich Ridle Bakus Traumtor unsere Rasenballer auf die Siegstraße. Der gegnerische Abwehrriegel war endlich geknackt, Heidenheim wackelte und diese Verunsicherung sowie die sich bietenden Torchancen wurden zum Wohlhaben aller RB-Fans diesmal effizient genutzt. Trotzdem war es insgesamt ein mühseliges Fußballspiel, gegen einen Tabellenletzten, dessen Ausgang lange Zeit offen war und somit der Auswärtssieg nicht allzu hoch gehangen werden sollte.
Eine Partie mit zwei völlig unterschiedlichen Halbzeiten: In HZ 1 ideenloser, ungefährlicher Fußball. In HZ 2 dann eine klare Steigerung und effiziente Chancenverwertung. Ein Spiel wie eine Ketchupflasche – erst kommt lange nichts und dann 3 Tore in 8 Minuten. #fchRBL #RBLeipzig pic.twitter.com/befTTTiStJ
— LawnballVAR (@Lawnball_VAR) January 24, 2026
Aufgefallen
1) 9. Spiel zu Null – Nach 18 Bundesligaspielen ist das eine hervorragende Basis, die „eigentlich“ ein gesundes, gut abgestimmtes und stark verteidigendes Team widerspiegelt. Im Groben ist das auch richtig, wenn man zum Beispiel die Leistungen von Péter Gulácsi, Willi Orbán und Nicolas Seiwald betrachtet. Zuverlässig und zweikampfstark agieren sie im Zentrum der Defensive, während Pete mit seinen Paraden sein Können zeigt. Aber ähnlich wie Borussia Dortmund, die schon zehnmal zu Null spielten, ist man spielerisch noch weit weg von der Wunschvorstellung, um international wieder angreifen zu können. Mit durchschnittlich 13 gegnerischen Torschüssen und 1,5 xGA (zu erwartende gegnerische Tore) liegt man rein statistisch immer noch weit hinter seinen Ansprüchen und offenbart weiterhin die zweitschlechtesten Werte aller zehn Bundesligasaisons. So ganz sattelfest ist man also doch nicht.
2) Benjamin Henrichs – Nach schwerer Verletzung und 400 Tagen Pause konnte unser gestandener Profi endlich wieder erste Einsatzminuten erlangen. Herzzerreißende Szenen spielten sich nach der Partie ab – Emotionen seines Comebacks, die seinen harten und langen Kampf widerspiegeln. Wir wünschen ihn, dass er im Laufe der Zeit wieder Spielzeit sammeln und zu seiner früheren Form finden kann. Im Kampf um die internationalen Plätze könnte diese Personalie noch eine wichtige Rolle spielen im Laufe dieser Saison. In Anbetracht der Verletzungsanfälligkeit vieler Profis kann seine Vielseitigkeit und sein Können von großer Bedeutung sein.
400 Tage nach seiner Verletzung feiert Benny #Henrichs sein Comeback für die Roten Bullen 🦾
— RB Leipzig (@RBLeipzig) January 24, 2026
Wir sind stolz auf dich, Benny! ❤️🤍 pic.twitter.com/pq5xqk4pug
3) David Raum und Ridle Baku – Zwei Tore durch unsere Außenverteidiger, wann hat es das schon einmal gegeben? Hier zeichnete es sich aus, dass gegen tiefstehende Gegner es auch wichtig ist, offensiv mitwirkende Außenverteidiger zu haben, die sich am Spielgeschehen beteiligen, über die Außenbahnen flanken oder, wie in diesem Beispiel, Torgefahr versprühen können. Letztendlich war das der Schlüssel, unsere Offensive zu unterstützen und über den Rückraum gefährlich zu werden. Gegen die kommenden Gegner wie St. Pauli und Mainz 05 kann dies ebenso von Bedeutung werden.
4) Yan Diomande – Das ist schon ein genialer Kicker. Nicht nur seine zwei Torvorbereitungen in Heidenheim sind erwähnenswert, sondern auch sein Einsatz in der Rückwärtsbewegung und sein Auge für den Nebenmann. Er gewinnt Dribbling um Dribbling (9 Stück in Heidenheim), setzt sich regelmäßig mit Ball durch. Zudem gewinnt er wichtige Zweikämpfe und verteilt danach klug die Bälle zu seinen Mitspielern, als wenn das Fußballspielen in Deutschlands höchster Spielklasse das Leichteste der Welt wäre. Gepaart mit seiner enormen Schnelligkeit (36,3 km/h in Heidenheim!), Wendigkeit und Technik wird ihm eine große Zukunft vor den Füßen liegen.
5) Antonio Nusa – Ihm war der Wille im Spiel richtig anzumerken, endlich erfolgreich zu sein. Bis dato hatte er nur ein Tor und eine Torvorbereitung zu Buche stehen und gegen Heidenheim belohnte er sich endlich. Hatte er in den Spielen zuvor in unverkennbarer Manier seine Dribblings in den Strafraum sowie den Torabschluss Richtung langes Eck gesucht, aber verfehlte stets das Tor, so vollendete er diesmal mit platzierten Schuss Richtung kurzen Pfosten... mit Erfolg.
Ich hol mal die Glaskugel raus und sag, dass Nusa heute endlich mal wieder scored. Heut platzt der Knoten! #rbl pic.twitter.com/gaOw2M0rTX
— Zufallsname (@Zufallsname129) January 24, 2026
6) Die hohe Verletzungsanfälligkeit – Leider ist dieses nervige Thema ein alltäglicher Begleiter geworden. Unser Team leidet unter ähnlichen Parallelen wie zur letzten Saison unter Marco Rose, als es viele Hiobsbotschaften gab. So scheint Assan Ouédraogo ein Glaskörper zu haben und Johan Bakayoko plagen parallel weiterhin muskuläre Probleme. In Anbetracht dessen, dass unser Team keinen internationalen Fußball spielt und somit keine Dreifachbelastung, wie in den Spieljahren zuvor, vorliegt, reibt sich der eine oder andere Fan verwundert die Augen und stellt sich die Frage: Was läuft hier falsch? Wenn man weiß, dass auch ein Xaver Schlager ähnlich schnell der Ausfall droht oder ein Christoph Baumgartner vor einer Gelbsperre steht (5. Gelbe Karte), dann wird einem in Bezug zum qualitativ dünnbesetzten Kader eher mulmig. Nach dem Ausfall von Castello Lukeba läuten spätestens die Alarmglocken. Zum Glück gibt es einen vielseitig einsetzbaren Nicolas Seiwald, der auf mehrere Positionen in dieser Saison überzeugen kann, während El Chadaille Bitshiabu gegen den Tabellenletzten kaum gefordert wurde.
7) Nicolas Seiwald – unter Ole Werner blüht er so richtig auf. Fast 12 gelaufene Kilometer, 75% gewonnene Zweikämpfe und 90% Passquote sind nur einige Parameter, die seine aktuelle Form widerspiegeln. Gegen Heidenheim legte er schließlich das Tor von Antonio Nusa auf und belohnte sich für seine Spielweise, sich auch stets offensiv im Spielgeschehen einzuschalten. Schon gegen die Bayern agierte er auf höchsten Niveau, machte sein Spiel des Lebens, während nach seiner Auswechslung danach die Ordnung zusammenbrach. Er ist ein sehr wichtiger Part im Mannschaftsgefüge geworden, dessen Stammplatz er sich mit konstant guten Leistungen redlich verdient hat.
Nicolas Seiwald hat gut Lachen – weiter so!
8) Problem Spielgestaltung und Laufarbeit – 60 zähe Minuten beim Tabellenletzten sowie spielerisch und läuferisch eine unwürdige erste Spielhälfte offenbaren weiterhin die beiden Gesichter unseres Teams. Es war natürlich ein komplett anderes Spiel im Vergleich zur Vorwoche. Vieles ähnelte schon der Partie von Union Berlin, nichts Zählbares zu holen. Während Bayern München mit ähnlich hoher Ballbesitzzahl fast 7 Kilometer in Halbzeit Eins mehr lief, stand größtenteils unser Aufbauspiel. Querpässe zwischen den Abwehrspielern, einfache Pässe mal in die Mitte und zurück sowie einfache Pässe zu unseren Außenbahnspielern, die schließlich nur über Dribblings versuchten, offensiv etwas zu gestalten. Es war kein schnelles Zusammenspiel erkennbar, keine Spielzüge, kein Wechselspiel von mehreren Spielern in den Offensivaktionen sichtbar. Es wirkte vieles zu statisch, einfallslos und letztendlich zu durchsichtig für den Gegner, der keine Mühe, dies zähe Aufbauspiel der Leipziger weg zu verteidigen. Vieles in der Offensive hängt aktuell vom individuellen Können der einzelnen Spieler ab (so auch Ridle Bakus Einzelaktion als Dosenöffner), während wir spielerisch noch hinter unseren Ansprüchen liegen dürften.
Fazit und Ausblick
Mit der Niederlage von Eintracht Frankfurt ist der Vorsprung vor Platz 7 schon auf acht Zähler angewachsen. Am kommenden Dienstag besteht im Nachholspiel die Möglichkeit bei St. Pauli, diesen Vorsprung auf elf Punkte auszubauen und somit die Hinrunde auf Platz 3 zu beenden. Trotzdem ist die Gemengelage im Kampf um die Champions League Plätze hart umkämpft. Die TSG Hoffenheim lässt nicht locker und eilt von Sieg zu Sieg, während Leverkusen und Stuttgart ebenso von hinten Druck ausüben. Derzeit trennen Champions League Millionen und die Uefa Conference League nur ein Wimpernschlag. Jedes folgende Spiel wird nun ein Finalspiel sein.
Gegen den FC Heidenheim konnte ein wichtiger Sieg eingefahren werden, der uns auf Kurs hält. Jetzt gilt es den Fokus hochzuhalten und weiterhin auf Sieg zu spielen gegen Teams, die in der unteren Tabellenhälfte stehen oder gar gegen den Abstieg spielen. Unser Team zeigt Wille und große Einsatzbereitschaft. Das ist der große Unterschied zur letzten Saison, als der Glaube an sich selbst gebrochen war. Unser Team ist eine Einheit, zeigt Leidenschaft und mit dieser Basis muss nun versucht werden, die Hinrundenergebnisse zu bestätigen, um weiterhin das Saisonziel, in der kommenden Saison international zu spielen, verfolgen zu können. Gegen St. Pauli am kommenden Dienstag steht schon die nächste Reifeprüfung bevor. In den drei bisherigen Duellen am Millerntor gelang unseren Rasenballern noch kein einziger Treffer. Es wird Zeit, dies jetzt zu ändern.
Der Moment des Spiels, als Ridle Baku das erlösende erste Tor erzielte.
Kicker – Whoscored – Sofacore – RBL – Bundesliga – FotMob – understat – fbref
Statistik
FC Heidenheim: Ramaj – Stergiou, Mainka (C), Gimber, Föhrenbach – Schöppner (84. Niehues), Dorsch – Ibrahimović (63. Conteh), Beck (63. Schimmer), Honsak (77. Behrens) – Pieringer (77. Kerber)
Bank: Feller – Busch, Siersleben, Traore
RB Leipzig: Gulácsi – Baku (90. Henrichs), Orbán, Bitshiabu (77. Maksimović), Raum (C, 77. Finkgräfe) – Schlager, Baumgartner (71. Gomis), Seiwald – Diomande, Rômulo, Nusa (71. Banzuzi)
Bank: Vandevoordt – Harder, Klostermann, Nedeljković
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Sölden/Schwarzwald)
Tore: 0:1 Baku (62.), 0:2 Nusa (68.), 0:3 Raum (70.)
Torschüsse: 7 / 11
Schüsse aufs Tor: 2 / 9
expected Goals: 0,99 / 2,08
Passquote: 68% / 89%
Zweikampfquote: 44% / 56%
Ballbesitz: 26% / 74%
Laufstrecke: 118,84 km / 116,32 km
Fouls: 10 / 9
Ecken: 4 / 0
Abseits: 1 / 3
Gelbe Karten: Gimber / –
Zuschauer: 14.000
*xG, ausgeschrieben expected goals meint die Erwartbarkeit der abgegebenen Schüsse, den Weg ins gegnerische Tor zu finden, hierbei wird jeder Torschuss einzeln bewertet, die Wahrscheinlichkeit computergesteuert berechnet und anschließend addiert. Heraus kommt ein Gesamtwert, der dann den sogenannten xG-Wert anzeigt.
*xGA, ausgeschrieben expected goals against meint die Erwartbarkeit der abgegebenen Schüsse, den Weg ins eigene Tor zu finden, hierbei wird jeder Torschuss des Gegners einzeln bewertet, die Wahrscheinlichkeit computergesteuert berechnet und anschließend addiert. Heraus kommt ein Gesamtwert, der dann den sogenannten xGA-Wert anzeigt.
RBoligei
Permalink:
https://www.rb-fans.de/artikel/20260125-spielbericht-Heidenheim.html
- 1. Bundesliga
- 1. FC Heidenheim
- 2025/26
- Antonio Nusa
- Auswärtssieg
- Auswärtsspiel
- Benjamin Henrichs
- David Raum
- Nicolas Seiwald
- Ridle Baku
- Rückrunde
- Yan Diomande




























