LVZ vom 19.02.2011, RB erlebt blaues Wunder

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Rojiblanco
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LVZ vom 19.02.2011, RB erlebt blaues Wunder

Beitrag von Rojiblanco » Sa 19. Feb 2011, 09:56

Kiel nimmt die Roten Bullen mit 5:1 auf die Hörner / Leipzig-Fans feiern die Gäste

Leipzig. Eine Mannschaft, die von allen guten Geistern verlassen ist. Fans, die das gegnerische (!) Team anfeuern. Ein Presse-Chef, der um ein Haar in den Infight mit einem eigenen Spieler muss. Ein Spiel, das es mühelos in die Leipziger Fußball-Historie schafft. Unglaublich, aber wahr: RB Leipzig geht 1:5 (1:3) gegen Holstein Kiel unter! Es hätte auch 3:10 ausgehen können. Ein Fiasko.
Dabei hatte vor 3621 bibbernden Zuschauern alles gut angefangen. Daniel Frahn verdelte eine Flanke von Paul Schinke zur 1:0-Führung (16.). Fügt sich nahtlos an die Hannover-Demonstration, dachte man - und lag so was von falsch. Was folgte, war an Peinlichkeit, Hilflosigkeit und Dilettantismus nicht zu überbieten. Aus stolzen Roten Bullen wurden Opferlämmer, aus Athleten Rheuma-Patienten, aus Fußballprofis AH-Kicker.
Nahezu jeder Kieler Angriff endete Aug' in Aug' mit dem bedauernswerten RB-Keeper Christopher Gäng (stand für den verletzten Sven Neuhaus im Tor), jedes Laufduell ging an die quicklebendigen Kieler Störche, ebenso jeder wichtige Zweikampf. Marc Heider egalisierte mit sattem Rechtsschuss (21.), traf kurz später den linken Pfosten. Florian Meyer schob zum Kieler 2:1 ein (24.), der grandiose Heider (39.) sorgte fürs 3:1.
Die RB-Defensive fiel in ihre Bestandteile auseinander, durch die Schnittstellen der Vierer-Abwehrkette hätten mehrere Gelenkbusse der LVB brummen können. Wo war sie hin, die Sicherheit vom 3:0 in Hannover? Wo hatten die Männer um Kapitän Timo Rost das Selbstvertrauen gelassen? Und wo hatten sie eigentlich die Nacht vorm Spiel verbracht? "Unerklärlich", schüttelte Coach Tomas Oral den Kopf.
Nach dem Wechsel kam RB zu zwei, drei guten Chancen, um sich dann ins Schicksal zu fügen. Steve Müller krönte einen Kieler Konter mit dem 4:1 (62.), der nie zu stoppende Heider lief in der 72. Minute allen Leipzigern davon, traf zum 5:1. Danach ließen die Gäste Gnade vor Recht ergehen.
Der RB-Anhang benahm sich in der Folge, wie ihre Fußballer spielten: daneben. Die Oral-Raus-Rufe waren noch zu akzeptieren - normale Härte. Der Szenen-Applaus für die Kieler ging aber gar nicht. Eine vergiftete, ein feindselige Atmosphäre, die nicht mit dem Abpfiff endete. Einige RB-Profis rannten direkt in die Kabine, sahen (zurecht) ab vom Besuch in der Fankurve. Kommunikations-Chef Hans Felder versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war, stellte sich dem flüchtenden Ingo Hertzsch in den Weg. Die beiden schrieen sich an, Hertzsch ließ sich nicht aufhalten, fluchte noch im Kabinengang. Felder war außer sich, hatte eine Halsschlagader wie ein Fahrradschlauch.
Bei der Pressekonferenz versuchte sich Kiels Trainer Thorsten - nomen es omen - Gutzeit als Brandlöscher, sprach von einigen glücklichen Momenten seiner Mannschaft bei diversen Leipziger Chancen. Freundlicher Mensch.
Wie werden die Konsequenzen der historischen Pleite aussehen? Wenn die RB-Bosse alle Kiel-Versager vor die Tür setzen, wird der 20-Mann-Kader mal eben so halbiert. Wahrscheinlicher ist, dass das Ganze an Tomas Oral hängen bleibt, schon in diesen Stunden intensiv über den Job des Cheftrainers diskutiert wird. RB-Geschäftsführer Dieter Gudel bat gestern um Verständnis, "dass ich zu diesem Spiel gar nichts sage".
Guido Schäfer

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