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LVZ vom 22.09.2011: RB und die Leipziger Stadtgesellschaft

Verfasst: Do 22. Sep 2011, 08:55
von Rojiblanco
"Die Mehrzahl der Leute will guten Fußball mit Emotionen sehen"
RB und die Leipziger Stadtgesellschaft - eine Podiumsdiskussion mit vielen kritischen Fragen und einigen Antworten


Leipzig. Ist RB in Leipzig angekommen, auch willkommen und in die Stadtgesellschaft integriert? Dieser Frage widmete sich gestern Abend die Friedrich-Ebert-Stiftung bei einer Podiumsdiskussion in Studio 3 des Leipzig-Fernsehens. "Wenn ständig die Gesichter wechseln, ist es schwer, eine Beziehung aufzubauen", sagte Unternehmer Matthias Reuschel zu RB-Geschäftsführer Wolfgang Loos: "Ich hoffe, Sie bleiben länger."
Loos ist seit drei Monaten da, RB seit gut zwei Jahren. Eine Erfolgsgeschichte, betonte Loos, verwies auf den wachsenden Zuspruch von Zuschauern, Politik und Wirtschaft, auf die vollständig verkauften Sky-Boxen (Stadion-Loungen), auf den bereits zu 50 Prozent verbuchten VIP-Bereich. Auf die Befürchtung von Moderator und Ex-Sportbürgermeister Holger Tschense, Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz könne "die Lust an seinem Lieblingsspielzeug verlieren", entgegnete Loos: "Er setzt keine Zeiträume, es gibt keine Fristen, nur langfristige Ziele." Axel Dyck, Chef der SPD-Stadtratsfraktion, sprach eher als Bürger, Fußball-Fan und ehemaliges FC-Sachsen-Mitglied: "Die Mehrzahl der Leute will einfach nur guten Fußball mit Emotionen sehen - in einem Stadion ohne Polizei-Ketten, mit der Familie. Bei RB kann eine große Fan-Kultur wachsen."
Doch wann gestattet RB Mitglieder, Mitbestimmung, Teilhabe von Außen, einen Wirtschaftsbeirat? Loos wich aus, redete von Nachwuchsarbeit, sozialen Projekten, Benefizspielen. Er bat: "Geben Sie uns etwas Zeit."
Mitunter, so LVZ-Redakteur Guido Schäfer, reagiere der Klub dünnhäutig auf Kritik, müsse sich zudem deutschen Regularien anpassen. Loos versteht diese Debatte nicht: "Wir haben keine Probleme mit DFB-Statuten und Satzungen. Ich garantiere Ihnen, dass wir auch die nächste Lizenz bekommen." Laut Michael Mamzed, Geschäftsführer des Stadtsportbundes, gehen die RB-Statuten nicht mit dem Vereinsrecht konform. "Aber das ist ein Thema für Juristen. Der Landessportbund hat den Verein aufgenommen, weil er zwei wichtige Voraussetzungen erfüllte - das Amtsgericht hat ihn anerkannt und das Finanzamt Gemeinnützigkeit erteilt."
Reuschel, Vorsitzender des Vereins "Gemeinsam für Leipzig", erhofft sich durch Red Bull eine Stärkung der Wirtschaftskraft. "Danke für die Initiative, danke für eine Weltmarke in Leipzig", sagte er und mahnte zugleich eine bessere Vernetzung mit den lokalen Unternehmen an: "Auch wir haben eine Box im Stadion, das ist unser Willkommen, unsere Offerte, das Signal unserer Marken. Wir wollen mitmachen, uns aber nicht anbiedern, erwarten deutlichere Signale von RB, mehr Kommunikation." Dyck riet RB zu "Sensibilität" im Umgang mit den Leipzigern: "Die sind eine spezielle Spezies, entziehen manchmal schnell ihre Zuneigung."
Aus dem Publikum gab es gestern neben viel Sympathie auch Kritik - an "verbogenen Paragrafen" der Fußball-Verbände bei der RB-Gründung, an einer "Lex RB". Für alle Vereine müssten die gleichen Gesetze gelten. Steffen Kubald - auch der Ex-Lok-Chef war unter den 150 Zuhörern - mag Vergangenes nicht mehr diskutieren: "RB ist nun mal da, und 90 Prozent der Menschen sind dafür. Wenn RB ordentlichen Fußball bietet, ist die Schüssel voll. Aber sie müssen erst mal spielen und gewinnen." Dem konnte auch Wolfgang Loos vorbehaltlos zustimmen.

Steffen Enigk