LVZ vom 09.02.2012, Kraft sammeln in der Provinz

Presseberichte zu RB Leipzig
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Maradona
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LVZ vom 09.02.2012, Kraft sammeln in der Provinz

Beitrag von Maradona » Do 9. Feb 2012, 03:06

Sebastian Albert verlässt Showbühne Profifußball und nimmt in Piesteritz Anlauf für ein Comeback

Leipzig. Die Nachricht schlug in und um Leipzig ein wie ein Elfmeter von Johann Neeskens: Der hochveranlagte Sebastian Albert spielt künftig für Oberliga-Aufsteiger Grün-Weiß Piesteritz. Lässt der erst 24-jährige Mittelfeldspieler seine Laufbahn im 90 Kilometer entfernten 4000-Seelen-Dorf austrudeln? Im Gegenteil! "Ich starte noch Mal durch", sagt der im Sommer 2011 bei RB Leipzig aussortierte. "Ich will einen Neuanfang und mich wieder für höhere Ligen empfehlen."
Rückblende. Die Scouts von Hansa Rostock sind 2004 von den Socken: Dieser Junge hat alles, was ein Fußballer braucht, um aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Dynamik, Technik, zwei brauchbare Füße und Biss. Ein Rundumsorglospaket. Sebastian Albert ist 17, kickt bei den A-Junioren des VfB Leipzig.
Die Rostocker Gesandten sprechen bei den Eltern vor, der Familienrat tagt nur kurz. Der VfB Leipzig ist in jenen Tagen ein Fall fürs Insolvenzgericht, ­Sebastian braucht einen neuen Club. Die Nachwuchsarbeit von Hansa Rostock genießt einen erstklassigen Ruf. Der Wechsel an die Ostsee wird voll­zogen. Der Sachse wohnt im Hansa­Internat, wird U18 und U19-Nationalspieler. Die Karriere nimmt Fahrt auf. 2008 unterschreibt der Sprinter seinen ersten ­Profivertrag, wird aber von Rostocks Bundesliga-Coach Frank Pagelsdorf geflissentlich ignoriert. In Ermangelung an Punkten fliegt Pagelsdorf. Dieter Eilts kommt und verhilft Albert in der Saison 2008/2009 zu zwei Einsätzen in der 2. Bundesliga.
Weil danach keine dazu kommen und er ausschließlich in der 2. Mannschaft die rechte Außenbahn beackert, kehrt Albert zurück nach Leipzig, wird im Januar 2010 ein Roter Bulle. Muskuläre Probleme bremsen den heimgekehrten Sohn, erst in der Rückrunde der Regionalliga-Saison 2010/2011 wird er unter RB-Coach Tomas Oral Stammspieler. Albert: "Ich hatte gehofft, dass es für mich bei RB weitergeht." Es geht nicht weiter, Peter Pacult hat andere Pläne.
Für Uwe Ferl, Trainer im Müttergenesungswerk Piesteritz, ist klar: "Der Junge hat in der Oberliga zwar nix verloren, wird aber bei uns den Spaß am Fußball wiedergewinnen und schnell zurück im Profifußball landen. Sebastian ist fußballerisch und charakterlich ein richtig Guter, wurde von der Mannschaft super aufgenommen." Ferl war Spaß-Fußballer, teilte den Ball nur im Notfall mit den Kollegen. Der passende Mann, um Albert zurück aufs Gleis zu setzen. "Bei uns hat er keinen Druck, geht es familiär zu." Albert hat bewusst nicht beim 1. FC Lok oder in Zwickau vorgesprochen, will ein halbes Jahr ohne Aufstiegs-Muss kicken.
Holger Nussbaum, Schatzmeister des SSV Markranstädt, ärgert sich. Der SSV hatte wochenlang gebaggert - vergebens. Dabei hätte einiges für Markranstädt gesprochen. "Sebastian wohnt in Markranstädt, er hätte zu Fuß zum Training gehen können. Und riesigen Druck gibt es bei uns auch keinen. Also ich verstehe das mit Piesteritz überhaupt nicht."
Zuweilen muss man zwei schmerzhafte Schritte zurückgehen, um dann den einzig Wahren nach vorne zu machen. Guido Schäfer

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