LVZ vom 26.01.2012, Süßes und Saures im Bauchladen

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Rumpelstilzchen
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LVZ vom 26.01.2012, Süßes und Saures im Bauchladen

Beitrag von Rumpelstilzchen » Fr 25. Jan 2013, 23:24

Süßes und Saures im Bauchladen
RB-Trainer Alexander Zorniger ist der Gegenentwurf zu Felix Magath


Belek. Das grandiose Wetter bleibt die Konstante im RB-Camp an der türkischen Riviera. Dagegen lustwandelt Alexander Zorniger zwischen lieber Coach und böser Coach. Dem Hallo-wach-Einlauf zu Beginn der Tage in Belek folgten gestern ein freudbetontes Früh-Training und ein Nachmittag zur freien Verfügung.
Alsdann strömten die Beschenkten aus, gingen Golfen, Saunieren oder zogen sich den in der Nachbarschaft steigenden Kick Red Bull Salzburg gegen den 1. FC Kaiserslautern rein. Die eigene Darbietung beim 2:1-Sieg gegen den Schweizer Zweitligisten FC Winterthur hatte den Trainer in Spendierhosen gleiten lassen. Alle haben sich klasse bewegt, alle haben gut gespielt, lobte er den Drang der Seinen, die bei vorangegangenen Testspielen noch nach dem Motto gekickt hatten: Wir sind so gut, wir sind so schön, wir müssen nicht an Grenzen gehn' ...
Die Beziehung zwischen Trainern und Fußballern wird unterschiedlich gelebt. Herzwärme, Kommunikation und freie Tage sind der Leistung abträglich, lautet der Ansatz von Felix Magath, der unter den Schweigern Branko Zebec und Ernst Happel sozialisiert wurde.
Nach Magaths Überzeugung sind auch die Themen Sportwissenschaft, Psychologie, Taktik und Matchplan überbewertet, steht und fällt alles mit männlicher Zweikampfführung, Fitness und volksnahem Sinn für Details: Wer abends zehn Bier braucht, um am nächsten Tag zwei Tore zu schießen, bekommt von mir die Biere. Wohl wissend, dass kein Untergebener je eine derartige Bitte vortragen würde. Selbst das Quarzen soll nicht auf dem Index stehen. Dem Fußballer Magath hatte das Rauchen nicht geschadet. "Ich war konditionell immer einer der Besten." Und was das der Legende nach menschenverachtende Training unter ihm angeht, blickt der Unverstandene wieder in den Rückspiegel: "Ich musste härter trainieren, dagegen ist das heutige Pensum ein Klacks." Berufskollegen, die ihren Fußball-Lehrer mit Note zwei und besser ablegen, die eine Armada an Helfern um sich scharen, sich stundenlang in Laktatwerte vertiefen und Taktiktafeln mit aufs Grün schleppen, sind für Männer vom Schlage Magath: verdächtig.
RB-Coach Alexander Zorniger hat mit 1,0 abgeschlossen, lässt seinem in Belek übenden 27-Mann-Kader eine 17-köpfige (!) Betreuer-Crew angedeihen. Und der Mann ist für alles Moderne empfänglich, hat Süßes und Saures für die Profis in seinem Bauchladen. Zorniger ist der Magathsche Gegen-Entwurf.
Der 45-jährige Schwabe vertritt den von Red-Bull-Fußballchef Ralf Rangnick, 54, vorgelebten ganzheitlichen Ansatz. Nutzt wie sein Mentor Sprache als Waffe, will die Spieler in seine Gedankenwelt, ins Boot holen. Im Idealfall sind alle Mann heftig am Rudern, hält keiner gelangweilt die Angel ins Wasser. Die heutige Spieler-Generation beschäftigt sich intensiv mit ihrem Beruf. "Meine Jungs hinterfragen nicht nur sich, sondern auch Trainingsinhalte", sagt Zorniger, der noch nie in seiner Karriere ein Straftraining anordnete und den Austausch mit den Profis will und forciert. Ist wie im normalen Berufsleben: Man muss den Chef nicht mit einem Küsschen begrüßen, sollte ihn aber respektieren und mit Hingabe folgen können.
In München, Schalke, Wolfsburg waren selbst Stammspieler irgendwann froh, als Magath seinen Turnbeutel packte und die Medizinbälle zurück in den Gymnastikraum walzten. RB-Kapitän Daniel Frahn, 25, glaubt, dass sein Boss den schmalen Grat zwischen griffiger Ansprache und Müde-Labern kunstvoll beschreitet: "Der Trainer bespricht mit uns, was besprochen werden muss, hält aber keine dreistündigen Mannschaftssitzungen. Das passt." Zorniger erlaubt abends übrigens ein Bier pro Mann. Neun weniger als Magath. Guido Schäfer
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