LVZ vom 17.07.2013, "Tradition ist kein Verdienst"

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Jupp
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LVZ vom 17.07.2013, "Tradition ist kein Verdienst"

Beitrag von Jupp » Di 16. Jul 2013, 22:03

"Tradition ist kein Verdienst"
Das Imperium des Dietrich Mateschitz


Interviews mag Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz wie platte Reifen an Sebastian Vettels Formel-1-Rennwagen. Der 69-Jährige ist genialer Vermarkter seines Energydrink-Imperiums, hält sich aber selbst im Hintergrund. Nach jahrelangen Absagen sagte der scheue Österreicher jetzt ja - Guido Schäfer sprach mit dem Milliardär über RBLeipzig, Traditionsklubs wie Bayern und Barcelona sowie das Leistungsprinzip.

Frage: Ihrer Verpflichtung von Fußball-Chef Ralf Rangnick folgten umfangreiche Umbaumaßnahmen bei RBSalzburg und RBLeipzig. Salzburg blieb titellos, Leipzig ist in die 3. Liga aufgestiegen. Wie zufrieden sind Sie mit der Ent­wicklung Ihrer Sparte Fußball?
Dietrich Mateschitz: Wir sind sehr zufrieden, glauben, dass sich unser Fußballprojekt in die richtige Richtung entwickelt. Wir hoffen, dass mit dem Team rund um Ralf Rangnick nun auch die notwendige Kontinuität der Arbeit gewährleistet ist.
Wie und wo haben Sie das entscheidende Spiel Ihrer Leipziger Werktätigen in Lotte erlebt?
Beide Male vor dem Fernsehschirm, wobei vor allem das Spiel in Lotte eines der spannendsten und aufregendsten war, das ich je gesehen habe - und Gott sei Dank zu unseren Gunsten ausging. Wobei aber auch die Leistung der Mannschaft von Lotte hervorragend war.
Wann werden Sie persönlich in Leipzig sein, und wie intensiv ist Ihr Kontakt zu Rangnick, Cheftrainer Alexander Zorniger und Geschäftsführer Ulrich Wolter?
Meine zentrale Ansprechperson ist Ralf Rangnick, der ja auch beide Clubs in Salzburg und Leipzig koordiniert. Aber ich sehe auch Herrn Wolter und Herrn Zorniger regelmäßig. Ich werde sicherlich im Herbst einmal in Leipzig sein und ein Heimspiel besuchen.
Die Fans nehmen RBLeipzig immer besser an, die Zuschauerzahlen waren schon in der vierten Liga Drittliga-reif. Ist diese Resonanz eine Abstimmung mit den Füßen, die den Kritikern des Bundesliga-Projekts den Wind aus den Segeln nimmt?
Konstruktive und fundierte Kritik ist uns wichtig, abwertende Kritik nehmen wir ehrlich gesagt nicht ernst und ist uns ziemlich egal. Wenn wir an ein Projekt und ein Ziel glauben, dann lassen wir uns bei dessen Erreichung eigentlich nicht beirren. Die Zuschauerzahlen waren von Anfang an hervorragend und werden immer besser. Und das ist das, was zählt und uns wirklich freut und auch die Richtigkeit unseres Engagements in Leipzig bestätigt.
Weshalb echauffiert sich Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke bei jeder Gelegenheit über das Leipziger Red-Bull-Engagement, während man beispielsweise vom FC Bayern München nichts Negatives über RBLeipzig hört? Ist Tradition ein Wert an sich?
Natürlich sind traditionelle Werte wichtig, vor allem in Bereichen wie Kunst und Kultur. Aber Tradition ist kein Verdienst, alt werden Dinge von selber. Wenn man heute beispielsweise einen Bösendorfer Flügel mit genauso viel meisterlichem Können und Geschick baut wie vor 100 Jahren, dann hat dieser dieselbe Wertigkeit wie der, der im Museum steht. Ich glaube auch, dass Zeit einer der relativsten Begriffe überhaupt ist. Der einzige Unterschied zwischen dem FC Barcelona, Bayern München und RBLeipzig ist in 500 Jahren der, dass diese Clubs 600 Jahre alt sind und wir 500 Jahre. Warum sich manche Leute echauffieren und dafür sind, dass sie dagegen sind, weiß ich nicht. Da müssen Sie sie selber fragen.
Die Marketing-Maschinerie von Red Bull läuft in Leipzig noch mit gebremstem Schaum, ist offenbar der Ligazugehörigkeit angepasst. Wird erst in der Bundesliga richtig Gas gegeben, könnte dann beispielsweise ein Sebastian Vettel in der Red Bull Arena zu einem Spiel auftauchen?
Diese sogenannte Marketing-Maschinerie gibt es nicht. Wir machen ganz einfach gute Events und guten Sport. Wir sind nicht mit Sebastian Vettel drei Mal Formel-1-Weltmeister geworden, weil wir eine Marketing-Maschinerie haben, sondern das beste Auto mit dem schnellsten Fahrer. Und das ist überall so, wo wir uns engagieren: Es geht um ­Leistung, denn Leistung ist das einzige, was wirklich zählt. Sebastian Vettel wird sicher einmal ins Stadion kommen, aber nicht weil unser ­Marketing es verlangt, sondern weil er Fußball mag und selbst gerne spielt.
Zwei Aufstiege in vier Jahren sind vorzeigbar. Wann folgen Nummer 3 und 4?
Dem Club muss man genug Zeit zum Wachsen geben, dazu gehören auch Konsolidierungsphasen. Es geht nicht um einen Wettlauf, mit möglichst vielen Söldnern möglichst rasch in die Bundesliga zu kommen, sondern es geht um eine gesunde Entwicklung und gesundes Wachstum. Und das mit möglichst vielen eigenen Spielern.
Milliardär, Visionär und Wohltäter
Ein Dose erobert den Globus: Die unglaubliche Erfolgsgeschichte des Österreichers Dietrich Mateschitz


Leipzig. Sankt Marein zählt etwas mehr als 2000 Einwohner. Alle kennen den berühmtesten Sohn des Idylls in der Steiermark. Stolz ist man auf "den Didi", auskunftsfreudig nicht. Je erfolgreicher der Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz wurde, desto schmallippiger wurden all jene, die mit ihm zu tun haben und hatten.
Im Riesenreich des DM gilt: Nur wer schweigt, bleibt. "Der Chef mag es nicht, wenn man plappert", sagt Peter Pacult. Der Fußball-Lehrer aus Wien, 53, war 2011 vom Chef zum Trainer von RB Leipzig gemacht worden. Nach dem Nichtaufstieg begann im Sommer 2012 die Ära von Red-Bull-Fußball-Chef Ralf Rangnick. Pacult bekam seine Papiere und eine großzügige Abfindung. Mateschitz ist in Sachen Fußball sprunghaft, aber auch ein Ehrenmann. Mit Rangnick, 55, soll Kontinuität einkehren, das Projekt Bundesliga-Fußball real werden. Teil 1 der Mission gelang, der Aufstieg im Juni. Am Freitag beginnt mit dem Spiel beim Halleschen FC (Anstoß: 20.30 Uhr, der MDR überträgt) das Abenteuer dritte Profi-Liga.
Sankt Marein wurde dem ehrgeizigen Didi schnell zu eng. Anfang der achtziger Jahre war er Marketing-Direktor von Blendax in Mainz, verdiente viel Geld, nahm dafür die Opfer Fremdbestimmung und Terminstress in Kauf. 1985 dann machte der noch verhinderte Freigeist und Revolutionär während einer Ostasien-Reise Bekanntschaft mit dem Energydrink Krating Daeng (zu deutsch: Roter Stier), kündigte alsbald und griff 1987 mit dem belebenden Dose-Geist den österreichischen Markt an. Zahnpasta verkauft sich über eingängige Werbebotschaften wie: "Damit sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können, Blend-a-Med!" D e r Slogan für die Brause hieß und heißt: "Red Bull verleiht Flüüügel!"
Der Beginn eines märchenhaften Aufstieges. Heute ist Red Bull Weltmarktführer, verleiht angesagten Sportlern Flügel, ist in aller Munde und in 165 Ländern verfügbar. Zum Portfolio des 69-jährigen Selfmade-Milliardärs gehören: Formel 1, Eishockey, Fußball, Medien-Unternehmen, Flugshows und so weiter. Think big!, lautet das Motto. So verschlang der Stratosphären-Sprung von Felix Baumgartner 50 Millionen Euro, brachte aber einen milliardenschweren Marketingeffekt.
Wenn der nach wie vor unverheiratete Mateschitz von einer Idee überzeugt ist, bleibt er hartnäckig. Siehe seinen Einstieg in den deutschen Fußball. Im Jahr 2006 scheiterte ein Versuch mit Sachsen Leipzig am Nein der Fans. Die wollten keine Umbenennung, keine neuen Club-Farben. Am 27. Mai 2009 war es vollbracht, bekam Red Bull über das Vehikel SSV Markranstädt einen Fuß in die Tür. "Neuland in Deutschland!", war die Presseerklärung aus der Firmenzentrale in Fuschl am See überschrieben, "Rote Bullen betreten grünen Rasen!"
Mateschitz - in nahezu festen und sehr jungen Händen. Vater eines 20-jährigen Sohnes. Milliardär. Visionär. Auch Helfer in der Not. Als zwei Polizisten auf der Fahrt zum Leipziger Mai-Derby RB gegen Lok tödlich verunglücken, lässt Mateschitz die hinterbliebenen Familien nicht allein. Er unterstützt sie auf Jahre hinaus. Reden will er darüber nicht. Guido Schäfer
Hintergrund

Dietrich Mateschitz gründete im Jahr 1987 die Red Bull GmbH mit Sitz in Fuschl am See. Zunächst das einzige Produkt: ein Energydrink in der 0,2-Liter-Dose.
Mateschitz gehören 49 Prozent der Gesellschaft, 51 Prozent besitzt das Hongkonger Unternehmen der Familie Yoovidhya.
Der Umsatz stieg von 749 Millionen Euro im Jahr 2000 auf 4,93 Milliarden Euro im Jahr 2012. Marketing-Aktivitäten machen ein Drittel des Umsatzes aus. Das Unternehmen hat weltweit 8400 Mitarbeiter.
Die Zahl der verkauften Dosen stieg von zwei Milliarden (2004) auf 5,226 Milliarden im Vorjahr.
Laut einer Studie des European Brand Institute wird der Markenwert von Red Bull auf zwölf Milliarden Euro taxiert.
Red Bull engagiert sich in der Formel 1 sowie weiteren Motorsport-Arten, im Eishockey und im Fußball. Das Unternehmen sponsert Stars wie die Skifahrerin Lindsay Vonn, den Fußballer Neymar und den Stratosphären-Fallschirm- Springer Felix Baumgartner.
Zum Imperium gehören unter anderem Servus TV, Red Bull Mobile, Red Bulletin und der Salzburger Ecowin-Verlag. gs
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