LVZ vom 10.01.2014, "Ich bin der Opa bei uns"

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Jupp
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LVZ vom 10.01.2014, "Ich bin der Opa bei uns"

Beitrag von Jupp » Do 9. Jan 2014, 22:05

"Ich bin der Opa bei uns"
Aus Erfahrung gut: Oldie Fabio Coltorti weist jungen RB-Dachsen den Weg in Bau


Belek. Sie mussten zu nachtschlafender Zeit raus, bestiegen mit Augen wie Karl Dall eine Boing 737 und blinzelten gestern Mittag in blauen türkischen Himmel. Die Rasenballer machen sich seit gestern bis zum 18. Januar im türkischen Belek schick & fit für den Aufstiegskampf, absolvieren 25 (!) Übungseinheiten und drei Testpartien. Keeper Fabio Coltorti, mit 33 Jahren Mutter und Opa der Kompanie, über Camp-Entbehrungen, Kameraden ohne Bartwuchs, den nahezu perfekten Transfer des Wolfsburger Supertalentes Federico Palacios-Martinez (18/Vertrag bis 2018) und ein Innenband, das wieder da ist, wo es sein muss.
Frage: Verglichen mit vielen Ihrer just volljährig gewordenen Kollegen sind Sie ein Greis. Reichen Ihnen Dachse wie Yussuf Poulsen und Joshua Kimmich abends Rheumasalbe?
Fabio Coltorti: Ich bin der Opa bei uns, komme aber noch ohne Gehhilfen in die Kabine, brauche auch keine Salbe. Im Ernst: Wir kommen super miteinander klar, respektieren uns. So muss das sein.
RB setzt auf jung-dynamische Werktätige, traut eigentlich keinem über 30. Wenn Ihr Vertrag 2016 ausläuft, sind Sie 35. Haben Sie einen Stein im Brett bei den Herren Rangnick/Zorniger?
Fußball ist ein knallhartes Geschäft, da steht die Leistung über allem. Mein Vertrag wurde nicht verlängert, weil ich so ein sympathischer und lieber Kerl bin, sondern weil ich ab und zu einen Ball halte und den Jungen in ihrer Entwicklung helfen kann.
Müssen Torhüter reifen wie ein guter Rotwein?
Ein Torhüter muss nicht sprinten wie ein 18-jähriger Stürmer, nicht zwölf Kilometer wie unsere Mittelfeldspieler rennen. Torhüter brauchen Reflexe, Sprungkraft - und vor allem Erfahrung. Habe ich alles.
Stürmer Federico Palacios-Martinez stößt beim Freitagtraining als dritter Neuer zum Kader. War Ihnen der Name ein Begriff?
Das nicht, aber seit er bei uns Thema ist, habe ich viel Gutes über ihn gehört. Wenn Ralf Rangnick und Alexander Zorniger von einem Spieler überzeugt sind und schon in der Winterpause zuschlagen, muss der etwas können. Wir freuen uns auf ihn.
Auf ein gemeinsames Training mit Ihnen muss Martinez noch warten. Macht das Ende 2013 gerissene Innenband im Knie Probleme?
Nein, das ist stabil. Der Rücken zwickt ein wenig, wohl wegen einer Fehlbelastung. Wenn man eine Verletzung auskuriert hat, läuft man nicht gleich wieder rund.
Und dann kommen sie, die reflektorischen Verhärtungen.
Genau das, ja. Ist nichts Gravierendes, ich bin schnell zurück im Mannschaftstraining, will beim Start gegen Burghausen (25. Januar; Red.) im Tor stehen.
Ihre Verletzung kam ohne Feindkontakt zustande. Machen Erfahrungen dieser speziellen Art klüger?
Mich schon. Ich habe die Situation analysiert und meine Schlüsse daraus gezogen. Das Torwartspiel ist vielschichtig, man kann und muss sich permanent verbessern. Wie stehe ich zum Ball, wie zu den Mitspielern, wie zum Gegner? Und wie schaffe ich es, immer unter Strom zu stehen? Das sind komplexe Abläufe, an denen man permanent arbeiten muss.
Stehen Sie noch mit 40 im Tor?
Ich habe es mir abgewöhnt, langfristige Pläne zu schmieden. Meistens kommt es eh anders als man denkt. Stand heute ist: Der Job macht mir riesigen Spaß, das Projekt Bundesliga ist extrem reizvoll. Ich spiele, solange ich fit bin, an die Latte komme und erwünscht bin. Warum sollte ich 2016 aufhören, wenn wir erfolgreich sind?
Weil ihre Familie das Familien-Oberhaupt um sich haben will. Frau und Kind leben in Marbella, der Gatte/Papa in Leipzig.
Unser Lebensentwurf ist ungewöhnlich und manchmal auch belastend. Als ich mit meiner Knieverletzung nach Hause kam, hat das doppelt weh getan. Band gerissen, Frau und Kind nicht bei mir. Da muss man dann durch.
Das Trainingslager entrechtet den Freigeist, ist der natürliche Feind des Fußballer. Würden Sie diesen Satz unterschreiben?
Nein. Wir machen hier keinen Urlaub, sondern bereiten uns auf eine brutal wichtige Rückrunde vor. Im Trainingslager wird trainiert, da hat man keinen Sinn für Dolce Vita.
Steht das Wort Aufstieg auf dem Index?
Bei uns steht gar nichts auf dem Index. Aber mit Worten steigt man nicht auf, man braucht Punkte. Und dazu muss die Leistung stimmen. Wenn wir das abrufen, was in uns steckt, sehe ich keinen Grund, warum wir nicht erfolgreich sein sollten.
Erfolgreich heißt Aufstieg?
Was sonst?

Interview: Guido Schäfer

iWeitere Informationen zum Trainingslager des Drittligisten RB Leipzig bietet auch das LVZ-Fußball-Mitmachportal Sportbuzzer. Im dortigen Videomagazin werden das Ur-Krostitzer-Hallenmasters, der Trainingsauftakt von RB, ein Besuch bei der Ü40-Mannschaft von Rotation 1950 thematisiert und ist ein Kommentar von Guido Schäfer zu finden.
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