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LVZ vom 10.03.2014, Fünfter Sieg in Serie

Verfasst: So 9. Mär 2014, 22:03
von Jupp
Fünfter Sieg in Serie - Kaiser und Co. rocken die 3. Liga

Leipzig/Stuttgart. Stellen Sie sich vor, Sie sind Fußballspieler bei RB Leipzig, heißen Joshua Kimmich, Matthias ­Morys oder Dominik Kaiser und sind im schönen Schwaben-Ländle geschlüpft. Stellen Sie sich weiter vor, Sie haben eine Dienstreise nach Stuttgart glorreich bestritten, beispielsweise bei der U23 des ortsansässigen VfB 2:0 gewonnen. Dann ist es naheliegend, ein verlängertes Wochenende in der Heimat zu verbringen, Maultaschen bei der Mama zu vertilgen, im Ländle durchzuatmen und den generösen Trainer ins Nachtgebet einzuschließen.
Klingt gut, ist aber als Fußballspieler von RB Leipzig unter der Knute von Alexander Zorniger ein Ding der Unmöglichkeit. Der Cheftrainer packte seine Männer nach dem grandiosen Sieg beim VfB in den Bus, erlaubte auf der sechsstündigen Heimfahrt insgesamt kein Bier und bat bei der Ankunft um 4.30 Uhr zur Videoanalyse. Danach mussten die Männer um Kapitän Daniel Frahn in Turnhosen schlüpfen und vom Flutlicht bestrahlt dehnen und auslaufen. Womit der Begriff Morgengrauen eine ganz neue Bedeutung einverleibt bekam.
Dringende Frage an Herrn Zorniger: "Sind Sie eventuell ein Unmensch?"
"Nein, auf gar keinen Fall", glaubt der 46-jährige Fußball-Lehrer. "Wir haben gewisse Abläufe. Und dazu ­gehört, dass alle, die mit dem Bus angereist sind, auch wieder mit dem Bus abreisen." Ausnahmen? Keine. Falls eine Niederkunft von Frau Frahn in spe oder Frau Kaiser in spe bevorsteht, dürfen die werdenden Väter beim Chef vorsprechen. Wobei diese Variante ziemlich konstruiert, ja nachgerade unmöglich ist. Zorniger fordert den ganzen Mann, sieht seine Spieler furchtbar gerne. Da bleibt für die Liebe(n) daheim keine Kraft.
Stuttgart also. Den 1300 Zuschauern wurde am Freitag Abend eine bajuwarische Überlegenheit seitens RB geboten. Statt 6:1 hieß es am Ende 2:0 durch Tore von Daniel Frahn (28.) und Yussuf Poulsen (63.). Fünfter Sieg in Serie, null Gegentore, Platz zwei gesichert, Platz eins nach dem 0:0 von Heidenheim gegen Halle in Sichtweite. Ja, bei den Roten Bullen verstehen sich Anspruch (Aufstieg) und Wirklichkeit (Team der Stunde) blind. Damit das so bleibt, zählt Zorniger im Bus persönlich durch, ob alle da sind.
Zum Erfolgsgeheimnis Akribie gesellt sich die immer besser funktionierende Balleroberung. "Das machen die Jungs gerade sehr gut", sagt der Coach, "wir sind aggressiv, griffig, holen uns so viele Bälle zurück." In Stuttgart war RB diesbezüglich "nah am Optimum", stellte Spielmacher Dominik Kaiser fest. Das rechtzeitige Anlaufen nach Ballverlusten ist die hohe Kunst, muss täglich neu (es grüßt Herr Sammer) erarbeitet werden.
Joshua Kimmich, Dominik Kaiser, Matthias Morys und der schwäbelnde Alexander Zorniger höchstselbst düsten am Sonnabend zurück nach Stuttgart. Der Coach hatte das Morgen­grauen mit zwei freien Tagen aufgehellt. Das sind mindestens Auflösungs­erscheinungen.

Guido Schäfer

RB: Bellot - Teigl, Sebastian, Hoheneder, Heidinger - Kimmich (82. Franke), Demme, Fandrich (72. Röttger) - Kaiser - Poulsen (85. Morys), Frahn.

Trainer, wir haben keine Lust mehr auf Elektrolyte! Die Rasenballer außer Rand und Band, Dominik Kaiser (Mitte) gibt den Takt vor. Foto: Worbser