LVZ vom 03.09.2014, "Wir jagen keinen Spieler vom Hof"

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Rumpelstilzchen
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LVZ vom 03.09.2014, "Wir jagen keinen Spieler vom Hof"

Beitrag von Rumpelstilzchen » Mi 3. Sep 2014, 12:37

"Wir jagen keinen Spieler vom Hof"
Sportdirektor Ralf Rangnick hat aus Mané viel Money und den RB-Kader windschnittiger gemacht


Das Transferfenster ist zu, zig Fußballer und zig Millionen Euro wechselten den Besitzer. Red-Bull-Sportdirektor Ralf Rangnick, 56, verkaufte Salzburgs Stürmer Sadio Mané, 22, für 15 Millionen Euro an den FC Southampton - Rekordtransfer für Österreich! Auch in Leipzig legte Rangnick Hand an, machte den Zweitliga-Kader windschnittiger, delegierte Denis Thomalla, 22, nach Ried und ließ/lobte Tobias Willers, 27, zum VfL Osnabrück. Rangnick über Nachtarbeit mit fetter Rendite, Dortmunder Gelüste, Alexander "Gnadenlos" Zorniger und Konzentration aufs Kerngeschäft im Fall eines Leipziger Aufstiegs.

Der Sportkamerad Mané wollte weg, konnte/wollte RB Salzburg auf dem Weg in die Gruppenphase der Champions League nicht helfen. Jetzt hat er seinen Willen bekommen. Hilft die 400-prozentige Rendite für Mané über den Frust des Ausscheidens hinweg?
Nein, die Champions League wäre mir natürlich lieber. Als Sadio beim Training fehlte und wir in Malmö ohne ihn ausgeschieden sind, war klar, dass alle an einer Lösung arbeiten müssen. Die wurde Montag Nacht zehn Minuten vor der Deadline gefunden.
Auch Dortmund hatte angeklopft, wollte offenbar einen adäquaten Ersatz für den langfristig kaum zu haltenden Marco Reus in Stellung bringen.
Das mit Reus haben Sie gesagt. Fakt ist, dass der BVB Sadio erst im kommenden Sommer holen wollte. So lang wollte der Spieler aber nicht warten.
War RB Leipzig zu irgendeinem Zeitpunkt Thema?
Ein Bundesligist RB Leipzig wäre natürlich Thema gewesen, ein Zweitligist nicht. Wenn wir wüssten, dass Leipzig 2015 Erstligist ist, hätten wir mit Sadio zumindest darüber sprechen können.
Mit Tobias Willers und Denis Thomalla verlassen zwei Profis RB. Halb zog es sie, halb sanken sie hin?
Wir jagen grundsätzlich keinen Spieler vom Hof, sind aber immer um ehrlichen Umgang bemüht. Denis ist 22, der muss jetzt spielen. Dazu kommt er in Ried besser als bei uns. Wenn Boyd und Rebic richtig fit sind, wären die Chancen von Denis bei uns sicher nicht gewachsen. Bei Tobi ist es ähnlich. Wir haben Marvin Compper und Lukas Klostermann geholt, da hätte es Tobi noch schwerer als bisher gehabt.
Acht Punkte aus vier Zweitligaspielen...
...sind zwei im Schnitt. Wenn es in diesem Stil weiter geht...
...steigt man auf, Herr Rangnick.
Für uns ist wichtig, dass wir unsere Art des Fußballs zeigen und stetig verbessern. Wenn uns das gelingt, kommen die Ergebnisse automatisch.
Und damit der dritte Aufstieg hintereinander.
Sie können gerne weiter über einen Aufstieg spekulieren, das bringt uns keine Punkte.
Andersrum: Käme die Bundesliga zu früh?
Kein Aufstieg kann zu früh kommen. Sie sollten die Tabelle nicht überbewerten, Aussagekraft hat sie zum ersten Mal nach etwa zehn Spielen. Außerdem sind unsere acht Punkte gegen Mannschaften zustande gekommen, die ich nicht zu den absoluten Spitzenteams zählen würde.
Der Pokalsieg gegen Paderborn wurde durch den sensationellen Start der Paderborner aufgewertet. Sie haben sozusagen gegen ein kommendes Champions-League-Team 2:1 gewonnen.
Sie haben eine blühende Fantasie.
Ihr Cheftrainer Alexander Zorniger hat Ante Rebic in Frankfurt via Ein -und Auswechslung einen Einlauf verpasst. Musste das sein?
Das können sie mit dem Trainer besprechen.
Hat der Trainer Rangnick Spieler ein -und wieder ausgewechselt?
Hat er, ein oder zweimal.
Wen?
Weiß ich nicht mehr.
Sie hätten um ein Haar einen weiteren Torhüter geholt. Sind Sie froh, dass es nicht geklappt hat?
Wir haben nach der Verletzung von Fabio Coltorti den Markt sondiert und kein Gesamtpaket gefunden, bei dem wir gesagt haben, das müssen wir jetzt machen. Benny Bellot macht das klasse, kann bei null Gegentoren in vier Spielen nicht erfolgreicher sein.
Falls Leipzig eines fernen Tages in die Bundesliga aufsteigt, nehmen Sie Ihren Hut als Sportdirektor in Salzburg. Diese Ankündigung nimmt man Ihnen in Österreich übel.
Wenn beide RB-Teams erstklassig spielen, können sich auch beide für einen europäischen Wettbewerb qualifizieren. Dann kann es laut Uefa keinen gemeinsamen Sportdirektor geben. Andernfalls würde die Uefa auf den Koeffizienten schauen und nur einen RB-Club europäisch starten lassen. Das wäre nach Stand der Dinge Salzburg. Auch wenn ich nicht mehr Sportdirektor in Salzburg bin, bin ich ja nicht aus der Welt. An unserer Ausrichtung hat sich nichts geändert: Wir wollen in beiden Standorten maximalen Erfolg. Interview: Guido Schäfer
Lachendes und weinendes Auge bei Tobi Willers
Abwehrmann geht im Guten zu Drittligist Osnabrück


Leipzig. Er war bei den nervenzerfetzenden Aufstiegsspielen Lotte gegen RB im Sommer 2013 zweimal bester Mann auf dem Feld. Er weinte nach dem Nichtaufstieg seiner wackeren Sportfreunde bittere Tränen. Er hatte alsbald ein Top-Angebot der beeindruckten Roten Bullen auf dem Tisch. Tobias Willers beratschlagte sich kurz mit Freundin und Familie und sagte ja zu RB Leipzig.
Wie groß sein Stellenwert in Lotte war und wie sehr seine Verdienste gewürdigt wurden, zeigte die Tatsache, dass Lottes Cheftrainer Maik Walpurgis erst gar nicht versuchte, seinen Abwehrchef zum Bleiben zu überreden. Walpurgis sinngemäß: Das ist ein unwiderstehliches Angebot, mach et, Tobi!
Vierzehn Monate, 23 Pflichtspieleinsätze und ein Tor für RB später (beim 3:2-Sieg in Saarbrücken) wurde Walpurgis wieder bei Willers, 27, vorstellig. Diesmal in anderer Mission. Walpurgis, 40, ist Coach des VfL Osnabrück, machte Willers einen Wechsel nach Ostwestfalen schmackhaft.
Der war hin- und hergerissen, denn: In den Poker stiegen auch die Regionalligisten Kickers Würzburg in persona Cheftrainer Bernd Hollerbach und die U23 von Schalke 04 mit Verhandlungsführer und Coach Jürgen Luginger ein. "Es ist unfassbar, wie sehr sich Walpurgis, Hollerbach und Luginger für mich ins Zeug gelegt haben", sagt Willers. "Alle hatten innerhalb kurzer Zeit ein tolles Paket geschnürt." Die Würzburger und Schalker Pakete waren besser bestückt als das VfL-Paket, enthielten sogar Anschlussverträge. Nachteil: Willers hätte in der vierten Liga gekickt. Und das wollte er nicht.
"Ich habe mich für das sportlich reizvollste Angebot entschieden, also für den VfL." An der Bremer Brücke brennt die Luft, wird Fußball gelebt. Willers: "Ich bin heiß auf Fußball, kann es nicht erwarten aufzulaufen." Das wird er schon am Sonnabend. Mit dem VfL Osnabrück beim MSV Duisburg. Mit dem Erfolgsduo: Maik Walpurgis auf der Bank und Tobias Willers als Abwehrchef. "Ich verlasse Leipzig mit einem weinenden und einem lachenden Auge, habe hier tolle Menschen kennengelernt." Vielleicht sieht man sich ja in der zweiten Liga wieder. Wenn der VfL aufsteigt und RB, nun ja, den Klassenerhalt schafft. Guido Schäfer
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