LVZ vom 29.01.2015., Die Wüste lebt - die Mannschaft auch

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Jupp
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LVZ vom 29.01.2015., Die Wüste lebt - die Mannschaft auch

Beitrag von Jupp » Mi 28. Jan 2015, 22:01

Die Wüste lebt - die Mannschaft auch
RB-Trainer Alexander Zorniger ist nach den neun Tagen im Doha-Camp nahezu beglückt


Von Guido Schäfer

Doha. Der Sinn eines Winter-Trainingslagers in sonnigen Gefilden erschloss sich Otto Rehhagel nie. König Otto zu Bremer Zeiten: Wenn es in Deutschland schneit und die Böden sind wie sie sind, muss man unter jenen Bedingungen auch trainieren! Außerdem sind eigenes Bett und eigene Ehefrau für Sportler lebenswichtig! Als Mario Basler und Mirko Votava merkten, dass ihr Coach ein Tierfreund ist und jeden Hund streichelt, tauchten immer mehr Fans mit Hunden zum Training auf. Ließ die Schicht schrumpfen und wies in Bremen Mitte der 90er Jahre nach: Taktik, Gleichberechtigung und hartes Training sind überbewertet.
Alexander Zorniger ist der Gegenentwurf zu Rehhagel. Der RB-Trainer hat in Sachen Disziplin die ganz enge Mütze auf, streichelt nichts und niemanden, will den gläsernen Profi und lebt das Motto: Taktik ist nicht alles, aber ohne ist alles nichts. Diskussionen auf Augenhöhe? Aber ja doch. Mit seinem Boss Ralf Rangnick und dessen Mentor Helmut Groß. Diese beiden Herren sind die Erfinder des Balljagens mit kalkulierten Fehlpässen, die vergiftete Geschenke an den Gegner sind und selbigen in Schwierigkeiten bringen mögen. All das fällt unter das Zauberwort Gegen-Pressing. In der Wüste wurde heftigst gepresst und gegengepresst. Bis gestern früh.
Das erste Doha-Camp der Rasenballer ist Geschichte, via Wüsten-Rallye wurde ein Strich unter neun Sonnen-Tage gezogen. Heute setzt die Linienmaschine der Quatar Airlines in Berlin Tegel auf, morgen wird trainiert und am Sonnabend (17.30 Uhr, Red-Bull-Arena) gegen Aalen generalgeprobt. Am 6. Februar (18.30 Uhr) steigt das Zweitliga-Derby im kalten Aue.
Alexander Zorniger blickte bei der Bilanz-Pressekonferenz keineswegs durch eine rosarote Brille, sprach gar von zwei "Katastrophenmeldungen". Die Muskelverletzung von Omer Damari und die Rückabwicklung des Nils-Quaschner-Transfers seien "zwei negative Ausreißer" eines sonst "optimalen" Trainingslagers. Das 2:1 gegen den SC Katar und das 3:3 gegen Salzburg bekamen die Note "sehr gut". Die Seinen hätten einen "frischen" Eindruck hinterlassen. Das Üben im wetterfesten Wintercamp sei, Grüße an Otto R, alternativlos.
Zorniger war trotz Rüsselseuche in Plauderlaune, ließ auch die hundsgemeine Kälte in Deutschland und seinen diesbezüglichen Fokus nicht aus. "Wir haben dort ganz andere Bedingungen als hier. Wir werden beobachten, wer sich zu dick anzieht." Botschaft: Wer beim Üben in Eskimo-Montur auftaucht und sich so bewegt, ist keiner für den erzgebirgischen Schnee.
Zorniger über US-Proband Matt Miazga. "Ein extrem interessanter Spieler, der uns aber nicht sofort hilft. Wir haben ihn weiter auf dem Schirm." Miazka bleibt demnach bei Red Bull New York.
Über Quaschners Rückkehr nach Salzburg: "Bitter für uns und für den Jungen." Bis Montag soll ein Quaschner-Ersatz her.
Über heiße Positionskämpfe im Mittelfeld: "Keiner hat seinen Platz sicher, jede Position ist mindestens doppelt besetzt." So balgen Diego Demme und Rani Khedira um die defensive Rolle in der Zentrale.
Über Neuzugang Emil Forsberg: "Super Junge, top Einstellung, hat sich schnell integriert."
Über Joshua Kimmich: "Er hat noch Defizite im Spiel gegen den Ball, hilft uns aber mit seiner Passsicherheit und Genialität." Klassischer Fall von Güterabwägung.
Zum neuen, alten 4-3-3 mit drei Stürmern: "Das sah gegen Salzburg richtig gut aus. Die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen waren gut, das Spiel nach vorne auch."
Über Daniel Frahns Lage: "Er ist nach wie vor Kapitän der Mannschaft, muss sich in der Center-Position behaupten, hat gegen Salzburg sein Tor gemacht."
Über Kroaten-Stürmer Ante Rebic: "Er ist viel offener, aber noch zu lange in einer Situation verhaftet."
Gestern mähte Rebic den Kollegen Diego Demme um. Zu seligen Rehhagel-Zeiten hätte das Fachorgan Kicker jubiliert: "Die Mannschaft lebt!"
Mission Impossible

Der Weg zum Glück, der zu unseren WM-Handballern im Match gegen Katar, ist für mich unerreichbar. Offiziell sind alle Karten vergriffen. Offiziell alle im Vorverkauf. Ein Königreich für eine Wildcard...
Ein am Schwarzmarkt erfolgreicher Kumpel simst mir live aus der Halle, dass das Riesenteil annähernd halbleer ist. Tausende Kartenbesitzer sitzen also beim Anwurf hochoffiziell daheim, gucken versonnen auf ihre Tickets und freuen sich auf die Fußball-WM 2022. Katar ist ja offiziell auch ein Land, das Fußball kann.
Ich gucke das Spiel notgedrungen in der Hotel-Lobby, auf Programm 14. Nach zwei Minuten Handball kommen jedoch 55 Minuten Fußball, Basketball, Hockey, es folgen Nachrichten, das Wetter und Gebete (nicht meine). Ich versuche wie ein Lotto-Spieler die Programme 1 - 13 - 15 und 49, ich bitte um Beistand. Der eine Kellner ist aus Indien, ein anderer von den Philippinen, der dritte aus Bangladesh, meine letzte Hoffnung ist ein Türke. Doch Handball interessiert die Herren null.
Ich bestelle ein Herrengedeck gegen den Frust. Ein solches wird nur im Restaurant serviert. Offiziell und inoffiziell. Kurz vor dem Abpfiff flimmert ein Gebet, dann wieder Fußball, schließlich: Zweieinhalb Minuten Handball. Wir verlieren. Die Kellner lächeln. Sie lächeln dauernd.
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