LVZ vom 13.2.15, Zwei Männer, eine Meinung

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F-Lion
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LVZ vom 13.2.15, Zwei Männer, eine Meinung

Beitrag von F-Lion » Do 12. Feb 2015, 22:08

Zwei Männer, eine Meinung

Nach dem Trainer-Beben schwingen Achim Beierlorzer und Ralf Rangnick das Zepter bei RB


Von guido schäfer
Leipzig. Tag eins nach dem "Trainer-Beben" (Fachorgan Kicker) in Leipzig. Der Rauch hat sich verzogen, der Gang zur Tagesordnung ist vor allem für die Fans des abgängigen Aufstiegshelden Alexander Zorniger steinig & schwer.
Der 47-jährige (Ex-)Coach der Rasenballer hat in seinen zweieinhalb Leipzig-Jahren eine enge Bande zu den Anhängern aufgebaut. Er liebte das Bad in der Menge, gab lieber ein Autogramm zu viel als eines zu wenig, stand immer und überall für Selfies zur Verfügung. So einen Lila-Laune-Bären muss man lieb haben. Wenn man nicht gerade Ralf Rangnick heißt und von Berufs wegen eine Silberbüchse (Bärentöter) mit sich trägt.
Die Kombination aus Siegen und Volksnähe wird am Sonntag beim Heimspiel gegen den FSV Frankfurt (13.30 Uhr) zu spüren, zu hören und sehen sein. Die RB-Fans haben sich eine "Danke-Alex!"-Nummer ausgedacht, werden AZ vor über 20000 Zuschauern verabschieden. Es werden Tränen fließen.
Und es fließt Geld. Gestern einigte sich der Club mit dem Fußball-Lehrer und dessen Berater Christian Nerlinger über die Modalitäten der Auflösung des bis Sommer 2016 laufenden Vertrages. Durchsickert: RB überweist 500000 Euro. Dank für zwei unbezahlbare Aufstiege und Schmerzensgeld fürs Ende. Außerdem muss Zorniger nicht aufs Angebot der LVB setzen, darf zunächst weiter seinen Dienst-Touareg fahren. Mit der Auflösung ist Zorniger wieder zu haben, frei für neue Aufgaben.
Stichwort neue Aufgabe: Den nach der Beförderung von Achim Beierlorzer, 47, vakanten Posten als U17-Coach übernimmt offenbar Marco Rose. Der ehemalige Lok-Coach und langjährige Profi ist aktuell Trainer der U16 von RB Salzburg. Eine Rückkehr in seine Heimatstadt war perspektivisch angedacht, wird nach erwähntem Trainer-Beben wohl vorgezogen. Der 38-Jährige absolvierte gestern seine Prüfung zum Fußball-Lehrer. Noten gibt es noch keine.
Zurück zu Beierlorzer und seinem Erstlingswerk als RB-Profi-Coach gegen Frankfurt. Rangnick hat sich noch nicht entschieden, ob er neben Beierlorzer oder auf der Tribüne Platz nimmt. Von oben sieht er mehr, von unten hat er unmittelbaren Einfluss. Ab sofort müssen sich beide Herren daran messen lassen, was auf dem Rasen passiert. Es wird Veränderungen geben. Marvin Compper kehrt zurück in die Abwehr, Omer Damari soll stürmen. Das Duo Beierlorzer/Rangnick: dünnarmig oder dynamisch?
Übrigens: Der hässliche untere Betonring in der RB-Arena ist ab sofort unsichtbar, wird verdeckt von Werbebanner für die von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz gegründete Wings-for-Life-Stiftung. Es geht es um Aufmerksamkeit für die Rückenmarksforschung.

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"Leipzig ist stark, aber nicht unschlagbar"
Frankfurts Sportchef Uwe Stöver im Interview


Frankfurt/Main. Er war ein knallharter Verteidiger in der ersten und zweiten Liga (Bayer Leverkusen, VfL Bochum, Mainz 05), holte sich nach seiner Karriere einen Rundumblick in Sachen Fußball. Uwe Stöver war Marketingchef (Mainz), Trainer (Mainz), Nachwuchsleiter (1. FC Kaiserslautern) und Sportchef (SV Wehen). Seit 2009 ist der 48-Jährige Geschäftsführer Sport beim FSV Frankfurt. Im Interview spricht Stöver über seinen potenziellen Abstiegs-Etat, Trainer-Ikone Benno Möhlmann, 60, den Sinn für Realitäten und das Sonntag-Spiel bei den auf Dosen gebetteten Rasenballern.

Bei RB gab es eine geräuschvolle Veränderung auf der Trainerbank. Erschwert das die Aufgabe des FSV?
Trainerwechsel bringen immer eine Aufbruchstimmung mit sich, jeder will sich zeigen und beweisen. Für uns ist das Spiel eine große Herausforderung. Das wäre aber auch so gewesen, wenn Herr Zorniger noch Trainer wäre.
Sie gedenken zu punkten?
Wir gedenken immer zu punkten. Leipzig ist stark, aber nicht unschlagbar. Wahrscheinlich hat es schon mal jemand vor mir festgestellt: In dieser extrem ausgeglichenen Liga kann jeder jeden schlagen, da hängt viel von der Tagesform ab.
Beim 0:0 in Frankfurt hatten Sie RB am Rand einer Niederlage.
Hatten wir. Wir haben da viel liegengelassen. Und der Torwart (Benny Bellot; Red.) hat klasse gehalten.
Nach zähem Start und zementiertem Platz im Keller hat sich der FSV ins Mittelfeld gerobbt. Hatten Sie irgendwann Zweifel am großen Ganzen und an Coach Benno Möhlmann?
Weder noch. Benno ist ein Top-Trainer und zudem ein großartiger Typ. Wir haben gerade seinen Vertrag bis 2016 verlängert.
Die jungen Wilden werden Konzepttrainer genannt, gehen mit Matchplänen ins Bett. Hat Möhlmann einen Matchplan?
Hat er. Bei ihm heißt das noch altmodisch: taktische Vorgaben. Er wird bald Rekord-Trainer in der zweiten Liga. Den Klassenerhalt vorausgesetzt, gehen wir mit ihm demnächst in die vierte Saison.
Wird die Liga gehalten?
Daran arbeiten wir. Sieben Punkte Abstand nach unten sind kein Ruhekissen, wir wollen und müssen regelmäßig punkten. Auch in Leipzig. Wenn man uns lässt.
Haben Sie ein Problem mit dem auf Dosen gebetteten Bundesliga-Projekt RB?
Ich habe für Gegner und Befürworter Verständnis. Fakt ist: RB macht das sehr professionell, es wird kein Geld verpulvert. Ich habe dabei keine Schmerzen.
Ihr Zuschauerschnitt liegt bei 6000, der Frankfurter Etat ist ein potenzieller Abstiegs-Etat. Was ist perspektivisch drin für den Club?
So lange wir nicht deutlich mehr Geld generieren können, kann unser Ziel nur Besitzstandswahrung heißen. Das heißt: Klassenerhalt. Wir schätzen diese Liga sehr, nehmen sie nicht als gegeben hin. Schauen Sie mal, wer in den letzten Jahren die zweite Liga verlassen hat. Darunter sind jede Menge Clubs mit riesiger Tradition und Vergangenheit. Wir sind seit 2008 Zweitligist. Darauf darf man stolz sein.
Ihr Angreifer Vincenzo Grifo ist ein Mann mit Bundesliga-Format. Muss sich RB fürchten?
An guten Tagen macht er den Unterschied. An weniger guten sieht man weniger von ihm. Aber es stimmt schon: Vincenzo hat alles, was einen veritablen Offensivspieler ausmacht.

Interview: Guido Schäfer
"Ja, Statistiken. Aber welche Statistik stimmt schon? Nach der Statistik ist jeder vierte Mensch ein Chinese, aber hier spielt gar kein Chinese mit."

Werner Hansch

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