LVZ vom 05.03.2015, Wölfe beißen Bullen weg

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Jupp
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LVZ vom 05.03.2015, Wölfe beißen Bullen weg

Beitrag von Jupp » Do 5. Mär 2015, 09:13

Wölfe beißen Bullen weg
Bundesliga-Zweiter gewinnt bei wehrhaften Rasenballern 2:0 und steht im Viertelfinale des DFB-Pokals


Von Guido Schäfer


Leipzig. Die Fußballer von RB Leipzig müssen sich ab sofort auf die 2. Liga konzentrieren, erleben die weiteren DFB-Pokal-Runden mit Chips und Cola vorm TV-Endgerät. In einem lange ausgeglichenem Fight ziehen die Roten Bullen vor mit 43348 Zuschauern ausverkauftem Haus gegen Wolfsburg den Kürzeren, verabschieden sich mit einem 0:2 (0:1). Daniel Caligiuri (21.) und Timm Klose (58.) lassen dem VfL die Chance auf eine Fahrt nach Berlin.
Der RB-Coup im Cup ist keineswegs unmöglich, geht aber wegen einer miesen Chancenverwertung über die Wupper. Am Montag spielen die ritterlich ausgeschiedenen Männer von Coach Achim Beierlorzer in Karlsruhe um den Anschluss an die Zweitliga-Spitze.
Die erste Halbzeit - ein Offensivspektakel mit prächtigen Kombinationen und Chancen in Serie. Und, unglaublich und wahr, ein Duell auf Augenhöhe. Und das beim Treffen begüterter Zweitligist gegen steinreichen Champions-League-Aspiranten. Beierlorzer hatte von einer 50/50-Chance auf die Sensation gesprochen, sein Team füllt diese gewagte These mit Leben.
5. Minute: Super-Wolf Bas Dost köpfelt nach Ecke knapp daneben. 9.: Marcel Schäfer, der ewige, weil dienstälteste Wolfsburger, flankt, Dost geht kurz, verpasst das 0:1. 11.: RB-Abwehrmann Tony Jung passt auf Emil Forsberg, Diego Benaglio hält. 17.: Fast das 1:0! Dominik Kaiser flankt auf Rechtsverteidiger Lukas Klostermann, Außennetz. Wenige Sekunden später läuft Damari nach Forsberg-Pass alleine auf Benaglio zu, verzieht um 50 Zentimeter.
Dieses Fußballspiel allerbester Güte lässt keine Atempause. Schön für die Fans: Beide Teams haben bei der Taktikbesprechung offenbar die Ohren auf Durchzug gestellt, liefern sich eine Partie mit offenem Visier. 21. Minute: Jung verliert ein Offensiv-Duell, Kevin de Bruyne setzt Daniel Caligiuri ein, der mühelos einschießt - 0:1, RB ist dabei offen wie eine Cord-Hose. 26.: Jung diesmal unwiderstehlich, fällt im Strafraum, Schiri Thorsten Kinhöfer winkt ab. Warum eigentlich?
28. Minute: VfL-Konter, Rodnei rettet vorm einschussbereiten de Bruyne, im Gegenzug wird Forsberg gerade noch gestoppt. 33.: Forsberg schießt, ein VfL-Spieler wehrt ab, Yussuf Poulsen scheitert im Nachschuss, steht aber nach (irriger) Annahme des Linienrichters im Abseits. 42.: Tim Sebastian verletzt sich im Duell mit Dost am Knie (Innenband), muss raus. Sebastian Heidinger kommt, geht auf rechts, Klostermann wechselt ins Abwehrzentrum. WM-Held André Schürrle vergibt aus Nahdistanz das 0:2.
Pause, Durchatmen. Geht noch was für den beherzten Außenseiter?
Wiederbeginn ohne den angeschlagenen Damari, Ante Rebic stürmt jetzt. 49. Minute: Rodnei klärt in höchster Not vor Dost. 50.: Jung auf Rebic, der scheitert am herausstürzenden Benaglio. 57.: Dost rutscht nach De-Bruyne-Pass am 0:2 vorbei. Die anschließende Ecke bringt die Vorentscheidung, Klose rammt seinen mächtigen Körper in die Luft und den Ball per Kopf ins Tor. Rodnei ist dran am Wolf, aber chancenlos. Letzteres gilt auch für Keeper Fabio Coltorti.
Nach 58 Minuten führt das Team des Ex-Leipzigers Dieter Hecking 2:0. Es könnte auch 3:3 stehen.
Der Rest des Spiels ist schnell erzählt, hat nicht mehr viel mit Hurra-Fußball zu tun. RB kämpft mit Hingabe und halbgaren Möglichkeiten um den Anschluss, der VfL hat durch Schürrle, de Bruyne und Co. noch Chancen zum 0:3.
Abpfiff, raus mit Applaus. Beierlorzer zollt den Gästen Respekt: "Das 0:1 war ein super Tempo-Gegenstoß." Aber der RB-Coach lobt auch seine Jungs: "Wir haben alles versucht und gegeben. Das Publikum war sensationell, hat meine Mannschaft zu Recht gefeiert. Gegen Wolfsburg kann man verlieren."
RB: Coltorti - Klostermann, Sebastian (42. Heidinger), Rodnei, Jung - Demme (66. Reyna) - Kaiser, Forsberg, Kimmich - Damari (46. Rebic), Poulsen.
Wolfsburg: Benaglio - Jung, Naldo, Klose, Schäfer - Luiz Gustavo, Guilavogui (86. Träsch) - Caligiuri, De Bruyne (89. Seguin), Schürrle - Dost (82. Bendtner).
"Tore fallen immer zum richtigen Zeitpunkt"
VfL-Trainer Dieter Hecking traut RB in Liga zwei noch eine Siegesserie zu


Leipzig. Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking (50) sprach nach dem Pokal-Match auch über seine Erinnerungen an den VfB Leipzig und die Perspektive für RB.

Was hat heute den Unterschied zwischen beiden Teams ausgemacht?
Beide Mannschaften hatten viele Torchancen. RB hat es nicht geschafft, ein Tor zu machen, wir haben unsere Möglichkeiten genutzt. Die Zeitpunkte unserer Treffer waren dabei egal. Tore fallen immer zum richtigen Zeitpunkt. Wir haben große Lust, in diesem Wettbewerb möglichst lange dabei zu bleiben. Die Mannschaft spielt jedes Match bis zum Anschlag, das ist sensationell. Manchmal würde ich den Jungs wünschen, dass sie die Erfolge auch mal genießen können, jetzt geht es am Sonnabend aber schon wieder nach Augsburg.
Sie kennen das alte Zentralstadion noch aus ihrer Spielerzeit beim VfB Leipzig, wie gefällt Ihnen die neue Arena?
Ich war das erste Mal heute hier. Wenn man den alten Kasten kennt, ist das ein Quantensprung. Der Standort Leipzig verträgt eine Mannschaft, die irgendwann auch Bundesliga spielen kann. Man merkt ja, welche ambitionierten Ziele vorgegeben werden. Heute war die Stimmung sehr gut. RB wird seinen Weg gehen können, aber der Weg ist noch steinig. Dafür braucht man die nötige Geduld.
Trauen Sie RB Leipzig den Aufstieg in dieser Saison nicht mehr zu?
Es sind noch genügend Spieltage. Wenn die Leipziger so spielen wie heute, ist noch eine Siegesserie drin. Aber die zweite Liga ist so eng, da brauchst du auch einen Einbruch der ersten Drei. Sie sind schon ein Stück weg und wirken extrem stabil.

Interview: Matthias Roth
"Wolfsburg war einfach effektiver"
Nach Pokal-Aus: Dominik Kaiser betrachtet die Saison als "überhaupt noch nicht gelaufen"

Leipzig. Mittelfeld-Motor Dominik Kaiser (26) führte RB gestern einmal mehr als Kapitän aufs Feld. Nach dem Pokal-Aus stellte er sich den Fragen der LVZ.

Warum hat es heute nicht gereicht?
Wolfsburg war einfach effektiver. Sie haben in der Anfangsphase unsere Angriffe abgewehrt, da hätten wir in Führung gehen können. Dann hat der VfL eiskalt zugeschlagen. Über 90 Minuten gesehen ist Wolfsburg verdient eine Runde weiter.
Welche Rolle haben die Zeitpunkte der Tore gespielt?
Gerade das zweite Tor nach einer Standardsituation hat das Spiel schon mitentschieden. Das war sehr, sehr unglücklich. Wir haben danach versucht, nach vorn noch die eine oder andere Situation zu gestalten und zum Abschluss zu kommen. Die letzte Power hat dann aber gefehlt, um ein Tor zu erzielen. Die Wolfsburger haben heute wieder gezeigt, welche enorme Qualität sie haben. Deshalb stehen sie in der Bundesliga und auf europäischer Ebene sehr gut da.
Im Pokal ausgeschieden, in der Liga den Anschluss zu den Aufstiegsplätzen verloren: Ist für RB die Saison damit schon gelaufen?
Nein, die Saison ist überhaupt noch nicht gelaufen. Wir haben am Montag ein extrem interessantes Spiel in Karlsruhe. Das wird wieder eine Riesenherausforderung. Im Hinspiel haben wir verdient gewonnen. Jetzt wollen wir nach dem Union-Spiel den nächsten Dreier landen. Unabhängig, wo es uns in den nächsten Wochen noch hinführt, wollen wir auf jeden Fall gute Spiele abliefern und dabei möglichst viele Punkte holen. Wir werden sehen, was dann noch herauskommt.

Interview: Matthias Roth
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