LVZ vom 30.05.2015, Rangnicks Mission

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Rumpelstilzchen
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LVZ vom 30.05.2015, Rangnicks Mission

Beitrag von Rumpelstilzchen » Fr 29. Mai 2015, 22:41

Rangnicks Mission
Sportdirektor übernimmt für ein Jahr auch den Trainerposten bei RB Leipzig: "Die Vorteile überwiegen"


von Steffen Enigk
leipzig. Ralf Rangnick nahm noch einen Schluck aus der Dose und sagte dann den letzten und wohl schönsten Satz der Pressekonferenz: "Ich habe schon ein genaues Bild im Kopf, was in Leipzig los ist, wenn wir den Bundesliga-Aufstieg geschafft haben." Dafür geht der 56-Jährige nun doch selbst in die Bütt, wird Chefcoach von RB. Zunächst für ein Jahr in Personalunion als Sportdirektor. "Es ist die sinnvollste Lösung, ich kenne die Mannschaft, und wir haben so die Möglichkeit, auch Spieler für uns zu begeistern, die wir sonst nicht bekommen würden." Und: "Ich hätte auch so die sportliche Verantwortung in Leipzig getragen, nun übernehme ich sie komplett."
Lange hatte Rangnick sich gesträubt, lange mit sich gerungen, die Risiken abgewogen. Am Mittwoch gab er sein Ja-Wort. "Weil die Vorteile überwiegen." Und weil Trainer-Wunschkandidaten wie Tuchel, Gisdol, Weinzierl oder Lewandowski für RB nicht zur Verfügung standen. "Es ist nicht einfach, Menschen von Visionen zu überzeugen."
Rangnick hatte sie stets. Mit Schalke habe er im ausverkauften Mailänder San Siro gespielt, im Halbfinale der Champions League, danach seine erste Partie für Hoffenheim vor 1500 Zuschauern absolviert. Doch er führte die TSG von der dritten in die erste Liga, zuvor gelang ihm auch mit Ulm der Sprung in die Bundesliga. Bei beiden Klubs, auch zeitweise in Hannover, hatte er in der Doppelfunktion als Sportchef und Coach die fast absolute Macht und Belastung. "Das ist also nicht neu für mich, ich weiß, was man für Aufstiege braucht. Aber das wird hier keine One-Man-Show."
RB-Chef Oliver Mintzlaff sprach gestern von der Idealbesetzung, von einer neuen Zeitrechnung. Und er kündigte an, Rangnicks 2016 auslaufenden Vertrag noch vor dem Trainingsstart am 15. Juni langfristig zu verlängern. Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz sei immer informiert und involviert, lasse dem Verein aber freie Hand. "Er wollte mich ja schon vor drei Jahren als Trainer verpflichten, jetzt wird sein Wunsch erfüllt", erklärte Rangnick lächelnd, "er hat gestrahlt."
Schon vor Monaten hatte Rangnick seinen Abschied als Salzburger Sportdirektor für den Sommer verkündet. Das ständige Pendeln entfällt, nun gilt Leipzig die volle Konzentration. "Aber der Trainerjob erfordert eine ganz andere Präsenz, ich muss an sechs Tagen in der Woche da sein, das ist auch für die Familie eine Umstellung", weiß Rangnick, "aber ich freue mich darauf." Angst um seine Gesundheit hat er nicht. 2011 war er bei seiner zweiten Schalke-Station ausgebrannt zurückgetreten, legte bis zur RB-Verpflichtung im Jahr danach eine Pause ein. "Ich habe meine Lektion gelernt, fühle mich besser als je zuvor", meinte er gestern: "Aber natürlich muss ich aufpassen - wie jeder in einer Führungsposition, auch in der Wirtschaft."
Seine drei Jahre in Leipzig bezeichnete er als Erfolgsgeschichte, nicht nur wegen der von Mintzlaff gerühmten "sensationellen Entwicklung im Nachwuchs". Auch bei den Profis sei es stetig vorangegangen. Rangnick: "Aufstieg, Aufstieg, jetzt Platz fünf und Pokal-Achtelfinale, im Schnitt 25000 Zuschauer - das hätte ich damals sofort unterschrieben." Aber es sei eben noch mehr möglich gewesen, siehe Darmstadts Durchmarsch mit einem gewachsenen Team. RB werde einen anderen Weg gehen, sich auch in Liga eins nach oben orientieren. Doch zunächst muss Rangnick hoch, dafür wird er seinen Kader umkrempeln - und viel investieren. "Wir können jetzt eine Mannschaft zusammenstellen, in der es keine emotionalen Störungen mehr gibt." Sein Ziel: Eine auf allen Positionen doppelt in höchster Qualität besetzte Truppe, in der jeder eine Chance und Perspektive hat.
Entscheidend sei aber die tägliche Arbeit auf dem Platz. Als Beispiel nannte er den Salzburger Höhenflug unter Roger Schmidt 2013/14. "Das war eine raketenhafte Entwicklung, man konnte im Training zuschauen, wie die Spieler explodieren." Das schwebt Rangnick auch in Leipzig vor, dafür tritt er an. Dass er es kann, hat er oft genug bewiesen.
Transfer mit Signalwirkung
Kaiserslauterns Kapitän Willi Orban unterschreibt bis 2019 bei RB, weitere Neuverpflichtungen sollen folgen


leipzig. Er ist vielleicht der beste Innenverteidiger der 2. Liga, wurde von Bundesligisten wie Mönchengladbach und Köln sowie Clubs aus der englischen Premier League umworben. Als Kaiserslauterns Kapitän Willi Orban am Mittwoch mit seinem Berater in Leipzig vorsprach, war das nur ein Höflichkeitsbesuch. "Wir standen auf dem vorletzten Platz der Liste", erzählte Ralf Rangnick, "und hatten zwei Alternativen: Entweder gleich wieder zu gehen oder dem Jungen zu sagen, was hier passieren wird." Nämlich dass Rangnick den Trainerposten übernimmt.
Letzteres geschah - und RB kletterte von Rang acht auf eins. Der 22-Jährige unterschrieb bis 2019 und wechselt für die festgeschriebene Ablöse von zwei Millionen Euro nach Leipzig. Ein echter Coup. Der U21-Nationalspieler gilt als eines der größten deutschen Talente - so wie der bereits von Werder Bremen verpflichtete Davie Selke, 20, im Sturm
"Orban hat sich wegen Ralf Rangnick für uns entschieden", sagte RB-Vorstands-Chef Oliver Mintzlaff, "er hat einen ganz anderen Zugang zu jungen Spielern." Und eine enorme Überzeugungskraft, weil er schon viele Youngster nach oben führte. Mintzlaff glaubt: "Dieser Transfer hat Signalwirkung"
Rangnick ist sich sicher, dass auch andere Top-Akteure dem RB-Ruf in Liga zwei folgen werden, und dies nicht nur des Geldes, sondern auch der sportlichen Perspektive wegen. "Orban und Selke hätten woanders mehr verdienen können als bei uns." So kündigte der Coach an: "In den nächsten Wochen wird noch einiges passieren."
Klar ist: Neben dem Belgier Massimo Bruno, 21, wird mit Marcel Sabitzer ein weiterer Offensivmann aus Salzburg kommen, obwohl sich der Österreicher zuletzt nicht gerade begeistert über Leipzig äußerte. "Er hat 2014 aus freien Stücken bei uns unterschrieben, mit der einjährigen Ausleihe nach Salzburg", betonte Rangnick, "und er hat sich dort toll entwickelt, das war eine Win-Win-Win-Situation."
Deshalb denke man gar nicht daran, den 21-Jährigen abzugeben, sondern sehe seine Zukunft in Leipzig. "Auch unsere noch kommenden Transfers werden Marcel zeigen, dass wir der richtige Schritt für ihn sind", meinte Rangnick und erklärte: "Wir suchen weitere Sabitzers." Steffen Enigk
Mehrere Wechsel im RB-Trainerstab

Von Steffen Enigk
Leipzig. Umbruch in der Mannschaft, Umbruch auch im Trainerstab. Achim Beierlorzer, nach Alexander Zornigers Entlassung Interimscoach in der Rückrunde, muss zwar den Chefposten räumen, bleibt aber bei den Profis und wird Assistent von Ralf Rangnick. "Wir haben ihm schon vor Wochen gesagt, dass wir mit einem neuen Trainer in die neue Saison gehen", erklärte Rangnick, "Achim hat gute Arbeit geleistet, ihm fehlt aber etwas die Erfahrung. Er wird weiterhin Teile des Trainings leiten und Verantwortung tragen. Ich freue mich, dass er unser Angebot angenommen hat."
Neben Beierlorzer wird es einen zweiten Assistenten geben, über den Rangnick noch nicht entschieden hat. "Ich möchte, dass wir in einem Dreier-Team arbeiten", sagte er. Der bisherige Co-Trainer Tamas Bodog wird wohl nicht dazugehören, über seine Zukunft mochte sich RB gestern nicht äußern.
Frederik Gößling von Greuther Fürth trainiert ab sofort die Torhüter. Perry Bräutigam, bislang in dieser Position unter Vertrag, ersetzt als Torwart-Koordinator und -Scout Thomas Schlieck, der den Verein aus privaten Gründen verlässt.
Rangnick hält nach wie vor große Stücke auf Bräutigam. "Ich hoffte, dass irgendwann einmal eine Nummer eins aus unserem eigenen Nachwuchs kommt, einer wie Manuel Neuer oder Ron Robert Zieler", meinte er, "Perry traue ich zu, dass er so ein Talent für uns findet und entwickelt."
Einen Wechsel nimmt Rangnick auch bei den "Fitmachern" vor. Nicklas Dietrich von Bundesligist 1899 Hoffenheim betreut künftig das Leipziger Zweitliga-Team als neuer Athletiktrainer zusammen mit Kai Kraft. Tim Lobinger ist zwar nicht mehr für die erste Mannschaft zuständig, bleibt aber Athletik-Coach bei den Roten Bullen - in der Regionalliga für die U23.
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